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Waagen
Waagen gab es schon in vorgeschichtlicher Zeit als gleicharmige Balkenwaage und als Römische Schnellwaage (Hebelwaage) 1400 v. Chr. in Ägypten, bei den Etruskern (8. - 1. Jh. v. Chr.), bei den Römern und im alten China.
Die älteste im Norden gebräuchliche Waage war die Besemer (s. d.) (dän. Bismer) auch schwedische Waage genannt, die ebenfalls eine Hebelwaage war.
Bismerpfund war eine dänische Gewichtseinheit und entsprach 12 Pfund.
Im späten Mittelalter setzte eine Spezialisierung und Verfeinerung der Waagen ein (Münz-, Apothekerwaagen). 1669 erschien eine Tafelwaage (das zu wiegende Gut wurde nicht gehängt, sondern auf eine Platte gestellt) und etwas später die Federwaage. Im 18. Jh. wurde eine Brücken- und Fuhrwerkwaage erfunden. 1821 erschien die Dezimalwaage.

Wade / Wadenfischerei
Zugnetz das aus zwei Flügeln bestand, die als Teile des Netzes mit Leinen in Booten endeten. Es bestand aus dem eigentlichen Fanggerät (Hamen) und einem sackförmigen Netz. Damit das Netz schwamm befanden sich oberhalb Korken als Schwimmer.
Die Wadenfischerei wurde hauptsächlich von Holmer Schleifischern betrieben. Sie hatten seit dem 12. Jh. das Recht zur Wadenfischerei auf der ganzen Schlei, das ihnen 1480 durch König Christian I. von Dänemark bestätigt wurde.
Zwischen Schleswiger und Arnisser Fischern kam es ab 1846 zu einem erbitterten Streit, als ihnen letztere den schleiaufwärts ziehenden Hering schon in der Unterschlei wegfangen wollten.
35 Gottorfsche Soldaten beschlagnahmten in Arnis die Waden. Trotzdem führten die Arnisser die Wadenfischerei weiter fort.

Wagengestellung
Ähnlich den Hof- und Spanndiensten (s. d.) hatten die Hufner auch Wagen zu stellen wenn z. B. der König, ein Regierungsbeamter oder Superintendent reiste, oder bei Visite des Amtmannes, des Hardesvogtes oder einer Kommission. Wagenstellung galt auch im Kriegsfall für das Militär oder wenn z. B. Strauchwerk aus den Wäldern für öffentliche Bauzwecke geholt werden musste. Eine Entschädigung erhielten sie dafür nicht.
"Freie Fuhren" gehörten zu ihren Pflichten.

Währungsreformen
1813 wurde von der dänischen Regierung der bestehende Reichsthaler (Rthlr.) durch den Reichsbanktaler (Rbtlr.) abgelöst, der eine Währungsumstellung zur Folge hatte. 1 Rthlr. = 5/8 Rbtlr..
1871-1873 Sie vereinheitlichten die unterschiedlichen Währungen in den einzelnen deutschen Staaten. Die herkömmlichen Währungseinheiten Taler, Gulden, Kreuzer und Groschen wurden auf Mark umgestellt. Bayern stelle 1876 als letztes Land um.
1923 machte die rasch fortschreitende Inflation eine Grundlegende Reform unumgänglich. Ein harter Währungsschnitt war gleichzeitig eine Voraussetzung für Gustav Stresemanns Verhandlungen mit den Siegermächten über die deutschen Reparationen.
Mitte Oktober 1923 kehrte die Deutsche Reichsregierung mit der Errichtung der Deutschen Rentenbank zu einer stabilen Währung zurück. Da das Deutsche Reich dafür nicht genügend Grundkapital hatte und nicht über ausreichende Goldvorräte verfügte, wurde der Grundbesitz von Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe mit einer Hypothek von 3,2 Milliarden Rentenmark belastet.
Die Rentenbank begann ab dem 15. 11. 1923 die Rentenmark als neues Zahlungsmittel herauszugeben. Der Wechselkurs einer Rentmark wurde mit einer Billion Papiermark festgelegt. Ein US-Dollar entsprach 4,20 Rentmark.
Die Rentmark war aber nur eine Übergangslösung zur Überwindung der Inflation und wurde am 30. 8. 1924 durch die Reichsmark abgelöst, die durch Gold und wertbeständige Devisen gedeckt war.
1948 nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Währungsreform in zwei Schritten. Jeder Staatsbürger erhielt für 600 Reichsmark 60 Deutsche Mark. Davon wurden am 20. Juni 1948 ein "Kopfgeld" von 40 DM und einen Monat später 20 DM ausgezahlt.
Verbindlichkeiten wurden mit einem Kurs 10:1 (10 Reichsmark = 1 DM) umgestellt.
Löhne und Mieten im Kurs 1:1.
Das restliche Sparguthaben (Bargeld) wurde im Laufe mit 6,5 % aufgewertet.
Das neue Geld wurde in Amerika gedruckt. Mit der Operation "Bird Dog" wurden die neuen Banknoten bereits 1948 per Schiff von New York nach Bremerhaven transportiert, wo sie Ende Mai 1948 eintrafen. Von dort wurden sie in acht Sonderzügen in die Keller der Reichsbank in Frankfurt/Main gebracht. Die Geldmenge hatte ein Volumen von 13 Milliarden DM.
Die DDR machte drei Tage später am 23. Juni 1948 eine eigene Währungsreform. Jede Person erhielt 70 Reichsmark die im Verhältnis 1 : 1 umgetauscht wurden, wobei die alten Scheine einfach mit Kupons und Wertaufklebern versehen wurden. Im Volksmund hieß die Währung daher "Klebe-" oder "Tapetenmark".
1999 und 2002 wurde der Euro von 12 Staaten der Europäischen Union eingeführt. Es war keine Währungsreform sondern eine Währungsumstellung, da sämtliche bis 1998 existierenden Geldbeträge umgestellt wurden.
Ab 1999 galt der Euro zunächst als Buchgeld und wurde am 1. 1. 2002 als Bargeld eingeführt. Banknoten und Münzen der D-Mark wurden eingezogen und gebührenfrei in Euro umgetauscht.
Die Deutsche Mark wurde im Verhältnis 1 Euro = 1,95583 DM umgetauscht.

