K


Kaak / Kaakmann
Schandpfahl in Flensburg. Der Kaakmann war der städtische Büttel, der den zur Prügelstrafe Verurteilten öffentlich vor dem Kaak die entsprechende Zahl von Hieben zu geben hatte.
In Flensburg befand sich der Kaak auf dem Südermarkt. Oben auf dem Kaak befand sich eine Holzfigur, die den städtischen Büttel mit Geisel (Peische) darstellte. Der Kaak wurde letztmalig 1759 errichtet.

Kätner / Kötener
Betreiber eines kleinen Grundstücks mit Kate. Hintersasse (s. d.) eines Hufners. Kätner hatten den adeligen Herren Handdienste zu leisten. Hufner leisteten Spanndienste.
Kätner waren oft weichende Erben (abgeteilte Bauernkinder) von Hufen.
Je nach Besitz oder Verwendung gab es Domkapitelskaten, Klosterkaten, Schuster-, Hirten-, Küster-, Pastoren-, Schmiede- und Schneiderkaten.
Kätner hatten kaum Rechte. Dorfangelegenheiten regelten die Hufner und auch alle Ämter standen nur den Hufnern zu. Auch von Kirchenämtern blieben Kätner ausgeschlossen.

Kaiser-Wilhelm-Kanal / Nord-Ostsee-Kanal
Kanal zwischen Nord- und Ostsee von der Kieler Förde bis zur Elbmündung bei Brunsbüttel. Er war die meistbefahrene Wasserstraße der Welt. Er war 98,637 Kilometer lang.
Ein Vorläufer war der 1777 - 1784 von König Christian VII. gebaute Eiderkanal (s. d.) von Kiel bis Rendsburg wo er in die Eider mündete, die bis zur Eidermündung bei Tönning (s. d.) floss. Eine Fahrt dauerte allerdings 3 - 4 Tage.
1873 gewann Bismarck den Kaiser für den Plan einen Kanal von der Nord- zur Ostsee zu bauen und 1883 gab Kaiser Wilhelm I. den Auftrag dazu. 1886 billigte der Reichstag ein entsprechendes Gesetz.
Am 3. Juni 1887 erfolgte die Grundsteinlegung. Nach 8 Jahren Bauzeit wurde der Kanal am 21. Juni 1895 geöffnet. Der Bau kostete 156 Mio. Goldmark, bis zu 8.900 Arbeiter bewegten ca. 80 Mio. cbm Erdreich. Der Kanal war 67 m breit und 9 m tief.
Er gehört zu den spiegelgleichen Kanälen und wurde an beiden Enden durch Schleusen gegen unterschiedliche Wasserstände (Gezeiten und Sturmfluten) geregelt.
Erste Pläne für den Kanal gehen bis ins 7. Jh. zurück.
Zur Finanzierung wurde vom Kaiser die Schaumweinsteuer (Sektsteuer die es heute noch gibt) eingeführt.
Von 1907 bis 1914 erfolgte der erste Ausbau auf 102 m Breite und 11 m Tiefe.

Kaland
Bruderschaft seit dem 9. Jh. die Frauen und Männer in ihren Reihen hatte. Sie machten keine Standes- Religions- und Herkunftsunterschiede. Ihr Ziel war es gemeinschaftlich wohltätige Werke an Armen und Kranken zu vollbringen. Sie bestand aus Geistlichen und frommen Laien (Nichtgeistlichen) die sich besonders des Totengedächtnisses annahmen. Bei ihnen konnte man Seelenmessen für Verstorbene bestellen; auch sangen sie an Gräbern. In der Reformationszeit starben die Kaland-Bruderschaften aus.

Kaltschlachter
Amtliche Bezeichnung für den Schinder (s. d.)

Kamisol
(s. u. Camisol)

Kammermohr
auch Hofmohr. Seit dem 18. Jh. Im deutschen Sprachraum Bezeichnung für einen Diener schwarzer Hautfarbe.

Kannendreyer / Kandreyer
Beruf. Drechsler von hölzernen Kannen.

Kanon
Grundzins.

Kapito
Um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jh. als Flensburg noch keine Kläranlage hatte, ein wertvoller Dünger in Breiform aus Fäkalien in Mischung mit Torfmull. Entwickelt wurde die Herstellung und der Vertrieb und damit gleichzeitig das Problem der Fäkalienbeseitigung von drei Landwirten. Jacob Eduard Brix, Johann Martin Bunzen und Ökonom Kapito, Leiter des Flensburger Armenhauses und des Martinstiftes.
Bis dahin wurden Mist und Jauche vom Vieh und alle Fäkalien der Menschen in den Hafen gespült. Die heute noch anzutreffende Schicht soll bis zu 4 m stark sein.
Ab 1890 wurde in Flensburg die Eimerabfuhr angeordnet. Alle Bewohner mussten in Eimer machen, die halb mit Torf gefüllt waren. Morgens vor Sonnenaufgang wurden diese abgeholt und nach Sophienhof gebracht und in Gruben entleert. Dort gab es für die Bauern auch eine "Kapito-Versteigerung" auf der der wertvolle Dünger versteigert wurde. Für Flensburg eine große Erleichterung.
(siehe auch unter Ehgraben, Notdurft und Straßen- und Stadtbilder des Mittelalters)

Kappeln
Hafenstadt an der Schleimündung mit Zentrumsfunktion für das östliche Angeln und das nördliche Schwansen. Jahrhundertelang war es ein Fischerdorf, das sich bis 1533 nur mühsam der Leibeigenschaft durch das Gut Roest (s. d.) erwehrte. Erstmalige Erwähnung fand Kappeln 1357.
1406 kam Kappeln zum Domkapitel der Stadt Schleswig und 1533 zum Adelsgut Roest.
1633 versuchte der Gutsherr von Roest Detlef von Rumohr die Kappelner zu Leibeigenen zu machen. 64 Familien entzogen sich dem und gründeten auf einer nahen nicht mehr zu Roest gehörenden Landzunge in der Schlei das Dorf Arnis (s. d.).
1799 wurde die Leibeigenschaft (s. d.) aufgehoben und 1807 kaufte der dänische König Christian VII. Kappeln für 62.000 Reichstaler. Fortan hatte Kappeln einen eigenen Verwaltungs- und Gerichtsbezirk.
1842 erhielt der Ort Fleckensrecht (s. d.) 1870 erhielt Kappeln das Stadtrecht.
1885 wurden Kappeln und Flensburg durch eine Kleinbahn verbunden.
1928 wurde eine Drehbrücke über die Schlei gebaut.

Karacke
Siehe unter Schiffstypen.

Karat
Gewichtsmaß.

Karre
"Die Karre" wurde das Zuchthaus in Glückstadt genannt, in das die lebenslänglich Verurteilten (z. B. "frevelhafte Mordbrenner"), aus den Herzogtümern Schleswig und Holstein gebracht wurden.

