M


Maasen, Maahsen
Namensteil aus dem mnd. Für Blutsverwandter oder Freund.

Maagschiften / Maatschiften
1) Das gleiche Maß Landes
2) Ausbau oder Neuaufbau von Hofstellen auf außerhalb gelegenen Grundstücken.

Maatpaas
Behälter der für die Tagesverpflegung eines Feldarbeiters bestimmt war. Auf der einen Seite enthielt er Brot, auf der anderen Seite Butter, Speck, Käse und Wurst.

Mädchenschulen
Reine Mädchenschulen für höhere Töchter entstanden erst Ende des 18. Jh. Bis dahin gab es als reine Mädchenschulen nur Nähschulen für die weibliche Jugend.
1792 gründete Lucie Clasen in Glücksburg eine Mädchen-Pensions-Anstalt. Ausgebildet werden sollten "die jungen Frauenzimmer nicht zu gelehrten Damen sondern zu guten Hausmüttern, vernünftigen interessanten Gesellschafterinnen ihrer einstigen Männer und sorgfältige Erzieherinnen ihrer Kinder."
1795 gründete Johann David Bertels in Flensburg eine Mittelschule der ein "Frauenzimmer" angeschlossen war in dem die Mädchen neben den klassischen Fächern Französisch, Klavierspielen, Zeichnen, Singen, Religion, Sticken, Stricken und Nähen unterrichtet wurden.

Magister
Wörtlich aus dem lat. magister = Lehrer, Meister. Später höherer Verwaltungsbeamter. Im Mittelalter dem Doktor gleichgestellt.

Mahlschatz
Verwandt mit "vermählen", "Gemahl". Schatz, Kostbarkeit.
1) Verlobungsgeschenk des Bräutigams an die Braut. Oft der Ehering.
2) Mitgift, Heiratsgut

Maikäferplagen
1878 in Langballig. Alle Grundeigentümer und alle verfügbaren Personen und Schulkinder mussten in der Feldmark sammeln und die getöteten Maikäfer beim Wirtshaus wiegen und registrieren lassen.
In den Morgenstunden vom 24. bis 27. Mai wurden in der Gemeinde Langballig 1.542 kg Maikäfer gesammelt. Auswärtige die mithalfen wurden mit 20 Pfg./Std. entlohnt.
Saatkrähen galten als größte Vertilger von Engerlingen der Maikäfer und waren von 1785 bis 1865 vom 1. Febr. bis 1. Nov. unter Schutz gestellt und durften nicht gejagt werden.
Siehe auch unter Krähenfest.

Majorat
Ältestenrecht. Beim Erbgang in der Erbfolge nächste männliche Verwandte und bei gleichem Verwandtschaftsgrad der Älteste.
Auch der nach diesem Recht vererbte Besitz wurde als Majorat bezeichnet.

Malefikant / Malefizperson
wörtlich "Schlecht-Tuer". Straftäter, Verbrecher, Übeltäter, Missetäter der eine moralisch, ethisch oder rechtlich verwerfliche Straftat begangen hatte.

Mangelbrett
Hölzerne Gerätschaften zum Wäscheglätten. Mit Namen oder Initialen versehen waren sie das häufigste Hochzeitsgeschenk. Sie waren im Rokoko oft wahrhafte Meisterwerke der Holzschnitzkunst.

Mankjagd / Mankgut / Mankrecht
Begriff aus dem Jagdwesen.
1) Jeder Grundherr, der in einer Dorfschaft Grundbesitz hatte, war befugt auf dem Areal des Dorfes die Jagd auszuüben.
2) Mankgut ist das Gebiet in dem jeder jagen darf. 1700 hieß es: "Ganz Angeln ist Mankgut". Die Mankjagd war dem Wildbestand sehr abträglich und führte zur Ausrottung mancher Wildart. Häufig wurde das Mankrecht vom Adel gekauft.
Siehe auch unter Jagdrecht.

Manndränke / Mandrenke / Grote Mandränke
Manndränke nennt man die Großen Sturmfluten die besonders viele Menschenleben gekostet haben.
1) Erste Grote Manndränke vom 16. Januar 1362. Sie wurde auch 2. Marcellusflut genannt. Sie stieg etwa 2,40 m über die höchsten Deiche und verursachte 21 Deichbrüche. Der Ort Rungholt (s. d.) ging zusammen mit sieben anderen Kirchspielen und 34 Kirchen unter. Es gab 100.000 Tote. Im überschwemmten Wattenmeer entstanden erste Halligen (s. d.)
2. Zweite Grote Manndränke vom 11. Oktober 1634 zwischen Ribe und Brunsbüttel. Sie wurde auch Burchardiflut genannt. Sie verwüstete die gesamte Küste und es kamen 9.000 Menschen und 50.000 Stück Vieh in den Fluten um. Die Insel Strand wurde in zwei Teile (Nordstrand und Pellworm) zerrissen. 21 Kirchen, 1.300 Häuser und 28 Mühlen wurden zerstört.
(siehe auch unter Fluten / Sturmfluten / Hochwasser)

Mannes Haus
Nach Jütischem Recht war Mannes Haus überall, wo er siedelte, ob im Zelt, Erdloch, Holzhütten oder auf einem Schiff. Es war dasselbe, als ob er im eigenen Haus wohnte. Wurde an diesen Stellen Heerwerk (s. d.) (= Hausfriedensbruch, Raub und Verwundung) an ihm begangen, so wurde es wie ein Übergriff im eigenen Haus auf ihn und sein Hab gewertet.

Mantel-Opfer / Mantelgeld
Freiwillige, aber moralisch motivierte finanzielle Verpflichtung der Gläubigen an den Pastor für die Anschaffung seines Ornats bei Amtsantritt zu spenden. Das Mantelopfer gehörte zu den Accidentien (s. d.) des Pastors.

Manufaktur
Vom lat. manus = Hand und factura = machen oder herstellen. Übergangsform vom Handwerk zur Fabrik. (Dampfmaschine 1832, Industrialisierung der Ölfabrikation und der Eisengießereien 1842, in Flensburg).
Flensburg hatte 1846 87 Fabriken, Neumünster 65, Hardersleben 41 und Kiel 40.
Der Begriff von Fabrik - Manufaktur - Industrie war über lange Zeit hinweg fließend und nicht definiert.

