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Packhauskirchen
Kaufmannskirchen in Handelsniederlassungen. Die steinernen Kirchen waren bei Feuer und Überfall sicherer als die hölzernen Warenlager und so lagerte man bald die Handelsgüter in den Kirchen. Hier wurden auch die Waagen und Gewichte aufbewahrt. Packhauskirchen entstanden nach englischem Vorbild wahrscheinlich zwischen 700 bis 1100 n. Chr.. Bei uns gab es sie nachweislich in Hollingstedt und zwei in Schleswig. Es gab aber mehrere im Norden. Die St. Peterkirche in Schleswig war eine solche.

Pandeknecht / Pande
Im Gagdwesen ein Netzesteller zum Fangen des Wildes. Pande waren Netze.

Pandemie
(gr. pandemia = pan = alles, demos = Volk; also "alles Volk betreffend") Nicht örtlich beschränkte sondern länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Krankheit.
Die Pestwelle von 1347 - 1352 in ganz Europa mit 25 Millionen Toten (1/3 der damaligen Bevölkerung) war eine Pandemie.

Panßen
Lagerraum für Getreide in der Scheune.

Papist
1) Abschätzige Bezeichnung für Anhänger des Papsttums und für Katholiken seit der Reformationszeit.

Parentation
Der Begriff Parentation stand für Seelenmesse, Totenehrung, Totenfeier, Trauerrede, Leichenpredigt. In Angeln auch "Utsprok" genannt.
Die Leichenrede im Trauerhaus die nichts mit der Beerdigung zu tun hatte, wurde nicht vom Pastor, sondern vom Lehrer oder Küster gehalten und wurde vom Chorgesang einiger Schüler umrahmt.

parentes
(lat.) Eltern.

Partizipanten
Teilhaber an bestimmten Projekten. Z. B. bei der Eindeichung von Kögen. Dafür wurden Partizipantenscheine ausgestellt, die Rechte und Pflichten des Partizipanten enthielten.

Parzellierung
Seit Beginn des 19. Jh. ging es den adeligen Gütern wirtschaftlich nicht mehr so gut. Die Zeit billiger Arbeitskräfte durch die Leibeigenschaft (s. d.) war seit 1805 endgültig vorbei. Gutserweiterungen durch Bauernlegen (s. d.) gab es auch nicht mehr. Ein großer Teil des Adels war verschuldet, was sich in häufigem Besitzwechsel zeigte. Da begann der Adel seine Güter stückweise abzustoßen (zu parzellieren)
Das war der Beginn der Aufteilung von großen Gütern in mehrere kleinere Höfe. Dadurch wurde eine große Zahl lebensfähiger selbständiger Bauernstellen geschaffen. Parzellierungen von Gütern fanden statt:
1749 in Schwensby; 1755 in Rübel und Rosgaard und im Glücksburgischen Lehnsdisstrikt; 1765 in Ohefeld; 1768 in Oestergaard; 1769 in Dollrott; 1770 in Satrupholm; 1777 in Mohrkirchen; 1778 in Flarup, 1782 in Töstrup, 1783 in Lindau; 1783/1785 in Düttebüll; 1786 und 1790 in Oehe; 1788 in Lundsgaard; 1789 in Gelting, 1789 in Priesholz; 1799 in Roest und 1800 in Buckhagen bei Rundhof.
Eine königliche Resolution sah 1763 den Verkauf aller königlichen Domänen vor. Folgende Domänen wurden parzelliert:
1770 Satrupholm; 1778 Mohrkirch; 1784 Dänisch-Lindau; 1783 Meierhof in Glücksburg.
In beiden Herzogtümern (Schleswig und Holstein) wurden innerhalb von 20 Jahren 52 Krongüter niedergelegt und darauf 800 neue Familien angesiedelt und bisher Leibeigene oder hofdienstpflichtig Gewesene in persönliche und wirtschaftliche Freiheit gebracht.

Parzellisten
In einigen Gemeinden wurden im 19. Jahrhundert die vorhandenen Güter parzelliert und an Parzellisten zur Bewirtschaftung vergeben. Die Übernahme erfolgte durch Kauf. Parzellisten waren also freie Eigentümer ihrer Höfe. Häufig waren ihre Parzellen weit in der Feldmark zerstreut.
Als Starterleichterungen gewährte man ihnen die ratenweise Bezahlung des Kaufgeldes und gewisse Freiheitsjahre vom Canon (s. d.) Außerdem waren sie vom Kriegsdienst, von Naturallieferungen und Fuhren befreit.

Pate
(siehe unter Gevatter).