Karrendienst / Karrenstrafe
Schwere Zwangsarbeiten während einer Gefängnisstrafe. Die Karrenstrafe wurde härter eingestuft als die Zuchthausstrafe. Sie war eine Strafe zur Zwangsarbeit. Frauen durften nicht durch die Karrenstrafe bestraft werden.
Karrenstrafgefangene kamen zur Verbüßung ihrer Strafe in die Festung Rendsburg. Daneben gab es Ausweichquartiere für die Herzogtümer Schleswig und Holstein in Monkholm bei Trondheim in Norwegen und in Kronburg bei Helsingör in Dänemark.
Siehe auch unter Corrigende, Zuchthaus.
Zu kurzen regionalen Karrenstrafen Verurteilte arbeiteten im Wegebau, im Forst, in der Be- und Entwässerung, im Deichbau usw. Sie stellten für die Ämter ein billiges und ständig sich erneuerndes Arbeitskräftepotential dar.
1816 schaffte Dänemark die Karrenstrafe ab. 1827 geschah dieses auch in den Herzogtümern.

Kartenblatt
Schuld- und Pfandprotokolle. (s. d.)

Kartoffel / Potatus
Ihre Heimat ist Südamerika. Mitte des 16. Jh. brachten Seefahrer sie nach Europa (Schottland), wo sie zuerst angebaut wurde. Im übrigen Europa blieb sie lange Zeit unbeachtet.
Man nannte die Kartoffel damals Potatos. Da sie anfangs als Schweinefutter gebraucht wurde, hielt es lange Zeit die Menschen davon ab sie selbst zu essen.
1616 wurde die Kartoffel erstmalig als Delikatesse an der Tafel des Französischen Hofes gereicht.
1708 kam sie erstmalig nach Mecklenburg.
Ab 1740 förderte König Friedrich der Große von Preußen den Kartoffelanbau und erließ 1756 den Befehl sie im ganzen Land anzubauen.
Hungersnöte im 18. Jh. zwangen die Menschen in Deutschland die Kartoffel zu essen.
Im Norden wurde die Kartoffel erst 1762 mit den Kolonisten (s. d.) bei uns heimisch und langsam gebräuchlich.
Probst Lüders aus Glücksburg hat sich ab 1760 um die Einführung der Kartoffel im heimischen Anbau verdient gemacht.

Kaskettenmacher
Beruf. Er stellt Hutschachteln her.

Kassation
1) Befreiung der Archivbestände von Überflüssigem und Wertlosem.
2) Entlassung und Entfernung von Kolonisten aus der Kolonie wegen "Arbeitsunwilligkeit", "Unfähigkeit" oder "schlechten Ergebnissen".

Kastellan
Schlossvogt, Aufseher im Schloss.

Kate
Eine Hofstelle. In der Regel ein Achtel-Bohl. Es gab Freikaten die den Inhabern gehörten und Festekaten, die verpachtet waren. Nicht alle Katen hatten Pferde.
Kate auch für kleines Haus. (siehe auch unter Kätner)

Katechismusexamina
Vom 16. bis Anfang des 18. Jh. gab es die Verpflichtung für Alte und Junge zur Teilnahme an den Mittwochsgottesdiensten (s. d.) oder besonderen Wochengottesdiensten im Anschluss an den Gottesdienst. Hier wurde in großer Strenge Unterricht und Prüfung zum Katechismus gehalten.

Katechu
Gerb- und Färbemitte. Eine zähe Masse aus einer indischen Akazienart die auch zur Haltbarmachung von Fischernetzen gebraucht wurde.

Kattundrucker
Beruf. Er bedruckte mit Modeln Kattun (Leinen)

Kekule-Nummern / Kekule-Zahlen
Nummerierungssystem zur Übersicht bei der Ahnenforschung. Benannt nach dem Privatgelehrten Dr. phil, Dr. jur. Stephan Kekule, der das System 1898 einführte. Danach erhielt der Proband unabhängig vom Geschlecht die Nummer 1. Der Vater erhielt den doppelten Wert, die Mutter den doppelten Wert + 1.
Proband = 1; Vater = 2; Mutter = 3. Weiter geht es jeweils mit einer Verdoppelung für Männer und einer Verdoppelung + 1 für Frauen. Großvater väterlicherseits = 4, Großmutter 5, Großvater mütterlicherseits 6, Großmutter 7 usw.

Kerbstock
Zählmaß, mittelalterliche Zählhilfe. Schulden wurden in den Kerbstock geschnitten. Wer Schulden hatte, hatte was auf dem Kerbholz.

Kiek
(siehe unter Fußwärmer)

Kieler Erklärung
Auch nach dem zweiten Weltkrieg setzte die "neudänische Bewegung" wieder ein mit dem Ziel das alte Herzogtum Schleswig bis zur Eider dem Dänischen Territorium anzugliedern. 1948 versuchte die dänische Regierung bei der Londoner Konferenz dieses Ziel zu erreichen, indem gleichzeitig alle Flüchtlinge aus Südschleswig entfernt werden sollten. Dieses aber wurde in London konsequent zurückgewiesen. Dänemark akzeptierte schließlich den Beschluß der Londoner Konferenz. Jetzt setzte man auf dänischer wie auf deutscher Seite auf Minderheitenreglungen, die am 26. 9. 1949 in der Kieler Erklärung ihren Niederschlag fanden. Die Bonn-Kopenhagener Erklärung von 1955 verfestigte die Beschlüsse der Kieler Erklärung und machte sie staatsrechtlich verbindlich.

Kienspan
Dänisch = Fyrstikker. Harzdurchtränktes Stück Holz von etwa 10 - 50 cm Länge und Fingerdicke meistens aus Kiefer oder Föhre. Die Baumrinde wurde künstlich verletzt um mehr Harz zu bilden, das sich mit dem Holz verhärtete. Der Kienspann wurde angesteckt und brannte wie eine Fackel. Er war die erste künstliche Lichtquelle neben dem Herdfeuer.
Das Schneiden der Kienspäne war eine Abendbeschäftigung der Männer.
Im 17. Jh. waren Kienspäne ein wichtiger Handelsartikel.

Kimbrische Halbinsel
Siehe unter Cimbrische Halbinsel.

Kindbettfieber
Infektionskrankheit als Ursache für frühere hohe Müttersterblichkeit. Bei Wöchnerinnen auftretendes Fieber mit typhusähnlichen Symptomen, oft infolge einer unvollständigen Nachgeburt. Beim jahrhundertelangen üblichen Ablauf von Hausgeburten trat Kindbettfieber gar nicht so häufig auf.
Erst mit zunehmender ärztlicher Hilfe im 18. Jh. mehrte sich das Kindbettfieber durch mangelnde Hygiene der Ärzte die mit Kranken und Leichen in Berührung kamen und sich nicht desinfizierten und mit ihren Händen und Instrumenten die Krankheit übertrugen. In Krankenhäusern starben bis zu zwei Drittel der Wöchnerinnen.
1804 begann die akademische Geburtshilfe in Kiel.
Erst in der 3. Hälfte des 19. Jh. erkannte der Mediziner Semmelweis die schlechten hygienischen Zustände der Krankenhäuser und Ärzte als Ursache für die Säuglingssterblichkeit.