Marchandise
(franz.) Handel mit Waren aller Art.

Margarethenschrank / Margarethenspende
Der Margarethenschrank war Gegenstand einer Stiftung, die der Bauer Johannes Adolf Jacobsen, Norderbrarup dem Wunsch seiner früh verstorbenen Tochter Margarethe entsprechend, ins Leben rief. Diese Margarethenspende, ein Schrank, der Krankenpflegeartikel enthielt und allen Dorfbewohnern offen stand, ging auf das Jahr 1895 zurück. Von Norderbrarup ausgehend verbreitete sich der Gedanke der Margarethenspende über ganz Angeln, Schleswig-Holstein und über seine Grenzen hinweg aus. Später wurde er Kernstück vieler Diakoniestationen.

Marineschule Flensburg
Offizierschule der Deutschen Marine in Flensburg-Mürwik. Von 1907 bis 1910 wurde sie von Baurat Adalbert Kelm nach dem Vorbild der Marienburg an der Flensburger Förde errichtet und wurde auch "Rotes Schloss am Meer" genannt. Sie wurde als Marineakademie der Kaiserlichen Marine gebaut und diente später auch der Reichsmarine und der Kriegsmarine als Ausbildungsstätte für Seeoffiziere.
Ab dem 3. Mai 1945 wurde die Marineschule für kurze Zeit unter Großadmiral Dönitz Sitz der geschäftsführenden Deutschen Reichsregierung. Am 23. Mai 1945 besetzten die Alliierten den Sonderbereich Mürwik und verhafteten die Regierung Dönitz.
Die Marineschule wurde Lazarett und dann Pädagogische Hochschule und Zollschule. 1956 nach Gründung der Bundeswehr wurde sie wieder Ausbildungsstätte für Offiziere der neuen Bundes-Marine.

Mark
Ackerflurstücke.

Mark Geld
Im Jütischen Recht gemünztes Geld im Gegensatz zum ungemünzten Silber und Gold. Das Wertverhältnis von Mark Geld zu Silber war ursprünglich 3 : 1, dann 2 : 1. Die einzige geprägte Münze war der aus dünnem Silberblech gestanzte Hohlpfennig oder Brakteat. Alle übrigen Geldwerte waren nur Rechnungseinheiten. Im 13. Jh. wurde Mark Goldes (s. d.) eingeführt.

Mark Goldes
Uralte Taxierung des Grundbesitzes zur Steuerberechnung. Z.B. 1 Mark Goldes = 7 Tonnen Haferland oder 25/8 Tonnen Hartkorn.
1 Mark Goldes hatte den achtfachen Wert von 1 Mark Silbers.
Bevor es Geld gab, waren Gold und Silber Zahlungsmittel die als kleine abgewogene Stücke mit Marken (Prägungen) versehen wurden. Daher kam der Begriff Mark. Auch der Wert des Landes wurde nach Mark Goldes gerechnet. 1 Mark Goldes = etwa 60 Morgen = 15 ha.

Marsch
(von Mare = Meer abgeleitet) Niedriges dem Meer abgerungenes (s. u. Koog) an das Meer angrenzendes fruchtbares Land. Die Marsch ist ein flacher Landstrich ohne natürliche Erhebungen. Sie liegt landeinwärts des Watts und erhebt sich nur gering über den Meeresspiegel. Entstehungsgeschichtlich gehören die Marschen zu den jüngsten geologischen Formationen.

Marschfieber
Besonders in Feuchtgebieten durch Mückenstiche übertragenes Fieber. Auch "Sumpffieber", "heimische Malaria" oder "Kaltfieber" genannt. 1826 und 1827 nach der Sturmflut von 1825 starben an der Nordseeküste viele Menschen an Marschfieber.
Auch beim Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals (s. d.) sollen viele Arbeiter am Marschfieber gestorben sein.

Martje Flors
Sage über ein Mädchen, das wirklich gelebt hat. Sie wurde am 21. April 1698 in Katharinenheerd auf Eiderstedt geboren. Sie hatte einige Schicksalsschläge wie den Tod der Mutter, den Tod des Vaters und der Geschwister in den Wirren des Nordischen Krieges zu überstehen. Als im Jahr 1713 die Pest in Eiderstedt grasierte hatte sie auch diese zu ertragen. Sie erbte schon sehr jung, nach dem Tod ihrer Verwandten den elterlichen Hof.
1700 war der Ort während der Belagerung Tönnings von feindlichen Truppen besetzt. Sie hatten auf dem Hof von Martje Flohrs Eltern Quartier genommen und hausten und zechten arg und drangsalierten die Familien und das Gesinde. Martje war damals im Jahre 1708 ein kleines, zehnjähriges aber von den Schicksalsschlägen gereiftes Mädchen, als die grölenden wüsten Zecher sie aufforderten auch eine "Gesundheit" auszusprechen. Ernst nahm sie das Glas und sprach mit Bedacht:
"Idt gah uns wol up unse ohlen Dage" ("Es gehe uns wohl im Alter") und stellte das Glas ruhig ab.
Von dem Ernst und der Würde ihrer Worte betroffen zogen die Zechgenossen ruhig und beschämt von dannen.
Noch heute ist es der Trinkspruch der Eiderstedter.

Maße und Gewichte
Siehe unter: Gewichte - Flächenmaße - Hohlmaße - Längenmaße - Zählmaße.

Mäuseplage
1637 gibt es in Schleswig-Holstein eine verheerende Mäuseplage.

Matrikel
Stammrolle. Verzeichnis von Personen, Einkünften, Vermögen für amtliche Zwecke.

Martrikelbuch
Ab 1688 Nachfolgeverzeichnis von Waldemars Erdbuch.

mater (lat.) Mutter

matrina
(lat.) Taufpatin, Gevatterin.

matrinia
(lat.) Stiefmutter.