Wäpner
Von Wappenträger kommend. Aus dem Heermannenstand hervorgegangene Gruppe von Rittern.
Wagner
Beruf. Er fertigte Fahrzeuge aus Holz vom Schlitten bis zur Kutsche.

Wagrien / Wagrier
Nordöstlicher Teil Holsteins von der Kieler Förde bis zur Lübecker Bucht. (Heutiges Ostholstein).
Der Name geht auf den slawischen Stamm der Wagrier zurück die diesen Raum seit dem 7. Jh. bewohnten. Ihre Wagrierburg Starigard (Aldinburg) befand sich im heutigen Oldenburg in Holstein.
Die Wagrier waren ein westslawischer Volksstamm (s. u. Wenden). Im frühen 10. Jh. wurden sie von Otto I. (912 - 973) unterworfen und zum Christentum bekehrt. Sie behielten aber ihre eigenen Fürsten. Die Wagrier waren im westlichen Ostseeraum gefürchtete Piraten die die dänischen Inseln drangsalierten.
Im 9. und 10. Jh. überfielen sie mehrfach Hamburg und 1066 plünderten sie Haitabu und zerstörten es. Im 11. Jh. wurde die slawische Handelsstadt Vineta vernichtet.
1138/39 wurde das Gebiet der Wagrier von den Nordelbischen Sachsen verheert und unterworfen. Herzog Heinrich der Löwe (1129 - 1195) gab Wagrien als Lehen an den Grafen Adolf II. (1128 - 1164) von Holstein, der mit der Ansiedlung von deutschen Siedlern in Wagrien begann. Die Wagrier gingen im Laufe der Geschichte in der zugewanderten deutschen Mehrheitsbevölkerung auf und übernahmen deren Sprache.
(siehe auch unter Wenden)

Wahleltern / Wahlkind
Adoptiveltern / Adoptivkind.

Wahlrecht
Im Mittelalter errangen die Bürgerschaften der größten Städte ein weitgehendes Wahlrecht.
1849 führte Friedrich Wilhelm IV. (1795 - 1861) zur Wahl der zweiten Kammer des Preußischen Landtags das Dreiklassenwahlrecht (s. d.) ein. Die Wähler wurden nach ihren Steuerleistungen in drei Abteilungen (Klassen) eingestuft und hatten ein sehr unterschiedliches Stimmengewicht. Empfänger öffentlicher Armenunterstützung waren vom Wahlrecht ausgeschlossen.
1867 führte Otto von Bismarck (1815 - 1898) im Norddeutschen Bund das allgemeine Wahlrecht für Männer ein.
1871 erhielt auch das neugegründete Deutsche Reich das Männerwahlrecht ab einem Alter von 25 Jahren. 1871 waren noch 34 % der deutschen Gesamtbevölkerung jünger als 15 Jahre was dazu führte, dass nur knapp zwanzig Prozent der Gesamtbevölkerung wählen durften.
Bis 1888 galt für die Kreis- und Kommunalwahlen Schleswig-Holsteins kein demokratisches, sondern ein auf die Vermögensverhältnisse ausgerichtetes timokratisches Wahlrecht. Es war abhängig vom Besitz an Grund- und Boden und einer damit verbundenen Mindeststeuerleistung. Dabei wurde kräftig manipuliert.
1864 hatte eine Vollhufe 6, die größere Halbhufe 4, die kleinere 3, die Viertelhufe 2 und die Katen 1 Stimme.
1888 wurden die Vorrechte adliger Gutsbesitzer etwas beschnitten, obwohl sie auch weiterhin privilegiert blieben. Die unteren Bevölkerungsschichten blieben auch weiterhin von Wahlen ausgeschlossen.
1908 führte Dänemark ein Wahlrecht für Frauen bei Kommunalwahlen und 1915 volles Frauenwahlrecht ein.
Erst 1918 wurde in Deutschland das allgemeine Wahlrecht als demokratisches Prinzip eingeführt. Allgemeines Wahlrecht bedeutet Wahlrecht unabhängig von Rasse, Bildungsstand, Einkommen, Religion oder Geschlecht. Damit war auch das Frauenwahlrecht eingeführt. Die Wahlen müssen frei, geheim und persönlich sein.
(siehe auch unter Frauenwahlrecht)

Wahrheitsmänner
Auch Sandmänner von sand , dänisch = wahr. Man konnte sie als ehrenamtliche Richter ansehen. Sie mussten unparteiisch Recht sprechen. Urteilten sie wissentlich falsch wurden ihnen nicht nur sofort das Amt entzogen, auch ihre Güter wurden ihnen genommen. Sie hafteten mit ihrem Eigentum für Fehlentscheidungen.

