V


Vacantz
Freie Dienststelle.

Vaccinierte
Medizinisch gegen Pestilenz und andere "Klebende Seuchen" Geimpfte. 1825 gab es im Amt Flensburg 477 Vaccinierte.

Valant
Teufel.

Valetrede
Abschiedsrede.

Vletschmaus
Abschiedsessen.

Vasall
Gefolgsmann, Lehnsmann, der vom Landesherren ein Gut als Lehen bekam.

Vaterländischer Frauenverein
Auf Anregung der preußischen Königin und späteren Kaiserin Augusta 1864 gegründete Frauenvereine zur Pflege und Hilfe für Verwundete im Kriege. Am 14. Oktober 1869 entstand in Schleswig der erste "Schleswiger Zweigverein des Vaterländischen Frauenvereins zu Berlin". Ihren ersten Einsatz hatten die Schleswiger Frauen während des Krieges 1870/71. Sie pflegten Verwundete in Lazaretten und kümmerten sich um die vielen französischen Kriegsgefangenen, die in Schleswig untergebracht waren.
1887 beschloss der Verein wegen steigender Kriegsgefahr eine Kriegskrankenschwester in Kiel ausbilden zu lassen und übernahm die Lieferung von Verbandszeug und Wäsche für ein einzurichtendes Lazarett.
An vielen Stellen unseres Landes entstanden seit 1870 Vaterländische Frauenvereine.

veralinieren
Durch Kauf oder Pacht in fremde Hände geben.

Verbittelsgeld
Abgabe der untersten sozialen Schicht im Dorfe (Tagelöhner, Insten und Handwerker) an ihren Grund- oder Landesherrn, dessen Schutz (Verbittung) sie dafür genossen. Es betrug für alle gleichbleibend 1 Rthl. 9 Schilling.

Verkoppelung / Einkoppelung
Die Überführung von Gemeinschaftsländereien (Feldgemeinschaften) ins Eigentum der Bauern durch die am 10. 2. 1766 von der Generalkommission in Kopenhagen und die Schleswig-Holsteinischen Landkommission beschlossene Agrarreform. Diesen um 1750 beginnenden, auf privaten Initiativen beruhenden Vorgang nannte man Verkoppelung. Erst durch die Landaufteilung gelangten die Bauern zu Eigentum an den ehemals königlichen Ländereien, die sie bis dahin gepachtet (gefestet) hatten. Die neuen Feldschläge mussten laut Gesetz mit einem Wall umgeben werden. Später wurden diese Wälle bepflanzt und Knick (s. d.) genannt.
Die Verkoppelung war Verbunden mit der Aufhebung der Feldgemeinschaft (s. d.) und dem Flurzwang (s. d.) und brachte eine totale Umstellung (Verbesserung) der Bewirtschaftungsweise.
Die Obrigkeit verfügte am 10. 2. 1766 und am 29. 1. 1770 Einkoppelungsverordnungen. Dieses stieß bei vielen Bauern auf große Ablehnung, denn die Verkoppelung war für den Einzelnen mit viel Arbeitszeit und hohen Ausgaben für das Anlegen der Wälle und Knicks (s. d.) verbunden, die außerdem wichtige Ackerflächen beanspruchten.
Sehr vorteilhaft wirkte sich die Arrondierung (Zusammenlegung verstreut liegender Flächen) aus.