Matschop
Haushalt.

Matte
Mahllohn. Vom Müller einbehaltener Teil (etwa 4 %) des Mahlgutes bei einem Mahlvorgang als Bezahlung für seine Arbeit. In Nordfriesland betrug die Matte für Roggen und Weizen ein Sechzehntel.

Mattpaaß
Verpflegungsbeutel von Soldaten die zum Militärdienst einberufen wurden. Er wurde von der Familie aus der sie fortzogen als Wegzehrung mitgegeben.

Meede / Meedeland
Leichteres, an die Geest anschließendes Marschland in Form einer Allmende (s. d.) zur Heugewinnung. Eine Meede zerfiel in mehrere Teile die durch Gräben voneinander getrennt waren.
Die Ansprüche der Interessenten (s. d.) am Meedeland waren in dem Meedeschiftebuch niedergelgt.

Meeresleuchten
Lichterscheinungen am Meer, die durch Ansammlungen von Mikroorganismen erzeugt werden. Es ist ein Phänomen der Biolumineszenz (Lebewesen die Licht erzeugen). Beim Meeresleuchten leuchtet nicht das Meer, sondern die im Seewasser befindlichen Kleinstlebewesen, sodass das Meer blau bis grün luminesziert. Durch Berührungsreiz (z. B. Gehen durchs Wasser, Wellenbewegung) werden unterschiedlich lange Lichtsignale ausgesendet die zu dem Leuchten führen. Selbst der seenahe Sand des Strandes leuchtet wenn er bewegt wird.

Meiereien
Bis in die zweite Hälfte des 19. Jh. butterten die Bauern selbst. Am 1. März 1874 taten sich die Bauern der Dörfer Bönstrup und Voldewra zusammen, bildeten eine Molkereigenossenschaft und bauten die erste Genossenschaftsmeierei Angelns. Die nächste schon bestehende war die in Sundewitt/Alsen.
Die fertige Meierei wurde von der Genossenschaft an einen Pächter vergeben.
Neben der Meierei wurde in Voldewra ein großer Schweinestall gebaut, um die abgerahmte Milch zu verfüttern. Die Zentrifuge war noch nicht erfunden. Erst 1887 wurde vom Sattenbetrieb (s. d.) (Abrahmen in großen Bottichen) auf Zentrifugalbetrieb umgestellt. Die Schweinemast wurde eingestellt und die Mager- und Buttermilch an die Bauern zu eigener Schweinemast zurückgegeben.

Meierhöfe / Meyerhöfe
Auch Vorwerk (s. d.) genannt. Größere Höfe mit besonderen Freiheiten, Privilegien aber auch besonderen Aufgaben für das zugehörige Herrengut. Sie waren von Bürden (s. d.) und Diensten befreit, hatten aber dafür zu sorgen, dass die unfreien Bauern ihre Pflichten gegenüber dem Gutsherren einhielten. Sie waren oft Mittler zwischen Gut und Bauerntum.
Viele Meierhöfe entstanden durch Bauernlegen (s. d.) und Wüstungen (s. d.). Weiter von den Adelsgütern entfernte niedergelegte Höfe wurden zu mehreren zu einem Meierhof zusammengelegt und vom Adelsherrn an Pächter vergeben. Sie erreichten manchmal selbst die Größe von Gütern oder konnten wie z. B. Toestorf selbst zu adligen Gütern aufsteigen. In Angeln ließen sich 17 Meierhöfe nachweisen: Ruhkroog (zu Buckhagen), Rossgaard (zu Glücksburg), Toestorf (zu Roest), Obdrup (zu Satrupholm), Dollrott (zu Satrupholm), Börsby (zu Buckhagen), Hasselberg (zu Oehe), Friedrichstal (zu Nübel), Priesholz (zu Gelting), Nottfeldf (zu Lindau), Rehberg (zu Satrupholm), Schrixdorf (zu Mohrkirchen), Brunsbüll (zu Satrupholm), Philipstal (zu Nübel), Drült (zu Rundhof), Nadelhöft (zu Gelting), Pommerby (zu Düttebüll)
Einige an Holländer verpachtete Meierhöfe nannte man auch Holländerei (s. d.)

Meierwik
Ortsteil von Glücksburg (s. d.) an der Flensburger Förde und Standort des Flottenkommando der Deutschen Marine und Hauptquartier des Befehlshabers der Flotte. Er trägt den Dienstgrad Vizeadmiral und ihm sind die schwimmenden und fliegenden Verbände der Marine unterstellt. Er ist dem Inspektor der Marine im Bundesministerium der Verteidigung unterstellt.
Untergebracht ist das Flottenkommando in einer Kasernenanlage die vor dem 2. Weltkrieg als Teil der Marineschule (s. d.) entstanden war. Die Führungszentrale (Marinehauptquartier) befindet sich in einer tiefen unterirdischen Bunkeranlage.

Melioration
Kulturtechnische Maßnahme zur Ertragsverbesserung von Böden.

Memento
Erinnerung, Nachruf. mento mori "Gedenke des Todes".

Mennoniten
Reformierte christliche Glaubensgemeinschaft in der Tradition der Wiedertäuferbewegung, die auch "Altevangelische Taufgesinnte" oder "Alttäufer" genannt wurden.
Ab 1752 in Eiderstedt niedergelassene Holländer waren durchweg Mennoniten. Sie waren evangelische Taufgesinnte in der von Menno Siemens (1496 - 1561) gegründete Religionsgemeinschaft, die Kindertaufe, Kriegsdienst, gerichtlichen Eid, Ehescheidung, jegliche Gewalt, das Bekleiden öffentlicher Ämter u. a. ablehnte. Mennoniten feierten das Heilige Abendmahl, das häufig von einer Fußwaschung begleitet war. Ihre Lebensart war bescheiden, ihre Kleidung war einfach.
In den Herzogtümern Schleswig und Holstein wurden ihnen Sonderrechte gewährt; sie brauchten keine Eide zu schwören (huldigen) und waren vom Waffendienst befreit, wofür sie jedoch besondere Steuerzahlungen zu tragen hatten. Diese Privilegien blieben auf Glückstadt und Friedrichstadt beschränkt. Sie galten neben den Remonstranten als Mitbegründer dieser Städte.

mercartor
(lat.) Händler, Kaufmann.

