R


Racker
Siehe unter Schinder.

Radfahrerkarte
1916 verfügte die Preußische Regierung, dass mit dem Fahrrad nur fahren durfte, der eine Radfahrerkarte hatte. Zum Erhalt dieser Fahrerlaubnis war eine vorherige Erlaubnis zur Benutzung von Fahrradbereifung erforderlich und die Kenntnis der Polizei-Verordnung zum Radfahren. Wer diese Erlaubnis nicht hatte, fuhr mit Taureifen oder band Weidenruten um die Felgen und radelte auf Feldwegen.
Schon die Preußische Radfahrer-Polizei-Verordnung vom 8. Juni 1895 über den Gebrauch von Fahrrädern auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen regelte die Verhaltenspflichten von Radfahrern.

Ranen
(die Roten). Westslawisches Volk auf Rügen und dem umliegenden Festland. Im 12. Jh. waren die Ranen gefürchtete Seeräuber auf der Ostsee, trieben aber auch regen Handel mit Skandinavien und Dänemark.
Die Ranen verloren ihre Unabhängigkeit durch König Waldemar I.. Er unterwarf sie und brachte sie zum Christentum. Ihr Führer Jaromar I. wurde Lehnsmann des dänischen Königs und die Insel Rügen wurde Bestandteil des dänischen Bistums Roskilde. Die Ranen kämpften nun auf Seiten der Dänen gegen die Pommern, bis 1186 ganz Pommern dänisch wurde.

Ransnäffninge
ausgewählte Gerichtshelfer aus den Reihen der Bonden für Fälle von Raub und Diebstahl (Ran = Raub. Näffn = nennen, berufen, auswählen).

Raseneisenstein / Raseneisenerz
Kein Gestein, sondern ein eisenhaltiges Sediment, das bis zu 20 - 40 % Eisen enthalten konnte und in geringen Tiefen auch in Grundwasserböden Norddeutschlands gefunden wurde. Besonders eisenhaltig war das in feuchten Heidelandschaften und an Gewässern vorgefundene Raseneisenerz. Es bildete den Grundstein der Eisenherstellung, die auch im Norden weit verbreitet war. Raseneisenstein konnte sehr leicht mit Hacke und Spaten gewonnen werden. Er kam hauptsächlich in feuchten sumpfigen Niederungsgebieten vor. Die Verhüttung entstand schon zu Zeiten der Germanen und Wikinger in Rennöfen (s. d.).
Reste von Schlacken und Brennöfen fand man in Süderschmedeby, Havetoft, in der Treeneniederung, um den Langsee und in Klappholz.

Räuberhöhle
Hügelgrab als "Ganggrab" aus der jüngeren Steinzeit zwischen Idstedt und Schleswig gelegen. Die Grabkammer ist bis heute begehbar. Im Mittelalter hatte sie über längere Zeit einer Bande von Wegelagerern als Unterschlupf und Versteck gedient, was zu dem volkstümlichen Namen Räuberhöhle für ein Grab führte.

Raubernannte
Aus acht Männern bestehendes Eidkollegium einer Harde, das bei Diebstahl und Raub bei der Wahrheits- und Urteilsfindung half. Sie wurden von den Bauern für ein Jahr ernannt und vom Amtmann des Königs vereidigt. Es war kein staatliches Organ, sondern ein Hilfsorgan der Bauerngemeinden.

Rauchen
Siehe unter Tabak.

Rechensmann
Jede Trinte (s. d.) hatte einen Rechensmann. Er war eine Art Gemeindevorsteher. Zuständig für die Einziehung von Steuern, Brüchen (Strafgeldern) (s. d.), Verbittelsgeldern (s. d.) für den Landesherrn.

Recognitionsgelder / Rekognition
1) Jährliche Steuerabgabe für ländliche Gewerbetreibende.
2) Anerkennungsgelder die als eine Art Pacht bezahlt wurden.
3) Auch Schutzgelder.
4) Gebühr für amtliche Eintragungen und Beglaubigungen.

rectus
(lat.) richtig. rec. = Abkürzung für empfohlen.

Redder
Ein Weg der auf beiden Seiten von Knicks (s. d.) begrenzt wurde.

Redzellast / Ritzellast
Nach dem Jütschen Low kleine Gebührnisse , welche ein Bauer von seinem Gute "jährlich seinem Herrn zu leisten schuldig war".

