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Staatsbankrott, dänischer
Dänemarks Finanzen waren 1813 durch die Kriege (s. d.) zerrüttet. Es fand keine ordentliche Staatsrechnung mehr statt und Hofstaat und Staat lebten aus einer Kasse. Die dänische Regierung ließ in ihrer Kopenhagener Bank reichlich Papiergeld ohne Silberdeckung drucken. Der Kurs sank ständig und belief sich 1812 auf nur 15 Prozent seines Nominalwertes. Schleswig-Holsteiner weigerten sich dieses wertlose Papiergeld anzunehmen. So brach 1813 bei 100 Millionen Talern Staatsschuld der dänische Staatsbankrott aus.
Am 5. 1. 1813 erfolgte die Bankverordnung, die bestimmte, dass die neugegründete Bank in Kopenhagen das einzige Geldinstitut für Dänemark und die Herzogtümer sein sollte.
Das von der Kopenhagener Bank in Umlauf gesetzte Papiergeld sank bald auf den zehnten Teil seines ursprünglichen Wertes.
Zur Wiederherstellung der Staatsliquidität wurden der Reichsbank 6 % vom Wert aller Grundstücke, Zehnten und Gebäude zugeschrieben (Reichsbankhaft), welche die Eigentümer entweder auf einmal abzutragen oder in reichlich 30 Jahren mit
61/2 % zu verzinsen hatten.
Im Sog dieser Maßnahmen gingen viele Bauernstellen verloren, die die Belastungen nicht tragen konnten. Von den Schleswig-Holsteinern wurde es als sehr ungerecht empfunden, dass sie selbst viel stärker belastet wurden als die Reichsdänen und dieses bildete einen fruchtbaren Nährboden für die Schleswig-Holsteinische Erhebung - "Los von Dänemark-Bewegung"!
Infolge des Staatsbankrotts gab es neues Geld: Reichsbankthaler (Rbtr.) und Reichsbankschilling (Sch).
Siehe auch unter Reichsbankhaft.

St. Johannes / St. Michaelis
Mittelalterliches, zwischen 1200 und 1230 gegründetes Kloster in Schleswig. Es lag am Nordrand der Stadt. St. Johannes war zunächst ein Kloster für Benediktinerinnen, die dorthin strafversetzt wurden. Nach der Reformation wurde es als Adelsstift für unverheiratete Töchter genutzt.
Es handelte sich um ein Doppelkloster mit einem Mönchs- und einem Nonnenkonvent. Im angeschlossenen St. Michaelis lebten die Mönche. Da praktisch Nonnen und Mönche unter einem Dach wohnten, kam es zu einem "tiefen Grad der Sittenlosigkeit".
1190 löste der Bischof daraufhin das Mönchskloster auf und schickte die Mönche ins neu erbaute Kloster Guldholm (s. d.) am Ufer des Langsees, nördlich von Schleswig. Die Nonnen blieben am alten Ort zurück. Der Bischof lies Zistersienser aus Dänemark holen, die für strengere Regeln bekannt waren und übertrug ihnen die unnachgiebige "Erziehung" der Benediktiner. Dafür gab es aber nicht nur religiöse, moralische und kirchliche Gründe sondern auch politische.
Als der Bischof, ein Vetter König Knud VI. ( 1162 - 1202), der selbst politisch machtorientiert war, 1192 gefangengesetzt wurde, nutzen die Mönche ihre "Freiheit" und kehrten in ihr alter Kloster St. Michaelis/St. Johannes zurück. Das führte zu erneuten Verwicklungen. Die Zurückgekehrten bestanden auf Wiedereinführung ihrer alten Rechte und da ihnen diese von den Zisterziensern verwehrt wurden, kam es zu einem richtigen handgreiflichen "Mönchskrieg" zwischen Zistersiensern und Benediktinern.
Eine nun vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission entschied den Streit zu Gunsten der Guldholmer. Einzige Bedingung war die Anerkennung des herzoglichen Patronats. Dies war damals der spätere König Waldemar II.(1170 - 1241).
Das Kloster Guldholm lag in einer feuchten Niederung mit sehr ungesundem Klima und so siedelten die Zistersiensermönche 1209/10 schon wenige Jahre später in das Rudekloster (s. d.) um, dass sie bei Glücksburg (s. d.) erbauten.