Mergel, mergeln
Sedimentgestein aus Ton und Kalk. Mergel wurde in sog. Mergelkuhlen gegraben und zum Kalken der Felder verwandt. Pionier und leidenschaftlicher Verfechter des Mergelns in Angeln war der bekannte Agronom Jacob Iversen von Schwensbyhof.
Mergel enthält als Pflanzennährstoff hauptsächlich Kalk. Es fehlen aber die anderen Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kali.
Wurde nur einseitig mit Mergel gedüngt verarmten die Felder bald an diesen Nährstoffen. Sie galten als "ausgemergelt".
Der Abbau von Mergel erfolgte bis etwa 1900 von Hand mit Mergelspaten, Spitzhacke und Karre in Mergelgruben. Um die Schuhsohlen beim Eindrücken des Spatens in den Mergel zu schonen, waren sie mit Eisenplatten verstärkt. Oft drang Wasser in die Mergelkuhlen ein. Es war eine sehr schwere Arbeit. Trotzdem machten einige Mergelknechte die Arbeit zum Beruf und zogen von Hof zu Hof.

Mesalliance
(franz.) Missheirat, unglückliche Verbindung.

Metronymische Namensgebung
Im Gegensatz zur patronymischen Namensgebung (s. d.) die sich im Norddeutschen durch Anhängen von sen an den Vornamen des Vaters bildete, bezieht sich die metronymische Namensbildung auf den Vornamen der Mutter. Letzteres war fast nur in Frankreich gebräuchlich.

Meyer / Meier
auch Bryde. Ein vom König oder adeligem Gutsherrn eingesetzter Verwalter auf einem Meyerhof, der als unfreier Bauer aber mit Privilegien ausgestattet, anzusehen war und nebenbei die königliche oder adelige Lokalverwaltung ausübte.
(siehe auch unter Meierhof)

Miethsmann / Mietsmann
Jemand, der in einem Ort zur Miete wohnte. Mitbewohner ohne Eigentumsrecht. Auch ein fremdbürtiger oder eingewandeter Bürger oder nicht eingebürgerter Insasse. Eine Bezeichnung, die auch für Hausmann, Inste, Untersasse oder armen Hufner angewandt wurde.
Eine Bezeichnung die sowohl bei den Volkszählungen als auch von vielen Schriftstellern wie Theodor Storm, Gottfried Keller, Gebrüder Grimm, Grillparzer, Wilhelm Raabe u.v.a. gebraucht wurde.


miles
(lat.) Ritter, Soldat, Reiter.

militis proles
(lat.) Soldatenkind.

Minderbrüder / Graubrüder
Mönche des Franziskanerordens. Das Auffallendste an ihnen war ihr Armutsanspruch und ihre Besitzlosigkeit. Sie betätigten sich als Bettelmönche (sie bettelten für andere Arme) und als Wanderprediger. Erste Franziskaner in Flensburg fanden 1379 als Minderbrüder Erwähnung. Graubrüder hießen sie auch wegen ihrer armseligen einfachen grauen Kutten.

Minderstadt
Ort mit eingeschränktem Stadtrecht. Das wichtigste Recht einer Minderstadt war das Marktrecht. Ihre wichtigste Aufgabe war es den umliegenden Raum mit Waren und Gütern zu versorgen. In Norddeutschland war für Minderstädte die Bezeichnung Flecken (s. d.) gebräuchlich.
Verwaltungs- und Gerichtsrecht hatte eine Minderstadt nicht.

Minorat
Beim Erbgang der Jüngste.

minoren
(lat.) minderjährig.

Missernten
1690 gab es eine starke Missernte in Angeln. Es gab kein Futter fürs Vieh und für die Pferde als Zugkräfte.
1800 Missernte in Schleswig-Holstein.
(unvollständig - in Bearbeitung)

Missingsch
Nordisches Sprachgemisch aus Hochdeutsch und Pattdeutsch.

Missive
Sendschreiben, Botschaften.

Missunde / dän. Mysunde
Alter Fährort an der schmalsten Stelle der Schlei (s. d.) Im Jahr 1115 wurde der Ort erstmalig als Fährort erwähnt. Da sich zeitweilig auch die Wenden hier ansiedeln wollten, war diese Gegend schon frühzeitig stark umkämpft. Die Missunder zogen sich auf die schwer zugängliche Burg in Brodersby zurück.
1656 richteten die vom Kriegszug gegen die Polen zurückkehrenden Truppen von König Karl X. Gustav von Schweden in Missunde schwere Schäden an.
Am 12. 9. 1850 wurde Missunde in den Schleswig-Holsteini- schen Krieg verwickelt und littt sehr. Das gleiche galt für den 2. Februar 1864 im Deutsch-Dänischen Krieg.

Mittelplate
Größtes deutsches Ölfeld in der Nordsee auf der Sandbank Mittelplate. Gefördert wird von der gleichnamigen Bohr- und Förderinsel die ab 1985 gebaut wurde. 1987 wurden drei Probebohrungen niedergebracht. Diese Pilotförderung lief bis 1991. Die Größe der Lagerstätte wird auf 100 Millionen Tonnen geschätzt, von denen bereits 20 Mio Tonnen gefördert wurden. Die Jahresproduktion beträgt 1,6 Mio Tonnen. Das Öl liegt in mehreren Schichten zwischen 2000 bis 3000 m Tiefe. Der volkswirtschaftliche Nutzen beträgt mehrere Milliarden Euro.
Das geförderte Öl wurde bis 2005 mit Öl-Transport-Leichtern (Schiffen) zum Ölhafen Brunsbüttel gebracht. Im Sommer 2005 wurde eine 10 Km lange Öl-Pipeline mit 25 cm Durchmesser durch das Watt bis Dieksand gelegt. Das Rohöl wird in einer Temperatur von 60° C durch die Rohre gepumpt.
Seit 2000 wurden auch sieben Horizontalbohren vom Festland aus in einer Länge zwischen 7.727 m und 9275 m zum Ölfeld Mittelplate gebohrt, um das Feld von Land aus zu erschließen.
2005 wurde auf der Mittelplate eine neue 70 m hohe Bohranlage errichtet. Damit wurde die Erschließung des Ölfeldes von 2000 auf 6000 m Radius erweitert und damit neue Lagerstellen erschlossen.
Heute geht man von einer gewinnbaren Reserve von 180 Millionen Barrel aus. Der Wert dieses Bodenschatzes wird 2008 auf einen Betrag im zweistelligen Milliarden-Euro-Bereich geschätzt.
Um die Fördermengen und die Bohrungen zu erhöhen, wurde 2008 ein leistungsstarkes Stromkabel von Friedrichskoog aus verlegt.