Reep / Reepemate
Mess-Schnur oder Messkette zur Landvermessung. (s. a. u. Wang)

Reepschläger
Beruf. Auch Reifer oder Seiler. Hersteller von Seilen.

Reet / Reetdächer

Reichere Bauern und Bürger deckten ihre Häuser mit Reet, ärmere mit Stroh ein. Reet musste im Winter geschnitten sein, noch besser war Winterreet vom Boot aus geschnitten. Dabei nahm man ein Ende des Halms mit, der unter der Wasseroberfläche gehärtet und besonders dauerhaft war.
Das Reetdach hielt zur Südseite 30 bis 40 Jahre und nach Norden fast die doppelte Zeit. Das Abtauen durch die Sonne "kränkte" (schädigte) das Dach. Die Firstabdeckung erfolgte regelmäßig mit Heidsoden (Placken s. d.)
Zum Handwerkszeug des Dachdeckers gehörten das Klopfbrett, die mit einer langen Öse versehene Nähnadel (zum Annähen des Reets auf den Latten) und das Knieleder (zum Schutz der Kniee vor den langen, scharfkantigen Reethalmenden.
Genäht wurde mit Zink- oder Kupferdraht. Dabei gab es einen Binnen- und einen Butennäher (Außennäher) die durch Zuruf miteinander zusammenarbeiten.

Refection
Wiederherstellung. Es gab Wege- und Brückenrefectionen.

Reformation im Norden
Durch Martin Luther angestoßene Erneuerungsbewegung im Christentum zu Beginn des 16. Jh. die mit einer erheblicher Erneuerung der Weltordnung verbunden war.
Für Martin Luther war der übertriebene Ablasshandel Anlass zur Verfassung seiner 95 Thesen im Jahre 1517. Luther unterzog die Traditionen der Kirche einer strengen Prüfung. Das führte zu einer massiven Kritik am Papsttum. Traditionen die seiner Meinung nach der Schrift (Bibel) widersprachen, lehnte er ab.
Zum theoretischen Ringen um die richtige Auslegung der Bibel traten bald politische Aspekte hinzu.
In Husum fand 1522 die erste evangelische Predigt statt. Mit Pastor Harmen Tast, Husum und damit begann die Reformation in Schleswig-Holstein.
1525 verkündete ein entlaufner Mönch namens Friedrich in Schleswig als erster "die reine Lehre".
An der St. Nicolaikirche in Flensburg fand die erste protestantische Predigt am 30. 11. 1526 statt.
Mit der Kirchenordnung von 1542 galt die Reformation im Norden als abgeschlossen.
1555 war die juristische Teilung der christlichen Kirche in Katholiken und Protestanten vollzogen.
Große Förderer der Reformation im Norden waren König Friedrich I. (1523-1533) und dessen Sohn Christian III. (1533 - 1559)

Reformationen
Verbesserte Stadtrechte die das Lübische Recht (s. d.) ablösten.

Regal, Regalien
Leistungen der Nutzer an den Fürsten, der dafür wirtschaftlich nutzbares Hoheitsrecht, z.B. Wasser-, Mühlen-, Steuer- , Münzregal vergab.

Regest
lat. res gestae = die getanen Dinge
1) Zusammenfassung des Inhaltes einer mittelalterlichen oder frühneuzeitlichen Urkunde.
2) Inhaltsangabe einer Urkunde nach Datum geordnet.

Rehejagt / Rehegeld
Es gibt zwei Erklärungen:
1) eine Steuer, eine Abgabe, als Ablösung von der Pflicht einen Mann bei den Treibjagden zu stellen und die Jäger und Pferde bei den Wolfsjagden zu verpflegen."
2) Unterhalt für die Jäger des Königs die durch Abhalten der Jagd dafür sorgten, dass in der Gegend die Schäden an den Weidetieren nicht überhand nahmen.