Kindelbier
Zu Kindtaufen geschenktes Bier. Es wurde später wegen der häufig damit verbundenen Besäufnisse verboten und bestraft.
(siehe auch unter Arfbeer, Erbbier und unter Luxusverordnung)

Kirchenbauten / Sakralbauten
1) Granitquaderkirchen: St. Marien in Norderbrarup (12. Jh.) - St. Laurentius in Munkbrarup (1175 - 1200) - Marien in Sörup (1132, E. 12. Jh.) - St. Vincentius in Husby ( 12. Jh.) - St. Johannis in Kleinsolt ( ) - Rübel (vor 1192)
2) Feldsteinkirchen: St. Marien in Grundhof (M. 12. Jh.) - Oeversee ( ) - Brodesby ( ) - Petrikirche in Sieverstedt (um 1100) - Großsolt (?) - Parochie in Töstrup (vor 1305) - St. Marien in Esgrus (um 1200) - St.. Marien in Rabenkirchen (12 Jh. Turm 15. Jh.) - St. Marien in Boren (13. Jh.) - Brodersby (vor 1600) - Taarstedt (um 1200) - Saalkirche in Loit (12. Jh.) - Süderbrarup (sehr alt) - Marienkirche Norderbrarup (vor 1400) - St. Johannis in Thumby (12. Jh.) - Fahrenstedt (?) - Tolk (vor 1192) - Moldenit (12. Jh.) - St.
3) Ziegelsteinkirchen: Hürup (E. 12./13. Jh.) - St. Michael in Rüllschau (1. 1/3 13. Jh.) -- Laurentius in Sterup (2. 1/4 13 Jh.) - Boel (13. Jh.) - Boren (15. Jh.) - Ülsby ( E. 13. Jh.)
4) Backsteinkirchen: Boren ( ) - Sterup ( ) - Gelting ( ) - St. Nicolai in Kappeln (1789 - 1793) - Marien in Hürup (A. 13. Jh.) - Neukirchen (1619 - St. Ursula in Boel (E. 12. Jh.) - St. Marien in Flensburg (1284) - St. Nicolai in Flensburg (1332) - St. Johannes in Flensburg (1128) - St. Christian in Garding (1117) - St. Johannis auf Föhr (1240) - St. Nicolai auf Föhr (vor 1240)
5) Weiß getünchte Backstein- und Feldsteinkirchen: Neukirchen ( ) - Gundelsby ( ) - Medelsby (12. - 13. Jh. St. Matthäuskirche.
6) Mischbauten:
a) Granit und Feldstein: St. Johannes in Adelby ( 12. Jh.) - St. Marien in Havetoft (12. Jh.) - Satrup (12. Jh. ) - St. Jürgen in Struxdorf (sehr alt) - Kahleby (14. Jh.)
b) Quadern, Feld und Ziegelstein: St. Nocolai in Quern (12. Jh.) - Steinberg (12. Jh. ) -- St. Jacobus in Ülsby (13. Jh.) - St. Laurentii auf Föhr (um 1240)
c) Quadern, - Feld- u. Tuffstein: Willehadskirche in Ulsnis ( 1338) -
d) Feld- und Ziegelstein: Nübel ( ) - Struxdorf ( ) - Thumby ( ) -
7) Fachwerkkirchen: Fischerkirche in Arnis (1667 - 1673)

Kirchenbücher
Kirchliche Verzeichnisse von Taufen, Einsegnungen, Verlobungen, Trauungen und Todesfällen. Sie wurden vom Pastor handschriftlich geführt. Es gab sie im deutschen Sprachraum seit etwa 1530.
1646 wurde der Kirchenbuchzwang eingeführt. Viele Kirchenbücher gingen in den Kriegen und durch Feuer und Hochwasser verloren.
Zum 1. Januar 1876 wurde im Deutschen Reich mit dem Personenstandsgesetz die Bedeutung durch die staatlichen Standesämter abgelöst.
Neuerdings wurden viele Kirchenbücher auf Mikrofilm verfilmt und dadurch langzeitarchiviert und zugänglich gemacht.
Die Mormonen haben schon 1930 systematisch begonnen Kirchenbücher zu verfilmen.
In der Zeit des Nationalsozialismus waren durch das Reichssippenamt viele Kirchenbücher der deutschen Ostgebiete verfilmt worden. Sie werden heute in der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig archiviert.
Die Nordelbischen Kirche (s. d.) hat einen Datenbestand, der 25 Kilometer Akten entspricht.

Kirchenbuße
Kirchliche Strafe für unsittlichen Lebenswandel z.B. vorehelichen Beischlaf, Verachtung der Sakramente, Nichtteilnahme am heiligen Abendmahl über Jahr und Tag.
Wurde ein Baby vor Ablauf von neun Monaten nach der Hochzeit geboren, so hatten die Eheleute schwere Kirchenbußen zu erwarten.
Wer in Kirchenbuße genommen wurde, durfte die Kirche nicht betreten sondern musste sich reuevoll im Karnhaus (Leichenhaus) aufhalten, wo er dem Gespött der Leute ausgesetzt war.
Die Kirchenbuße geschah öffentlich in der Kirche vor der ganzen Gemeinde, für schwerere Vergehen vor dem Altar, für leichtere durch die Abbitte des Predigers von der Kanzel. Die Büßenden mussten dabei auf einem besonderen Platz in der Kirche sitzen (Armesünderbank). Da die Buße mehr erbitterte als besserte wurde sie später nur noch bei Verstoß gegen das 6. Gebot praktiziert. Am 30. 10. 1767 wurde an ihre Stelle eine achttägige Gefängnisstrafe bei Wasser und Brot oder auch eine Geldstrafe von 10 Rthl. verhängt.
Später versuchte die Kirche durch landesherrschaftliche Dispensation auch weltliche Strafen wie 14-tägige Gefängnisstrafen bei Wasser und Brot dafür zu verhängen.
Eine noch härtere Stafe war die Altarbuße (s. d.)

Kirchspielsmänner
1) Kirchliche Gemeindevertreter die je nach ihrer Zahl Vier-, Sechs-, Acht-, Zwölf- oder Sechzehn-Männer hießen. Zwölfmänner z.B. wurden auch "Gezwölfte" genannt. Sie berieten den Pastor sowie die Kirchenjuristen bei wichtigen Angelegenheiten, oder
2) sie protokollierten bei Kirchenversammlungen die gefassten Beschlüsse ("Achten") und zählten bei Abstimmungen die Stimmen.
Voraussetzung für dieses Amt war ein christlicher Lebenswandel, der Wille sich für die Schule und das Armenwesen einzusetzen. Sie gehörten zu den Kirchenvorstehern, die sich in Juraten (s. d.) und Kirchspielsmänner aufteilten.
Die Juraten waren hauptsächlich für die Erhaltung und Sicherheit der Kirchenkapitalien, also für die Finanzen zuständig. Für alle durch ihr Verschulden verloren gegangenen Kirchengelder hatten sie selbst zu haften.
Die zwei Juraten wurden auf Vorschlag des Predigers bestimmt und konnten aus allen Bevölkerungsschichten stammen. Sie mussten das Amt übernehmen.
Die Kirchspielsmänner auch Kirchspiels-Gevollmächtigte waren die eigentlichen Repräsentanten der Kirche in den Dörfern. Sie hatten die Pflicht zur Fürsorge der Gemeinde sowie der Kirche und ihrer Mitarbeiter. Ihnen oblag es für eine moralische Gesinnung in den Dörfern zu sorgen. Auch hatten sie auf die Einhaltung Landesherrlicher Vorschriften in den Dörfern zu achten.
Die Kirchspielsmänner stammten ausschließlich aus den Reihen der Hufner, der größeren Landwirte. Gewählt wurden sie von den anderen Kirchspielsmännern, d. h. nur der Kirchenvorstand bestimmte, wer neu aufgenommen wurde. Ablehen konnten die Gewählten nicht.
Die Amtszeit von Juraten wie Kirchspielsmännern betrug sechs Jahre.