Mittwochsgottesdienste
(s. u. Katechismusexamina).

Möweninsel / Möwenkönig
Von Möwen besiedelte Insel in der Schlei bei Schleswig. 1740 wurde das Betreten der Insel während der Brutzeit mit drei bis fünf Tagen Gefängnis geahndet. Nach Beendigung der Brutzeit wurden die Möwen bei einem Volksfest einen Tag im Jahr für das gemeine Volk freigegeben. Dieses als "Möwenpreis" bezeichnete Fest fand immer an einem Sonnabend statt und der Stadthalter musste anstelle des Königs den Königsschuss abgeben. Als es 1878 zu einem richtigen ausuferndem Volksfest wurde, wurde es kurz danach verboten. Der Genuss der Möweneier ging aber noch bis 1989 weiter. Früher wurden Möwen gebraten und gegessen.
1834 wurde ein Möwenkönig gewählt der für eine Pacht die Möweneier sammeln und verkaufen durfte. Bis dahin war der Möwenkönig dafür zuständig die Möweneier für die herzogliche Tafel einzusammeln und die Gelege vor Dieben zu schützen.
Heute ist die Insel Vogelschutzgebiet.
Im Mittelalter hatte Knud Laward eine Burg (Castellum), die "Jurians- oder Jürgensburg" auf der Möweninsel gebaut.

Mohrkirch / Mohrkirchen, Gut
Aus dem Kloster Mohrkirch (s. d.) hervorgegangenes Gut. Mit dem Edelhof wurden gleichzeitig gekauft zwei wegen der Pest wüste Feldmarken Baustrup und Spenting, eine Mühle mit drei gestauten Teichen. Besiedelt war Mohrkirch aber schon früher.
1360 war Mohrkirch im Besitz der Adelsfamilie Lembeck. 1391 verkaufte der Knappe Marquard Brockdorf für die drei erbberechtigten Kinder von Emeke Lembeck den Hof to Moerker an Iwen Reventlow. Dieser verkaufte das Gut später an den an den Antoniterorden.
1541 nach der Auflösung des Klosters kam der Klosterbesitz 1544 bei der Landesteilung an Herzog Adolf, der es aber noch im selben Jahr an Otto von der Wisch verpfändete.
Aus den ehemaligen Klosterbesitzungen wurde das Amt Mohrkirch, die Klostergebäude wurden zum Amtsahaus und der Hof insgesamt zur herzoglichen Domäne.
1572 wurde das Dorf Schrixdorf niedergelegt, aus den Ländereien wurde der Meierhof Schrixdorf gebildet und dem Gute Mohrkirchen zugeschlagen.
Das Gut Mohrkirchen wurde gemeinsam mit dem Amt an Amtmänner, meist Adelige verpachtet und von einem Amtsschreiber verwaltet. 1631 kamen das Gut Satrupholm mit den Vogteien Carswra, Dollrott und Langstedt zum Gut Mohrkirchen.
Der Amtsverwalter hatte gegenüber seinen Untertanen eine fast uneingeschränkte Befehlsposition. Die Untertanen waren zwar diernstpflichtig aber nicht Leibeigen. Ob so oder so, ihr Schicksal hing immer vonm jeweilgen Amtsverwalter, der auch ihr Gerichtsherr war, ab. Im gegenzug gewährte das Gut den Untertanen auch Schutz. Das war besonders während des 30jährigen Krieges von Nutzen. Von 1643 - 1645 kam es zu zahlreichen Einquartierungen, und zu Plünderungen durch die schwedischen Truppen.
1777 wurde das Gut Mohrkirch niedergelegt und auch das Amt Mohrkirchen wurde offiziell aufgelöst und kam 1778 zum Amt Gottorf.

Mollbrett
(Nordfriesisch) Ackergerät das dazu bestimmt war den aus den Entwässerungsgräben ausgehobenen Modder gleichmäßig über die Felder zu verteilen. Das Mollbrett wurde von zwei Pferden gezogen und fand in ganz Friesland Verwendung.

Monatsnamen, alte ...
Deutsche Monatsnamen tauchten im Schrifttum um 800 n. Chr. das erste Mal auf. In der deutschen Mundart gab es für die zwölf Monate über 200 verschiedene Namen.
Im Norden wurden die alten germanischen Namen übernommen
Januar = Hartung, Eis- oder Wolfsmond. Bedeutet "viel"
viel Schnee, viel Eis, viel Kälte
oder Monat des harten Frostes.
Februar = Hornung. Kam von hornen, = sich paaren
oder vom Abwurf des Geweihs des Hornwildes.
März = Lenzing = Frühlingsmond
April = Ostramon. Nach der Göttin der Morgenröte
Ostara. Auferstehung der Natur.
Mai = Winnemond = Weidemonat. Heute umgedeutet
zu Wonnemond.
Juni = Brachet, Brachmond = die Felder liegen brach.
Früher Zeit des Umpflügens.
Juli = Heuert = Heumond. Die Felder wurden gemäht.
es gab das erste Heu.
August = Ernting = die Ernte wurde eingebracht.
September = Scheiding = der Sommer scheidet von uns.
Trennung der hellen von den dunklen Monaten.
Oktober = Gilbhart = gilb = gelb, Monat der Laubfärbung.
Der Wald vergilbt.
November = Nebelung = viel Nebel
Dezember = Julmond = Jul = größtes Fest der Germanen.