Reichsbankhaft 1813
Durch den dänischen Staatsbankrott 1813 (s. d.) ausgelöstes Gesetz zur Haftung der Grundbesitzer für Schulden des dänischen Staates.
Zur Wiederherstellung der Staatsliquidität wurden der Reichsbank 6 % vom Wert aller Grundstücke, Zehnten und Gebäude zugeschrieben (Reichsbankhaft), welche die Eigentümer entweder auf einmal abzutragen oder in reichlich 30 Jahren mit
61/2 % zu verzinsen hatten.
Durch diese Bankhaft floß ein großer Teil des Silbergeldes aus den Herzogtümern an die neue Reichsbank. Unerträglich für die Schleswig-Holsteiner war, dass den Dänen selbst diese Schuld nicht aufgebürdet wurde. Durch diesen Ausfall mussten die Herzogtümer 5 Millionen Reichsbanktaler zusätzlich aufbringen.
Im Zuge der Umstellungen kam es auch zu einer Währungsreform innerhalb der wertvolle Schleswig-holsteinische Courant-Taler in wertlosere Reichsbanktaler umgetauscht wurden. Das schürte die Wut auf die Dänen.
Die Reichsbankhaft führte für viele Bauern zu unerschwinglich hohen Belastungen und in Folge zu zahlreichen Konkursen. Verstärkt wurde die Entwicklung noch durch eine Viehseuche 1813 und den Krieg 1814 und hohe Einquartierungslasten.
Siehe auch unter Staatsbankrott.

Reichsdänisch / dän. Rigsdansk
Analog zum Hochdeutsch die Standardvariante der dänischen Sprache. Als Schriftsprache basierte sie auf der Sprache von Seeland und Schonen und verdrängte vom 15. bis 18. Jh. langsam die regionalen Varianten der dänischen Sprache.

Reismühle in Flensburg
Ehemaliges bedeutendes Industrieunternehmen in Flensburg am Süderhofenden. Die Reismühle wurde 1833 errichtet und wurde das größte Unternehmen der Fördestadt. Produkte wurden nach Ostdeutschland, Schweden, Dänemark und Übersee exportiert.
Als man im vorigen Jh. feststellte, dass Reis besser schmeckte, wenn man ihn ungeschält einführte, begann Flensburgs Kaufmann Hans Thomsen Fries damit ihn völlig ungeschält zu importieren. Er gab dem Reis den Namen "Paddy" unter dem dieser bekannt wurde. Es wurde dazu ausschließlich Carolina-Reis aus Hinterindien verwendet der hier enthülst wurde.
1858 wurde die Reismühle von dem Flensburger Handelshaus H. C. Kallsen stark ausgebaut.
Der vom Hafen mit Pferdefuhrwerken gebrachte Roh-Reis wurde von Staub, schlechten Körnern und fremden Bestandteilen befreit. Dann gelangte er in die Schälmaschinen, die die äußere Hülle und die innere Silberhaut entfernten. In Rüttelapparaten wurden noch anhaftende lose Bestandteile entfernt und in einem komplizierten Verfahren erhielt er den erwünschten Glanz. Dann wurde er von Siebmaschinen sortiert.
In den ersten Jahren schälte man 5.000 bis 10.000 Zentner Roh-Reis. 1892 waren es schon 230.000 Zentner die zum größten Teil exportiert wurden. Ein Abfallprodukt, das Reisfuttermehl wurde ein begehrtes Futter für Rinder und Schweine.
Am 1. 1. 1901 wurde die Reismühle an die Reismühlen GmbH in Bremen verkauft. Hier waren die neun in Deutschland bestehenden Reismühlen vereinigt.
Als man in den Ursprungsländern begann dort an Ort und Stelle den Reis zu schälen und zu bearbeiten, musste die Flensburger Reismühle 1908 schließen.

Rekognition / Recognition
1) Grundheuer (Pachtzins) des Festers (Pächters) an den Grundherrn.
2) Anerkennung, Beglaubigung. Rehkognitationsgeld = Bezahlung für solche amtlichen Eintragungen.

relicta filia (vidua)
(lat.) zurückgelassene Tochter (Witwe).

Remonstranten
(von lat. remonstrare = zurückweisen.)
Protestantische reformierte Religionsgemeinschaft in Holland und Schleswig-Holstein. Sie wurden auch Arminianer genannt.
Ihr Gründer war der Theologe Jacobus Arminius (1560 - 1609). Ihre Wurzeln hatten sie in den Niederlanden des 17. Jh.
Sie betonten die Willens- und Glaubensfreiheit des Menschen.
Sie lehnten den Kalvinismus ab und mussten als Verfolgte ihre niederländische Heimat verlassen. Einige emigrierten in das Herzogtum Schleswig und waren 1621 Mitbegründer Friedrichstadts und Glückstadts. Nach Beendigung ihrer Verfolgung 1630 kehrten viele Remonstranten nach Holland zurück.

remonstrirung
(lat.) Einspruch.