St. Jürgenhäuser
Außerhalb der Städte (wegen Ansteckungsgefahr) liegende Klöster zur Aufnahme und Pflege von Aussätzigen (s. d.) und Pestkranken. Sie hatten eigene Kapellen und Friedhöfe.
Noch heute zeugt in Flensburg der Ortsteil St. Jürgen von dem einst hier befindlichen St. Jürgenhaus. Bettelmönche (Grau- und Minderbrüder) sammelten Nahrung und Almosen für die Kranken.

Stabilarius
(siehe unter Staller)

stadtfesten
bestätigen, genehmigen.

Stadtrechte
Landesherrliches Vorrecht ein Dorf oder eine Gemeinde zur Stadt zu erheben. Stadtrechte entstanden in Deutschland seit dem 10. Jahrhundert. Die Städte hatten und gaben sich eigene Privilegien und Rechte, die sie gegen das grundherrliche Land abgrenzten und die sich vom umgebenden Landesrecht unterschieden. Städte hatten eine eigene Gerichtsbarkeit und eigenes Straf-, Markt-, Handels- und Verkehrsrecht.
Die städtische Freiheit führte zur Aufhebung der Leibeigenschaft (s. d.) da "Stadtluft nach Jahr und Tag freimachte".
Am bekanntesten war das "Lübische Stadtrecht" (s. d.) von 1160 der Stadt Lübeck.
Im 15. 16. und 17. Jh. entstanden an vielen Orten "verbesserte Stadtrechte", sog. Reformationen. Hierbei wurde mehr und mehr das römische Recht eingemischt.
Beispiele für frühe Stadtrechte.
1200 Schleswig; 1247 Hadersleben; 1284 Flensburg; um 1300 Ribe; 1325 Eckernförde; 1335 Apenrade; 1460 Rendsburg; 1461 Sonderburg; 1590 Tönning und Garding.
Beispiel für späte Stadtrechte:
1603 in Husum; 1617 Glückstadt; 1870 Kappeln; 1960 Niebüll.

Staller
Titel in Nordfriesland für Landvogt. In alten friesischen Urkunden wurde er auch Stabilarius genannt. Vertreter der Landesherrschaft. Statthalter des Herzogs, gleichzeitig auch Hebungsbeamter (Eiderstedt, Nordstrand, Pellworm). Höchste obrigkeitliche Person auf Nordstrand.

Standesamt
Bis 1874 oblagen die Eintragungen der Personenstandsfälle den Pfarrämtern und wurden in Kirchregistern verzeichnet.
Am 1. Oktober 1874 wurden in Preußen die Standesämter beschlossen und am 1. 1. 1876 gesetzlich eingeführt auf denen Eheschließungen, Geburten und Todesfälle jetzt staatlicherseits registriert wurden. Die ersten wurden von Gemeindemitgliedern (Bürgermeister Dorfschullehrer) ehrenamtlich verwaltet. Die Pastoren denen dieses bisher oblag wurden dadurch amtlich sehr entlastet.
Die erfassten Daten wurden in Personenstandsbüchern geführt.

Stapelholmer Weg
Alter Fracht- und Triftenweg für große Ochsen- und Schweineherden sowie Pferdetrecks. Er wurde auch Alter Treeneweg genannt, dessen Bedeutung weit in vorgeschichtliche Zeit zurückreichte. Er hielt die Verbindung zwischen dem alten Heerweg im Osten mit dem Norder- und Süderfreesenweg im Westen.