Patent
öffentlich angeschlagener und bekannt gemachter obrigkeitlicher Befehl.

pater
(lat.) Vater.

Paternität
Vaterschaft.

Patrimonialgerichtsbarkeit / Patrimonialherrschaft
Freie Gerichtsbarkeiten der kirchlichen und klösterlichen und adeligen Güter über ihre Untergehörigen über deren "Hals und Hand", also die Ahndung von Verbrechen mit der Todesstrafe oder Verstümmelung sie bestimmten konnten.
Später umfasste sie aber meist nur noch die niedere Gerichtsbarkeit bei Eigentums-, Familien-, Erb- und Gutsrechten, Raufereien, Beleidigungen usw.. Die Blut-, Hals- und peinliche Gerichtsbarkeit blieb meist bei den höheren Gerichten.
In Preußen wurde die Patrimonialgerichtsbarkeit 1850 abgeschafft.
Die Patrimonialherrschaft verkörperte die absolute Herrschaft des Patrimonialherren (Feudalherren) über sein Privatvermögen. So schlossen Grundherren, die ihren Besitz Dritten überließen keine Verträge, sondern diktierten einseitig den Festebrief zu ihren Gunsten. Außerdem konnten sie diesen jederzeit zu ihren Gunsten verändern.

patrinus , patrina
(lat.) Tauppate, Taufpatin.

Patrizier
Mitglieder der ratsfähigen Familien in den Städten die zumeist im Handel (Kaufleute) tätig waren.

Patronat
Schutzherrschaft, Schirmherrschaft.

Pasquill
Ehrverletzende Schmäh- oder Spottschrift, später auch für Flugblatt.

patris infantes
(lat.) der Vater des Kindes.

Patronymische Namensgebung
Patronym aus dem griech. patronymikon = Vatername. Er gab an wie der Vater des Namensträgers mit Vornamen hieß.
Form der patronymischen Namensgebung in Norddeutschland z.B.:
1.) des Sohnes nach dem Vornamen des Vaters durch Anhängen von "sen". (Hansen = Hans Sohn, Petersen usw.),
bei Töchtern durch das Ergänzen des Vornamen mit "s" (Hanses, Peters).
2.) Benennung nach dem Namen des Großvaters:
z.B.: Peter Matthiesen - Matthias Petersen - Peter Matthiesen.
Form der patronymischen Namensgebung in Nordosten Deutschlands. Z.B.:
1) Anhängen von -ke / -cke (niederdeutsche Verkleinerungsform) an den Vornamen des Vaters. Geri-cke = der Kleine von Gerd / Gerhardt
Patronymische Namen ändern sich von Generation zu Generation.
Erst 1771 verfügte König Christian IV. als Herzog von Schleswig die Einführung bleibender fester Familiennamen.
Nimmt der Name auf die Mutter Bezug so spricht man von Metronymischer Namensgebung (s.d.)

Pegel
(vom nd. pegel = "Eichstrich", konnte aber auch mit "peilen" in Zusammenhang stehen).
Messeinrichtung zur Bestimmung des Wasserstandes. Am Pegel wird der Pegelstand gemessen, aus dem sich der Wasserstand ableiten lässt.
Fälschlicherweise wurde der Pegel oft für den Wasserstand selbst verwendet.
Pegelmessungen kamen schon im Mittelalter vor.

Peinliches Gericht
Kriminalgericht.

Petroleumlampen
1859 wurde die erste Petroleumlampen aus Amerika eingeführt. Sie lösten die bis dahin gebräuchlichen Öllampen ab, weil Petroleum wesentlich preiswerter war und physikalische Vorteile hatte. Bis zu ihrer Durchsetzung in den dörflichen Haushalten vergingen Jahrzehnte.
Anfangs gab es nur stehende Lampen, die dann später von Pertroleum-Hängelampen abgelöst wurden.

Petschaft
Siegelstempel aus einem harten Material mit eingraviertem Siegel. Es wurde kein Stempelkissen verwendet, sondern die Petschaft wurde auf eine aufgetragene Masse (Siegellack) eingedrückt. Auf diese Weise wurden Dokumente und Botschaften versiegelt.

Pensionaris / Pensionär
Erbpächter.

persona coelebs
(lat.) unverheiratete Person.

permittiert
veralteter Ausdruck für erlauben, zulassen.

Pertinentien
1) Eigentum an Äckern und Wiesen in Feld und Dorf.
2) Im Recht der Besitzandteil an einer anderen Sache.

Pers Awten
Siehe unter Bikebrennen.