Kirchenstuhl
Gekaufte Sitzplätze für die Familie in der Kirche. 75 - 80 % der Plätze im Gotteshaus wurden von der Kirche auf diese Weise vergeben. Der Kauf galt meist auf Zeit aber auch auf Lebenszeit und war Amtsinhabern und Grundstücksbesitzern vorbehalten. Der Käufer erhielt für das Gebrauchsrecht einen Kirchenstuhlbrief.
Kirchenwinde
Leumundszeugnis der Gemeinde.

Kirchfrau
Frau die nach der Geburt eines Kindes den ersten Kirchgang hielt. Sie galt innerhalb einer Frist von vier bis sechs Wochen nach Geburt des Kindes als "unrein" und durfte die Kirche nicht betreten. Üblich war es dem Pastor bei diesem ersten Kirchgang einen Obolus (Accedentcie (s. d.) von 2 Mark zu reichen.
(siehe auch unter Sechswöchnerin)

Kirchgang
Früher ging man viel in die Kirche. Das hatte zwei Gründe:
1. wurde mit Strafe belegt, wer nicht zur Kirche ging,
2. war die Kirche allgemeiner Kommunikationsort und die Stelle, wo von der Kanzel Neuigkeiten und Anweisungen der weltlichen Obrigkeit verkündet wurden.
Die Kirche schürte den Glauben, dass eine leerstehende Kirche von Gott mit Landplagen, Pest, Teuerung usw. bestraft wurde. So war auch Angst eine Motivation für den Kirchgang.
1623 wurde das Kirchengehen als allgemeine Untertanenpflicht bezeichnet. Das führte besonders für Leibeigene zu riesigen Problemen, da sie nur die Nacht und die Sonntage für die Arbeit auf den eigenen Feldern zur Verfügung hatten.
Der offizielle Hauptgottesdienst dauerte drei Stunden und die Kirche war nicht beheizt. Es gab gefürchtete Dauerprediger bei denen der Gottesdienst noch länger dauerte. An ruhiges Sitzen war nicht zu denken und so unterhielt man sich auch während der Predigt und kam und ging wie man wollte.
Zum Kirchbeginn gab es fast immer Streit um die Stühle und Kirchplätze. In der Kirche wurde viel geschlafen und wenig mitgesungen.
Im Anschluss an die Gottesdienste fanden meistens die Beerdigungen statt. Dauerte die Predigt den Leuten zu lange, so trugen sie den Toten demonstrativ schon vor dem Ende der Predigt in die Kirche.

Kirchspiel
Kirchspiele waren den Harden nachgeordnete Gebietseinheiten. Zugehörig war ihnen immer nur ein Kirchdorf aber verschieden viele kirchfreie Dörfer. An ihrer Spitze stand in westlichen Kirchspielen der Kirchspielvogt, in östlichen der Rechensmann (s. d.)

Kirchspiels-Männer
Je nach kirchlicher Ortsverfassung hießen sie auch Vier-, Sechs-, Acht- oder Zwöfmänner.
Sie waren dem Prediger als Mithelfer in der Gemeinde zugeordnet.
Sie hatten auf gute Ordnung, Friede und Einigkeit in der Gemeinde zu achten und diese zu fördern. Ebenso hatten sie auf die Einhaltung der Kirchen-, Schul-, Sabbathordnung zu achten. Sie hatten für Sonntagsruhe zu sorgen. Sie haben das Schulwesen und die Lehrer zu beobachten und für den Schulbesuch der Kinder zu sorgen.
Ihnen oblag auch die Aufsicht über die Kirchgebäude, deren ordentlichen Zustand sie zu überwachen hatten.
Bei Pastorenwechsel hatten sie für eine Sicherung der Kirchenbücher zu sorgen und deren sichere Verwahrung und Übergabe zu veranlassen.
Eine weitere Aufgabe war die Organisation und Verwaltung des Armenwesens. Aber auch die Überwachung der Kirchbücher hinsichtlich Ein- und Ausgaben gehörte zu ihren Pflichten.

Kirchspielvogt
In westlichen Kirchspielen versahen die Kirchspielvögte die Aufgaben des Gemeindevorstehers. In nördlichen und östlichen Teilen des Landes waren es die Rechensmänner.
Kirchspielvögte waren alterserfahrene Männer aus einflußreichen eingesessenen Bauernfamilien. Oft blieb das Amt über mehrere Generationen in der Familie.
Zu ihren Pflichten und Diensten gehörten:
1) Verwaltung des Kirchspiels hinsichtlich Recht und Ordnung, Sitte und Moral und Leitung der "Unterpolizwi".
2) Hebung von Steuern und Abgaben und Abführung an die Kassen, sowie Führung der Kirchspielkasse.
3) Aufsicht bei Unterhaltung der Straßen, Siele und Brücken in seinem Kirchspiel und über die Reinhaltung der Wasserläufe.
4) Hebung der Brandgelder
5) Besorgung gerichtlicher Vorladungen und Zustellungen.

Kirchsteige
Bevor die Dörfer durch Straßen miteinander verbunden waren gab es nur Fußwege zwischen ihnen. Die Fußwege zwischen den Kirchdörfern hießen Kirchsteige.