Waldemarsmauer
Wikingerwall. Teil des Danewerks bei Schleswig (s. d.) von 1160 bis heute bestehend.
Erbaut von König Waldemar I. (1157 - 1182). Eine ursprünglich 5 m hohe und 5 km lange Backsteinmauer zur Wehr gegen Eindringlinge aus dem Süden. (s. a. Danewerk)

Waldemars Erdbuch
(siehe unter Erdbuch)

Walfang
Der Walfang spielte zwischen 1600 und 1800 eine große Rolle.
Deutscher Walfang begann 1644 von Hamburg aus wo König Christian IV. das Privileg für den Walfang an einen Hamburger niederländischer Herkunft vergab.
1675 gingen 75 Hamburger Schiffe auf Grönlandfahrt. Von Glückstadt aus startete 1671 aus das erste Schiff. 1673 wurde eine Walfangcompagnie in Friedrichstadt gegründet, 1749 Gründung der Grönländischen Compagnie. Sie betrieb Wal- und Robbenfang.
Auch auf den nordfriesischen Inseln, besonders auf Föhr, arbeitete ein großer Teil der männlichen Bevölkerung als Walfänger bei holländischen und englischen Grönlandfahrern.
Auf einem Walfänger arbeiteten 40 - 50 Personen die sechs bis sieben Schaluppen mit sich führten.
Seinen Höhepunkt hatte der Walfang bei uns im Norden von 1675 bis 1725. Er ging von Föhr, Flensburg und Glückstadt aus.
Von Föhr heißt es, dass während der Sommermonate alle gesunden Männer (Jungen oft von 10. Lebensjahr an) in den nordischen Gewässern auf Wal- und Robbenfang waren. Sie hatten bei Reedereien aus Amsterdam, London, Hamburg und Kopenhagen angeheuert. Im Jahr 1769 waren von den 6.146 Einwohnern von Föhr 1.600 Männer und Jungen auf See. Viele fanden dabei den Tod. "Ein Drittel aller Knaben die konfirmiert wurden, würden früh oder später den Seemannstod sterben" hieß es. Dieses Opfer an die See war größer als das der beiden Weltkriege. Die landwirtschaftliche Arbeit zu Hause blieb voll den Frauen überlassen. Aber ein anderer Brauch war für sie viel schlimmer, wenn ihr Mann als Walfänger auf See blieb, dann durfte sie in zweiter Ehe keinen Föhrer heiraten. Fremde aber kamen nicht auf die Insel oder wurden sofort vergrault. So blieben Walfängerwitwen fast immer ledig.
Auf einem Grabstein in Föhr heißt es von Matthias Petersen (1632 - 1706) dass er in Grönland 373 Wale gefangen hatte und darum im Dorf "der Glückliche" genannt wurde.
Tran der Wale und Robben wurde als Brennstoff, zur Beleuchtung mit Tranlampen und in der Industrie für Seifen, Salben, Gelatine und Fette benötigt.
In den Küstenstädten gab es zahlreiche Transiedereien.
Besonders der im Kopf des Wales enthaltene Walrat eignete sich für besonders hell brennende Kerzen, zum Reinigen der Wäsche und als Schmiermittel. Das im Darm des Wales vorhandene Ambra war wichtig für die aufkommende Parfümindustrie. Aus den Barten des Wales wurde Fischbein hergestellt.
Die Erfindung des Petroleums 1859 mit ähnlichem Einsatzgebieten wie dem Tran, brachte den Walfang fast zum Erliegen.
1863 wurde in Deutschland eine Harpunenkanone erfunden. Dadurch war es möglich nicht nur den Pottwal, sondern auch die schnelleren Blau- und Finnwale vom Mutterschiff aus zu fangen.

Wallacher
Pferdeverschneider der mit primitiven Methoden Hengstfohlen kastrierte indem er die Testikel (Hoden) abbiß. Beruf mit wenig Ansehen.

Wandeltisch u. Wandelschule
In früherer Zeit hatte der Lehrer seine Kost und seine Schlafstelle reihum in den Familien mit schulpflichtigen Kindern. Hier genoss er den Wandeltisch.
Schule fand dort statt, wo der Lehrer seine Schlafstelle hatte (Wandelschule). Siehe auch unter Schule.

Wanderjahre
Wanderschaft zünftiger Gesellen nach Abschluss ihrer Lehrzeit mit sehr strengen Zunftregeln (in Artikeln oder dem Artikelbuch festgehalten) die mit großem Traditionsbewusstsein gepflegt wurden. Für Gesellen ab dem Spätmittelalter bis zur beginnenden Industrialisierung waren die Wanderjahre Voraussetzung zur Ablegung der Meisterprüfung.
Gesellen auf Wanderschaft waren Fremdgeschriebene oder Fremde.

Wang
Bei der Aufteilung der Anteile in einer Feldgemeinschaft wurden die einzelnen Stücke gleicher Beschaffenheit (= Wang) an die Loseigner verlost. Jedes Wang wurde wiederum der Länge nach aufgeteilt, damit wirklich jeder in den Genuss gleichgroßer und gleichguter Landqualität kam. Dieses führte zu einer starken Zerstückelung der Ländereien.

Wardierer / Wardierung
Amtliche Schätzer u. Taxierer. (wardieren = Wert bestimmen). Schätzungen.

Warft / Wurt
Künstlich aufgeworfener runder Besiedelungshügel aus Erde auf den Halligen (s. d.) auf denen die Häuser und Höfe zum Schutz vor Hochwasser bei Sturmfluten errichtet wurden.
Erste Beschreibungen von Warften stammen aus dem 13. Jh.
Die nach der Fläche größte Warft war mit fast drei Hektar die Hanswarft auf der Hallig Hooge.
Die jüngste war die nach fünfjähriger Bauzeit 1896 fertig gestellte Neupeterswarft auf Langeneß. Sie wurde aber seit 1952 nach einer Zerstörung des Wohnhauses bei einer Sturmflut aufgegeben.

Waschen / Wäsche
Siehe unter Buchenasche, büken, Büktisch, Bükbrett, Rüffel, Seife.

Wasserlösung
Öffentliche Regelung zum Umgang mit Wasser (Regen, Bachläufe usw.) Jeder Landbesitzer musste dem höher gelegenen Anlieger Wasserlösung geben, d. h. Möglichkeiten zur Durch- und Ableitung von Wasser auf seinem Grundstück an das tiefergelegene. Dazu mussten Bäche und Abzugsgräben rein gehalten werden. Der Obere durfte dem Unteren aber nicht verwehren das Wasser durch Anstauen zur Bewässerung seiner Grundstücke zu gebrauchen. Die Anstauungen durften aber nicht so hoch sein, das sie zum Schaden des Oberen führten.