Peuplierung des Landes
(franz.) Peuplement auch Pöblierung als Bezeichnung für Populationsanreicherung.
Bevölkerungspolitische Maßnahmen zur Besiedelung leerer oder bevölkerungsarmer Gebiete. Die Ansiedelung von Heide- und Moorkolonisten z. B. oder von Glaubensflüchtlingen (Friedrichstadt) waren Peuplierungen. Teilweise wurde sogar die uneheliche Nachkommenschaft durchziehender Soldaten, eher vorteilhaft gesehen und der Peuplierung zugerechnet. So war es nach Kriegszeiten (und die waren im Norden fast immer) nicht verwunderlich, dass nicht jeder Schleswiger dem "Nordischen Typ" entsprach.

Pesel
Gute Stube des Bauernhauses für festliche Anlässe. Beheizt wurde er mit einem Bilegger (s. d.). Abgeleitet war Pesel von lat. balneum persile = "mit warmer Luft beheizte Stube".

Pest im Herzogtum Schleswig
Pest, auch "Klebende Seuche" oder "Klebende Krankheit" genannt, die wie ein Fluch an den Opfern klebte und nicht abzuschütteln war.
1349/50 wurden in einigen Kirchspielen bis zu 80 % der Bevölkerung dahingerafft. Handel und Landwirtschaft brachen zusammen und viele Häuser und Höfe und sogar ganze Dörfer standen leer.
1356 starben in Schleswig 4/5 aller Einwohner an der Pest.
1367 - 1369 Hadersleben.
1423 in Hadersleben, 1439/40 in Eiderstedt , 1495 in Flensburg zusammen mit erster Syphilis, 1502 in Flensburg, 1524 in Schleswig, 1525-1529, 1537 - 1539 in Schleswig, 1539 und 1549 in Tondern, 1564 in Angeln, 1565 in Flensburg, 1574 bis 1577 in Angeln, 1582 in Flensburg, 1583 im Herzogtum Schleswig, 1602 in Angeln, 1628 in Husum, 1629 in Schleswig; 1630 auf Amrum, 1669 in Schleswig, 1682 letzte Pest in Schleswig; 1712 überall verbreitet,
1547 und 1549 flackerte sie als "Kinderpest" wieder auf. (Überlebende der ersten Pestwelle waren immunisiert, neugeborene Kinder nicht, darum starben fast nur sie.)
1629 Pest im Norden. Sie grasierte besonders in Husum, Schleswig, Eckernförde, Kiel, Rendsburg, Flensburg und Tondern. Viele Dörfer wurden fast vollständig entvölkert.
1659 wurde der Norden wieder von der Pest heimgesucht. Z. B. ein Drittel der Einwohner von Ribe fiel der Pest zum Opfer.
1713 war die letzte Pest nördlich der Elbe. Ein Beispiel für das Grauen aus Mildstedt: Es wurden 51 Kinder geboren und im gleichen Zeitraum starben 331 Menschen.
1715 brach unter den Soldaten Stenbocks in Nordfriesland die Pest aus. Die Kranken wurden in die umliegenden Dörfer gefahren und verbreiteten so die Seuche. In Witzwort starben von den 1.200 Personen die dort lebten 270 Einwohner.
1894 wurde der Pesterreger entdeckt und erst Ende des 19. Jh. war die Pest sicher zu diagnostizieren.
Übertragen wurde die Pest von Flöhen, die von Ratten auf den Menschen übersprangen.
Es war zu unterscheiden zwischen Beulenpest, Lungenpest und abortiver Pest.
Als Kinderpest bezeichnete man eine zweite Pestwelle, die wenige Jahre nach einer ersten kam, und fast nur Kinder hinwegraffte, weil die Überlebenden der 1. Welle lebenslang immunisiert waren.
Die letzte Pestwelle (3. Pestpandemie) die allerdings Europa verschonte war von 1896 bis etwa 1945 und forderte rd. 12 Millionen Tote.

Petuh / Petuhtanten
Nur in Flensburg gebräuchliche Sprache der Petuhtanten. Das Petuh war eine eigenwillige Mischung aus dänischer Grammatik und dänischem Satzbau mit deutschen Wörtern. Markant waren dabei das sehr scharf gesprochene "s" am Anfang von Wörtern und ein zum "ch" verfälschtes "g".
Petuhtanten waren meist ältere Damen die sich vor dem 1. Weltkrieg regelmäßig zu Ausflugsfahrten mit dem Dampfer ("Alexandra") auf der Förde trafen, um bei Kaffee und Kuchen "Klönsnack" zu halten.
Petuh leitet sich von dem Wort "partout". Partoutkarten hießen früher die Jahresdauerkarten für diese Schiffstouren.