Kirch- und Feiertage, christliche ....
(nach weltlichem Datum geordnet)
Epiphanias Dreikönigsfest:
6. Januar. 12. Tag nach Weihnachten. Erscheinung des Herrn.
Fastnacht:
47 Tage vor dem Ostersonntag. Ursprünglich der letzte Tag vor Beginn der Fastenzeit.
Aschermittwoch:
Beweglicher Feiertag. 46 Tage vor Ostersonntag. Es war der erste Tag der 40tägigen Fastenzeit. Eigentlich 46 Tage, aber da sonntags nicht gefastet wurde nur 40 Tage.
Mariä Lichtmeß:
2. Februar. Katholischer Feiertag. Gefeiert wurde die Darstellung des Herrn (früher auch Mariä Reiniggung genannt). Nach jüdischer biblischer Vorschrift war die Frau nach Geburt eines Knaben 40 Tage und nach Geburt eines Mädchens 80 Tage "unrein".
Palmsonntag (Palmarum):
7 Tage vor Ostern. Er läutet die Karwoche ein. Gefeiert wurde der Einzug Jesu in Jerusalem. Es war der letzte Sonntag der Fastenzeit. In der lutherischen Kirche wurde mit dem Palmsonntag "die stille Woche" eingeläutet.
Gründonnerstag oder Weißer Sonntag:
3 Tage vor Ostern. Der 5. Tag der Karwoche. Tag vor der Kreuzigung Jesu. Der Name hatte nichts mit der Farbe "grün" zu tun, sondern leitet sich von "greienen" ab, dem Weinen der Sünder.
In der katholischen Kirche beginnt mit dem Gründonnerstag das Triduum Sacrum, die Feier der drei österlichen Tage.
Der Gründonnerstag erinnert an das Passamahl, das Jesus den Jüngern als Abschieds- und Hoffnungsmahl vor seiner Gefangennahme gab.
Karfreitag:
2 Tage vor Ostern. Er gedenkt des Kreuzestodes Jesu.
Karsamstag:
1 Tag vor Ostern. Der letzte Tag der 40tägigen Fastenzeit. Ein Tag der Stille während der Grabesruhe Jesu und der Vorbereitung auf den Tag der Auferstehung (Ostern)
Ostern:
Bewegliches Fest. Der erste Sonntag nach Vollmond nach Frühlingsanfang. Frühlingsanfang war der 21. März.
Ostern gedenkt der Auferstehung Jesu von den Toten. Gleichzeitig markiert der Ostersonntag das Ende der 40tägigen Fastenzeit. Für Christen war Ostern der wichtigste Festtag.
Himmelfahrt: Bewegliches Fest 39 Tage nach Ostern. Es war immer ein Donnerstag. Gedacht wurde der Himmelfahrt Christi und seiner Tronbesteigung im Himmel.
Pfingsten:
50 Tage nach Ostersonntag. Es war das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes an die Apostel. Vor 1094 dauerte das Pfingsfest acht Tage, und wurde dann auf drei Tage verkürzt. Im 18. Jh. verkürzte man Pfingsten auf zwei Tage. Als christliches Fest wurde Pfingsten erstmals im Jahre 130 n. Chr. erwähnt.
Trinitatis:
Der Dreifaltigkeitssonntag am 1. Sonntag nach Pfingsten beginnt mit dem Festtag Trinitatis. Das Fest feiert die göttliche Dreieingkeit von Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Fronleichnam:
Katholischer Feiertag 60 Tage nach Ostersonntag, bzw. 10 Tage nach Pfingsten. Er wurde 1264 von Papst Urban IV. allgemein eingeführt. Es war ein katolischer Festtag der allgemein mit einer Prozession verbunden war und der dem Leib des Herrn gewidmet war
Johanni / Johannestag:
24. Juni. Gedenktag an die Geburt Johannes des Täufers. Im Katholischen hatte er den Rang eines Hochfestes.
Peter und Paul:
29. Juni. Katholisches Hochfest das sich bis in die erste Hälfte des 4. Jh. zurückverfolgen lässt. Es erinnert an den Todestag der Apostel Petrus und Paulus.
Mariä Himmelfahrt
15. August. Hochfest der römisch-katholischen Kirche. Gefeiert wurde der Glaube an die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel, der seit dem 6. Jh. bezeugt und 1950 von Papst Pius XII. für die katholische Kirche zum Dogma erhoben wurde.
Michaelis:
29. September. Ende des Kirchenjahres. Er erinnert an die Macht Gottes über Kälte, Unbarmherzigkeit und Tod. Er gilt allen Engeln Gottes, besonders aber dem Erzengel Michael.
Erntedankfest:
Er wurde seit dem 3. Jh. von Christen gefeiert, die Gott für die Ernte danken. Weil die Ernten weit auseinander fallen gab es weltweit keinen einheitlichen Termin. Für die deutsche Kirche haben die Bischöfe 1972 den 1. Sonntag im Oktober als Erntedankfest definiert.
Reformationstag:
31. Oktober. Evangelisch-Lutherischer Gedenktag an die Reformation. An diesem Tag schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg.
Allerheiligen
1. November. Gedenktag an alle Heiligen; auch an die, die nicht heilig gesprochen wurden, sowie der vielen heiligen, um deren Heiligkeit niemand weiß als Gott. Er wurde eingeführt, weil man nicht jeden Tag einem Heiligen gedenken konnte. Das Fest wurde gekrönt durch eine Gräbersegnung.
Allerseelen
2. November. Römisch-Katholischer Festtag, an dem man durch Gebet, Almosen und Fürbitte die Leiden der Armen Seelen (der Verstorbenen im Fegefeuer) zu erleichtern versucht. Sofern nicht schon Allerheiligen geschehen, findet die Gräbersegnung statt.
Totensonntag
Letzter Sonntag des Kirchenjahres. 1816 ordnete König Friedrich Wilhelm III. an, den letzten Sonntag im Kirchenjahr als allgemeinen Feiertag zur Erinnerung an die Verstorbenen zu begehen. Die evangelische Kirche übernahm diesen Feiertag als Gegenstück zum rönisch-katholischen Allerseelen
In der evangelischen Kirche gedenkt man der Entschlafenen der letzten 12 Monate an diesem Ewigkeitssonntag.
St. Martin / Martini:
11. November. Der Martinstag lag zunächst am Beginn der 40-tägigen Fastenzeit ab dem 11. November. Dieser Tag hatte für den karnevall eine große Bedeutung. Als Brauchtum war die "Martinsgans" ebenso bekannt wie der "Martins-Zug" und das "Martinssingen". .
Buß- und Bettag:
Mittwoch vor dem 23. November. Evangelischer Feiertag elf Tage vor dem ersten Adventssonntag. Es geht an diesem Tag nicht um Buße für begangene Vergehen im Sinne von "bestraft werden", sondern um eine Haltungsänderung, eine Umkehr zu Gott hin. Bis ins 19. Jh. gab es keinen festen Termin. Erst 1893 wurde der heutige Termin gewählt, der politisch oft missbraucht wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde er auf einen Sonntag gelegt zur Aufbietung aller Kräfte im Krieg. In der DDR war er zunächst ein arbeitsfreier Tag, der aber 1966 im Zuge der Einführung der 5-Tage-Woche abgeschafft wurde. Die westdeutschen Länder erklärten ihn zum gesetzlichen Feiertag. 1995 wurde er als arbeitsfreier Tag gestrichen, um die Mehrbelastung der Arbeitgeber für die neue Pflegeversicherung auszugleichen. Nur im Freistaat Sachsen war er noch gesetzlicher Feiertag.
Nicolaus:
6. Dezember. Todestag von Bischof Nikolaus von Myra. Mit seinem Namen waren viele Wunder und Legenden verbunden.
Mariä Empfängnis:
8. Dezember. Römisch-katholisches Fest neun Monate vor dem Fest der Geburt Mariens (8. September), am 8. Dezember ein Fest diese Glaubensaussage feiert. Der Vollständige Titel dieses Festes lautet: "Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria". Es wurde auch das "Fest der unbefleckten Empfängnis" genannt.
Fest der heiligen Lucia:
13. Dezember. Weltlich gewordenes Fest, das vor allem in Schweden verbreitet war. Es fällt mit alten Traditionen der Sonnenwendfeiern zusammen.
Heiligabend
24. Dezember. Christi Geburt.
Weihnachten
25. u. 26. Dezember

Kjer
Sumpf, sumpfiges Land, mit Buschwerk bewachsener Sumpf.

Klabautermann
(vom niederdeutschen klabastern = polternd lärmend umhergehen)
Eine Gestalt des seemännischen Aberglaubens. Er war ein guter, meist unsichtbarer Schiffsgeist der auf allen Schiffen fuhr und den Kapitän vor Gefahren zu warnte. Er half bei Schiffsreperaturen auf See, trieb aber auch seinen Schabernack. Er machte sich an Bord durch Polter- und Bumsgeräusche bemerkbar. Man sagte: "wenn er klopft, bleibt er, wenn er hobelt, geht er." Zeigte er sich, war das ein schlechtes Zeichen. Er verließ das Schiff erst wenn es unterging. Gekleidet war er wie ein Matrose und hatte rote Haare und grüne Zähne.
 
Klappschau
1849 gegründete und 1883 eingeweihte Irrenanstalt (s. d.) bei Schleswig in privater Trägerschaft. Man nannte sie später offiziell "Gemeinnützige Gesellschaft für Seelenpflege.