Remonte / remontieren
Junges, für die Wehrmacht (Kavallerie) bestimmtes, noch nicht zugerittenes Pferd. In einer Remonte-Verordnung von 1776 wurde die "Stellung der Nationalpferde" und der Umgang mit ihnen vorgeschrieben.
Unter remontieren versteht man die Ergänzung des Pferdebestandes durch Jungpferde.

Remuneration
Entschädigung, Vergütung, Arbeitsentgeld.

Rendsburger Vergleich
Im Rendsburger Vergleich vom 10. 7. 1675 verzichtet der gottorfsche Herzog Christian Albrecht gegenüber dem dänischen König auf seine 1658 erreichte Souverenität am schleswigschen Anteil. Der Vertrag bestimmt, dass der Herzog kein Bündnis mit fremden Mächten eingehen darf und bestehende Bündnisse sich nicht gegen den König richten dürfen. Der Herzog muß das Amt Schwabstedt und den herzoglichen Anteil am Domkapiel- und Kirchengut von Schleswig an den König abtreten und ihm auch alle Festungen überlassen.

Rennofen
Vorrichtung zur Gewinnung von Eisen aus Raseneisenstein (s. d.) Es war ein aus Lehm und Stein errichteter Schachtofen. Beheizt wurde er mit Holzkohle, Holz oder Torf und mit dem Blasebalg belüftet. Je nach Bauart wurden 1100 bis 1550° C erreicht. Dieses Verfahren fand schon bei den Germanen (s. d.) und Wikingern (s. d.) statt und hielt sich fast 2000 Jahre. Pro Verhüttung konnten mehre Kilo bis zu einem Zentner Eisen gewonnen wurden. Besonders eisenhaltig war das in feuchten Heidelandschaften und an Gewässern vorgefundene Raseneisenerz. Die Eisengewinnung war mit einem riesigen Holzverbrauch verbunden und die hauptsächliche Ursache für das Abholzen der Wälder in Schleswig-Holstein.

Rentekammer
Von 1660 bis 1848 die oberste Zentralbehörde für die Wahrnehmung der materiellen Belange des Staates. Die königliche Rentekammer war ein Gremium hoher Staatsdiener, die für den Herzog oder König Entscheidungen trafen. Die Rentekammer war in einen deutschen und in einen dänischen Teil getrennt. Die dänische Rentekammer befand sich in Kopenhagen, die deutsche, für Gottorf zuständige in Kiel.
Die Großfürstliche Rentekammer zu Kiel war die Zentralbehörde des gottorfischen Staates für Domänen und Einkünfte, Finanzen und Rechnungen.
Sie war auch die federführende Zentralbehörde für die Volkszählungen (s. d.)

Repartition / reparttionis
Verteilung, anteilmäßige Zuteilung. Beanspruchung.

requisitum
(lat.) Zubehör, Notwendiger Gegenstand.

Rescript
Verfügung, Bescheid "z.B. "Dänisches Sprachreskript" (s. d.).

Restant
(lat. restare = zurückbleiben, übrig bleiben) Rückständiger Schuldner.

Reunion
Gewaltsame Gebietsaneignung, Einverleibung.
Anno 1684 z. B. erließ der dänische König ein Patent, in dem er die Einziehung des gottorfschen Anteils am Herzogtum Schleswig bekannt gab und durchsetzte.

Reunionsprozess
Bis in die erste Hälfte des 19. Jh. bestehendes Recht, das einem Bohlbesitzer gestattete, ein früher von dem Bohl abgetrenntes Landstück jederzeit zurück zu fordern.
(siehe auch unter Beispruchsrecht und Laghäfd)

Reuter
ursprünglich Militärreiter.

Reuterbohl
Eine Einrichtung seit 1670, wonach ausgesuchte Bohlstellen einen Reiter für die Kavallerie stellen mussten. Wurde bald wieder aufgehoben.
"Der auf einer Reuterbohl wohnet, soll entweder selbst reiten können oder einen tüchtigen Kerl für sich halten mit zugehörigem Pferd, Gewehr und Kleider, wie sich gebühret und auf der Mynsterung für gut mag befunden werden".
Dafür wurde die Reuterbohl außer von Wolfsjagden von allen Bürden und Beden und Abgaben freigestellt.
 Reuterkate
In Fortsetzung der Reuterbohleinrichtung ab 1680 erbaut zur Unterbringung von berittenen Soldaten. Auch diese Einrichtung wurde bald wieder aufgegeben, aber der Name hielt sich noch lange.