Phänomene
Ende August 1883 glühte der ganze Himmel über dem Norden blutrot. Es war kein Abendrot und auch kein Nordlicht. Wolken aus Blut und Flammen hingen über den Menschen. Zittern und Zagen ergriff die einfachen Leute. Viele glaubten an einen Weltuntergang, andere an ein furchtbares Zeichen Gottes. Später stellte sich heraus, dass es sich um Ausbruchserscheinungen des Vulkans Krakatau im Indischen Ozean handelte bei dem 36.417 Menschen getötet wurden.
Siehe auch unter Blutregen.

Pfahlgeld
Hafenabgabe für anlegende Schiffe, die die Stadt Flensburg 1480 einführte.

Pharisäer
Getränk aus Kaffee mit Rum und einer Sahnehaube; der aus typischen Pharisäertassen getrunken wird. Interessant ist die Entstehung:
1873 auf Nordstrand wurde ein Bauer zum 7. Mal Vater. Bei der Tauffeier war auch der Pastor zugegen, der als leidenschaftlicher Abstinenzler bekannt war und keinen Alkohol zuließ. Die Bauern tranken den Alkohol nun im Kaffee versteckt. Die Sahnehaube verhinderte, dass der Alkohol zu riechen war. Obwohl "kein" Alkohol floss wurde die Stimmung immer gelöster bis zu dem Zeitpunkt als der Pastor zufällig eine falsche Tasse mit Rum bekam. Sein Ausruf daraufhin "Oh, ihr Pharisäer" und der Name war geboren.
Den Pharisäerhof gibt es heute noch auf Nordstrand, ebenso wie das Getränk im Norden.

Pfennigmeister
Er war der rechnungsführende Beamte; das die Kasse beaufsichtigende Mitglied der Selbstverwaltung.

Pfennigseite
Siehe unter Groschenseite.

Pferdebahnen / Straßenbahnen
Auf Schienen laufendes und von Pferden gezogenes Verkehrs- mittel.
1869 wurde in Schleswig eine Pferdebuslinie eingerichtet. 1890 wurde sie durch eine Pferdebahn mit Führungsschiene in der Mitte ersetzt. Sie hatte eine Länge von 4 Km. 1910 wurde diese vom Bahnhof in die Innenstadt führende Strecke elektrifiziert und schienengeführt. 1936 wurde sie eingestellt.
1881 nahm die Flensburger Pferdebahn von der Neustadt zur Angelburger Straße ihren Betrieb auf. 1894 als Flensburg ein Elektrizitätswerk bekam bestand die Absicht die Pferdebahn als Straßenbahn zu elektrifizieren und die Gleise auf der Pferdebahnroute zu verlegen. Da die Straßenbahn nicht durch das Nordertor (s. d.) fahren konnte, gab es Pläne dieses abzureißen. 1907 fuhr dann die schienengeführte Straßenbahn um das Nordertor herum.
1881 wurden auch Pferdebahnen in Kiel und Lübeck eingerichtet.
Um 1900 begann man die "Hafermotoren" durch Elektromotoren zu ersetzen und aus Pferdebahnen wurden Straßenbahnen.
Husum hatte ab 1858 eine Pferdebahn vom Hafen bis zum Bahnhof, die aber nur Frachten transportierte.

Pferdehufmuschel
Besonders große Auster von der Größe eines Pferdehufes. Sie breitete sich zeitweise stark in der Nordsee aus. Im Gegensatz zur "Sylter Auster" war sie weniger delikat.

Pflug ... als Maßeinheit
Ursprünglich Hof in einer Größe der mit einem Pflug und Vorspann bearbeitet wurden konnte.
Später kein Land-, sondern ein Steuermaß, dass kein genaues Flächenmaß war und je nach Bonitierung des Bodens zwischen 6 und mehr ha schwanken konnte.
Die Bezeichnung war Pflug Landes.

