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Tabak und Rauchen
Anfang des 19. Jh. war Flensburg ein Schwerpunkt einer sich entwickelnden Tabakindustrie und hatte 45 Tabakfabriken. Fast die ganze dänische Tabak-Einfuhr wurde in Flensburg umgeschlagen.
Als Christoph Columbus 1492 Amerika entdeckte, wurde dort schon Tabak geraucht. Tabak wurde damals geraucht und gekaut. Matrosen fanden Gefallen daran und brachten den Tabak in südeuropäische Häfen mit. Schnell wurde es zu einem teuren und bedeutenden Handelsgut. Ende des 16., Anfang des 17. Jh. hatte Tabak den zehnfachen Preis von Pfeffer. London wurde zu einem führenden Tabakhandelszentrum.
Die Soldaten im 30jährigen Krieg machten den Tabak in ganz Europa bekannt. Geraucht wurde von Jung und Alt, von Mann und Frau. Offiziell aber galt Tabak als Heilmittel und durfte nur in Apotheken verkauft werden. Bald aber entdeckten die Regierenden die Möglichkeit mit dem Tabak Steuern zu erzielen und führten Tabaksteuern ein. Tabakschmuggel, vorbei an dieser Steuer, wurde streng bestraft. Zum Beginn des Tabakkonsums wurde mehr geschnupft als geraucht, weil es an Feuer (Streich- hölzer) fehlte. Das Schnupfen wurde vom Adel wie vom Volk übernommen.
Bis ins 17. Jh. hatte Tabak eine Bedeutung als Heilpflanze, vornehmlich in der Augenheilkunde.
Anfang des 18. Jh. verbreitete sich das Zigarrenrauchen. In Preußen betrachtete man dieses mit Argwohn, denn vor der Märzrevolution galt dieses als ein Symbol der "Volksverhetzer". In Berlin war Zigarrenrauchen auf der Straße verboten und galt als Auflehnung gegen die Staatsgewalt.
Arbeiterinnen in der heimischen Zigarrenmanufaktur wickelten Tabakreste in Papier und boten diese papelitos im 18. Jh. zunächst in Mexiko zum Verkauf an. Von dort kamen sie im 19. Jh. nach Europa und bekamen den Namen Zigarette als Verkleinerungsform von Zigarre.
Ein weiterer Schwerpunkt der Tabakverarbeitung im Norden war Bredstedt, wo seit 1750 von Tabakspinnern Tabakblätter zu fünf cm starken Seilen gedreht wurden. Die Raucher schnitten sich davon die gewünschte Tabakmange ab. Später schnitten die Spinner den Tabak selbst und lieferten grober oder feiner geschnittenen Rauchtabak für die Pfeifen.
Die Tabakspinner arbeiteten im Handbetrieb in kleinen über Bredstedt verteilten Werkstätten. Der Verkauf erfolgte über Höker und Kolonialwarenhändler. In der 2. Hälfte des 19. Jh. konzentrierte sich das alte Gewerbe auf nur noch zwei Betriebe in Bredstedt. Sie hatten die Priemherstellung begonnen.
Nach dem Krieg 1945 setzte ein lebhafter Anbau von Tabak ein. Bald wurde dieser stark kontrolliert. Pro Raucherkarte durfte nur eine bestimmte Anzahl Pflanzen angebaut werden. Das Land durfte dem Anbau von Nahrungspflanzen nicht entzogen werden. Der Zoll kontrollierte sehr streng Anbau und Ernte. Die Tricks, die Anordnungen zu umgehen waren ebenso vielfältig wie die Methoden der Verarbeitung der Tabakblätter und sogar der Stengel zu gutem Rauchtabak.

Tabakspinner
Beruf. Er stellte Rollen-, Kautabak und Tabak her.

Tabulettkrämer
Beruf: Hausierer der von Dorf zu Dorf zog und von seinem Tablett, das er um den Hals vor dem Bauch hängen hatte, verkaufte.

Tängen
Art der Schleifischerei mit zwei Booten (Schleikähne) die durch einen 10 - 12 m langen Stamm verbunden waren.

