O


obbit
(lat.) war gestorben.

obstetrix
(lat.) Hebamme.

Ochseninseln
Zwei zu Dänemark gehörende Inseln an der Nordseite der Flensburger Förde. Erstmalig erwähnt wurden die Öhen 1231 im Grundbuch von König Waldemar. 1540 sollen Mönche des Rude-Klosters (s. d.) auf den Inseln gelebt haben.
Die Ochseninseln wurden in früher Zeit zum Auftrieb und zur Mästung von Ochsen verwendet, die dort nicht entweichen konnten. 1411 sollen dort auch die zur Duburg gehörenden Ochsen geweidet haben. Diese Tatsachen tragen wohl zur Namensgebung bei.
Erster nachweislicher Siedler auf den Inseln war Claus Claus, der zwischen 1660 und 1700 auf den Inseln wirtschaftete.
Zwischen 1200 bis 1300 hauste in der Flensburger Förde der berüchtigte Seeräuber Alf (der Rote Ons). 1298 wurde er gefangen und hingerichtet. Kurz vorher hatte er seine zusammengeraubten Schätze auf der Großen Ochseninsel vergraben. Dieser Schatz wurde bis heute nicht gefunden.
1412 starb Königin Margarethe nach ihrem Sieg über Flensburg auf ihrem Schiff im Flensburger Hafen an der Pest. Ihre gesamte Mannschaft hatte sie verlassen. Aus Angst vor Ansteckung begrub man sie zunächst auf der Kleinen Ochseninsel. Später wurde sie in die Domkirche zu Roskilde überführt.
Als 1643 die Schweden in Flensburg einmarschierten flüchteten Flensburgs Führende und Begüterte auf die Inseln. Es gab dort nur die eine Kate der Clausens und die Unterbringung der Flüchtenden geschah sehr notdürftig im Freien. Sie schauten des Nachts frierend, hungernd und verzweifelt auf das lodernde Feuer in Flensburg und sahen hilflos zu wie ihre Häuser abbrannten.
Auch Clausens Kate wurde niedergemacht, aber wieder aufgebaut. Sie stand bis 1981.
Um die Mitte des 18. Jh. war die Große Ochseninsel ein "heimlicher Ort", ein Ort "der Schande" in dem uneheliche Kinder zur Welt gebracht werden konnten, ohne das der Vater genannt werden mußte. (siehe unter heimliche Entbindungen). Meistens kamen die Frauen aus den Städten in die "heimlich geflüsteten Orte". Als Väter wurden angegeben: Knechte, Matrosen, Schiffer, Soldaten, Beamte und bessere Bürger. Ihre Namen waren fast immer fingiert.
1782 wurden beide Inseln sehr stark während einer Sturmflut geschädigt.
Verwaltungsmäßig gehörten sie bis 1920 zum Amt Flensburg, danach zu Dänemark.

Ochsenwege / Ochsenhandel
Sehr alte Fernverbindungen. Es gab zwei Ochsenwege, einen östlichen von Jütland aus Viborg an Harderslev, Flensburg und Haitabu (Schleswig) vorbei nach Wedel (Hamburg) und einen zweiten westlichen an Ribe, Tondern, Leck und Husum vorbei nach Wedel. Zu unterscheiden war dabei zwischen Mager- und Fettviehhandel. Das führte zu diesen unterschiedlichen Ochsenwegen. Beide Ochsenwege folgten in ihrem Verlauf weitestgehend den alten Heerwegen (s. d.) Beide waren keine befestigten Straßen sondern nur ausgetretene und ausgefahrene Sandwege.
Wenn heute vom Ochsenweg gesprochen wird ist fast immer der östliche gemeint.
Jütland war in Nordeuropa das Haupterzeugerland für Ochsen. Lebend wurden die Ochsen in Triften von 50 Tieren in südlich gelegene Zentren (Hamburg) getrieben.
Die Obrigkeit (Landesherr) erkannte schnell die Möglichkeit der Geldeinnahme und so richtete der König 1490 bei Landesteilung an den Ochsenwegen Zollstellen ein. Oft mussten von Beginn bis Ende der Trift bis zu 20 Zollstellen passiert werden.
(siehe unter Unterschleif).
Jährlich wurden 20 - 30.000, in guten Handelsjahren auch 50.000 Ochsen nach Süden getrieben. Auch andere Waren wurden später auf dem Ochsenweg transportiert.
Oft wurden diese Handelszüge von Räubern überfallen. Eine solche Stelle war Kropp bei Schleswig. Wer Kropp noch nicht passiert hatte, unkte "Du büst bi Kropper Busch noch nich vörbi".
Meistens waren die Ochsenwege bei Kriegen auch Heerwege (s. d.).