Revenuen / Revenüen / revenues
Einnahmen der Obrigkeit und der Kirche von ihren Untertanen und Gläubigen. Z. B. beim Erwerb von Liegenschaften. Eine Zusammenfassung von Abgaben aller Art.

Rezess
Veralteter Ausdruck für einen landes- oder ortsrechtlichen Vergleich. Es wurden z. B. Regelungen (Vergleiche) über die Allmende oder das Huderecht (s. d.) getroffen.
Historisch stellte der Rezess auch den Abschluss eines Vertrages dar.

Ribe / Ripen
Eine der ältesten Städte Dänemarks im Südwesten Jütlands. Während des Mittelalters bis in die frühe Neuzeit war Ribe wichtigster dänischer Hafen an der Nordsee. Erst 1870 verlor Ribe diese Bedeutung an die neu gegründete Hafenstadt Esbjerg.
Schon im Jahre 860 als der Missionar Ansgar von Bremen einen Standort für seine Kirche suchte, war Ribe eine blühende Stadt. 1403 wurde Ribe von den Wenden geplündert. Zwischen 1176 und 1402 zerstörten sieben Brandkatastrophen große Teile der Stadt. Die beiden Fluten (s. d.) von 1362 und 1512 schädigten die Stadt sehr. Ein großer Brand 1580, vier Pestepidemien, mehrere große Fluten führten zum Niedergang der Stadt.
Eine weitere Pestepidemie im Jahr 1659 kostete einem Drittel der Einwohner das Leben. Die Einquartierung von Soldaten in mehreren Kriegen raubte den Bürgern den einstigen Wohl- stand.
Obwohl Ribe als Enklave im Herzogtum Schleswig südlich der Königsau gelegen war, gehörte es immer zum Königreich Dänemark.
Ribe selbst nennt sich auch Storchenstadt, obwohl nicht mehr so viele Störche wie früher nach Ribe kommen. Vor etwa 100 Jahren sollen es noch um die 4.000 Paare gewesen sein.
Siehe auch unter Dom zu Ribe.

Richtstätten / Galgen
Beispiele:
Gulliberg, Galgenberg bei Klockries. Hier fand am 2. 12. 1786 die letzte Hinrichtung statt. Die ganze Bevölkerung wurde dabei verpflichtet Augenzeuge zu sein.
Horn Holz. Flensburger Hinrichtungsstätte. Am 17. 10. 1820 fand die letzte Hinrichtung statt. Gerichtet wurden sdechs Menschen
(siehe auch unter Galgen)

Riemer
Beruf. Sattler der auf die Herstellung von Riemen, Gurten spezialisiert war.

Ringeln
Aufstellen der Moorsoden zum Trocknen in kleinen runden Haufen.

Ringreiten / Ringreiterfeste
Im Norden noch häufig praktiziertes mittelalterliches Turnier nach mittelalterlichen Regeln. Schon 1597, 1603 und 1649 wurde von großen Ringreiterfesten auf Gottorf, Hamburg und Schleswig berichtet. Seit 1665 unterhielt die Stadt Kiel eine ständige Reiterbahn "Campus maritius" (= Marsfeld) fürs Ringreiten, die 120 Schritte lang und 8 Schritte breit war.
1693 wurde in Tondern neben dem Schützenkorps ein erstes Reiterkorps gegründet, welches das Ringreiten pflegte.
Um 1730 gab es in Eiderstedt eine Ringreitergilde. Von nun an entstanden überall Ringreitergilden.
Der Reiter musste im vollen Galopp eine Lanze durch einen Ring stechen, der von einem torartigen eichenlaubumkränzten Gerüst herabhing. Sieger war, wer die meisten Ringe aufgespießt hatte.
Ringreiterfeste wurden früher in jedem Dorf gefeiert und von den Ringreiter-Gilden durchgeführt. Für viele Dörfer war es das größte Fest des Jahres.

Ringtränke
In Nordfriesischen Überschwemmungsgebieten des Deichvorlandes in denen die Weiden bei Hochwasser mit Salzwasser überschwemmt wurden, war die Versorgung des Viehs auf den Feldern mit Süßwasser von großer Bedeutung. Auf kleinen Warften (Wurten) (s. d.) die oben mit einer Senke versehen waren, sammelte sich bei Regen das Trinkwasser fürs Vieh. Außerdem konnte sich das Vieh bei Hochwasser auf diese Wurten retten.
Erste Ringtränken wurden schon um 1500 n. Chr. gebaut.

ristricus
(lat.) Stiefvater.