Tafel-Opfer / Tafelgeld
Freiwillige aber moralische Verpflichtung zur Abgabe von Geld der Kirchbesucher (durch Altarumgang) zur Anschaffung von Wein und Brot für das Abendmahl.
Den Juraten (Kirchgeschworenen) wurde das Geld auf eine hingehaltene Tafel gelegt.

Tagelöhner
Niedrigste Stufe in der ländlichen Hierarchie. Im Unterschied zum Insten war der Tagelöhner nicht ständig beschäftigt und erhielt seinen Lohn täglich ausbezahlt. Er musste sich täglich um neue Hilfsarbeiten bemühen.

Tagwerk, Dagwerk
1) In Nordfriesland = Demath (Tagmahd) = 1/2 ha = soviel ein guter Arbeiter an einem Tag mähen konnte.
2) In Torfgegenden im Torfstich die Menge, die an einem Tag gegraben wurde bzw. auch zwei gut gefüllte Fuder.
3) Beim Buchweizenanbau war ein Tagwerk ca. 2 1/4 ha groß.

Talglichte
Bis zur Einführung der Petroleumlampen ab 1850 erhellte man die Stuben mit selbst hergestellten Talglichten aus Schaftalg.
Im Herbst wurden dafür auch extra Hammel geschlachtet.

Tartane
Nepper, Schlepper, Bauernfänger.

Taterkorn
Buchweizen der angeblich von den "Tartaren", den Zigeunern aus ihrer Heimat mitgebracht wurde.

Tatern
Zigeuner.

Taufe
Die Taufe fand, wenn es keine Nottaufe war, immer an Kirchensonntagen statt. Meist innerhalb weniger Tage nach der Geburt. Es war Pflicht, dass der Täufling ein besonderes Kleid, das Castelzeug (s. d.) trug.
In Taufregistern wurde oft nur der Name des Vaters genannt.
Bei der patronymischen Namensgebung wurde bei einem Sohn der Vorname durch "sen" ergänzt und bei einem Mädchen durch "s".
Bei Leibeigenen (Untergehörigen) wurde häufig der Gutsherr bzw. dessen Gemahlin für das Taufamt ausgewählt. Dafür musste der Täufling den Vornamen des Paten tragen.
Zu Taufbräuchen siehe unter Castelzeug, Exorcismus, Hebammen, Kindelbier, Luxusverordnung, Paten und Gevatter,)

Taxatoren
Besichtigungsmänner, die gerichtliche Schätzungen und Gutachten vornahmen.

Teeken / Teken
Selbst mit der Hand gedrehte Strohseile aus weichem glatten Haferstroh. Sie dienten zum Befestigen der Heideplacken auf den Dächern.

Telegraphie und Telephonie
1853 wurde Flensburg an das Telegraphennetz angeschlossen.
Der erste elektrische Telegrapf in Angeln verband seit 1859 Flensburg mit dem Schloss Glücksburg. Weitere Telegraphenlinien entstanden in Angeln 1866 von Schleswig nach Kappeln.
Gelting ab 1878, Sörup ab 1879, Satrup ab 1880.
1880 wurden in Angeln erste Fernsprecher eingerichtet. Anschlüsse gab es zunächst nur bei den Poststellen. Um die Jahrhundertwende wurden auch einzelne Häuser an das Netz angeschlossen.
1903 hatte u. a. Glücksburg 32, Kappeln 59, Satrup 19, Steinberg 36 und Süderbrarup 22 Anschlüsse.

Territion
Vor der Anwendung der Folter konnte Territion angeordnet werden. Der Angeklagte wurde in die Folterkammer geführt, um sich die Folterwerkzeuge anzusehen. Oft reichte das schon für ein Geständnis.

testes
(lat.) Zeuge, auch Trauzeuge

Theophanie
Religiöser Wahnsinn, Geisterscheinungen.

Thing
Thing germanische Form vom nieder- und hochdeutschen Ding (s. d.)

Thyraburg
Ehemalige am Danewerk gelegene Burg die ihren Namen von Thyra Danebod, der Frau Harald Blauzahns erhielt. Es wird vermutet, dass sie im 13. Jh. gebaut wurde.