Öömrang
Nordfriesischer Dialekt der auf Amrum gesprochen wurde.

Oehe
Ort und Gut bei Maasholm auf einer Insel in der Schleimündung im Kirchspiel Gelting (s. d.). Seit 1561 war das zu dem Dorf Maas und später Maasholm gehörige Gut eigenständig. Erste Besitzer waren ab 1339 die Familie von Sehestedt. Es folgte Familie von Pogwisch von denen es 1588 an die Familie von der Wisch überging, die es 1656 für 39.500 Taler mit allen Untertanen an die von Ahlefeld verkaufte. Es ging an den König und an den Domprobst und 1747 an die von Rumohr.
1790 wurde das Gut in 26 Stellen parzelliert. Damit war gleichzeitig die Leibeigenschaft aufgehoben.
Gut Oehe musste in seiner langjährigen Geschichte immer mit dem Hochwasser kämpfen, weil es auf einer Insel lag. Das Herrenhaus wurde 1707 von Johann Ludwig Freiherr von Königstein erbaut.
1835 brach der Seedeich. 1893 wurde das Herrenhaus erweitert.

Oestergaard
Herrenhaus Gut Oestergaard am östlichen Rand der Gemeinde Steinberg an der Lippingau .Es wurde erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt. 1856 entstand auf diesem Hof ein Gutshaus mit Kellergewölbe und eisernen Freitreppen.
1926 wurde das Gut an die preußische Domänenverwaltung verkauft.

Oeversee
Schlachtort im Deutsch-Dänischen Krieg ca. 15 KM südlich von Flensburg.
Die erste Schlacht zwischen Dänemark und Preußen fand am 24. April 1848 statt. Die Dänen wurden geschlagen und 300 Dänen gefangen genommen. Flensburg wurde von den Dänen geräumt. Einen Tag später wird Flensburg von den deutschen Truppen besetzt.
Am 6. Februar 1864 trafen in einer zweiten Schlacht die mit den Preußen verbündeten Österreicher vom 6. k u. k.- Armeekorps auf die sich auf dem Rückzug befindlichen Dänen. Es kam zu einem Kampf mit vielen Toten und Verwundeten bei denen die Dänen unterlagen.
28.500 Österreicher und 43.000 Preußen überschreiten am 1. Februar die Eider. Die gesamte Armee bestand aus 57 Battaillonen, 39 Eskadrons, 24 Batterien = 110 Geschütze und 18.494 Pferde gegen 40.000 Dänen.
Die Einwohner des etwa 10 km entfernten Flensburgs gedenken noch heute der Hilfe ihrer Bürger, die sie den Verwundeten und Verletzten am Tag nach dem Gefecht zukommen ließen mit dem traditionellen Oeversee-Marsch.

Offiziale
Königliche und bischöfliche Beamte.

Ökelnamen
Beinamen die auf besondere Eigenschaften oder Tätigkeiten der so benannten Personen hinwiesen. (z.B. Hein Schooster, Fiete Post oder Kuddel Snittker). Im Ort meist bekannter als die richtigen Familiennamen.

Oessel
Maßeinheit.

ogena
(lat.) Lasten (Steuern und Dienste).

Oheim
Bruder des Vaters.

Oktroy / Octroy / Oktroi / Octroi
(lat. auctoritas) Freibrief der in Nordfriesland Investoren im 17. u. 18. Jh. weitgehende Rechte in den Kögen gewährte, die durch deren Einsatz entstanden waren. Sie bekamen eine eigene Jurisdiktion und die Polizeiaufsicht über die Insassen eines Kooges.
Oktroy war praktisch eine Privatisierung von großen Baumaßnahmen die sich der Landesherr (die öffentliche Hand) nicht leisten konnte.
Oktroy ermöglichte es Kapital und Können aus anderen Ländern anzuziehen. Zahlreiche Eindeichungen und Trockenlegungen erfolgten durch Holländer im Wege des Oktroy.