Robbenjagd
(siehe unter Seehundjagd).

Roest
Adeliger Gutshof bei Gelting (s. d.). Die ursprüngliche Burg wurde schon 1231 in König Waldemars Erdbuch genannt. Jahrhundertelang war das Adelsgeschlecht der von Rumohrs hier ansässig.
1590 wurde das Herrenhaus gebaut, 1641 der Ost- und 1770 der Westflügel.
Bekannt war Roest für langjährige Betreibung der Leibeigenschaft. Gut Roest war 1740 mit fast tausend Leibeigenen der volkreichste Gutsbezirk in Angeln. 1797 wurde das Gut Roest parzelliert und am 1. 5. 1799 die Leibeigenschaft aufgehoben.
Den ältesten Teil des Herrenhauses, ein zweigeschossiges Backsteinhaus mit Doppelgiebel errichtete 1590 Asmus von Rumohr, dem auch das Gut Rundhof (s. d.) gehörte. Den linken Flügel baute 1641 dessen Enkel Heinrich von Rumohr.
(Ein ausführlicher Artikel von Richard Albert über die Leibeigenschaft auf Gut Roest findet sich im Jahrbuch des Angler Heimatvereins 1969, Seite 40ff)

Rossmühle
Von Pferden in Göpeln (s. d.) angetriebene Mühlen. Oft als Graupen- und Grützmühlen.
Sie unterlagen nicht dem Mühlenzwang (s. d.)

Roter Haubarg
Die Geschichte des Haubargs begann 1575 bis 1579 kurz nach der Entstehung des Adolfkooges. Er gehörte dem Gottorfer Herzog Adolf.
1579 brannte der erste Haubarg (s. d.) ab und wurde von Arrien Wallichs aus Witzwort wieder aufgebaut. Da das Haus nicht total abgebrannt war und teilweise erhalten blieb, besteht der neue Haubarg aus dem Vorhaus aus dem 17. und dem Hinterhaus aus dem 18. Jh. Die ursprünglich aus roten Ziegeln bestehenden Mauern wurden weiß übertüncht.
Das gewaltige Reetdach ruht auf acht großen Ständern und erreicht im First eine Höhe von 17 m und hatte 700 qm Wohn- und Wirtschaftsfläche.
Die Besitzer waren sowohl Gast- als auch Landwirte.
Im 1579 abgebrannten Erstbau befand sich ein großes Kellergewölbe mit Eichenpfählen, Ketten und Halseisen und es diente als Gefängnis.
Die Familie Asmussen, die den Haubarg 1796 kaufte vermachte der Stadt Husum im Jahr 1870 270 Demat wertvollsten Marschlandes als eine Stiftung für Hilfsbedürftige der Stadt. Die Stadt Husum (s. d.) erbaute der Spenderin Catharina (Tina) Asmussen auf dem Marktplatz vor der Kirche den "Tine-Brunnen".

Rotes Kreuz
Bis Mitte des 19. Jh. gab es keine Kriegs- und Verwundetenkrankenpflege. 1859 reiste der Schweizer Geschäftsmann Henry Dunant nach Italien. Dabei wurde er am 24. Juni 1859 bei dem kleinen Ort Sulferino Zeuge einer Schlacht bei der an einem einzigen Tag rund 6.000 Menschen getötet und 25.000 verwundet wurden. Das Leid der Soldaten entsetzte ihn so, dass er den ursprünglichen Zweck seiner Reise vergaß und sich mehrere Tage der Versorgung der Verwundeten widmete. Unter dem Eindruck dieser Erlebnisse schrieb er ein Buch, in dem er die Gründung von Hilfsorganisationen beschwor. Er schickte es auf eigene Kosten an führende europäische Politiker und Militärs.
Am 22. August 1864 wurde in Genf die erste Genfer Konvention "betreffend die Linderung des Loses der im Felddienst verwundeten Militärpersonen" von 12 Staaten unterzeichnet. Schon vorher hatten Konferenzen und internationale Komitees etliche Regelungen und Absprachen getroffen. Hervorzuheben war dabei die Konferenz vom 29. Oktober 1863 an der 16 Länder teilnahmen und eine Resolution annahmen.
Der Norden war deswegen interessant, weil am 16. April 1864 bei der Schlacht von Düppel auf den Düppeler Schanzen erstmals in der Kriegsgeschichte Hilfskräfte und mit Dr. Louis Appia und dem holländischen Hauptmann Charles van de Velde, auch offizielle Deligierte unter dem Zeichen des Roten Kreuzes an einem Krieg teilnahmen und den Verwundeten halfen.
(Siehe auch unter Düppeler Schanzen und unter Vaterländischer Frauenverein)

Rotgießer
Beruf des 18. Jh.. Auch Apengießer. Er stellte aus Legierung von Kupfer und Zink (Messing) Gussarbeiten her.