Wasserprobe
Eine Folterungsart bei Hexenprozessen um Schuld oder Unschuld der Angeklagten herauszufinden. Die Wasserprobe wurde als sog. Gottesurteil angesehen. Die Beklagte wurde an Händen und Füßen gefesselt. An einen langen Strick gebunden wurde sie in tiefes Wasser geworfen. Ertrank sie so war sie unschuldig, denn das "heilige Wasser" hatte sie aufgenommen. Ertrank sie nicht, war sie schuldig.
Die Wasserprobe war zumeist die letzte nach peinlicher Befragung, Daumenschrauben, Streckung auf der Streckbank, Feuerproben u. a.
(Siehe auch unter Strafen des Mittelalters)

Wassersucht
Wassergeschwülste die oft zum Tod führten. Unterteilt in Hautwassersucht des gesamten Körpers, Bauchwassersucht und Brustwassersucht. Organe wurden eingepresst, Glieder abgeschnürt und die Atmung behindert. Sehr schmerzhaft.

Wasserversorgung in den Städten
Flensburg hatte eine bis ins Mittelalter zurückgehende Wasserversorgung mittels öffentlicher Brunnen in den Straßen und auf den Plätzen der Stadt. Nach Plänen von 1879 wurde 1881 mit der Installation einer zentralen Wasserversorgung begonnen. Anfangs wurden nur die tiefliegenden Gebiete der Stadt versorgt. 1901 wurde der erste Wasserturm gebaut, wodurch Wasser auch in höhere Lagen gedrückt werden konnte. 1962 wurde ein zweiter Wasserturm im östlichen Teil der Stadt fertig gestellt.
Der Transport von Wasser ab etwa 1700 in den Städten geschah in Holzrohren (ausgehöhlte Baumstämme). Von Schleswig heißt es, dass das Holz faulte und das Wasser einen schlechten Geschmack bekam. Außerdem wurden die Holzrohre undicht und verloren viel Wasser. 1856 wurde in Schleswig die Auswechslung der alten Holzrohre gegen dreizöllige Eisenrohre vorgenommen. 1897 wurde in Schleswig ein erstes Wasserwerk gebaut.

Wattenpost
Bis ins 19. Jh. hinein waren die nordfriesischen Inseln und Halligen von der allgemeinen Post abgeschnitten. Die Bewohner mussten sich ihre Post in Husum abholen. Schon im 17. Jh. organisierte sich eine private Wattenpost einzelner Schlickläufer (s. d.), die bei Ebbe Post zu Fuß auf die Inseln brachten. Es war eine gefährliche Tätigkeit wenn plötzlicher Nebel einsetzte. Etliche Schlickläufer fanden den Weg nicht mehr zurück.
Eine Wattenpost mit Pferd und Wagen betrieb eine Familie in Cuxhaven von 1880 bis 1997.

Web
Nordfriesische Bezeichnung für derbes eigengemachtes Zeug, Kleidung, Textilien.

Wegeverordnung
Schon im Jütschen Low (s. d.) von 1240 wurde bestimmt, dass jedes Dorf vier Zugangswege haben solle, den vier Himmelsrichtungen entsprechend. Dieser Bestimmung wurde fast bei allen Dörfern Rechnung getragen.
1724 hieß es in einem königlichen Erlass, dass die Landstraßen, Stege, Wege, Brücken und Dämme in einem so schlechten Zustand seien, das selbige in der Herbst- und Winterzeit nicht anders als mit Leib- und Lebensgefahr passiert werden konnten.
1784 erließ König Christian VII. (1749 - 1808) eine Wegeverordnung für die sehr schlechten Straßen des Herzogtums Schleswig. Die Dörfer hatten die Straßen in Ordnung zu halten. Jedes Dorf bekam einen bestimmten Straßenabschnitt zugewiesen und darin wiederum hatte jeder Bauer eine bestimmte Länge zu unterhalten.
Es handelte sich ausschließlich um "Naturstraßen" = festgefahrene Wege. Erst ab etwa 1850 kam es langsam zum "Kunststraßenbau" deren Unterhaltung oblag dem königlichen Ingenieur Corps auf Staatskosten.
1835 wurden in einer neuen Wegeverordnung die Kontrolle der Straßen und eine Wegweisung vorgeschrieben.
Für die Benutzung der Straßen mussten Gebühren bezahlt werden. In bestimmten Abständen waren Zoll- und Mautstellen errichtet. Davon künden noch heute Ortsnamen wie Zollhaus u. a..
Vom 1. 3. 1842 (zweite Wegeverordnung für Schleswig-Holstein) bis 1864 wurden Chauseegelder erhoben, dann aber abgeschafft.
Es gab erste Verkehrsregeln: "Königlichen Gespannen und beladenen Postwagen war auszuweichen."

Wehle
Friesische Bezeichnung für an der Binnenseite des Deiches gelegenen meist kleinen Süßwasser-Teiche. Entstanden waren sie aus früheren Deichbrüchen. Es gab aber auch größere; die Wehle Diekhusen war etwa 1.800 qm groß und wahrscheinlich der Rest eines alten Eiderbettes.

Wehmutter
Hebamme.

Weibertür
Bis ins 18. Jh. hinein hatten viele Kirchen zwei Eingänge. Eine Haupttür mit Vorbau zur Ablage der Waffen für Männer auf der Südseite und eine Nebentür, Weibertür für Frauen auf der Nordseite. Die Plätze in der Kirche waren für Männer und Frauen getrennt; Männer auf der Süd- und Frauen auf der Nordseite. Wegen auftretender Zugluft wurden viele Weibertüren im Laufe der Zeit wieder zugemauert.

weilland
Verstorben.

Weißgerber
Beruf. Er stellte aus dünnen Fellen feines Leder für Taschenmacher, Säckler, Gürtler und Buchbinder her.