Pflug .... in früherer Zeit
Landwirtschaftliches Gerät zum Umbrechen der Oberschicht eines Ackers. Schon in prähistorischer Zeit löste der Pflug die Hacke oder den Grabstock ab. Bearbeitet wurden mit dem Pflug nur kleine Flächen. Anfangs wurden sie von Menschen (Leibeigenen), dann von Ochsen im Joch und später von Pferden gezogen.
Die ersten Pflugschare bestanden aus Holz und wurden von den Bauern selbst hergestellt. Noch um 1860 war dieser noch als Radpflug im Norden in Gebrauch, wobei die Räder aus Eisen waren. Im 18. Jh. war dieses der gängige Pflug.
1832 wurde in Angeln der erste Schwungpflug aus Eisen gebaut. Er wurde erstmalig auf dem Jacobimarkt (s. d.) zur Schau gestellt. Er wurde von zwei oder vier Pferden gezogen. Trotz dieser guten Erfindung herrschte zwischen 1865 und 1890 noch der hölzerne Schwungpflug vor. Danach setzte sich der sog. Sack-Pflug(Maschinenfabrik Sack in Leipzig), ein leichter wendiger Eisenpflug durch.

Pflugmänner
Zur Entlastung der Dorfvögte (s. d.) wurde in den westlichen und friesischen Harden zur Erhebung der Abgabelasten die nach Pflugzahlen berechnet wurden Pflugmänner berufen. Der Pflugmann hatte die auf volle Pflugzahl berechneten Abgaben an den Vogt zu zahlen, nachdem er sie von seinen "Zulage-Interessenten" eingezogen hatte.

Pflugsteuer
1249 von König Erich IV. eingeführte Landsteuer in Höhe von einem Pfennig je Pflug. König Erich erhielt dafür den Beinamen "Erich Plogpenning".

Pflugtreiber
Junge (7 - 12 Jahre alt), der Zugochsen vor dem Pflug antreiben musste.

Pflugzahl
Statt von Hufen sprach man später von Pflügen. Pflüge waren die tatsächlich vorhandenen Bauernstellen. Im 17. Jh. ging diese Beziehung verloren und die Pflugzahl wurde immer mehr zu einer bloßen Steuermesszahl.

Physikus / Amtsphysikus / Physikate
1) Allgemein frühere Bezeichnung für den Beruf des Arztes.
2) Stadt- und Landphysikus (Amtsarzt) hatte die Aufgabe Ärzte, Apotheker, Wundärzte, Chirurgen und Hebammen zu überwachen.
Der Physikatbezirk Flensburg reichte von Apenrade bis zur Eider. Die ersten Physikate wurden 1757 eingerichtet.

Pilger / pilgern / Pilgerweg
Obwohl es im Norden keinen eigentlichen Pilgerweg (Jacobsweg) gab, pilgerte man auch von Jütland und aus den Herzogtümern an die bekannten Pilgerstätten. Gepilgert wurde auf dem Ochsenweg (s. d.) oder auf den Fußwegen von Kloster zu Kloster. Erstmalig wurde 1150 ein Pilgerweg im Norden erwähnt. 1500 gab es einen weiteren Hinweis auf einen Weg der in Viborg und Ribe begann.
Persönliche Gründe für das Pilgern waren:
1) Verehrung eines Heiligen;
2) Arbeit für das eigene Seelenheil;
3) Buße aus eigenem Wunsch;
4) Hoffen auf ein Wunder (Heilung, Fruchtbarkeit usw.);
5) Erfüllung eines Gelübdes.
Eine große Motivation für Pilgerfahrten des Mittelalters waren die geschürten Ängste vor dem Fegefeuer. Durch die Pilgerfahrt erwarb man sich die Gnade Gottes. Der Wunsch nach einem paradiesischen Leben im Jenseits war lebensbestimmend. Dafür war man auch bereit zu zahlen. Immer mehr kleine Pilgerorte entstanden, die gut daran verdienten sog. Pilgerabzeichen zu verkaufen. Der Verkauf von Ablassbriefen (s. d.) an solchen Stellen tat ein Übriges.
Pilgerreisen aus Lübeck führten bis 1508 nach Melle (bei Osnabrück). Allmählich überzog ein ganzes Netz von Pilgerwegen das Abendland.
Bekannte Pilgerorte im Ausland waren. Jerusalem, Rom, Santiago de Compostela.
Bekannte Pilgerorte in Deutschland waren: Trier, Aachen, Köln, Einsiedeln und Wilsenack. Sie standen in der zweiten Reihe der Pilgerorte und waren Reiseziele für die weniger Begüterten.
Pilgerorte in Schleswig-Holstein und in Südjütland waren:
Apenrade, Klipleff, Klues bei Flensburg, Bohnert an der Schlei, Gettorf, Kirchnüchel, Heiligenstedten, Windbergen, Ahrensbök, Schwartau und Schmalfeld.
Der Aufbruch der Pilger war oft spontan. Einer plötzlichen Eingebung folgend oder von plötzlicher Angst getrieben rannten sie von Feld, Haus und Hof, von der Arbeit weg, um Ablaß für ihre Sünden zu erlangen. Es gab bald feste Tarife:
Eine Wanderung nach Wilsenack brachte 1 Jahr und 40 Tage weniger Fegefeuer, jede gelaufene Meile verringerte das Fegefeuer um 40 Tage.
Eine Pilgerfahrt nach Santiago de Compastela bedeutete 200 Jahre erlassene Höllenpein.
Es war nicht nötig den Weg selber zu machen, man konnte auch "pilgern lassen", indem man die Kosten und den Aufwand für einen Pilger trug. Man hatte auch bald einen Namen dafür "Delegationspilgern". Wer sicher gehen wollte, schickte auch mehrere auf Pilgerfahrt. Schnell entwickelte sich im Mittelalter der Stand des Berufspilgerers der für reiche Sünder pilgerte. .
Nicht verwunderlich war, dass es auch das Strafpilgern gab, eine kirchliche Strafe oder kirchliche Buße. So wurden Mörder geschickt, die für das Seelenheil ihres Opfers zu beten und zu pilgern hatten. Bald wurde die Bestrafung auch für banale Strafen wie Wildern, Körperverletzungen, Krakelen, Müßiggang usw. mit Strafpilgern geahndet. Dieses war sehr praktisch, "denn man war die Sünder für längere Zeit los".
Im Jahre 1321 pilgerten allein von Lübeck 400 Personen nach Aachen, 80 nach Wilsnack, 58 nach Einsiedeln, 41 nach Thann, 22 nach Santiago de Compastelo und 5 nach Rom.
Ein sehr ausführlicher Beitrag findet sich im Heimatkalender Nordfriesland - Zwischen Eider und Wiedau - 1988 auf Seite 53ff.