Rudekloster / Rüdekloster / Rhyekloster
Zisterzienserkloster "Rus regis" in Glücksburg. Das Vorgängerkloster in Schleswig wurde 1040 von Bischof Rudolf von Schleswig gegründet. Die Mönche stammten vom Kloster St. Michaelis (s. d.) in Schleswig, von wo sie wegen unsittsamen Lebenswandels 1192 ins neu gebaute Kloster Guldholm (Güldenholm) (s. d.) am Langsee kamen.
Seinen endgültigen Platz erhielt das Rudekloster 1209 durch Umsiedlung auf das Gebiet des heutigen Glücksburgs (s. d.) Die Mönche gaben dem Kirchspiel Munkbrarup den Namen (munk = Mönch).
Den Zehnten erhielt das Kloster von Munkbrarup, Grundhof und Broager. Für die Bauern eine gute Zeit die zu dem Spruch führte: "Unter dem Krummstab ist gut leben."
Die Mönche wirkten sich sehr segensreich auf die Bevölkerung aus. Sie brachten neue Erkenntnisse für die Landwirtschaft, den Wege- und Brückenbau, das Mühlenwesen, die Be- und Entwässerung, die Jagd und den Fischfang und für die Medizin.
Nicht immer aber waren die Mönche bei der Obrigkeit beliebt. 1259 geriet ihr Abt Arnfast in den Verdacht den dänischen König Christoph I. mit Gift im Abendmahlskelch umgebracht zu haben.
1283 wurden die Mönche auf Geheiß des Schleswiger Bischofs für einige Zeit aus dem Kloster verjagt.
1528 schloss sich der Konvent unter Abt Johannes Hildebrandt der Reformation (s. d.) an. Zehn Jahre später wurde das Kloster säkularisiert (verweltlicht) und kam mit allen Besitzungen in königlichen Besitz. König Friedrich II. überließ es 1582 seinem Bruder Herzog Johann dem Jüngeren von Sonderburg, einem Sohn des dänischen Königs Christian III., der es abreißen und 1582 darauf das Glücksburger Schloss (s. d.) errichten ließ.

Rüffel / Rüffelbrett
Geriffeltes Holzbrett als Waschbrett. In späterer Herstellung wurde es mit geriffeltem Blech beschlagen. Es wurde in die Waschbalge (Waschballig) gestellt und darauf die Wäsche gerieben.

Rugh
Roggen.
Ruhr
Bakterielle sehr ansteckende Darmerkrankung. 1750 bis 1762 grassierte die Ruhr im Herzogtum Schleswig und raffte viele Menschen dahin.

Rum
Alkoholisches Getränk aus Zuckerrohr.
Rum-Verschnitt beruht auf der Tradition alter Flensburger Rumhandelshäuser den aus Dänisch-Westindien importierten Jamaika-Rum mit Monopolalkohol und Wasser auf Trinkstärke zu verschneiden. Der Jamaika-Rum war dazu besonders wegen seines intensiven Geschmacks geeignet.
Flensburg war durch seine große Seeflotte (Westindienflotte), seine Zugehörigkeit zu Dänemark (Schutz auf den Weltmeeren durch Dänemarks Neutralität) ab Mitte des 18. Jh. einer der wichtigsten Standorte der Rumherstellung.
Von 1802 bis 1807 kamen über 300.000 Liter 70- 80%iger Rum nach Flensburg.
Insbesondere wurde die Strecke nach Dänisch-Westindien befahren. Dänisch-Westindien gehört nicht zu Indien sondern zu den Antillen, jener Inselkette in Mittelamerika, zu der auch Kuba und Jamaika gehören.
In Flensburg wurde das Zuckerrohr von den Jungferninseln in Zuckerraffinerien zu Zucker verarbeitet. Als Nebenprodukt fiel dabei Rum an, welcher in den Schnapsbrennereien auf angenehme Trinkstärke herabgesetzt wurde.
Zu den bekanntesten Flensburger Rumhäusern gehörten Balle (1717), Sonnberg (1781), Pott (1848) und Hansen (1883).