Tidenhub / Tide
Der Abstand zwischen mittlerem Hoch- und mittlerem Niedrigwasser. Bei Springflut (s. d.) wird der Tidenhub größer, bei Nipptide (s. d.) kleiner.
An der Nordsee beträgt der durchschnittliche Tidenhub etwa zwei bis drei Meter, an der Ostsee nur wenige cm.
Zu Nutze macht man sich den Tidenhub in Gezeitenkraftwerken.
(siehe auch unter Gezeiten)

Tienkornsammler
(Nordfriesland) Alljährlich wurde der Zehnte an Korn als Deputat für den Pastor gesammelt. Die Bauern mussten jede 10. Hocke ihrer Ernte an Pastor und Lehrer liefern. Dafür stellten die Kirche und der Schulverband jeweils ein Schauer zur Verfügung in die das Korn gebracht wurde. Da es dabei vom Pastor und vom Lehrer auch manchen Punsch (s. d.) gab, wurde das Tienkornsammeln oft ein feuchtfröhliches Fest.
Das gleiche galt auch für das Eiersammeln. Hierzu zogen die vier ältesten Schuljungen von Haus zu Haus. Man gab 2 - 10 Eier für Pastor und Lehrer.

Tinte / Dornrindentinte
Gewöhnliche schwarze Tinte wurde schon 3000 v. Chr. aus Ruß und Gummiwasser (gummi arabicum) hergestellt. Es folgte um 1000 v. Chr. die sog. Indische Tusche aus Ruß von verbrannter Nadelholzkohle und Lampenöl.
Im 3. Jh. v. Chr. stellte man Eisengallus-Tinte her, die durch Abkochen von Galläpfeln mit Eisensulfat und Zugabe von Gummiwasser entstand. Sie war besonders beständig.
Im Mittelalter wurden neue Rezepturen durch Zugabe farbiger Pigmente entwickelt.
Die am häufigsten gebräuchliche Tinte des Mittelalters wurde die Dornrindentinte, die nicht so schnell eintrocknete. Dornrindentinte vereinte die Lichtechtheit und Haltbarkeit der Rußtinte mit der Wasserfestigkeit der Eisengall-Tinte. Sie hatte eine rotbräunliche Färbung. Verwendet wurden Dornenzweige der Schlehe. Gewonnen wurde ein Pulver, das man in warmem Wein löste. Das Pulverkonzentrat war nahezu unbegrenzt haltbar.

Tönning
Stadt in Nordfriesland in der Eider-Treene-Niederung am Ufer der Eider. Erste Erwähnung fand Tönning 1187. Bereits 1186 wurde die St. Laurentius-Kirche gegründet. 1414 brannte die Stadt nieder.
Von 1580 bis 1583 entstand unter Herzog Adolf (1526 - 1586) das Tönninger Schloss. Für einen Aufschwung der Stadt sorgten die zugewanderten Niederländer die auch die Käseproduktion einführten. Tönning wurde wichtigster Ausfuhrhafen für Käse. 1610 drei Millionen Pfund.
1590 erhielt Tönning Stadtrecht und wurde Gerichtsort für den Ostteil Eiderstedt. Da Tönning während Nässeperioden unpassierbar und vom Umland abgeschnitten war, wurden Kanäle zu den Nachbarorten gebaut. 1613 wurde der Hafen gegraben.
Nach dem 30jährigen Krieg baute Herzog Friedrich III. (1597 - 1659) Tönning zur Festungsstadt aus. So war Tönning von 1644 - 1675 und wieder von 1692 - 1714 Festungsstadt. Unter Aufwendung von 30 Tonnen Gold wurden Bastionen und Gewölbe gebaut und mit Toren versehen. 1675 schleifte König Christian V. (1646 - 1699) die Festung. Nachdem Herzog Christian Albrecht (1641 - 1695) das Herzogtum zurückerhielt baute er 1692 die Festung sicherer und größer wieder auf.
Im Großen Nordischen Krieg (s. d.) spielten sich die entscheidenden Schlachten in Tönning ab.
1700 marschierte der dänische König Friedrich IV. (1671 - 1730) ein und belagerte die Festung. Sie wurde von mehreren tausend Kanonenkugeln getroffen die schwere Schäden anrichteten, aber sie blieb erhalten.
1709 flüchteten 11.000 Schweden mit 1.000 Pferden vor den Dänen, Russen und Sachsen in die Stadt Tönning. Insgesamt hielten sich dadurch 22.000 Menschen in der kleinen Stadt auf. Es kam zu Seuchen und Hunger und die Schweden kapitulierten 1713.
1714 ließ der König die Festung schleifen und auch das Tönninger Schloss abreißen.
Eine kurze Blütezeit erlebte Tönning während der Kontinentalsperre, als die Elbe von den Franzosen gesperrt war. Zwischen 1803 und 1807 landete der gesamte für Hamburg bestimmte Warenverkehr in Tönning und wurde von Kaufleuten auf dem Landweg nach Hamburg gebracht. Handelsherren aus ganz Europa kamen nach Tönning und die Stadt wurde vorübergehend zum wichtigsten Hafen an der kontinentaleuropäischen Nordseeküste.