Stapelrecht
Altes Recht aus der Zeit Karl des Großen, das 1815 endgültig vom Wiener Kongress abgeschafft wurde.
Auch Niederlassungsrecht, eigentlich ein Markt- oder Verkaufsrecht. Im Mittelalter war es das Recht einer Stadt von durchziehenden Kaufleuten zu verlangen, dass sie ihre Waren für eine bestimmte Zeit in der Stadt abluden (stapelten) und zum Verkauf anboten. Die Händler konnten sich durch ein Stapelgeld vom Stapelrecht freikaufen. Zusammen mit dem Stapelrecht hatten die Städte meist auch ein Umschlagsrecht. Damit die Städte von den Kaufleuten nicht umfahren wurden, erhielten manche Städte auch noch ein Meilenrecht, um dieses Umgehen der Stadt zu verhindern. Auch die auf den Flüssen transportierten Waren in den Städten und Häfen mussten gestapelt, d. h. entladen und zum Verkauf angeboten werden.
Viele Orte leiten hieraus ihren Namen ab wie Stapelfeld, Stapelholm)

Stappsted / Stappsteen
(nordfriesisch) In frühen Zeiten, als Straßen und Wege noch unbefestigt waren und durch Niederungen und über Bäche führten, suchte man seichte flache Stellen (Stappsted) an denen man auf flachen Steinen (Stappsteens) über die nassen und feuchten Stellen stapfen (stappen) konnte.

Statisfaction
Finanzielle Sanktion für ein nicht eingehaltenes Eheversprechen.

Stave / Staven / Stavener
Bohlstelle, Hof, Hufe.
1) Im nordfriesischen ein Freier Bauer.
2) In Nordfriesland die Bezeichnung für die zur Dorfgemeinschaft gehörigen Bauernstellen.

Stavensgeld
Eine Grundheuer. Der Stavensinhaber (Besitzer des Hofes) teilte ein Stück seines Landes ab und erbaute darauf eine Kate, die er in Erbpacht vergab. Dafür erhielt er als Erbpacht das Stavensgeld.

Steckfluß
Atembeschwerde die häufig zum Tod führte.

Steindrucker
Beruf. Sie stellten auf Kalksteinplatten Druckvorlagen für die Vervielfältigung von Kunstdrucken her.

Steller
In Nordfriesland ein Wehrpflichtiger. Er konnte sich bis 1864 durch Stellung eines Stellvertreters vom Wehrdienst freikaufen. Die Zahlungen für einen Stellvertreter waren nicht unerheblich. Sie betrugen 1860 In einem nachgewiesenen Fall 580 Reichsthaler, das entsprach dem Gegenwert von 5 Pferden oder 9 - 10 Schlachtrindern. Die Gefahr den Krieg nicht zu überleben war für den Stellvertreter auch recht hoch und das bestimmte den Preis. Viele ärmere Steller entzogen sich der Wehrpflicht durch Auswanderung nach Amerika.

Stertköh
(Angeliter Platt. Wörtlich Schwanzkühe)
Nach der langen Aufstallung und mangelnden Fütterung im Winter so schwach gewordene, entkräftete Kühe, die im Frühjahr aus eigener Kraft nicht mehr aufstehen konnten. Sie wurden von starken Männern am Schwanz (Stert) wieder auf die Beine gezogen.

Stipulation
(lat. stipulatio = förmliches Versprechenlassen)
Vertrag, Festsetzung, Vereinbarung, Öffentliches Versprechen.

Stockhaus / Stockmeister
Gefängnis, Gefängniswärter.

Stöpe
Verschließbarer Deichdurchlass, der bei Hochwassergefahr geschlossen werden kann. Die einzige Stöpe an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste befindet sich in der Gemeinde Nieby bei Gelting.