Rummelpott / Rummelpottlaufen
In Norddeutschland bekanntes, selbsthergestelltes Instrument aus einem mit Leder als Trommelfell bespanntem Topf. In der Mitte wurde ein Stock durchgesteckt, der beim Rein- und Rausziehen kräftige rummelnde Töne von sich gab. Der Rummelpott konnte auch etwas kleiner aus einer Dose mit Strohhalm bestehen.
Zu Sylvester zogen Kinder vermummt oder verkleidet damit von Haus zu Haus (Rummelpottlaufen) und sangen Bittgesänge für kleine Gaben. "Fru maak de Dör up de Rummelpott will in"

Rundhof / Rundtoft
Größtes Herrengut in Angeln und Kätnerdorf in Stangheck, (heute Amt Geltinger Bucht). Gut Rundhof wurde 1231 erstmalig als Königsgut erwähnt. Es war der Hauptsitz des Runi. Errichtet war es an Stelle einer noch älteren Wasserburg. Vom König ging es 1285 ans Adelsgeschlecht Skram (Schramm). 1391 ging es an die von Krummendieks, über die von der Wisch und die von Seefelds, an die von Ahlefelds.
1431 wurde "Runtofft" geschleift. 1460 stand es wieder.
Durch Heirat gelangte es 1557 in den Besitz des Adelsgeschlechtes derer von Rumohr in deren Händen es über 400 Jahre blieb. Mit zwei Ausnahmen wurde es in zwölf Generationen vom Vater auf den Sohn vererbt.
1610 wurde das ältere Herrenhaus und 1756 wurde das neue Herrenhaus mit Kavaliershaus (zur Aufnahme des Hofstaats) und Pferdestall von dem Baumeister Sonnin gebaut.
Die gesamte Landfläche betrug 811 ha; zum Haupthof gehörten 465 ha, zum Nebenhof 189 ha. Der größte Teil waren Wald und Wiesen.
Am 1. 5. 1800 wird auf Gut Rundhof die Leibeigenschaft aufgehoben.
1814 wurde Gut Drült (s. d.) abgetrennt.

Runen / Runensteine
Älteste Schriftzeichen der Germanen vom 2. bis 12. Jh. als geritzte und gravierte Inschriften auf Gegenständen und Steindenkmälern (Runensteine). Ihren Schwerpunkt hatten die Runen im südskandinavischen und jütländischen Raum. Runen wurden vor allem als Gedenkschriften für Verstorbene oder besondere Ereignisse verwendet. Eine Buch- und Urkundenschrift wurden die Runen nie.
Das alte Futhark-Alphabet hatte 24 Zeichen (Runen).
Ein Runenstein wurde in Busdorf gefunden mit der Inschrift:
"König Sven setzte den Stein nach seinem Gefolgsman Skarde, der nach Westen gezogen war, aber nun den Tod fand bei Haitabu."
Besonders reichlich waren die Runenfunde in Schweden, wo man ca. 2.500 Runensteine fand. Erst im 16. Jh. ging in Schweden die Zeit der Runen zu Ende.
Bis in unsere Zeit hinein fanden Runen Verwendung als Hausmarken (s. d.)
Mit der Christianisierung begann der Wechsel zur lateinischen Schrift.
Der Runenstein von Jelling/Dänemark zeigt das älteste Christenbildnis des Nordens und wird als "Dänemarks Taufschein" bezeichnet. 1994 wurde er von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und unter Denkmalschutz gestellt.

Rungholt
Eines von sieben Kirchspielen der ehemaligen Insel Strand im Nordfriesischen Wattenmeer in der Nähe Nordstrands. Rungholt versank bei der Zweiten Marcellusflut (Grote Manndränke) (s. u. Fluten) am 16. Januar 1362. Heute noch sind zahlreiche Spuren im Watt zu finden.
Einige Teile wurden wiederbesiedelt gingen aber in der Sturmflut von 1532 unter.
Lange galt Rungholt als eine Legende, heute aber weiß man durch Funde, dass es Rungholt wirklich gegeben hat. Rungholt war einst der Haupthafen der versunkenen Edomsharde.

Rus Regis
"Land des Königs". Frühe Bezeichnung für die Region in der um 1200 in Glücksburg das Zisterzienserkloster (s. u. Rudekloster) gebaut wurde.