Welschen
Germanische Bezeichnung für die Kelten.

Weltuhr
Historische, 1908 von dem Tönninger Bürgermeister Erasmus Ehrich entworfene und gestaltete Uhr von 4 m Länge und 3,75 m Höhe für die in Thale im Harz extra ein Haus gebaut wurde. Der Heimatmaler aus Langballig Eduard Remmer bekam den Auftrag für 15 Miniaturgemälde mit Bildern unserer deutschen Geschichte und die Gestaltung von 9 Zifferblättern mit Motiven der großer Weltstädte in der Mitte der Uhr, die die Urzeiten der größten Weltstädte anzeigten. Uhr und Bilder wurden von der Presse und in Reden als ganz große Kunst herausgestellt. Außer den Urzeiten wurden auch Tag- und Nacht angezeigt. Die Weltuhr wollte Erasmus Ehrich dem Kaiser zum Geschenk machen, aber ehe es noch dazu kam, musste der Kaiser abdanken.
Nach der Fertigstellung wurde die Uhr im Kurhaus in Wiesbaden ausgestellt bevor sie in ihr Haus nach Thale verbracht wurde.
Das Verbleiben der Uhr ist ungewiss. Wurde sie aus Wut über den verlorenen Krieg zerstört oder als Beutekunst von den Siegermächten mitgenommen, man weiß es nicht.

Wenden
Auch Elbslawen. Die im 6. und 7. Jh. nach Ost- und Norddeutschland eingewanderten Westslawen. Zunächst siedelten sie entlang der Elbe und der unteren Saale. Im 8. Jh. dehnten sie ihr Gebiet auch bis an die Ostsee aus. In den neuen Siedlungsgebieten kam es zur Bildung von Stammesverbänden. Mit den Abodriten (s. d.) kam es im 11. Jh. zu einer frühen "Staatenbildung" im heutigen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Die Slawen (Wenden) kämpften mit den Dänen und Schleswig-Holsteinern um die Vorherrschaft im südlichen Ostseeraum. Endlich unterlagen die Slawen.
Vom 11. bis 13. Jh. kam es zu einer Verschmelzung der Elbslawen mit den neu zugewanderten deutschen Siedlern und es bildeten sich deutsche Neustämme, die Brandenburger, Mecklenburger, Pommern und Schlesier.
Die Sorben z. B. in der Lausitz haben sich ihre slawische Sprache, Bräuche und Sitten bis heute erhalten.
Die Wenden waren ein räuberisches und kriegerisches Volk, dass auch brandschatzend und plündernd durch den Landesteil Schleswig zog, christliche Kirchen zerstörte und Haitabu vernichtete.
(siehe auch unter Lürschauer Heide, Wagrien)

Wettertopf
Vom Glücksburger Pastor Lüders entwickeltes Gerät zur Vorhersage des Wetters. Pastor Lüders stellte saure Milch in einem schwarzen Topf auf und erhitzte ihn "auf dem Feuerherd, einige Ellen weit von dem Feuer, oder sonst an warmem Ort". Lüders sagte die Wetterentwicklung voraus, indem er die Milch beobachtete.
"Je weißer und fester sie im Obern stehen bleibt, desto beständiger ist das Wetter ohne Regen. Fängt sie aber an zu sinken und die Waddick (Käsewasser Molke) hebt sich, so kommt unfehlbar Regen".
Je nach Ausdehnung der Milch bestimmte Lüders auch die zu erwartende Regenmenge.
Lüders war von der Vorhersagerichtigkeit seines Wettertopfes überzeugter als vom Wetterglas (Barometer).

Widau / Vidae
69 km langer ehemaliger nördlicher Grenzfluss von Nordfriesland zu Dänemark. Die Widau entsteht 4 km südwestlich von Tondern aus dem Zusammenfluss von Arnau und Wirlau und mündet in der Nordsee. Sie verläuft immer an der nördlichen Seite der Grenze zwischen Deutschland und Dänemark.

Widder
Hydraulisch arbeitende Wasserversorgung ohne Fremdenergie für Ställe. Sie dient dazu Wasser auf ein höheres Niveau (durchschnittlich 30 cm bis 5 m) zu pumpen. Voraussetzung ist eine größere Wassermenge (Bach, See) in höherer Lage und ein gewisses Gefälle zum Hof. Der Widder arbeitet stromlos mit der Kraft des höher gelegenen Wassers. Zwei Ventile Stoß- und Druckventil sorgen für richtige Regulierung. (s. u. Trinkwasserversorgung). Viele unserer Dörfer regelten ihre Wasserversorgung mittels Widdern.
Erfunden wurde der Widder 1796 vom Erfinder des Heißluftballons Montgolfier.

Wiedergänger
Im nordischen Aberglauben Tote, die wegen schwerer Vergehen keine Ruhe finden können und nachts durch die Häuser geistern.

Wielegelt
Traugebühr neben dem Brautopfer. Gabe die der Bräutigam zur Trauung an den Pastor gibt.

Wiesenwachs
Ernte an Gras oder Heu.

Wikinger
Angehörige eines kriegerischen zur See fahrenden Volkes im Nord- und Ostseeraum die auch Normannen genannt wurden. Sie stellten nur einen kleinen Teil der nördlichen und skandinavischen Bevölkerung dar, das vom 8. bis ins 11. Jh. durch Piraterie und Überfälle auf Dörfer und Klöster besonders den Nord- und Ostseeraum, aber auch Meere darüber hinaus in Angst und Schrecken versetzten. ("Seewasserbanditen" die auf ihren Beutezügen auch Menschen einfingen und mit Sklaven handelten). Sie waren aber nicht nur wilde Barbaren sondern auch gute Händler, geschickte Seefahrer und hervorragende Handwerker und Schiffbauer. Einer ihrer großen Handelsplätze war Haithabu (s. d.)
Erstmalige Erwähnung fanden sie 793 n. Chr. als sie das Kloster Lindisfarne überfielen, ausraubten und niederbrannten. Die Bewohner wurden getötet.
Ihren Namen verdanken sie wahrscheinlich vom abgeleiteten viking, was "Seekrieger, der sich auf großer Fahrt fern der Heimat befindet" bedeutet.