Toft
Eingezäunte Hauskoppel außerhalb der Allmende-Gemein- schaftsflächen, die Privatbesitz war und der privaten Nutzung diente.

Tollhaus
Vorläufer der Irrenanstalt. Es diente der Unterbringung Geisteskranker und geistig Behinderter. Sie erhielten nur unzureichend Nahrung, waren teilweise angekettet, wurden geschlagen und mit Folterwerkzeugen "zur Vernunft gebracht". Von der Bevölkerung wurden sie verachtet. (s. u. Irrenhaus)

Töndelstöcke / Tondelstöcke
Vor der Zeit des Klöppelns mit vier Klöppelstöcken wurde ein groberes Verfahren mit vier wesentlich größeren Töndelstöcken durchgeführt.

Tondern
Kleinstadt im dänischen Südjütland (Nordschleswig s. d.). Tondern gehört mit zu den ältesten Städten zwischen Nord- und Ostsee. Schon 1017 war Tondern in Flensburg bekannt. 1227 gründeten dort die Dominikaner- und 1238 die Franziskanermönche ihre Klöster. 1238 erhielt Tondern Lübsches Stadtrecht. Tondern war damals eine der wenigen Hafenstädte an der Westküste. Wegen der niedrigen Lage wurde Tondern u. a. 1532, 1593, 1615 und 1634 von Hochwassern heimgesucht. Es gab im Laufe der Jh. viele Brandkatastrophen und im 16. u. 17. Jh. wütete die Pest fünf Mal in der Stadt.
Durch Landgewinnung verlor die Stadt ihren Zugang zum Meer und damit an wirtschaftlicher Bedeutung. Einen Ausweg fand man im Spitzenklöppeln. Tondernsche Spitze wurde zu einem Begriff.
1600 und 1700 wurde Tondern zu Nordfriesland gerechnet und es wurde friesisch gesprochen.
1788 wurde in Tondern das erste Lehrerseminar des Landes eröffnet.
Bei der Volksabstimmung 1920 (s. d.) stimmen 77 % für Deutschland. Trotzdem kam Tondern wegen der En-Bloc-Regel für die Zone I zu Dänemark.

Tonnen
(siehe unter Seezeichen)

Torf
Aus den Hochmooren gewonnenes Brennmaterial.
Stechtorf: Die älteste und häufigste Form war das Stechen von Stechtorf mit Spaten. Stechtorf konnte nur in einigermaßen trockener Form des Torfs erfolgen. Die Torfstücke wurden dann zum Trocknen aufgestellt und mussten häufig gewendet werden.
Streichtorf:
Torfqualitäten unterschiedlicher Güte wurden in etwa 60 cm hohe Holzbehälter (Trey) von 5 x 5 m im Quardrat gefüllt, gemischt und mit viel Wasser zu einem zähen Torfbrei befeuchtet. Dann wurde diese Masse gründlich durch zwei Pferde gestampft. Die feine gestampfte Masse wurde in kleine Torfformen gepresst, auf Torfkarren geladen und zum Trockenplatz gefahren.
Presstorf
Industriealisierte maschinelle Form der Torfgewinnung ab etwa 1875. Als um 1885 Steinkohle in den Norden kam, verlor Presstorf allmählich an Bedeutung als Heizmaterial. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die maschinelle Form dieser Torfgewinnung im Norden aufgegeben.