Pinasse / Pinkschiff
Siehe unter Schiffstypen.

Plaggen / Placken / Flachen
Durchwurzelte Oberbodenstücke mit der Gras- und Heidevegetation die mit vollem Wurzelwerk mit der Plaggenhacke aus dem Boden herausgehoben wurden. Sie wurden benutzt, um die Firste von Reetdächern zu befestigen und zum Heizen.

Plenterbetrieb / Plenterwirtschaft / Plenterung
Begriff aus der mittelalterlichen Holzwirtschaft als noch die Wälder als Allmende (Allgemeingut) bewirtschaftet wurden. Möglicherweise kommt der Begriff Plenter von "plündern" und der Plenterwald war der Plünderwald. Wälder die in Plenterwirtschft betrieben wurden, wurden ungeregelt (ohne feste Regeln) genutzt. Ab 1827 wurde die Plenterung verboten.

Pliet
Wertloses Zeug (eigentlich minderwertiger Weißfisch).

Pocken
Siehe unter Blattern.

Polder
An der Nordseeküste durch Eindeichung und Entwässerung gewonnenes fruchtbares Marschland.
In West- und Ostfriesland Polder, in Nordfriesland Koog (s. d.) genannt.

Poppostein
Hügelgrab aus der jüngeren Steinzeit in Poppholz am Helligbek bei Idstedt gelegen. Der Sage nach taufte hier Bischof Poppo im 10. Jh. im Bach "Hilligebeke" (s. d.) zum Christentum bekehrte Heiden. Auch der dänische König Harald Blauzahn soll um 960 hier mit seiner Familie getauft worden sein, nachdem er Bischof Poppo eine Feuerprobe auferlegt hatte, die dieser bestand.

Possession / Possessor
(lat.) Besitz. / Besitzer

posthumus / posthuma
(lat.) Nachgeborene(r).nach dem Tode des Vaters/der Mutter geboren.