Wildbestand
In früher Zeit war der Norden reich an Wald und an Wild. Im alten "Schonischen Gesetz" (um 1100) wurden Wildschweine, Hirsche, Bären und wilde Pferde (ausgewilderte) erwähnt.
In Waldemars Erdbuch von 1231 wurden genannt: Edelhirsche, Damhirsche, Bären, Wildschweine, Rentier, Elch, Auerochse.
Bis 1600 waren Biber heimisch. Der letzte Luchs wurde 1698 in der Frösharde erlegt. Wildschweine richteten auf den Feldern große Schäden an.
Wölfe waren noch im 17. und 18. Jh. eine Geißel der Bevölkerung. In der Hüttener Harde wurden "in kurzen Jahren" 1275 Pferde und 255 Stück Rindvieh von Wölfen totgebissen. Man bekämpfte diese Plage mit allen Mitteln. (siehe unter Wolfsjagden). 1778 wurden die letzten Wölfe im Schleswigschen erlegt.

Wildernde Hunde
Nicht nur die Wilderei sondern auch wildernde Hunde waren früher ein Übel, das die Obrigkeit störte. Um die Hunde an der Wilderei zu hindern gab es ein Gesetz, alle Hunde durch Abhacken einer Vorderpfote zu verstümmeln. Am 2. 4. 1618 heißt es in einem Erlaß des Herzog Friedrich III. (1597 - 1659): ".... Wie denn auch alle Jahre allen Hunden groß und klein der rechte Vorderfuß im ersten Teil des Gliedes gekürzet und abgehauen werden soll, oder denselben sollen große Knüttel und Blöcke um den Hals gehängt werden".

Wildpfahl
auch Jagdstein. Steinerne Grenzmarkierungen die die Grenzen der Jagdgerechtigkeit aufzeigten. Bis 1760 waren alle Jagdgebiete durch Jagdphähle markiert. Sie trugen die königlichen oder fürstlichen Insignien.

Willküren / Willkürsbriefe
(auch Beliebung) Freiwillige selbstgegebene und selbstgeschriebene Vereinbarungen der Dorfgemeinschaft zur verbindlichen Schlichtung von Streitigkeiten. Sie betreffen die Viehhaltung, Gräsung, Grenzstreitigkeiten, Instandsetzungen von Zäunen und Wegen usw. und legen Strafen für Vergehen und Unterlassungen fest.
Die Obrigkeit nahm keinen Einfluß auf die Regelungen (Beliebungen) solange es sich um dörfliche Belange des Zusammenlebens und -arbeitens handelte.

Windflüchter / Windläufer
Bäume, deren Wuchs und Form durch den Wind bestimmt werde, der vorwiegend aus einer Richtung weht. Dadurch entsteht ein einseitiger schräger Wuchs bei Bäumen und Hecken. Besonders an der Westküste wo der Wind überwiegend aus West kommt und den Baum nach Ost biegt.

Winkelehe
Heimlich geschlossene Trauung (s. d.) die im Mittelalter rechtsgültig war.

Winter, strenge kalte ... im Norden
1591 hart und schneereich.
1609 harter Winter. Es sind viele Leute erfroren.
1623 hart und schneereich.
1624 hart und schneereich.
1640 Acht Tage nach Weihnachten hatte es angefangen zu schneien und zu frieren und nicht aufgehört bis Maria Verkündigung (25. März) und war ein sehr strenger Winter.
1645 Strenger Winter. Man konnte auf dem Eis von Föhr nach Sylt fahren.
1674 Harter Winter. Man ging zu Fuß zu den Halligen.
1684. Man konnte zwischen Sylt und der Wiedingharde laufen, fahren und reiten.
1717 strenger Winter. Es sind viele Leute erfroren.
1740. Ungemein strenger Winter. Vom 15. 1. bis 12.3. war das Eis befahrbar. Von Keitum bis Hoyer ging ein Eisweg. Vom 4. 1. bis 25. 3. konnte man von List nach Röm fahren. Im Wasser erfroren die Aale.
1788 Seit November Frost in ganz Deutschland. Im Dezember in vielen Teilen Deutschlands unter - 30° bis - 40° C (Bremen - 35° C). Außerdem war der Winter extrem schneereich. Schon im Januar taute der Schnee sehr schnell und führte zu Hochwasser. Im März war es dann wieder bitterkalt.
1928/1929 harter langer Winter.
1945/46 Bis in den März hinein war die gesamte Flensburger Förde zugefroren. Meterhohe Schneewehen machten Straßen und Bahnlinien unpassierbar.

Wisch
Wiese.

Witte / Witten / Wittenpfennig
Weißpfennig. Zweiseitig geprägte Silbermünze im Wert von 4 Pfennigen die 1330 von Lübeck ihren Ausgang nahm und im norddeutschen Raum Gültigkeit erlangte. Im Laufe des 15. Jh. wurde sie vom Dreiling, Sechsling und Schilling abgelöst.
Der Name Witte leitet sich von der Farbe Weiß ab.

Wittib / Witib / Wittibe
(lat.) Witwe.
Wittmann /Wittiber
Witwer.

Wittum
Brautpreis der das Verlöbnis besiegelte und vom Verlobten am Tag der Verlobung an die Brauteltern gezahlt wurde. Heute gilt der Ehering, den der Bräutigam der Braut an den Finger steckt als ein Überbleibsel dieser alten Sitte.