Verlobung / Verlöbnis
Das Versprechen eine Person zu heiraten.
Bevor 1874 das Standesamt eingeführt wurde, hatte die Verlobung ein bedeutend größeres Gewicht als heute. 1600 heißt es: "Haben Braut und Bräutigam die Handtru geschifet = gewechselt, d. h. sich verlobt, dann gehören sie einander, und ihr Treuegelöbnis wurde wenn nötig von der Obrigkeit geschützt".
Anfang des 18. Jahrhunderts gab es eine genehmigungspflichtige Verlobungspflicht. Dieses Ehegelöbnis hatte bindende Wirkung. So hieß es 1758:
"1758, d. 18. Oktober verlobte der junge Gesell Erich Hansen von Akeby, Ksp. Tastrup, sich mit Jgf. (Jungfer) Maria Hedwig, Claus Nissens Tochter in Grünholz ..... Dieses Ehebündnis wurde consistorialiter getrennt, weil es nicht auf wahre Zuneigung und Liebe, sondern auf Geld und Hufe samt der Eltern Überredung gegründet war".
Bis 1865 ging der Trauung in der Kirche die kirchliche Verlobung voran. Das Paar wurde in der Sakristei zu "Kirchlich Verlobten" erklärt.
Öffentlich gemacht wurde das Verlobungsversprechen in der Kirche dreimal durch Proclamation durch den Pastor in Gegenwart von vier Zeugen. Dafür war, wenn die Verlobung in der Gemeinde war eine Abgabe an den Pastor von ein Stück Rindfleisch und eine Zunge vom geschlachtetem Vieh zu entrichten. War die Hochzeit in einer anderen Gemeinde, so waren ihm 1 Mark 8 Schillinge zu entrichten.
Die Kirchen führten nicht nur Trau- sondern auch Verlobungsregister.
Für das Verlöbnis war eine Verlöbnis-Gebühr von 2 Mark an den Pastor zu zahlen.
Wurde ein Verlobungsversprechen nicht eingehalten und hatte sich der Verlobte den Beischlaf erschlichen, so hatte die Braut einen Anspruch auf finanzielle Entschädigung dem sog. Kranzgeld (s.d.)
Drei Sonntage vor der Hochzeit wurde das Aufgebot von der Kanzel verlesen. Der Pastor "ließ das Brautpaar von der Kanzel springen".
Siehe auch unter schiften.

Vermagschiftung
Austausch von Landstücken (Schiften) möglichst gleichen Maßes, gleicher Qualität und Bonität in ehemaligen Feldgemeinschaften (s. d.), um verstreuten Grundbesitz zusammenzulegen.

Verschötung, verschöten
Kam von "in den Schoß legen" Förmliche Rechtsübertragung. Als Zeichen der Besitzübertragung wurde dem Käufer eine Sode des betreffenden Landes in den Schoß gelegt. Dazu wurde ein Schötebrief angefertigt der die Bedingungen enthielt. Bis etwa 1660 gebräuchlich.
Das geschah auch bei der Hofübergabe vom Vater an den Sohn.
Daher vermutet man, dass das Wort "Schöte" entweder von Sode oder Schoß kam.

vespera prima
(lat.) am Abend des Festes.

viduus / viduusa / vidua
(lat.) Witwer / Witwe

Viehseuchen in Angeln
Viehseuchen in größerem Ausmaß waren verheerender als die schon schlimmen Kriege. Je nach den hauptsächlichen Symtomen belegte man sie mit Namen wie Rinderpest, Contagion, Lungensucht, Brustseuche, Hornsucht, Schwanzwolf, klebende Seuche. Die verbreiteste und gefürchteste war die Lungensucht. Die Maßnahmen die ergriffen wurden waren ebenso hilflos wie kurios. Nichts half und die Tiere starben zu Hunderten und Tausenden. Tierärzte gab es nicht; zu helfen versuchten Schweineschneider und Pferdeärzte.
Die Beseitigung der toten Tiere war die Aufgabe des Scharfrichters, oder Abdeckers (s. d.). Dieser kam aber nicht dagegen an, und so mussten die Bürgermeister und Ratsherren persönlich bei der Beseitigung der toten Tiere zupacken, um diese Arbeit, die jeden der dem Abdecker half entehrte, "ehrlich" zu machen, um einfache Bürger von der Mithilfe zu überzeugen.
1505 Schweinerotlaufepidemie
1545 - 1549 Fürchterliche Viehseuche in den Herzogtümern.
1574 - 1577 Rinderpest
1581 - 1584 Rinderpest
1602 - 1607 Rinderpest
1685 in der Karrharde "mehr denn über 1000 Stück Vieh hingefallen und verrecket".
1713 Viehseuche, Rinderpest in Nordfriesland und Tondern.
Sie wurde von Hamburg eingeschleppt und führte zu gewaltigen Schäden. Überall in Nordfriesland wurden Bitt
Gottesdienste abgehalten. Jahr- und Viehmärkte wurden verboten.
1717 erließ König Friedrich IV. für ganz Schleswig-Holstein eine Sondersteuer von 1 Mark pro Pflug zur Wiederbeschaffung von Vieh für die am stärksten betroffenen Gebiete.
1723 - 1782 fast volle 8 Jahrzehnte hindurch schwebte die Rinderpest wie ein "Grauenhaftes Gespenst" über dem ganzen Land (Angeln), flackerte immer wieder auf und vernichtete die Viehbestände und den bäuerlichen Wohlstand.
Von 1744 bis Mai 1746 verlor das Amt Tondern ohne die Stadt = 19.906 Rinder. In Leck blieben im Jahr 1745 nur zwei Kühe übrig.
1763 Vom Sommer bis Ende des Jahres starben in der Karr-
harde insgesamt 3.177 Rinder.
1774 - Januar 1782 raffte die Seuche in Schleswig-Holstein
143.287 Stück Vieh hinweg, davon im Herzogtum Schleswig 63.160 Stück.
1779 kam die Impfung gegen die Seuche auf.
1782 klang das große Viehsterben in unsererer Heimat aus.
1791 erfolgte die erste Kuhpockenimpfung in Schleswig-
Holstein.
1888 Maul- und Klauenseuche in Nordfriesland.
1911 Maul- und Klauenseuche in Nordfriesland.
1924 Maul- und Klauenseuche in Nordfriesland.
1930 Maul- und Klauenseuche in Nordfriesland.
1938 sehr schlimme Seuche aus Algier und Frankreich einge
schleppt. Im Geestkreis Brookfeld starben 2.000 Kühe.