Postwesen
Die erste Angeln berührende Postverbindung wurde 1625 im Auftrage des dän. Königs Christian IV. eingeführt. Es handelte sich um eine kombinierte Brief-, Fracht- und Personenpost von Kopenhagen - Flensburg - Rendsburg - Itzehoe - Hamburg.
Angeln direkt hatte bis 1773 keine eigenen Posteinrichtungen.
Die erste Postordnung wurde 1694 von König Herzog Christian V. erlassen. An allen Orten wo nötig sollten tüchtige Postillone mit guten und frischen Pferden bereitstehen. Reitende Posten durften nur Briefe bis 50 Lot Gewicht mitgegeben werden.
Vor der Errichtung der Staatsposten hatten auch schon die Kirchen und Domkapitel in Schleswig eigene Botenposten.
Für den nördlichen Bereich gab es Ende des 18. Jh. die Postlinie Altona - Hadersleben über Rendsburg, Schleswig, Flensburg und Apenrade. Außerdem bestand noch zwischen Hamburg und Kopenhagen eine reitende Post, die zweimal und eine fahrende, die einmal wöchentlich verkehrte
In den Herzogtümern gab es im Ganzen 45 Poststationen mit 52 Postbedienten. Das gesamte Postwesen in Dänemark und den Herzogtümern unterstand dem königlichen Generalpostamt Kopenhagen. In Postordnungen wurde die Beförderung von Personen und Sendungen geregelt.
Wer außer der Post gegen Entgeld Personen beförderte wurde mit empfindlichen Strafen belegt.
Eine Reise von Flensburg nach Hamburg dauerte mit Extrapost mindestens 30 Stunden. Im Winter waren die Wege grundlos tief durchweicht und Rad- und Achsbruch keine Seltenheit. Reisende mussten helfen festgefahrene Kutschen freizuschieben. Auch Wegelagerer trieben ihr Unwesen und überfielen die Postkutschen. Besonders gefürchtet war die Gegend um Kropperbusch (s. d.) "Wi sind Kropperbusch noch nich vorbi" unkten die Ängslichen. Bei Nacht waren Richtfeuer aufgestellt, damit die Kutsche nicht vom Wege abkam und die Richtung nicht verfehlt wurde.
Um für die Personenbeförderung Abfahrtszeiten festlegen zu können, wurden alle Poststationen verpflichtet Sonnenuhren anzubringen. Mit Circular vom 5. 2. 1848 wurden für alle Postillione "Folgeuhren" (Dienstuhren) eingeführt. Sie wurden bei Antritt der Reise aufgezogen und mit Segelgarn und Papier versiegelt.
1848 wurden erste Briefkästen in Schleswig-Holstein aufgestellt und am 15. November 1850 wurden Briefmarken eingeführt.
Noch am 29. 10. 1853 beschreibt die Flensburger Zeitung die Briefbeförderung aufs Land so:
Die größte Mehrzahl der Briefe die von der Stadt aufs Land gehen werden in Wirtshäusern abgegeben, in denen ländliche Reisende einkehren. Sie suchen nach Briefen aus ihrer Gegend, nehmen sie mit und geben sie im Gasthaus ihres Dorfes ab. Dort werden sie dann zufällig von Gästen gefunden, wenn sie nicht vom Wirt informiert werden.
1929 wurde in Angeln eine Landpostverkraftung durchgeführt (Umstellung von Pferdefuhrwerken und -kutschen auf Bahn, Busse und Kraftfahrzeuge.
Siehe auch unter Charten.

Potatos
Kartoffeln

Pott
Maßeinheit. (z.B. Mergel) = 24,099 cbm.

Poudrette
Menschlicher und tierischer Fäkaldünger.

Pracher
besonders hartnäckige Bettler.

Prachervogt
siehe unter Bettlervogt.

Präbende
vom Mittellateinischen praebenda für "Unterhalt" abgeleitet.
Pfründe. Ursprünglich Naturalverpflegung von Nonnen, Mönchen und Weltgeistlichen am gemeinsamen Tisch; dann überhaupt von einer öffentlichen Anstalt (z. B. Kirche) gewährte jährliche Einkünfte (Leibrente).

Präbendar
einer der Leibrente erhielt.

Prähme
Mittelalterliches Plattbodenschiff, das sowohl dem Transport diente als auch als Schiffsanleger für andere Schiffe genutzt wurde. Ein Prähmen hatte im 16. Jh. eine Länge von 20 m und eine Breite von 7 Metern.
Sowohl in den Binnen- wie den Außenhäfen gab es bis ins 19. Jh. keine steinernen Kaianlagen, sondern diese bestanden aus fest verankerten Prähmen, an denen die Schiffe anlegten.

Präparandenanstalt
Hier wurden ausgewählte junge Leute auf das Lehrerstudium an den Lehrer-Seminaren in Tondern und Kiel vorbereitet. Eine Präparandenanstalt gab es in Rissum (Nordfriesland). Ihr Gründer war Ernst Leberecht Kaper (1815 - 1888)

Prästanda / Praestando
Abgaben an den Landesherrn.

Präzeptor
1) Lehrer, besonders Hauslehrer. Im 18. u. 19. Jh. auch Lehrer von Lateinschulen und anderer höherer Schulen.
2) Auch Ehrentitel für besondere Leistungen.

Pras / Praase
Selbstgemachte dünne Talgkerze.