Torfkohle
Torf wurde nicht nur direkt als Brennstoff verwendet, sondern auch zu Torfkohle verkohlt. Auf diese Weise wurde der Heizwert erhöht und die Verbrennungseigenschaften verbessert. Verbreitet war dieses Verfahren im 18. und 19. Jh. Auch auf der nordschleswigschen Geest fanden sich diese Torf-Kohle-Meiler.
Für einen Meiler wurden 40 - 50 Fuder (Bauernwagen) Torf benötigt.
Torfkohlebrocken waren hart und schwarz ähnlich dem Koks.
Gebraucht wurde die Torfkohle u. a. als Schmiedekohle, weil sie keine Schlacken bildete und eine gleichmäßigere Wärme gewährte. Hauptabnehmer nordischer Torfkohle war die Schiffswerft und die Kupfermühle in Flensburg und eine Färberei in Angeln.
1918/19 wurden die Lieferungen eingestellt.

Torfsalz
(siehe unter Friesensalz).

torquiert
In der Tortur gepeinigt.

Totenbretter
Siehe unter Leichenhölzer.

Totenkopfpredigt
In Angeln unvergessene Predigt des Pastors Johann Christian Ohrdorff (1728-57) in Grundhof. Zwischen Bohlsleuten, Kätnern, Insten war in den Dörfern ein heftiger Rangstreit ausgebrochen. In der Kirche stritt man sich um die vorderen Plätze. Wütend über diesen weltlichen Dünkel seiner Herde nahm er einen Totenschädel mit auf die Kanzel und ließ diesen an die Gemeinde gewandt sprechen:
"Sieh mich an, scharf ins Gesicht! War ich Bohlsmann oder nicht .... Was und wieviel war es wohl, was ich sonst besessen habe? War mein Haus mein Gut meine Habe eine Kate oder ein Bohl? Ei, versuch es, kannst Du noch, was ich auf der Welt gewesen, jetzt aus meinen Augen lesen? Eins von beiden war ich doch. Ist was, woran man sehen kann, wo bei freundschaftlichem Essen, ich mit meinem Rumpf gesessen, oben oder unten an?
Viel Erfolg hatte er wohl nicht mit seiner Totenkopfpredigt aber am 11. 12. 1732 gab es eine Königliche Verordnung nach der Frei- und Veste-Kätner ranglich den Bohlsleuten gleichgestellt wurden. Übertretungen sollten mit 10 Rthlr. geahndet werden.

Totenkreuz
In manchen Beliebungen in Angeln gab es das Totenkreuz. Beim Tod eines Gemeindemitglieds ging es von Haus zu Haus. "Eilig und geschwind reicht es einer an den anderen weiter". Daran war ein Zettel befestigt auf dem geschrieben stand wer gestorben war, wer zu den Sargträgern gehörte usw.. Außerdem wurde Tag und Stunde der Beerdigung mitgeteilt und um Teilnahme an der Beerdigung gebeten.

Totenpfennig
(siehe unter Gildepfennig)

Totenschild
Totengedenktafel die in der Regel in der Kirche angebracht wurde und an eine verstorbene Person erinnerte. Ursprünglich nur für den Adel, später auch fürs Bürgertum.
Das Totenschild entstammte der Sitte des 12. Jh. den Schild des verstorben Ritters mit seinen Waffen in der Kapelle seiner Heimatburg aufzuhängen. Aus dem Schild entwickelte sich im Laufe der Zeit bis ins 16 Jh. das Vollwappen des Toten und wurde mit Umschrift versehen.
Totenschilde waren gewöhnlich aus Holz, das auch mit Leder umspannt und mit Malereien reichlich verziert war.
Im Barock wurden die Totenschilde durch Epitaphe (s. d.) abgelöst.

Totenzettel
Katholischer Brauch vom 16. bis 18. Jh., der kaum im norddeutschen Raum verbreitet war. Besonders in besser gestellten Gesellschaftsschichten wurde es üblich Leichenpredigten auf Totenzetteln drucken und bei der Beerdigung verteilen zu lassen. Sie enthielten - oft in gereimter Form - Lebensdaten, Trostworte-, Verdienste und Leistungen des Verstorbenen und Lobestexte.

Toverye
Etwas verbrechen, sich schuldig machen, hexen.