Strafen des Mittelalters
Anprangern
Ehrenstrafe. Siehe unter Pranger. Der Verurteilte wurde an einer markanter Stelle der Stadt angekettet (angeprangert) Er durfte von Jedermann beschimpft, bespukt und geschlagen werden.
Bärenloch
Freiheits- und Folterstrafe. Kellerverliese auf Burgen, Schlössern, Gütern, Herrensitzen in denen die Sünder oft ohne Verhandlung und ohne Urteil auf unbestimmte Zeit eingesperrt wurden.
Blenden
Verstümmmelungsstrafe. Ausbrennen oder Ausstechen der Augen.
Brandmarken
Ehren- und Folter- und Verstümmelungsstrafe. Das festgebundene oder festgehaltene Opfer wurde mit glühenden Eisen an sichtbaren Körperstellen gebrandmarkt (auf alle Zeiten für Jedermann als Täter kenntlich gemacht).
Zu dieser Strafe gehörte auch das Ausbrennen der Augen.
Daumenschrauben
Folterstrafe zur Erlangung von Geständnissen. Die Daumen (Finger) werden in einen Schraubstock gelegt und durch immer stärkeres Anziehen, welches zu steigenden Schmerzen führt, gepresst.
Einmauern
Todesstrafe. Der Delinquent wird mit etwas Nahrung und Wasser in ein Verlies gebracht. Anschließend werden alle Fenster und Türen zugemauert. Er stirbt durch Verdursten, Erstickung oder durch Selbstmord, wenn ihm dieses möglich ist.
Enthaupten
Todesstrafe. Auch Köpfen genannt. Adeligen wurde mit dem Schwert, einfachen Verbrechern mit dem Beil der Kopf abgeschlagen. Während der französidschen Revolution nutzte man dazu die Guillotine, das Fallbeil.
Die Enthauptung mit dem Schwert war eine ehrenhafte, die mit dem Beil eine unehrenhafte Strafe.