Predigerkonvent
Um 1680 in Angeln gegründete Vereinigungen von Pastoraten mit dem Zweck der Unterstützung der hinterbliebenen Witwen und Waisen von Pastoren.
Die Kirchenordnung von 1542 gestand den Predigerwitwen lediglich ein Gnadenjahr zu. An jeglicher weiterer Unterstützung fehlte es.
1715, 1751, 1820, 1853, 1866 und 1875 wurden die Statuten modifiziert.
Schon 1640 war in Flensburg das auch Nordangeln umfasste, eine Prediger-Witwen- und Waisenkasse begründet worden.

Predigeropfer
An vier Opfertagen im Jahr, Lichtmess-, Oster-, Pfingst- und Weihnachtsopfer opferten die Gläubigen im öffentlichen Altarumgang straks nach der Predigt 1 Schilling für den Pastor.

Pricken
Stangen mit Reisig oder auch lange schlanke Bäume die im Wattenmeer gesteckt wurden um das Fahrwasser (Fahrrinne) zu markieren.

privignus
(lat.) Stiefsohn.

proavus / proavua
(lat.) Urgroßvater, Urgroßmutter.

Proband
Ahnenträger.

Proclam / Proklama
(lat.) Erlass. Öffentliche Anordnung. Sie wurde durch Aushang von Plakaten und durch Proklamation von der Kanzel verbreitet.

Profoß / Profoss / Profos / Provost / Profot
Ausdruck aus dem Militärwesen. Der Proofoss hatte sich um die Durchsetzung und Einhaltung der Feldordnung im Heer zu kümmern und war für Disziplinarstrafen zuständig. In der preußischen Armee hatte der Profoß das niedrige Ansehen eines "Stockmeisters", der Prügelstrafen ausführte. Er trug einen einfachen feldgrauen Rock.

Proklamation / Proclamation
öffentliche Bekanntmachung, Aufruf. Z. B. wurden Verlobte vor der Copulation (s. d.) dreimal öffentlich vom Pastor in der Kirche proclamiert. Dafür erhielt er eine Gebühr.
Für den Proclamations-Schein zahlten unverehelichte Leute 6 Mark, Witwer oder Witwen 4 Mark.

Prokurator
Vom lat. procurare = "besorgen" abgeleitet, stellvertretend "für etwas Sorge tragen". Verwalter, Beauftragter, Vertreter der Obrigkeit. Im Mittelalter vertrat der Prokurator die finanziellen Interessen (wie Steuereintreibung) für seinen Landesherrn.

proles
(lat.) Nachkomme.

proles spuria
(lat.) uneheliches Kind.

Promemoria
1) (lat.) Häufige Inschrift auf Gedenktafeln. "zur Erinnerung".
2) Merkzettel. Gedächtnishilfe

Protestantismus / Protestanten
Die aus der Reformation (s. d.) hervorgegangene Ausprägung des Christentums. Die Anhänger waren Protestanten evangelischen Glaubens, namentlich Lutheraner und Reformierte. Seinen Ursprung nahm der Protestantismus 1529 in Speyer.

Provisor
1) Vorsteher, Verwalter von Klöstern, Gütern besonders in geistlichen Einrichtungen.
2) Stellvertreter eines Geistlichen.
3) Hilfslehrer.
4) Erster Gehilfe eines Apothekers.

Prühnen / Prähnen
Schweine die zur Mast in Wäldern und auf Weiden liefen wurden geprühnt, damit sie nicht die Grasnarbe aufwühlten oder Wurzeln beschädigten. Beim Prühnen wurden ihnen Draht, Eisenringe oder Nägel durch die Nase gezogen, die das Wühlen sehr schmerzhaft machten.

puella
(lat.) Mädchen.

Puffhund
Aus Porzellan bestehende manchmal auch beleuchtete Hundefigur. Der Puffhund wurde von jungen Mädchen die ihren heimlichen Freund erwarteten ins Fenster gestellt. War "die Luft rein", also die Eltern nicht zu Hause und wie man heute sagt "die Bude sturmfrei", so wurde die Figur mit dem Kopf zum Fenster gestellt und der Junge konnte kommen. Umgekehrt war es, wenn die Eltern anwesend waren, dann wurde der Puffhund mit dem Hinterteil zum Fenster gestellt und der Freund wusste Bescheid und musste unverrichteter Dinge wieder abziehen.

puer
(lat.) Junge/Knabe.

Punsch
Glühwein mit einem Schuss Rum wurde in Flensburg grundsätzlich nur als Punsch bezeichnet.

pupilla, pupillus
(lat.) Mündel (weiblich, männlich)