Monatsschatz
Aus der "ordinären Kontribution" (s. d.) für den Erhalt des stehenden Heeres in Friedenszeit wurde eine monatlich, mit dem 12. Teil zu entrichtende Steuer der Monatsschatz. Er betrug die unvorstellbar hohe Summe von jährlich 25 Talern je Hufe.

Mooring
Nordfriesischer Dialekt wie er in der Bökingharde um Niebüll und in Risum-Lindholm gesprochen wurde.

Moos
Moor.

Morbus Koch
Tuberkulose. Morbus = Krankheit, Koch = erstmals von Koch beschrieben.

Mordfälle und Urteile in alter Zeit
(Beispiele)
Anno 1556 wurde Nickels Sievers im Kirchspiel Tönning zu nachtschlafender Zeit, als er lustig singend nach Hause ging von Tete Peters und seinen drei Brüdern entleibt. Der Mörder wurde gefangen und mit einem Beil enthauptet, weil die Enthauptung mit dem Schwert zu teuer geworden wäre.
Anno 1575 gerieten zwei Brüder in Streit. Der Jüngere zog sein Messer und erstach seinen Bruder. Nach Eiderstedter Recht wurde er dazu verurteilt unter dem Galgen lebendig begraben zu werden. Ein Pfahl sollte durch seinen Leib geschlagen werden. Er wurde dann aber doch zum Tod mit dem Schwert begnadigt.

1565 beging der Ehemann Mom Levsen einen heimtükischen gemeinen Mord an seiner Beischläferin (Geliebte) die einen Jungen von ihm hatte. Als sie wieder schwanger von ihm wurde, lockte er sie in einen Hinterhalt, überfiel sie mit zwei anderen Schelmen, band ihr einen Stein um den Hals und warf sie ins Meer. Genauso machten sie es mit ihrem Sohn.
Am 24. August wurde Mom für diese Tat aufs Rad gebunden und jämmerlich gebrochen und gerädert.

Um 1600 trieb ein Bauer sein Pferd um die Zollstelle herum (Unterschleif s. d.) um der Zahlung zu entgehen. Er wurde aber gefasst und der Amtmann Otto von Qualen machte dem Viehhändler den Prozess und dieser kam dafür an den Galgen.
Am 19. Juli 1607 wurde Junge Back, als alle in der Kirche waren, von einem dänischen Arbeiter mit Namen Peter Jürgens mit Junge Backens eigenem Beil erschlagen. Der Mörder versteckte sich, wurde aber in einer Scheune mit dem Mordbeil angetroffen. Er wurde auf dem Rad hingerichtet. Er lebte noch als er auf das Rad gebunden wurde. Das Beil wurde mit ihm auf das Rad genagelt.

Am 13. November 1786 erstach bei einer Rast in Fahrentoft ein 17jähriger Wandergesell seinen 19-jährigen Kameraden der mit ihm gerade noch einen Apfel geteilt hatte aus Gier nach dessen Talern. Der Mörder wurde unter dem Galgen von Klockries enthauptet.

Am 8. 8. 1866 wurde in Großcampen im Kirchspiel Garding Hofbesitzer Joh. Thode nebst seiner Frau, Tochter und vier Söhnen und den Dienstmädchen ermordet.

Edlef Edlefsen (um 1700) wohnte auf der Westerwarft von Diedersbüll. Er war für seine Händelsucht und für Gewalttaten bekannt. Einen Beamten, der ihn in Strafe nehmen sollte warf er in den Soodbrunnen und ertränkte ihn. Die Untat kam ans Licht und er wurde am Galgen hingerichtet.
Galgen, Rad, Schwert und Feuer waren die Hinrichtungsarten. Gelang es nicht namentlich bekannte Mörder zu fassen, so wurden sie am Grab des Opfers "gebannt" d. h. für friedlos (volgelfrei) erklärt. Jedermann durfte sie nun töten.
Dieben wurde z. B. ein Ohr abgeschnitten.
Wer einen Dieb in seinem Haus oder auf seinem Hof ertappte durfte ihn erschlagen, ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden.

Morgen
(Mg) Altes Flächenmaß. Ursprünglich die Fläche, die mit einem einschaarigen Pferde- oder Ochsengespann an einem Vormittag pflügbar war. Innerhalb Deutschlands gab es Schwankungen von 2000 bis 10.484 qm.

Morgengabe
In der heidnisch-germanischen Munt-Ehe (s. d.) war die Morgengabe ein wesentlicher Teilaspekt des Eherechts. Die Morgengabe folgte auf das Beilager (s. d.)m (Hochzeitsnacht) und war Teil des ehelichen Güterrechts.
"So muß man der Frau in die Ehe geben: Sobald sie (die Eheleute) in das gleiche Bett und unter die gleiche Decke gekommen sind, hat sie Anspruch auf einen dritten Teil an der Wirtschaft und drei Mark zur Morgengabe von seinem Vermögen".
Die Morgengabe wurde nach dem Aufstehen vom Beilager gegeben.

Mormonen
1830 gründete Joseph Smith in den USA die Kirche der Mormonen. 1838 wurde sie "Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage" genannt. Ihre Anhänger schufen eine weitere Heilige Schrift die sie das "Buch Mormon" nannten, von dem sich auch ihr Name ableitet.
Zum Glauben der Mormonen gehört auch die Ahnenforschung. Sie suchen nach ihren Vorfahren um die heutigen Familienmitglieder stellvertretend für die Verstorbenen taufen zu lassen (Tottaufe). So wurden verstorbene Angehörige posthum zu Mormonen. Seit 1838 haben die Mormonen insgesamt rd. drei Milliarden Familiendaten aus 110 Ländern zusammengetragen.
Die Mormonen haben damit in Salt Lake City in Utha USA das größte Ahnenforschung-Genealogie-Archiv auf Mikrofilm und Mikro-Fiches der Welt.
Erfasst werden Geburten, Taufen, Trauungen aber keine Todeseintragungen. Die Ereignisorte beziehen sich auf die jeweilige Quelle (Kirchenbuch) und nicht auf den Ort des Ereignisses (Geburt, Taufe, Trauung).
Zu DDR-Zeiten hat die DDR Kirchenbuch-Eintragungen gegen Devisen an die Mormonen weitergegeben.
Die Genealogische Forschungsstelle für Schleswig-Holstein befindet sich in Kieler Straße 333, 24536 Neumünster, Tel. 04321 - 38548.
Internetadresse: http:/ / www.familysearch.org.

mors voluntaria
(lat.) Selbstmord.

mortuus
(lat.) gestorben.