Erdrosseln
Todesstrafe bei der der Verurteilte an einen Phahl gebunden wurde. Um seinen Hals wurde ein Seil geschlungen, das hinter dem Phahl geknebelt (gedreht) wurde. Durch diese Verengung starb der Delinquent sofort.
Ertränken
Todesstrafe. Auch Säcken genannt. Das Ertränken geschah auf unterschiedliche Weise. Entweder wurde das Opfer einfach unter Wassergedrückt, oder in einem mit Steinen beschwerten Sack oder Kiste versenkt, oder er bekam einen Stein um den Hals gehängt bevor er ins Wasser geworfen wurde.
Festungsarrest
Eine nicht entehrende Freiheitsstrafe die für Zweikampf und bei einigen politischen Straftaten verhängte wurde. Unterschieden wurden drei Grade für den Festungsarrest:
1) Freier Umgang am Tage in der Festung.
2) Nur zwei Std. täglicher Umgang in Begleitung eines wachhabenden Soldaten.
3) Der Arrest beschränkt sich auf einen Raum. Umgang in der Festung ist nicht erlaubt.
Gefängnis bei Wasser und Brot
Kurze Freiheitsstrafe. Eine Strafe bis ins 19. Jh. bei der fünf Tage Wasser und Brot mit 5 Tagen normaler Kost wechselten..
Halseisen
Ehrenstrafe. Zwei bandförmige Eisenteile, die dem Gefangenen um den Hals gelegt und geschlossen wurden. Daran war eine Kette, mit dem man den Delinquenten an den Pranger oder im Verlies an die Mauer fesselte. Es handelte sich um eine Ehrenstrafe (s. d.)
Kitzeln
Folterstrafe zur Erlangung von Geständnissen. Der Verurteilte wurde auf einem Brett festgebunden, dann wurden ihm Salz in die Füße massiert, dass man von einer Ziege ablecken ließ. Es soll sich um eine kaum auszuhaltende Strafe gehandelt haben.
Köpfen
Siehe unter Enthaupten.
Landesverweisung
Siehe unter Landesverweisung.
Lebendig begraben
Todesstrafe für Kindesmord und Verbrechen der Unzucht. Ehebrecherinnen und Diebinnen wurden so bestraft. Der Verurteilte wurde lebendig ins Grab gelegt, mit Dornen bedeckt und mit Erde eingegraben. Eine Schwangere durfte nicht lebendig begraben werden. Ihr wurden zur Strafe die Ohren abgeschnitten.
Pfählen
Todesstrafe. Eine der grausamsten Todesstrafen jener Zeit.
Durch den lebendig im Grabe liegenden wurde ein Phahl hindurchgetrieben, der ihn im Grab festnagelte. Häufig geschah dieses bei Mördern am Grab des Opfers. Durch das Phälen fielen sie unendlicher Verdammnis anheim.
Prügelstrafe
Siehe unter Staupenschlag und Züchtigung.
Rädern
Todesstrafe ausschließlich für Männer. Hinrichtungsart bei der der Delinquent mit Armen und Beinen an Pflöcken auf dem Boden liegend befestigt wurde. Daraufhin wurden ihm scharfkantige Hölzer oder Eisen unter die Glieder geschoben, damit diese hohl lagen. Dann wurde von oben nach unten (vom Kopf beginnend - was einen schnellten Tod zur Folge hatte) oder von unten nach oben (an den Füßen beginnend - was einen sehr langsamen qualvollen Tod bedeutete) immer wieder ein schweres Holzrad auf ihn geworfen, bis ihm alle Knochen gebrochen waren.
Danach wurde er mit seinen Gliedern in die Speichen eines Wagenrades geflochten oder darauf gebunden. Das Rad hatte neun Speichen. Häufig lebte er noch, wenn er aufs Rad geflochten wurde. Das Rad wurde dann auf einem Pfahl befestigt und der Leib des Hingerichteten verblieb auf dem Rad und wurde dem Tierfraß und Verfall überlassen. Das diente der Abschreckung der Bevölkerung vor solchen Taten.
Das Rädern war wie das Hängen eine unehrenhafte, schimpfliche Strafe.
Schandkragen
Ehrenstrafe. Fessel. Hölzernes Brett mit Öffnungen für den Hals und die Hände. Der eingespannte Gefangene konnte so gefesselt zu seiner Schande an einem Seil durch die Stadt geführt oder am Pranger angebunden werden. Der Schandkragen wurde bei sog. Ehrenstrafen (s. d.) angewendet, bei der man dem Gefangenen seine Ehre nehmen wollte.
Spanischer Mantel
auch Schandtonne war ein Strafinstrument ab dem 13. Jh. Es handelte sich um eine Ehrenstrafe. Der aus Holz gefertigte Mantel oder die Tonne wurden dem Verurteilten umgehängt und er musste entehrt damit durch die Straßen laufen. Zur Erhöhung der Pein waren einige mit Blech ausgeschlagen oder innen mit spitzen Dornen bestückt. Auch hier handelt es sich um eine Ehrenstrafe (s. d.)
Spießrutenlaufen
Im Militärstrafrecht wurden so Deserteure bestraft. Später fand es Anwendung im Forst- und Jagdrecht. Eine sehr schmerzhafte Strafe die zu ernsten Verletzungen führen konnte. Der Deliquent musste mit entblöstem Rücken durch zwei Reihen von je 12 Soldaten hindurchlaufen, die ihn mit Haselnußruten schlugen. Es ist nicht nachzuweisen, dass diese Art der Bestrafung auch im Norden durchgeführt wurde.
Staupenschlag
Siehe unter Prügelstrafe und Züchtigung. Gezüchtigt wurde mit dem Staupbesen, einem Bündel Reisig. Meist war der Staupenschlag eine zusätzliche Strafe zu einer anderen als Strafverschärfung.
Steinigen
Todesstrafe. Das Opfer wird auf einem Marktplatz an einen Pfahl gebunden und von den Umstehenden so lange mit Steinen beworfen, bis er tot ist.
Strecken
Folter zur Erlangung von Geständnissen bzw. Todesstrafe. Auf einer Streckbank die am Kopf- und Fußende eine Winde hatte, wurde der Delinquent festgebunden. Durch langsames Drehen wurde das Opfer in die Länge gezogen, (gestreckt). Das Strecken konnte auch den Rückenwirbel des Opfers zerstören und ihn zeitlebens zum Krüppel machen.
Abschneiden von Ohren, Zungen, Fingern, Füßen und Händen
Verstümmelungs- und Erziehungsstrafe. Lügner und Gotterlästerern. wurden durch das Herausschneiden der Zunge, Diebe durch das Abhacken einer Hand, Flüchtige durch das Abschneiden der Füße bestraft, Kupplern durch das Abschneider der Ohren, Meineidigen durch das Abschneider der Schwurfinger, Einbrechern durch Ausstechen der Augen.
Schwangere Frauen durften, wenn sie Täterinnen wurden, nicht zum Tod verurteilt werden. Ihnen wurden zur Strafe die Ohren abgeschnitten.
Verbrennen
Todesstrafe. Das Opfer wird auf einem Scheiterhufen verbrannt. Dieses war eine übliche Bestrafung für Ketzer und Hexen, weil die beteiligte Kirche nicht wollte, das Blut vergossen wurde.
Vierteilen
Todesstrafe hauptsächlich für Verräter. Arme und Beine des Verurteilten wurden mit Stricken jeweils an den Schweif von vier Pferden befestigt. Hinter jedem Pferd stand ein Antreiber. Auf ein Komando trieben sie gleichzeitig die Pferde in vier verschiedene Richtungen und so wurde der Körper des Delinquenten buchstäblich zerrissen (gevierteilt).
Züchtigung
Körper- und Ehrenstrafe die der Erziehung galt. Sie wurde mit Peitschen, Ruten oder Stöcken auf Gesäß oder Rücken durchgeführt. Sie fand immer auf öffentlichen Plätzen mit vielen Zuschauern statt. In Flensburg durch den Kaack (s. d.).
Siehe auch unter Staupenschlag.
Zuchthausstrafe
Freiheitsstrafe mit Erziehung zu Zucht und Ordnung.