Wöchnerin
Siehe unter Sechswöchnerin.
Wochentage, alte germanische Bezeichnung für ...
Jeder der sieben Wochentage wurde einem Gott zugeteilt.
Die Germanen übernahmen im 4. - 5. Jh. die siebentägige Einteilung der Woche. Davor benutzten sie eine Zählung der Nächte. Während die siebentägige Einteilung überall einheitlich eingeführt wurde, war die Zuordnung eines Gottes zu jedem Wochentag sehr unterschiedlich. In Griechenland und Portugal z. B. wurden und werden die Wochentage nach Zahlen benannt.

germanisch nordisch für Gott

Montag Mondtag Manadagur den Mond
Dienstag Tiustag Tyrsdagur Tyr
Mittwoch Wodanstag Ödinsdagur Odin / Wotan
Donnerstag Donarstag Dorsdagur Thor / Donar
Freitag Frijatag Friggjardagur Frigg / Freya
Sonnabend Laugtag Laugardagur Loki / Ludur
Sonntag Sontag Solardagur die Sonne

Wogemänner / Wogemannsburg
Aus nordfriesischen Fischern und Bauern hervorgegangene Räuberbande die auf Beutezüge ausfuhren und kleinere Handelsschiffe und kleine Gehöfte überfielen. Die Bande entstand 1362 nach der Sturmflut (Grote Manndränke s. d.), als die Bewohner alles verloren hatten und zu Seeräubern und Piraten wurden, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Bei Westerhever errichteten sie sich an schwer zugänglicher Stelle eine Trutzburg die sie Wogemannsburg nannten.
1370 erhoben sich die Eiderstedter gegen diese Räuber nachdem diese 16 Jungfrauen geraubt hatten. Daraufhin wurden 60 Wogemänner geköpft und ihre Burg geschleift.

Wolfsjagden
Als der Norden noch reich an Wald war lebten auch viele Wölfe bei uns.
1660 erließ der Herzog den Befehl, "dass jeder Haussmann sich befleißigen solle, die wulfe zu ertappen in Felde mit Roeven zu gehen." Für die Erlegung eines Altwolfes wurde eine Prämie von 8 Rthl. und für einen jungen Wolf 2 Rthl. bezahlt. Die Höhe der Prämien deutet darauf hin, dass die Wölfe erheblichen Schaden in den Herden anrichteten.
Z. B. 1687 wurden alle lindewittschen Untertanen im Amt Hardersleben vom königlichen Jägermeister zu fünf Wolfsjagden aufgeboten die auch nach Jütland gingen. Für jede sollen sie Proviant für acht Tage mitbringen. Insgesamt waren sie also fünf Wochen unterwegs.
In den Wäldern des Amtes Hadersleben wurden noch 1773 Wolfsjagden abgehalten. Sie durften nicht während der Saat- und Erntezeit stattfinden.
Z. B. 1735 wurden laut Königlichem Erlaß allgemeine Wolfsjagden mit dem Ziel gänzlicher Ausrottung durchgeführt. Alle Dorfbewohner hatten sich mit Knüppeln und Forken an der Jagd zu beteiligen. Wer sich weigerte wurde mit dem Preis einer Tonne Bier bestraft.
Der Ort Dollerup hat noch heute einen Wolfskopf im Wappen der auf die vielen Wölfe die einst hier lebten hindeutet.
In der Frühzeit wurde der Wolf von Jägern verehrt dessen Ausdauer und Geschicklichkeit sie bewunderten. Namen wie Wolf, Wolfgang, Wolfram u. a. deuten noch auf diese Verehrung hin. Schuhe aus Wolfsfell sollten Jungen zu tapferen Männern machen.
Wolfspelze wurden zu Schuhen, Pauken- und Trommelfellen verarbeitet.
Mitte des 17. Jh. waren die Wölfe weniger geworden, aber im Dänisch-Schwedischen Krieg brachten die polnischen "Verbündeten" 1660 erneut zahlreiche Wölfe aus dem Osten mit, die bei der Vertreibung der Schweden helfen sollten. Diese freigelassenen Wölfe vermehrten sich sehr stark, fielen in die Herden ein und fraßen das Wild. In dieser Zeit wurden die Wolfsjagden organisiert. Diese Wolfszeit währte etwa 100 Jahre von 1670 bis 1770.
Als Berichte über blutrünstige Wölfe und Wolfsplagen bekannt wurden, setzte auch bei uns eine heillose Verfolgung auf den Wolf ein. In Dänemark wurde der letzte Wolf 1772 , im Landesteil Schleswig 1778 erlegt.
(siehe auch unter Wildbestand)
 Wormshöfter Damm in der Schleimündung
Künstliche feste Landverbindung die Angeln mit der Halbinsel Oehe-Maasholm verbindet. Der Damm ist die einzige Zuwegung zur Halbinsel Oehe mit dem Fischerdorf Maasholm. Erste Dämme werden 1642 und 1649 verzeichnet. Der erste Damm dürfte also um 1640 entstanden sein. In einer Karte des Schleimündungsgebietes von 1783 ist der Wormshöfter Damm schon nicht mehr eingezeichnet. Wahrscheinlich ist er den rauen Ostseestürmen nicht gewachsen gewesen.
1796 wird von Prof. Gadso Coopmanns mit Hilfe der Holländer ein Eindeichungsversuch des Oeher Noors unternommen. Eine Windmühle pumpte das Brackwasser aus dem 98 ha großen "Binnenmeer" heraus. Gewonnen wurden saftige Weideflächen.
1836 und 1853 wurden die Deiche durch schwere Sturmfluten vernichtet.
1852 kaufte der Kaufmann G. E. Böhme 1852 das Gut Oehe und ließ umgehend mit großen Findlingen die entstandenen Deichlücken schließen. Aber auch dieses wurde bei der Flut vom 13. Nov. 1872 wieder zu Nichte gemacht. 1875 hatte die Ostsee schon wieder auf einer Länge von 45 Ruthen (160 m) freien Zugang ins Oeher Noor. 1895 begann man das Noor wieder trocken zu legen, es wurde ein Schöpfwerk gebaut und 80 ha Land gewonnen. Aber schon am 24. 3. 1898 unterspülte der Damm bei einem kräftigen O-N-O und brach.
1922-23 wurde die dritte Trockenlegung durchgeführt und 1960 ein modernes Schöpfwerk gebaut. Seither hat der Damm gehalten.