Viertmänner
Siehe unter Kirchspielmänner.

Vierundzwanziger
Deputierte. Bezeichnung für die 24 Deputierten (Stadtvertreter) der Stadt Flensburg.

Vigilien
(vom lat. vigil = wachen). Nachtwachen, die mit Gebeten verbunden waren.

Vikarien
Stiftungen reicher Bürger im Mittelalter an die Kirche. Meistens Gegenstände wie Leuchter, Altardecken, Glocken Taufbecken usw.

Vikariengut
Ein im Mittelalter an die Kirche oder an ein Kloster gestiftetes Gut, das von der Kirche an Bauern verpachtet wurde. (s. u. Eiserne Kühe)

Viktualien / Victualien /Fiktualien
Vom lat. victus. = Lebensmittel. Spätmittelalterlicher Ausdruck für Lebensmittel.

Virga / virgine
(lat.) Jungfrau.

Visitator / Visitation
(von lat. vistare = besuchen). In vielen Gerichts-, Kirchen-, Schul- und Ordensverfassungen der Besuch eines Oberen mit Amtsbefugnis zum Zweck der Bestandsaufnahme und Kontrolle.
Beauftragte des Papstes die mit besonderen Befugnissen ausgestattet waren. Die untersuchten Kirchenmänner hatten ihnen nach Kirchenrecht Rede und Antwort zu stehen, wahrheitsgemäß zu antworten und mit ihnen zusammen zu arbeiten.
Sie wurden als "Kontrolleur mit umfassenden Vollmachten" beschrieben. Sie trugen auch die Amtsbezeichnung Superintendent.
Der Visitator überprüfte die gesamte Amtsführung des Diözesanbischofs sowie alle diözesanen Einrichtungen.
Die Visitation gehörte zur kirchlichen Routine. Die Pfarren wurden regelmäßig vom Bischof oder seinem Vertreter besucht, geprüft, beurteilt, gelobt oder gerügt.
Visitation war auch die unangemeldete Überprüfung des Religionsunterrichtes eines Pastors oder Küsters durch die Kirchenobrigkeit (Bischof).
Auch die Kontrolle des Bettelwesens wurde durch Visitationen überwacht.

vitae
(lat.) lebenslang (z. B. bei Pachtung).

Vitalienbrüder
Freibeuterbruderschaft seit 1390 auf Nord- und Ostsee. Sie wurden von mecklenburgischen Territorialherren für kriegerische Auseinandersetzungen angeheuert. Ihr Auftrag war es dänische Schiffe zu kapern. Sie bekamen zwar keine Heuer, sondern die Erlaubnis durch Piraterie eigene Beute zu machen. Sie gingen Anfang des 14. Jahrhunderts aus verarmten mecklenburgischen Adelsgeschlechtern hervor, später rekrutierten sie sich aus den vom bürgerlichen Leben der Städte ausgeschlossenen Existenzen wie flüchtigen Schuldnern und Glücksrittern der Ost- und Nordseeanrainer.
1393 überfielen sie die norwegische Stadt Bergen und raubten sie aus. Bis 1395 führte die Piraterie fast zum vollständigen Erliegen der Handelsschifffahrt auf der Ostsee.
Siehe auch unter Likedeeler.

Vitricus
(lat.) Stiefvater.