Motte
frz. motte = Klumpen, Erdsode. Ursprünglich für Erdhügel.
Germanische in Holzbauweise errichtete meist turmförmige Burg, die auf einem künstlich angelegten Erdhügel stand. Weitere Bezeichnungen sind Turmhügelburg, Erdhügelburg oder Hausberg. Heute unterscheidet man in drei Typen:
Großmotten über 10 m Hügel-Höhe.
Motten von 5 - 10 m stellen die Mehrzahl dar.
Kleinmotten unter 5 m Hügel-Höhe.
Eine kleine Turmhügelburg war in zehn Tagen erbaut. Holz und Erde waren überall reichlich vorhanden. Entlang des Heerweges (s. d.) gab es viele Motten. Die größeren dienten der Flankensicherung des Danewerks ebenso wie der Sicherung des Schiffsverkehrs auf den Flüssen.

Mühlenzwang
Ältestes Bannrecht. Zwangsrecht. Mittelalterliche Pflicht für die Bauern ihr Korn bei der Pflichtmühle ihres Grundherrn (Gutsmühle, Mühlenpächter bei Adel, Kirche, Kloster) mahlen zu lassen. Der Mühlenzwang ist fast so alt wie das Christentum in Angeln, also etwa 1000 Jahre.
Für Dithmarschen bestand als Ausnahme in Schleswig-Holstein, nie ein Mühlenzwang.
Nach einer Verordnung von 1782 fielen in Schleswig-Holstein auch die adeligen Güter nicht mehr unter den Mühlenzwang. Sie bekamen hingegen das Recht Mühlen zu betreiben und Untertanen aus ihren Distrikten als Zwangsgäste an ihre Mühlen zu weisen. Von 261 in Südensee bis 1371 Zwangsgäste pro Mühle in Gelting schwankte deren Anzahl.
Nicht unter den Mühlenzwang fiel der Buchweizen. Hier konnte man alle Graupen- und Grützmühlen (Rossmühlen s. d.) aufsuchen oder auch selbst mahlen.
Die Ausnutzung der Naturkräfte und damit auch das Anlegen von Mühlen war das alleinige Recht des Grundherrn (Könige, Landesfürsten, Klöster, Städte). Diese teilten ihr Gebiet in Mühlenbezirke ein und errichteten ihre Mühlen. Je mehr Zwangspflichtige eine Mühle hatte, desto größer wurde ihr Wert. Aus diesen Zwangsverpflichtungen schöpfte der Grundherr seine Mühlenabgaben. Ein Vertragsverhältnis bestand aber nur zwischen dem Grundherrn und dem Mühlenpächter (Zwangsmüller).
Die Revolutionswellen 1789 und 1848 schwabten auch auf Schleswig-Holstein über und brachten den Mühlenzwang in arge Erschütterung.
Am 1. 1. 1853 wurde der Mühlenzwang gesetzlich aufgehoben. Den Zwangsmüllern wurde noch eine Übergangszeit von 16 Jahren gewährt.

Münzen und Geldwesen
In der Frühzeit gab es keine nationalen Währungen. Unabhängig von ihrer Herkunft galten alle Münzen als Zahlungsmittel. Ihr Wert richtete sich nach dem Gehalt an Edelmetallen (zumeist Silber). Papierne Banknoten wurden in Europa erst im 17. Jahrhundert gedruckt und zwar 1661 in Schweden.
Eine besondere Stellung in Norddeutschland und Dänemark nahm Nordfriesland in der Münzprägung ein. Hier wurden die ersten Goldmünzen geprägt. Im Jahr 1522 ließ der Gottorfer Herzog Friedrich I., der ein Jahr später König von Dänemark wurde, die berühmten "Husumthaler" prägen. (Bei Münzsammlern heute eine kostbare Rarität). Die damaligen Hansestädte Hamburg und Lübeck fingen erst 1537 mit der Talerprägung an.
Vor 1522 kannte man nördlich der Elbe nur kleineres Geld: Pfennige, Dreilinge, Sechslinge, Bracteaten, Schillinge und Mark. Daneben gab es aber schon Goldmünzen wie Gulden und Dukaten. Im Geldverkehr des Landes spielten sie keine Rolle.
1788 bekamen die Herzogtümer eine eigene Silberwährung und es wurde das erste Papiergeld herausgegeben.
1814 wurde die erste Sparkasse in Glücksburg eröffnet und 1819 in Flensburg.