Klei / kleien
Fruchtbarer aber schwerer und zäher, grauer schwer zu bearbeitender Boden der Marsch. Hervorgegangen ist er aus dem Schlick der Nordsee.
Kleien ist das Reinigung von Ent- und Bewässerungsgräben.

Klippschulen
(Norddeutsch) Behördlich nicht anerkannte, privat organisierte Schulen, die seit dem Mittelalter in größeren Städten und Handelszentren entstanden. Der Besuch war kostenpflichtig, konnte aber auch durch Naturalien an die Lehrer beglichen werden.
Die Lehrer waren durchweg schlecht ausgebildet. Vermittelt wurde nur elementares Basiswissen durch Auswendiglernen. Im 18. Jh. wurden sie durch öffentliche staatliche Schulen ersetzt.
(siehe auch unter Distriktschule, Nebenschule, Schule, Wanderschule)

Klobber
Ovaler leichter Holzkasten mit einem Griff am Deckel in dem das Brot oder Pfannkuchen (Fladen) zur Erntezeit mit aufs Feld genommen wurde, um sie dort zu verzehren.

Klopfjagd
1) Betteljagd (s. d.).
2) Treibjagd

Kloster Mohrkirchen
1391 gegründetes und 1541 aufgelöstes Kloster in Mohrkirchen/Angeln. Es war das einzige Kloster des Antoniterordens in Schleswig-Holstein. Nach der Reformation kamen die Klostengebäude und der Landbesitz bei der Landesteilung (s. d.) 1544 an Herog Adolf, der daraus das herzogliche Amt Mohrkirch machte. Die Klostergebäude wurde als Amtshaus genutzt.
Nachdem Die Mönche abgegangen waren hat der Verwalter Peter Hollensen alle Schriften und Bücher der Mönche verbrannt, weshalb es bis heute sop wenig Unterlagen über das Kloster gibt.
Erst 1778, mit der Auflösung des Amtes Mohrkirchen und der Parzellierung des Gutes Mohrkirch verschwanden die Klostergebäude.

Klues
(hdt. = Klause) Wallfahrtsstätte in der Nähe Flensburgs. Ende des 14. Jh. gründeten hier zwei Priester eine Einsiedelei, eine Klause (daher der Name Klues).
Wundersame Ereignisse machten sie zu einem Ort "an dem uns die liebe Frau gnädig war".
Um 1400 sprach Papst Bonifatius IX. die Kapelle neben dieser wundersamen Klause heilig und versprach Wohltätern und Besuchern vier Jahre und 40 Tage Ablass, die dem Rudekloster (s. d.) zuflossen.
Besonders Lahme und Gehbehinderte fanden sich hier ein um Heilung zu erlangen.

Knechtengilde
Jährlich wiederkehrendes Fest für die erwachsene ländliche Jugend. Dieses waren nicht nur Knechte, sondern auch Bauernsöhne. Sie fand bald nach Neujahr statt oder wenn die Frühlingsaussaaten getan waren.
Das Fest bestand aus zwei Teilen, dem Ringreiten (s. d.) und dem Tanzvergnügen.

Knick / Knickverordnung
Besonders im Landesteil Angeln (Knicklandschaft) Feldbegrenzungen als lebende Hecken auf Stein- und Erdwällen gepflanzt. Im Wege der Verkoppelung 1770 (s. d.). Bepflanzt wurden sie mit Haselnuss, Hainbuche, Eberesche und gegen Viehverbiss mit Dornensträuchern wie Brombeere, Heckenrosen, Schleedorn usw. Die Knicks dienten der Abgrenzung und dem Erosionsschutz (Bodenverwehungen auf den Äckern).
Der Begriff Knick kam von abknicken. Alle 10 - 12 Jahre wurden die Sträucher abgeknickt, "auf den Stock gesetzt", um einen neuen jungen Austrieb zu bekommen. Das gewonnene Holz wurde zum Heizen verwendet. So war die Anlage von Knicks eine nicht unwesentliche Maßnahme zum Schutz auch der Wälder.
In Knickverordnungen wurde und wird festgeschrieben wie mit dem Knick umzugehen ist.
Abgeschlossen war die Feldeinteilung um 1810.

Kniepsand
Eine extrem langsam wandernde Sandbank (Hochsand) westlich von Amrum die bei normalem Hochwasser (NN) nicht mehr überflutet wird. Bis 1960 war sie noch durch einen Pril vom Festland getrennt. Heute scheint sie mit dem Festland verbunden und bildet den 15 Km langen und 1,5 Km breiten Sandstrand der die gesamte Westseite der Insel einnimmt.
Heute noch wandert der Kniepsand mit 50 m jährlich in Richtung Norden.

Knivsberg / Knivsbergfest
97 m hohe eiszeitliche Erhebung in der Nähe von Apenrade. In vorgeschichtlicher Zeit war er eine Kult- und Thingstätte.
Seit 1893 wurden auf dem Knivsberg jährlich deutsche Volksfeste abgehalten.
1895 erfolgte die Grundsteinlegung für einen 46 Meter hohen monumentalen Bismarkturm- und Denkmal, das 1901 eingeweiht wurde. Es enthielt ein in Kupfer getriebenes sieben Meter hohes Bismarck-Standbild. Unterhalb der Statue waren der deutsche Reichsadler und das Wappen von Schleswig-Holstein mit der Inschrift "Up ewig ungedeelt" versehen. Oberhalb war die Inschrift "Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt".
Das Standbild Bismarcks wurde am 13. Mai 1919 (schon vor der Abstimmung 1920) wieder abgebaut. Es steht heute auf dem Aschberg bei Ascheffel in den Hüttener Bergen.
Der Turm wurde am 28. August 1945 von der dänischen Widerstandsbewegung mit 850 kg Sprengstoff gesprengt.
1960 entstand dann eine dänische Gefallenengedenkstätte für gefallene dänische Soldaten.

Knorr
(siehe unter Schiffstypen)

Knudsgilde
Die Stadt Schleswig war zu Beginn des 12. Jh. ein Handels- und Machtzentrum im Norden und beherrscht von Knud Laward. Als dieser am 25. Juni 1170 heilig gesprochen wurde bildeten die Fernkaufleute zu seinen Ehren eine Gilde (Schwurgemeinschaft - eine auf Blutrache fußende Schutzgemeinschaft) zum gegenseitigen Schutz und Hilfe und sie nannten sie Knudsgilde. Sie breitete sich von Schleswig kommend über das ganze dänische Reich aus. Im Herzogtum Schleswig war sie in 35 Orten vertreten. Schleswig stellte den südlichsten Ort dar, in dem eine Knudsgilde bestand.
Die Gildebrüder wurden "geswarene Kanuten" genannt und ihre Gilde wurde als "hochberühmt" bezeichnet.
Im Laufe der Zeit wurde sie zur Kaufmannsgilde im dänischen Reich und war der Hanse (s. d.) ähnlich.
1182 war sie in Flensburg ansässig und gab sich eine Satzung die "Schrage". Bis zur Reformation wählten die Knudsbrüder den Bürgermeister Flensburgs aus ihrer Mitte und so bestimmten sie die Geschicke Flensburgs sehr wesentlich.
Sie besteht heute noch als "Flensburger Knudsgilde" die immer noch am 25. Juni ihren Knuds-Tag feiert.