Vogt
Vertreter, Repräsentant der Territorialverwaltung. Später = Amtmann. In späterer auch niederer Aufgabenstellung auch Armen-, Brücken-, Gassen-, Markt- oder Polizeivogt.
Auf adeligen Gütern auch der Gutsverwalter.

Void-Schwein / Gabel-Schwein
Insten und Kätner zahlten auf Maytag ihrem Gutsherrn für die Mast von Schweinen im Gutswald ein Schweinegeld von 1 Rthl. für ein Voidschwein. (Kostschwein, Fraßschwein)
Eine andere Form der Bezahlung war die durch das "Gabel-Schwein", d. h. jedes 5. Schwein, das zur Mast in die Gutswälder getrieben wurde bekam der Gutsherr.

Volkshochschulen
Die Volkshochschulbewegung geht auf dänische Vorbilder zurück. 1844 wurde in Rödding (Südjütland) die erste dänische Volkshochschule gegründet. Die Zweite entstand 1851 auf Fünen.
Anfang des 20. Jh. gab es in Schleswig-Holstein erste Ansätze zur Bildung von Volkshochschulen nach dänischem Vorbild. Dazu wurden Volkshochschulvereine gegründet. Der Nordschleswigsche Volkshochschulverein wurde am 15 Juni 1905 in Tingleff (Dänemark) gegründet.
1907 entstand die erste Volkshochschule Angelns in Mohrkirch-Osterholz.

Volkszählungen
1755 fand eine Volkszählung in Eutin statt.
Die Volkszählung vom 15. August 1769 war keine "allgemeine Volkszählung" und unvollständig, weil Militärpersonen nicht erfasst wurden und nur im königlichen Teil gezählt wurde. Es fehlen mithin Angaben aus den Guts- und Klosterbezirken und aus den herzoglichen Gottorfer Gebieten.
Die erste "allgemeine Volkszählung" in Schleswig-Holstein fiel auf den 13. 2. 1803 einem Sonntag im Winter. In Dänemark wurde schon am 1. Februar 1801 gezählt. Alle Einwohner im Dänischen Gesamtstaat, zu dem bis 1864 die Herzogtümer Schleswig und Holstein gehörten, sollten gezählt werden. Zum Herzogtum Schleswig gehörte 1803 noch das erst 1920 abgetretene Nordschleswig. Zu Holstein gehörte noch Altona die damals zweitgrößte dänische Stadt. Altona kam erst 1937 zu
Hamburg. Lauenburg gehörte 1803 noch zum Kurfürstentum Hannover und kam erst 1815 zum Gesamtstaat.
Federführend für die Volkszählung war die Rentekammer (s. d.) die dazu Formulare drucken und verteilen ließ. Festgehalten wurden:
Name, Geschlecht, Alter, Familienstand, Stellung im Haushalt, Beruf oder sonstiger Unterhalt.
Die Volkszählung 1803 ergab, dass in beiden Herzogtümern 604.085 Menschen lebten.
Die handschriftlichen Unterlagen der Volkszählung 1803 werden im Landesarchiv in Schleswig und im Landsarkiv for Sönderjylland in Apenrade aufbewahrt.
1835 wurde wieder eine Volkszählung angeordnet. Es waren die ersten Volkszählungen, die gedruckt wurden.
Seit 1835 wiederholen sich Volkszählungen etwa alle fünf Jahre. Sie erreichen aber nicht die Vollständigkeit und Bedeutung der Volkszählung von 1803.

Vorbrand
Ein Begriff aus dem mittelalterlichen und späteren Aberglauben. Der Vorbrand war ein Vorzeichen, das anzeigte, dass ein Haus abbrennen würde. Solche Vorzeichen konnten Lichtsignale wie das Elmsfeuer (s. d.) sein, oder man sah Feuer auf einem Haus, das aber nicht brannte.

vorehelich
Geburt vor der Eheschließung. Eltern haben erst nach der Geburt des Kindes geheiratet.

Vorweser
Vorbesitzer einer Hofstelle.

vulgo
(lat.) von vulgo = in das Volk getragen, im Allgemeinen. Mit dem Eintrag vulgo zum Namen von Personen fand im 18. und 19. Jh. bei Eintragungen ins Kirchenbuch ein näherer Hinweis auf die Person und dessen gebräuchlichen Hausnamen oder Beruf statt. Vulgo steht für "auch genannt" oder "von Beruf".
Beispiel:
1) Albrecht Henningsen vulgo Nissen.
2) Albrecht Henningsen vulgo Soldat.