Trampler
Hilfsmittel zum Dreschen des Korns als Fortschritt für den Dreschflegel. Es handelte sich um einen von einem Pferd angetriebenes System. In einem schräg stehenden Holzkasten lief ein Pferd auf einer Art Holzrollen (Hamsterradsystem) und trampelte die Körner aus den Ähren.

Trauerschere / Freudenschere
Bestimmter Stillstand der Mühlenflügel beim Vorbeizug eines Leichen- oder Hochzeitszuges an der Mühle.
Bei der Trauerschere standen die Flügel auf 2.°° Uhr; 5.°° Uhr; 8.°° Uhr und 11.°° Uhr.
Bei der Freudenschere standen sie auf 1.°° Uhr; 4.°° Uhr; 7.°° Uhr und 10.°° Uhr.
Für diese Aufmerksamkeit warf das Brautpaar dem Müller ein in Papier gewickeltes Geldstück zu.

Trauung
Wahrscheinlich abgeleitet von Treue oder von Vertrauen der
Brautleute zueinander.
Im Mittelalter gab es keine Pflicht zur Trauung. Heimliche Verlöbnisse (matrimonia clandestina) oder sog. Heimliche Winkel-ehen, waren rechtsgültig.
Nach der Reformation wurde die Ehe zuerst von protestantischen und weltlichen Obrigkeiten, dann auch von der katholischen Kirche als Schwelle für die Ausübung legitimer Sexualität etabliert.
Im Katholischen wurde die obligatorische Trauung im 16. Jh. vom Trienter Konzil eingeführt.
Trauungen fanden vor allem im Oktober nach Beendigung der Ernte statt.
(siehe unter Copulation, Dispensation, Eheschließung, Hauscopulation, Heirat, Königsbrief, Luxusverordnung)

Treber / Träber
Viehfutter aus gebranntem Malz der Brauereien.
Siehe auch unter Bier.

Treene
Fluß im Norden Schleswig-Holsteins mit Quelle im Treßsee bei Großsolt. Sie ist ein Nebenfluß der Eider und mündet nach 73 Km im nordfriesischen Friedrichstadt oberhalb des Eidersperrwerks in die Eider. Die Treene hat wie die Eider als ein Sonderfall Nordseezufluß.
Die Route Eider - Treene - Haithabu diente in der Frühzeit als Transportweg zwischen Nord- und Ostsee.
Der westliche Teil der Treene war die Grenze zwischen dänischer und sächsischer (niederdeutscher) Besiedelung.

Treueeid der Gutsuntergehörigen
Wurde ein Gut verkauft und bekam einen neuen Gutsherrn, so mussten ihm alle Untergehörigern (Leibeigenen) mit "bloßem Haupt und Handschlag" den schuldigen Gehorsam erweisen und den Treueeid leisten "für uns und die unsrigen vor Gott".
Zu dem "Actus traditonis" dem Ablauf mit symbolischer Handlung zählte auch, dass man ihm auf einem Teller den Hausschlüssel überreichte und das Herdfeuer anzündete.

Trinte
Harden waren in kleinere Verwaltungseinheiten, die Trinte eingeteilt. Eine Trinte wurde von einem Rechensmann geführt. Jedem Trint gehörten mindestens zwei Sandmänner an.

Trucheld / Trugeld
(angeliter Platt) Eher Treuegeld als Trauergeld.
Wurde der Altbauer zu Grabe getragen, so gab der Hoferbe den Dienstboten nach Betriebszugehörigkeit und dem Verhältnis zu dem Verstorbenen gestaffelt ein Trucheld in Höhe von 3 bis zu 20 Mark. Mit dem Trucheld war die Verpflichtung verbunden ein halbes Jahr lang nicht zum Tanz zu gehen und im Gedenken an den Toten still vor sich hin zu leben.

Türkensteuer / Türkengilden
Siehe unter Sklavenkasse. Mit Türken waren allgemein die Moslems gemeint.

Tüünlüüd
Flurname. Wörtlich Zaunleute. Eine in Maasholm, gebräuchliche Bezeichnung für Eigentümer der Koppeln, die vor Jahrhunderten den Oeher Heringszaun (Hamentünen) befischten.

Tutelschaft
Vormundschaft