Strafgewalt, mittelalterliche .....
Das germaische Recht sah die Strafgewalt der Familie oder Sippe bis hin zur Todesstrafe vor. Entehrte Töchter oder Söhne durften vom Vater getötet werden. Dieses Recht galt das gesamte Mittelalter hindurch. Grundlage dieses Rechts war die Munt, die Gewalt des Hausherrn über die seiner Hausgemeinschaft angehörenden Personen. Besonders Mädchen, die gegen die Familienehre verstoßen hatten, konnten von Vater oder Bruder dafür getötet werden.
Diese Tötungsbefugnis der beleidigten Sippe oder des beleidigten Hausherrn billigt auch noch das Dithmarscher Landrecht von 1447. Dieses Recht soll dort bis ins 18. Jh. hinein Bestand gehabt haben.

Strandung / Strandgut / Strandräuberei
Alles an den Strand getriebene Gut bis hin zu Schiffen. Besonders an der Nordsee (Mordsee) kam es auf den Inseln zu vielen Schiffsstrandungen. Das galt besonders für die Zeit, als es noch keine guten Navigationsgeräte gab und auch das Seezeichenwesen (s. d.) noch nicht so gut war.
Die Strandung von Schiffen mit wertvoller Ladung war für die Landesherren finanziell nicht uninteressant. Von dem Auktionserlös erhielten sie ein Drittel, ein weiteres Drittel stand den Bergern zu und das letzte Drittel bekamen die Eigentümer, Kapitäne und Reeder. Diese staatliche "Strandräuberei" dauerte bis 1803. Danach wurden sie durch die Grundsätze des humaneren dänischen Strandrechtes ersetzt.
Da dem Land (König, Herzogtümern) die Küsten gehörten, stand ihnen auch das Strandgut zu. Von der Strandung über die Bergung bis zum Auktionserlös musste alles genau protokolliert werden. Dafür zuständig waren die Strandvögte. Nicht immer traute die Landesherrschaft den Strandvögten und ließ diese noch von Strandinspektoren oder Strandhauptmännern überwachen.
Strandungen waren auch ein gutes Geschäft für Strandräuber, die oft als erste die gestrandeten Schiffe erreichten und sich nahmen, was sie brauchten. Nicht selten gingen sie soweit sogar die noch lebende Besatzung zu töten, wenn diese sie am räubern hindern wollten.
Schon für mindere Fälle von Strandräuberei gab es strenge Strafen bis hin zu Zuchthaus. Das galt selbst, wenn nur Planken, die zum Heizen gebraucht werden sollten, am Strandvogt vorbei geraubt wurden.
Nach Aufhebung des Strandrechts galt das Fundrecht und der Finder erhielt "5 % des Besten".