Ökonom / Oekonom
Leiter eines Armen- und Arbeitshauses.

Oldengeld
Mastgeld für Schweinemast in den Wäldern.

Oldermänner
Die Ältesten einer Egerschp (s. d.)

Optanten
Dänisch gesinnter Bevölkerungsanteil im Herzogtum Schleswig, die nach dem Ende des Deutsch-Dänischen Krieges (s. d.) 1864 nach dem Anschluss an Preußen für die dänische Staatsbürgerschaft optierte.
Häufige Ursache dafür war nicht dänischer Patriotismus sondern Angst vor der preußischen Militärpflicht. So setzten sich vor allem viele junge Männer nach Dänemark ab und wurden sofort dänische Staatsbürger.
Wer daraufhin aus dem Preußischen Untertanenverband ausgeschlossen wurde, verlor seine Staatsbürgerschaft und seine Zugehörigkeit zu Deutschland.
Wollte ein Optant wieder naturalisiert (in Preußen eingebürgert werden), so musste er sich vorerst zum preusischen Militärdienst verpflichten.

orbatus
(lat.) verwaist, vaterlos.

Ortsnamen, Bedeutung von Endsilben
... aften ungeklärt. Übel, schlecht ?, Abend?
... au Au, Bach
... ballig Teil einer Ortschaft
... bek, beck Bach, von einem Bach umflossen
... berg an einem Berg / Anhöhe liegend
... brarup Dorf an einer Anhöhe / Hang liegend
... brieck Bohlenweg
... brode Furt
... brook feuchte Wiese für Winterfütterung
... broe Brücke
... bühren Ansiedlung
... büll, bel Stall, Siedlung
... by Dorf, Siedlung
... dall, dal Tal. Schwankender Wiesengrund, Sumpf.
... damm Teich
... delf Graben
... dorp Dorf
... eng dän. = Wiese
... feld von dän. Faella = Rodung durch Abbrennen
... fleeth an einem Wasserlauf gelegen
... gaard Edelhof
... gatt Öffnung, Ableitung von gade = Straße
... grau von gra = Ecke, Winkel abgeleitet.
... hacht Hecke
... haff Meer, am Meer liegend
... haft Einhegung
... have umzäuntes kleines Stück Land, Garten
... heck auf eine Heckkate (s. d.) hindeutend
... höft Haupt als Bezeichnung eines Landvorsprungs
... horn Vorsprung
... horst Gestrüpp, Gehölz
... hoi / hoe / hoy Grabhügel
... holm Erhebung in feuchter Niederung , Insel
... holt, holtz Wald, Gehölz
... husen bei den Häusern
... huus Haus
... hy Hügel, Grabhügel
... kamp eingefriedetes Stück Land
... kiel Quelle
... kier Busch, Kratt, Bruch
... kilde dän. Quelle
... kjer / kjär dän. Sumpf, sumpfige bewachsene Niederung
... klues Klause
... krug / krog von Krooch, an einer Ecke, Biegung
... lee Hinterlassenschaft, Erbe, Eigentum
... koog eingedeichtes Gebiet
... laag Gartenpforte
... lak am See
... lohe nd. für Hain
... loit Einhegung
... lück eingehegtes Landstück, Koppel
... lum Erhebung
... lund Hain, Gehölz
... may dän. = Wiese
... mark Rodung
... mis Sumpfiger Wald, Gehölz
... moos Moor auch Birkenwiese
... münde an einer Mündung gelegen
... nis Nase = Landvorsprung
... rade Rodung
... ries Reisig
... odde schlanke ins Meer ragende Landzunge
... poel dän. Pfuhl, Pfütze
... roe, roi, roy Rodung
... rott , ratt Rodung
... rup von dorp = Dorf
... schau Wald
... schauby Walddorf
... siek sumpfige Niederung mit Seggen bestanden
... slet Ebene
... solt Salz
... stade Gestade, Ufer
... stapel 1) Gerichtssäule an einem Gerichtsplatz
2) Umschlagplatz, Hafen
... stedt Wohnstätte
... streng nd., dän. Langgestrecktes Stück Land
... sund schmaler Wasserweg, Enge
... toft Hausplatz, Wohnplatz, Siedlungsplatz
... torf von torp, Dorf
... torp dän. Dorf
... trup Dorf
... twedt Rodung, abhauen.
... watt an einer Furt, am Wasser gelegen
... wedel Furt bei einer Burg
... wisch Wiese
... witt Wald
... wiehe Stelle zur Verteidigung geeignet
... wik, wig, wyk Bucht, Meerbusen
... wöhrden zu den Wohnplätzen
... wohld Wald