Münzeinheiten / Währungen
1/2 Pfund Goldes = 1 Mark Goldes = 8 Mark Silbers
1 Reichstaler Courant (Rthl. Crt.) = 3 Mark Courant (lübsch) (Mk. Crt.) = 48 Schilling (ß) je 12 Pfennig, Umrechnungswert = 3,60 M in Markwährung = 4 Spezies *
1 Reichstaler (Rth) = 1,6 Reichsbanktaler (rbß)
1 Reichsbanktaler (Rbtlr.) = 0,625 Reichstaler = 96 Bankschilling (bß) = 30 Schilling (ß) Courant = Taler Reichsmünze (R.M.) seit 1854 = 2,25 M in Markwährung
1 Mark = 16 Schillinge (ß)
1 dänische Mark = 1 Pfund markiertes Silber = 8 Oere zu je 3 Ortug zu je 8 Pfennig
1 Dänische Krone 1/2 Reichsbanktaler = 100 Oere = 1,125 Mark.
1 Mark Korn (1 Last) = 8 = Oere = 24 Ortug = 240 Schipp
1 Schilling = 2 Sechslinge
1 Sechsling = 2 Dreilinge
1 Spezies = 3 Mark Courant
1 Silbermünze (S.M.)
1 Preußischer Thaler (Pr. Thlr.) = 30 Silbergroschen (Sgr.) = 40 Schilling (ß) Courant = 3,- M in Markwährung
1 Reichstaler hatte nicht immer den gleichen Wert. Von 1574 bis 1580 galt ein Thaler 36 ßl lübsch, dann bis 1609 33 ßl, stieg 1609 auf 36 ßl, 1610 auf 37 ßl und so fort bis 1619 auf 48 ßl. Im Mai 1622 wurde der Thaler auf 48 ßl gesetzt, bei dem es blieb. (ßl = Schilling lübsch)
1 Reichsbankthaler (rbß)
1 Speziethaler (anno 1807) = 3 MK Crt. 12 ß = 60 ß = 4,50 M in Markwährung
1 Schilling = 3 Witte = 12 Pfennig = 71/2 Pg. In Markwährung
1/2 Schilling = 1 Sechsling = 2 Dreiling = 6 Pfennig

Muntehe
Die im Mittelalter gebräuchliche Form der patriarchalischen Ehe. Sie war ein reines Rechtsgeschäft zwischen zwei Familien. Der Wille der Frau spielte keine Rolle, da sie von allem Geschäftlichen ausgeschlossen war. Sie war lediglich Vertragsobjekt. Die Übergabe der Braut erfolgte gegen bare Zahlung des ausgehandelten Preises.
Die heidnisch-germanische Eheschließung in Form der Munt-ehe setzte sich im Wesentlichen aus mehreren rechtlichen Teilakten zusammen. 1) dem Sippenvertrag bzw. der Verlobung, 2. der förmlichen Übergabe der Braut, 3. der feierlichen Heimführung oder Brautfahrt und dem Beilager und schließlich der Morgengabe. Heimführung und Beilager hatten in der Abfolge einen wesentlichen Stellenwert und mussten öffentlich bezeugbar sein, um Rechtskraft zu erlangen.
Adelshäuser nutzten die Muntehe um nähere verwandtschaftliche Verbindungen ihrer Besitztümer zu erreichen. Das Alter der Heiratskandidaten spielte dabei keine Rolle. Jungen waren mit 12 - 15 und Mädchen mit 13 Jahren (im Spätmittelalter mit 16 Jahren) heiratsfähig. Der Adel hielt sich aber nicht daran und so wurden schon fünf- und zweijährige Söhne und Töchter verehelicht.
Auch bürgerliche und bäuerliche Kinder hatten sich dem Willen der Eltern ohne Widerstand zu fügen. Liebe und Zuneigung waren keine Leitbegriffe einer Ehe. Altersunterschiede spielten dabei überhaupt keine Rolle.
Mit dem Tag der Hochzeit bekam der Mann mit der Munt-übertragung das alleinige Recht über das in die Ehe gebrachte Vermögen der Frau zu verfügen - ohne jegliche Zustimmung der Frau. Auch besaß er das alleinige Scheidungsrecht und konnte seine Gemahlin verstoßen. Selbst über die eigenen Kinder hatte die Frau keinerlei Verfügungsgewalt.
Starb ihr Mann und wurde sie Witwe, so konnte sie nicht über sich selbst bestimmen, sondern fiel unter die Muntgewalt des Vaters, Bruders oder des Sohnes und wurde erneut "zur Hochzeit angeboten".
Untreue der Braut wurde wie Ehebruch bestraft und war ein todeswürdiges Verbrechen.

Muntwalt
Das Recht der Frauen öffentlich selbstständig aufzutreten war früher nicht gegeben. Bei Gericht, Eheverhandlungen, Erbschaftsangelegenheiten usw. mussten sie sich durch einen Mann, dem Muntwalt vertreten lassen. Bei Ledigen war dieses in der Regel der Vater oder Bruder und bei Verheirateten der Ehemann. Der Muntwalt hatte auch das Verfügungs- und Nutzungsrecht über das Vermögen seines Mündels und das Recht zur Verehelichung.

Musbier
Wenn gegen Ende des Winters das Dreschen beendet und die Dreschflegel an die Wand gehängt waren, kam man im Dorf zum Musbier zusammen und feierte.

Mutterkorn
Niederer Pilz (Claviceps purpurea = Purpurfarbiger Keulenkopf.) der während der Roggenblüte hauptsächlich den Roggen befiel und in den Ähren zur Bildung von äußerst giftigem Mutterkorn führte. Das eigentliche Mutterkorn ist die harte Dauerform des Pilzes. Das eigentliche Gift ist das Alkaloid des Pilzes Ergotamin.
Wurde dieses Mutterkorn mit den Roggenkörnern vermahlen und zu Brot gebacken, so führte der Verzehr des Brotes zur gefürchteten Kriebelkrankheit (s. d.) die zu grausamen Siechtum führte. 1718 sehr stark in Ulstrup/Angeln.
Der Name "Mutterkorn" rührt wahrscheinlich daher, dass der Pilz von Hebammen zur Gebährmuttertherapie verwandt wurde. Noch heute wird es in Medikamenten in der Geburtshilfe bei Wehenschwäche eingesetzt. Gewonnen wird es heute in speziellen Roggenkulturen die mit dem Pilz infiziert werden.
Ältere Namen für Mutterkorn im Norden sind Kornmutter, Mehlmutter, Kornzapfen, Roggenmutter, Hahnensporn, Kindesmord oder Tollkorn.
Siehe unter Anthoniusfeuer und Kriebelkrankheit.

Mutterrrolle / Grundsteuermutterrolle
In Buchform laufend fortgeschriebene Kopien der Katasterdaten. Sie enthielt das Eigentümerverzeichnis, die Katasterbezeichnung (Gemarkung, Flur und Flurstück) sowie, Nutzungsart, Lagebezeichnung, Fläche und steuerliche Klassifizierung aus dem Flurbuch.