Straßen, im Herzogtum Schleswig ....
1845 gab es im Herzogtum folgende Straßen:
Flensburg - Husum 37,50 KM
Husum - Friedrichstadt - Tönning 26,25
Flensburg - Schleswig - Eckernförde - Kiel 82,50
Flensburg - Apenrade 33,75
Apenrade - Hardersleben - Kolding 56,25
Schleswig - Rensburg 28,12
Hadersleben - Aarösund 15,00
Husum - Tondern - Ripen (Ribe) 101,25
Tönning - Garding 11,25
Flensburg - Fynshav 58,12

Von diesen 450 Km waren 1854 aber erst 221,25 Km Kunststraßen aus Stein, der Rest waren Schotterwege.
Siehe auch unter Wegeverordnung.

Straßenbahnen
Am 8. 7. 1888 wurde auf Sylt eine dampfgetriebene Inselbahn eingerichtet die 1970 stillgelegt wurde.
Schon um 1890 ging man dazu über, die um 1880 gegründeten Pferdebahnen durch Straßenbahnen zu ersetzen und die "Hafermotoren" durch Elektromotoren auszutauschen.
1896 nahm die Straßenbahn in Kiel ihren Betrieb auf. 1914 war das Streckennetz auf 36,5 Km ausgebaut. 1955 begann in Kiel der Rückbau der Straßenbahn und 1969 gab es nur noch eine Linie.
1901 richtet Amrum eine dampfgetriebene Inselbahn ein die bis 1939 ihren Dienst tat. Außerdem wurde von 1909 bis 1919 eine elektrische Inselbahn auf Amrum betrieben.
1905 - 1907 nahm die Straßenbahn in Flensburg ihren Betrieb auf. Schon 1912 fuhr sie auf drei Linien, die zwischen 1957 und 1973 eingestellt wurden.
1910 wurde in Schleswig die alte Pferdebahn durch eine Straßenbahn ersetzt. In den engen Straßen der Innenstadt war der Betrieb aber sehr problematisch und so wurde sie schon 1936 wieder eingestellt.
(siehe auch unter Pferdebahnen)

Straßen- und Stadtbilder des Mittelalters
Am Beispiel Flensburgs dargestellt.
Die Straßen und Gassen waren ungepflastert und bei Regen abgrundtief durchweicht und nachts unbeleuchtet. Die Häuser hatten keine Toiletten (siehe unter Notdurft) und keinen Wasseranschluß und keine Kanalisation. Auf fast jedem Hof wurde Vieh gehalten, das morgens durch die Rodestraße (Rote Straße) und das Rodetor (Rote Tor) auf die Weide vor der Stadt getrieben und abends zurückgeholt wurde. Der Mist wurde in Ehgräben (s. d.) vor die Häuser auf die Straße und in den Hafen gespült. Es stank erbärmlich in der Stadt. In den aufgeweichten Straßen suhlten sich die Schweine, fuhren sich Fuhrwerke fest und gingen die Menschen ihren Bedürfnissen nach. Teilweise wurden die Bürger verpflichtet, die mit Viehdung und Kot durchtränkten Wege mit Holzstegen passierbar zu machen. Ihr Trinkwasser holten sich die Bürger von öffentlichen Brunnen, deren es viele auf den Straßen Flensburgs gab. An diesen Brunnen wurden aber auch die Pferde und das Vieh getränkt und Katzen und Hunde und anderes Getier bedienten sich selbst.
Die Stadt war von einer Mauer umgeben. Torwächter wachten an den Toren über jeden Ein- und Ausfahrenden. Nachts wurden die Tore geschlossen.
Siehe auch unter Ehgraben.