Örtung / Ortung / Ortug
1) Raummaß: 1 Örtung = 10 Schipp Roggen = 12 Schipp Gerste = 20 Schipp Hafer.
2) alte nordische Gewichts-, Flächen- und Münzeinheit.
1 Mark = 8 Öre, 1 Öre = 3 Örtung, sodass 1 Örtung 1/24 Mark wert war.
3) kleinste Preiseinheit.

okkupieren
besetzen, sich aneignen. Meist in militärischem kriegerischem Zusammenhang.

Oktant
Messinstrument der Schifffahrt. Höhenmesser für die Gestirne. Erfunden wurde er von dem Engländer John Hadley (1682 - 1744). Er blieb im Gebrauch bis zum Ende des 19. Jh.

Onera
1) (lat., Mehrzahl von onus), im Allgemeinen die mit dem Besitz einer Sache oder eines Rechts verknüpften Beschwerden und Leistungen. Daher oneros, mit Verpflichtungen verbunden; z. B. ein oneroses Rechtsgeschäft.
2) Ganz allgemein für Lasten und Steuern.

Originarii
Uradel.

Ornum
Land im Individualeigentum, das außerhalb der Feldgemeinschaft lag und nicht zur Allmende gehörte.
Siehe auch unter Stuf.

Ortstein
Eine wasserundurchlässige Schicht, die sich nach der letzten Eiszeit auf den ausgedehnten Sanderflächen der Geest gebildet hat. Ursache war das Auswaschen aller nichtsandigen Feinstoffe im Sandboden. Humus-, Eisen-, Aluminium- und Manganteilchen waren nur in einem bestimmten pH-Bereich (Säurebereich) wasserlöslich und verdichteten sich in 30 - 40 cm Tiefe mit dem Sand zu einer oft steinharten Schicht dem Ortstein. Bei starkem Regen konnte der Regen darüber nicht abfließen, das Land versumpfte und bei Trockenheit kamen die Wurzeln nicht zum Grundwasser und die Pflanzen vertrockneten. Über Ortstein konnten sich nur sehr widerstandsfähige, flachwurzelnde, extrem trockenheitsresistente Heidepflanzen ansiedeln.
Mitte des 18. Jh. wurden hier die Heide- und Moorkolonisten (s. d.) angesiedelt, die häufig daran scheiterten großflächig die Ortsteinflächen aufzubrechen um das Land urbar zu machen. Erst Ende des 19. Jh. gab es mit Tiefenflügen, die von Dampflokomobilen gezogen wurden und den Ortsteinboden aufbrachen.

Ortsfamilienbuch
Auch Ortssippenbuch. Familienweise Zusammenstellung von Familien (Vater - Mutter - Kinder / teils auch Großeltern und Ehepartner der Kinder) aus Kirchenbuchaufzeichnungen und anderen Quellen geistlicher und weltlicher Herkunft. Auch Dorfsippenbücher basieren auf dem Prinzip der Ortsfamilienbücher.

Oxhoft
Flüssigkeitsmaß besonders für Wein und Bier. Je nach Region 148 - 235 Liter.
1 Oxhoft = 1,5 Ohm, = 180 Quart.

Otting / Oetting
1) Hauptmaß für den Besitzanteil. Es war nicht die Größe des Besitzes sondern die Anzahl der Anteile an einem Gemeinbesitz. Die Anteile eines Otting schwankten zwischen einem Drittel bis einem Achtel einer Hufe.
2) Maß zur Größe der Besteuerung. War abhängig von der Ertragskraft des Bodens. Z.B. 1 Otting = 1/4 Bohl bis 11/2 Bohl.
3) Vor der Verkoppelung, während der Zeit der Allmende, wurde der Otting auch zur Berechnung der Viehzahl herangezogen, die ein Bauer auf die Allmende treiben durfte.