Wröger
1) Hardesrepräsentanten und Unterbeamte mit unterschiedlichen Aufgaben. Sie wurden per Handschlag vom Amtmann verpflichtet.
2) Im ostfriesischen Kirchenwesen fungieren sie nach dem Sendrecht als Wröger = Rüger, Ankläger.

Wühler / Wühlerbuch
Während des Krieges 1850 und in der Zeit des dänischen Sprachreskript (1851 - 1864) nannte man Bürger, die sich dem dänischen widersetzten und für deutschgesinnt gehalten wurden Wühler. Schon bei geringsten "Vergehen": Singen patriotischer Lieder, zeigen von blau-weiß-roten Farben, unterlassenen Grüßens eines dänischen Polizisten oder Zahlung mit verbotenem schleswig-holsteinischem Kurantgeld usw. wurden diese namentlich mit ihren Vergehen in ein Wühlerbuch eingetragen. Mehrere Einträge führten zu strengsten Strafen. Das Tragen eines blau-weiß-roten Kragenbandes z.B. brachte einer Frau sieben Tage Gefängnis bei Wasser und Brot. Die Gefängnisse waren überfüllt und so wurden viele auf dänische Inseln gebracht.
(s. u. Nationale Erhebung, Schwarze Gendarmen)

Würckstöcke
Bienenstöcke.

Wüstungen / wüste Dörfer
Infolge von Kriegen, Brandschatzungen, Drangsalierungen, Hebungen (Steuern und Abgaben) und Seuchen von 1500 bis 1700 aufgegebene Höfe und Dörfer. Man unterscheidet in Hof- und Dorf- und Kulturlandwüstungen.
1) Kulturlandwüstungen: brachten vor allem der 30-jährige Krieg und die Pest mit sich, in denen Häuser und Ställe niedergebrannt wurden, Ernten niedergetreten und vernichtet, und Saat- und Pflanzgut wegen Hungers verzehrt wurden. Ganze Landstriche wurden entvölkert und fielen wüst. Die Literatur kennt bereits im 14. Jh. Hinweise auf "wuste veltmarken" = wüste Feldmarken
2) Dorf- oder Ortswüstungen: Schon Anfang des 14 Jh. waren Hinweise auf "vorstorvede dorpere" = ausgestorbene Dörfer überliefert. Ausgelöst wurden diese durch die vorrangig zwischen 1314 und 1317 in ganz Europa herrschende Hungersnot. In den 40er Jahren des 14. Jh. spielte auch die Pest eine große Rolle, die viele Menschen dahinraffte. In Angeln wurden in dieser Pestzeit etwa 50 Dorfwüstungen gezählt. In Dänemark starb die Hälfte der Bevölkerung an der Pest. Nachweisbar waren 35 Dorfwüstungen auf Bauernlegen (s. d.) zurückzuführen.
Weitere Dorfwüstungen gab es vom 15. bis 17. Jh. durch Kriege ausgelöst. (Dreißigjähriger Krieg).
Im 16. Jh. sind in Angeln folgendeWütungen nachweibar:
Alt-Rabel, Buckhagen, Casselby, Dollrott, Düttebüll, Lüchtoft, Öhe, Richelsby, Rosdorp, Skows, Ruböl, Töstorf und Tranbüll.
Im 17. Jh. waren es Boren, Börsby, Brunsbüll, Hasselberg, Kastrup, Nottfeld, Obdrup, Pleystrup, Priesholz, Rehberg, Schrixdorf, Skovby, Tolkschuby, Wackerballig und Winning.
Im 18. Jh. Drüllt, Nadelhöft, Pommerby und Pinniksand.
Von 1500 bis 1700 wurden in Angeln 28 Bauerndörfer gelegt; im 18. Jh. waren es 4.
Dorfwüstungen gingen fast immer zunächst Niederlegungen einzelner Höfe (Hofwüstungen) voraus.
Allein der Wunsch ihr Jagdgebiet zu erweitern reichte vielen Grundherren ganze Dörfer niederzulegen und zu wüsten.
(Siehe auch unter Wüstungskoeffizient)
3) Hofwüstungen: Wurden größtenteils durch den Adel ausgelöst, der Notlagen der Bauern ausnutzte um an deren Ländereien und Höfe zu kommen. Hofwüstungen gab es im 16. Jh. nachweislich in Angeln im Bereich der Güter Buckhagen, Dollrott, Düttebüll, Gelting, Oehe und Toestorf.
In Angeln wurden etwa 200 Bauernstellen gelegt (gewüstet).
Siehe auch unter Bauernlegen, Niederlegen.

Wüstungskoeffizient
In Angeln gab es Ausgangs des Mittelalters 210 Dörfer. Mit Hilfe dieser Zahl und der Zahl der Wüstungen lässt sich der Wüstungskoeffizient errechnen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt wurde die mit 100 multiplizierte Zahl der eingegangenen Siedlungen durch die anfänglich bestehenden devidiert. Für Angeln ergibt sich ein Wüstungskoeffizient "21,4" (45 x 100 : 210). Von den insgesamt 45 Wüstungen Angelns waren 35 (= 78 %) auf das Bauernlegen zurückzuführen.
Schwansen (s. d.) hatte mit "62" den höchsten Wüstungskoeffizienten im nordischen Raum.
(siehe auch unter Bauernlegen)

Wurt
1) Warft
2) Hufe.

Wurtsassen
Inhaber sehr kleiner Landstücke (siehe auch unter Gaasten).

Wurtsitzer
Großkätner.