Strohgelder
Siehe unter Heu- und Strohgelder.

Strohlegen
In früherer Zeit gab es keine fertigen Särge. Diese wurden erst nach Eintritt des Todes nach Maß gezimmert. So konnte die Leiche nicht gleich eingesargt werden. Sie wurde zunächst nach bestimmtem Ritual auf Bretter, die mit Stroh bedeckt wurden gebettet. Dieses nannte man Strohlegen. Es wurde in jedem Haushalt extra sauberes Bund Roggenstroh dafür bereitgehalten. Während des Strohlegens wurden die Glocken geläutet. "Von´t Bett op´t Stroh lüden" nannte man diese Stunde.
Das Leichenstroh wurde zusammengebunden bis zum Tage der Beerdigung aufbewahrt. Während der Trauerzug auf dem Weg zum Friedhof war, wurde das Leichenstroh verbrannt. Es galt gleichzeitig als ein Omen. Den nächsten Toten würde es geben da wohin der Rauch zog.
siehe auch unter Beerdigung.

Strom- und Elektrizitätsversorgung der Städte
1885 wurde in Berlin das erste Elektrizitätswerk Deutschlands gebaut.
1894 begann die Stromversorgung Flensburgs von einem Gleichstrom-Elektrizitätswerk. Seit 1928 arbeitete das E-Werk mit Apenrade zusammen. Von 1969 bis 1971 wurde das Flensburger Kraftwerk auf ein Heizkraftwerk für Fernwärme umgerüstet.
1910 wurde ein E-Werk in Schleswig mit Gleichstrom in Betrieb genommen.

Stud
Neben der Leding (s. d.) hatten die freien Bürger einer Harde ähnlich den Spann- und Handdiensten persönliche Dienstleistungen Stud und Innä an den Landesherrn zur Unterhaltung der Burgen zu leisten.

Stülper / Strohstülper
Bienenkorb.

Stuf / Stufland
Im Gegensatz zum Ornum Land innerhalb der Dorfmark (s. d.), das durch Schenkung oder Verkauf vom Hof abgetrennt wurde und aus der Feldmark ausschied. Am häufigsten entstand es als Geschenk bei Heirat der Tochter.
Landgeschenke an die Kirche bezeichnete man als Kirchen- stuf.
Siehe auch unter Ornum.

Stuhlbrüder
Taxatoren der Brandgilden und Feuerversicherungsvereine im 19. Jh.. Sie hießen auch Schauungsmänner und gehörten dem Vorstand an. Von den 12 Suhlbrüdern ging jährlich jeweils der Älteste ab und wurde durch einen neuen, für vier Jahre gewählten, ersetzt. Sie taxierten die Werte der versicherten Gebäude, Einrichtungen und Mobilien, setzten jährlich Preislisten für landw. Produkte auf, nach denen Versicherungsleistungen erstattet wurden. Bei Brand untersuchten sie die Ursache, stellten den Schaden fest und legten die Entschädigungssumme fest.

Stuhlstände
Feste Plätze in der Kirche die auf sechs Jahre oder mehr an Kirchgänger vermietet wurden (...alle 6 Jahre aufs neue verlicitiret werden). Dafür musste Miete gezahlt werden. (s. u. Kirchstuhl). Alte Bauerngeschlechter hatten lebenslang ihre eigenen abgeschlossenen Plätze für ihre Familien.

Stuprata
Eine unehelich geschwängerte Frau.

Styrismann
Das ganze Land im Norden war für Seekriege in Distrikte (Skipän) eingeteilt, die jeder ein Schiff ausrüsten mussten. Die Ausrüstung leitete ein Styrismann, der auch im Krieg das Schiff befehligte. Er musste ein Pferd, eine vollständige Rüstung, eine Armbrust und drei Zwölfer (Tült) Pfeile haben.