Knüffeln
Sehr altes Kartenspiel von dem schon 1525 gesprochen wurde. Verbreitet wurde es von Landsknechten über Deutschlands Grenzen hinaus in ganz Europa. Es wurde mit 48 Blatt gespielt. In Teilen Frieslands und auf der Geest wird es noch heute gespielt.

Kognation
Blutsverwandtschaft der weiblichen Linie.

Kohlhof
auch Kohlgarten. Er gehörte wie das Haus und die Toft (Haustoft, Hauskoppel) zum Eigentum des Kätners oder Hufners, während das Land Allgemeingut (Allmende s. d.oder Ornum s. d.) bzw. gefestet war.

Köbing
Im 13. Jh. und früher Bezeichnung für eine kleine Handelssiedlung.

Könige, dänische ....
Siehe im Anhang "Herrscher über Angeln".

Königsau / dän. Kongea
65 km langer Fluss in Jütland der über Jh. die Grenze zwischen dem Herzogtum Schleswig und dem Königreich Dänemark bildete. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 bildete sie die Grenze zwischen Preußen und dem Königreich Dänemark und ab 1871 bis 1920 war sie deutsch-dänische Grenze. Seit der Abstimmung 1920 (s. d.) gehört die Königsau zu Dänemark.

Königsbrief
1) Erlaubnis des Königs zur Trauung im eigenen Hause und nicht in der Kirche. Dieses kostete 12 Taler.
2) Erlaubnis zur Heirat ohne vorheriges Aufgebot.

Königsgut / Konungslef
Nach dem Erdbuch Grundbesitz des Königs. Es gab zweierlei Art:
1. Eigentum des Königs. Erbgut zur Teilung in der königlichen Familie
2. Krongut (Konungslef = des Königs Brot), das dem Unterhalt des jeweiligen Königs diente.
Es galt nach dem Jütischen Lov (s. d.) von 1240 die Regel: "Was niemandem gehört, gehört dem König". Dazu gehörten alle Wildnisse, wüste Wälder, Moore, Seen und Sümpfe. Wer sich nun hier ansiedelte und Land urbar machte war kein Bonde (freier Bauer) mehr wie einst, sondern ein Festebauer, der sein Land vom König pachten musste. Oft ging das Königsgut auch an Edelleute, Klöster und Kirchen über, an die die Festebauern dann zu zahlen hatten.
Siehe auch unter Erdbuch.

Köste
Volksfeste.

Kollerup
Bauerndorf in Angeln. Bedeutung erlangte Kollerup als Nabel der Weltpolitik in den letzten Kriegstagen des 2. Weltkrieges im April/Mai 1945. Die deutsche Reichsregierung unter Führung von Großadmiral Dönitz hatte ihren Sitz im nahen Flensburg-Mürwik in der Marineschule.
In Kollerup hatte auf dem Hof der Familie Christiansen der Oberbefehlshaber Nordwest, Generalfeldmarschall Ernst Busch sein Hauptquartier aufgeschlagen. Auf dem Hof der Familie Jacobsen war der Generalstab. Von Kollerup aus wurden die Kapitulationsverhandlungen geführt. Zeitweise war auch SS-Reichsführer Heinrich Himmler hier. Insgesamt hielten sich beim Wehrmachtsstab in Kollerup 350 Offiziere und Mannschaften auf.

Kolonialwaren / Kolonialwarenladen
Überseeische, aus den Kolonien kommende Erzeugnisse und Rohstoffe (Zucker, Kaffee, Tabak, Reis, Kakao, Korinthen, Rosinen, Gewürze und Tee). Diejenigen zum täglichen und häuslichen Gebrauch wurden in Kolonialwarengeschäften (kleine Läden) verkauft. Da diese auch heimische Waren verkauften waren sie fast immer Gemischtwarenläden. Die meisten Kolonialwarenläden entstanden Mitte des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts und beherrschten bis 1960 das Bild unserer Städte und Dörfer.

Kolonisten / Kolonisation
Durch den Polackenkrieg (siehe unter Kriege 1657 - 1660), Viehseuchen (1646) und Pest (1659) verarmte das Land total und dezimierte die Bevölkerung. Ganze Dörfer waren verlassen. Der Staat brauchte Menschen und Geld. Die Steuerkraft war um die Hälfte gesunken. Zunächst versuchte König Friedrich V. den Geestrücken, die Heide und Moore Schleswigs und Jütlands mit siedlungswilligen weichenden Bauernsöhnen, Kätnern und Insten zu besiedeln. Dieser Versuch schlug fehl.
1758 entstand der Plan reichsdeutsche Siedler aus Württemberg, der Bergstraße, der Pfalz und aus Hessen zu werben. Geschäftstüchtige Werber warben Menschen, denen es zu jener Zeit durch die dortigen Kriege sehr schlecht ging, an. Man bot ihnen im Norden Land, Häuser, Ställe, Vieh und Gerätschaften und zwanzigjährige Steuerfreiheit an.
Die meisten Angeworbenen waren kleine Handwerker ohne Erfahrung in der Landwirtschaft.
Die ersten Kolonisten trafen im Winter 1761 ein. Nichts war wie versprochen, Häuser und Ställe waren nicht fertig. Sie verbrachten in Erdhöhlen einen grausamen Winter.
Am 24. 7. 1761 war das Genralexamen und es fand die Landzuteilung für 250 Familien in Schleswig statt und am 3. 4. und 7. 12 für die Kolonisten in Flensburg.
Erst 1762 wurden langsam die ersten Stellen bezogen.
Die Häuser waren von einheitlicher Größe. Die Stellen wurden verlost. Das unfruchtbare Land war mit 30 Heitscheffel = 9 ha zum Lebensunterhalt zu klein. Zur Starthilfe bekamen die Siedler ein Handgeld. Ihr Anfang war unendlich schwer.
Von der heimischen Bevölkerung wurden sie zunächst abgelehnt. Trotzdem stellte sich ihr Zuzug langsam als Vorteil dar. Sie brachten die Kartoffel, mannigfaltige unbekannte Kräuter und Gemüsearten wie Kohl mit, die langsam auch im heimischen Anbau Würdigung fanden.
Am 12. 10. 1762 gehen 181 Kolonistenfamilien (ReservekolonisteN) vom Amt Flensburg ins Amt Tondern.
Kolonisten gründeten die Dörfer: Neuberend, Friedrichsau und Christiansholm. 1769 erhielt der Kolonist Ertzinger die Konzession für das Betreiben eines Kolonistenkruges.
Viele Kolonisten scheiterten an den schlechten Startbedingungen und ihren mangelnden Erfahrungen. Entweder wurden sie als untüchtig ihrer Stelle verwiesen oder flüchteten bei Nacht und Nebel. Viele nach Russland, wo die Zarin ihnen eine neue Heimat versprach. Von insgesamt 4.000 Stellen in Schleswig-Holstein blieben nur knapp 500 kleine Stellen übrig, von denen in den folgenden Jahren noch weitere aufgaben.
Am 14. 11. 1764 erhalten alle Kolonisten den Erbfestebrief.
(Ein umfassender Bericht von Günter Senkel, Großsolt zur Kolonisation der schleswig-holsteinischen Moore und Heiden findet sich im Jahrbuch des Angler Heimatvereins 31. Jg. 1967, Seite 144 ff)
Köm / de geele Köm
Norddeutscher Kümmelschnaps der dem skandinavischen Aquavit ähnelt.
Nördlich der Kömgrenze wurde gelber Köm, südlich davon weißer Köm getrunken. Als Kömgrenze gilt die nordfriesische Arlau.

Kommerzlast (KL) / Commerzlast
Altes nd. und skand. Handelsgewicht das die Grundlage für die Schiffsvermessung bildete. Veralteter Begriff für die Traglast eines Schiffes. Eine Last waren in Hamburg und Bremen 3000, in Schleswig-Holstein 2600 kg. 1 dänische KL = 2,6 Tonnen.
Die Flensburger Flotte bestand 1750 aus 113 Schiffen mit 2996 Kommerzlast und 1807 aus 217 Schiffen mit 14.806 Kommerzlast. Eine Kommerzlast entsprach etwa genau zwei Registertonnen.
Die Kappelner Flotte bestand 1827 aus 46 Schiffen mit 376 Kommerzlast.
(Siehe auch unter Schiffstypen).

Konfirmation
(lat. confirmatio = "Befestigung, Bekräftigung")
1) in der Christengemeinschaft Ritual das den Übertritt ins kirchliche Erwachsenenalter markiert.
2) bürgerliches Initiationsritual, das am Wechsel in das Erwachsenenleben stattfindet.
3) Bestätigung.

Kontinentalsperre
Am 21. November 1806 von Napoleon über England verhängte Wirtschaftsblockade die bis 1814 in Kraft blieb. England sollte vom übrigen Europa isoliert werden. Gleichzeitig sollte damit die französische Wirtschaft vor europäischer und transatlantischer Konkurrenz geschützt werden.
Sie richtete sich aber nicht nur gegen England, sondern in starkem Maße auch gegen Schleswig-Holstein, das seine landw. Produkte (Getreide) nicht mehr nach England verkaufen konnte. Gleichzeitig blieben die bisher über England nach Europa kommenden Kolonialwaren (überseeische Erzeugnisse und Rohstoffe, insbesondere Zucker, Kaffee, Tabak, Reis, Kakao, Gewürze und Tee) (s. d.) aus. Ein lebhafter Schmuggel war die Folge. Helgoland (s. d.) war einer der wichtigsten Umschlagplätze für Schmugglerwaren während der Kontinentalsperre.

Kontribution
1) Vom lat. Contribuere bedeutet wörtlich "in einzelnen Teilen zusammenbringen", "beisteuern".
Abgaben, Lasten, Steuern. Auch eine Sondersteuer (Kriegssteuer) zur Finanzierung von Kriegen.
2) Auch die Zwangserhebung von Gelderträgen im feindlichen Gebiet, im Gegensatz zur Requisition, die sich auf Gegenstände hauptsächlich zur Verpflegung bezog, war die Kontribution mit der Androhung des Niederbrennens und der Plünderung verbunden und man drohte mit Brandschatzung. Die Bewohner eines besetzten Landes konnten sich durch die Leistung von Geldzahlungen von der drohenden Plünderung freikaufen.

Konsens
Einwilligung. Übereinstimmung.

Konservationspflicht
Pflicht des Gutsherrn bei Ernteausfällen, Seuchen, Katastrophen und Kriegen die Versorgung mit dem Lebensnotwendigsten für seine Untergehörigen (Leibeigene) sicherzustellen.

Konvent
Vom lat. conventus = Zusammenkunft.
1) Versammlung von Geistlichen eines Kirchenkreises.
2) Wohnbereich eines Klosters.

Konventualin
Angehörige eines Zweiges des Franziskanerordens. Konventualin können alleinstehende evangelische Frauen unter 65 Jahren werden.

Konvolut
Aktenbündel, Bündel von Schriftstücken. Sammelmappen.

Koog
An der Nordseeküste durch Eindeichung und Entwässerung gewonnenes und geschütztes fruchtbares Marschland. In Ostfriesland und in Holland nennt man den Koog Polder.

Kopfsteuer / Kopfgeld
1762 beim drohenden Einfall der Russen unter Zar Peter III. in das Herzogtum Schleswig eingeführte Steuer die zunächst nur für zwei Jahre gelten sollte. Sie blieb aber fast 100 Jahre bestehen, um drückende Schulden des Landes abzuwenden. Im Herzogtum Schleswig war nur der Distrikt Glücksburg davon befreit. Jeder Bewohner ab dem 12. Lebensjahr (seit 1838 ab dem 16.) mussten monatlich 4 Schillinge zahlen. Bei mehr als zwei Kindern war ein Kopf frei. Auch die Kolonisten (s. d.) waren davon befreit.
1844 erbrachte die Kopfsteuer im Herzogtum Schleswig 4.000.000 Reichsbankthaler. In Dänemark wurde die Kopfsteuer 1803 und im Herzogtum erst 1848 durch die Provisorische Regierung (s. d.) aufgehoben. Die Dänen führten sie für das Herzogtum aber wieder ein, bis sie 1853 endgültig abgeschafft wurde.

Korrigenden / Korrigendinnen
In Arbeitshäusern und Armenanstalten untergebrachte Personen die hier gebessert (korrigiert) werden sollten. Davon konnte aber in der Praxis keine Rede sein da es nur Verbote, Strenge und harte Arbeit gab.
Auch von der Krätze befallene Menschen, die in öffentliche Krätzestuben gebracht wurden nannte man Korrigenden.

Kosakenwinter
Sehr strenger Winter 1813/14 der durch kriegerische Auseinandersetzungen gekennzeichnet war. Eine schwedisch-russisch-deutsche Armee überflutete unser Heimatland. Viele Kosaken fielen in Schleswig-Holstein ein, hausten derbe und verbreiteten Angst und Schrecken unter der Bevölkerung.
Dieses Ereignis wurde in dem Gedicht "Die Gottesmauer" von Clemens von Brentano sehr eindrucksvoll wiedergegeben.
(siehe auch unter Kriege)

Kostgeld
Steuer aus einer sehr alten Zeit, als der König die einzelnen Landesteile besuchte und sich von seinen Untertanen verpflegen ließ.

Krähenfeste / Krähenschießen
Bis ins 20. Jh. reichende Sitte Anfang Mai das Abschießen der Krähen zu einem Volksfest zu machen. Aus den Städten wurden dazu hohe Herren und auch Musikanten eingeladen. Eine Hochburg für solche Feste waren Lindanis und Arup. Nachmittags gab es für alle eine große Kaffeetafel mit Kuchen (Stuten)
Jedem Jäger wurden 1 - 2 Bäume zugewiesen auf denen bis zu 40 Horste vorhanden waren. Jeder Jäger nahm sich für diesen Tag für einen Tageslohn von 50 Pfennig einen "Krähenjungen", der für ihn die herabfallenden oder in den Ästen hängen bleibenden Jungvögel einsammelte.
Des Abend waren die Jungen und deren Kleidung voller Krähenflöhe, die erst einmal vor dem Haus abgeklopft werden mussten.
Die erlegten jungen Saatkrähen (etwa 1000 Stück) wurden als zarte Waldvögel (bayrische Waldtauben) ohne Federkleid in Delikatessen- und Schlachterläden feilgeboten. Viele der Krähenjungen wurden aber auch an Ort und Stelle verkaufsfertig gemacht und verzehrt.
Da die Saatkrähen zu den besten Maikäfervertilgern (Engerlinge) und weiterer Bodenschädlinge gehörten, waren sie in einigen Regionen seit 1784 vom 1. Febr. bis 1. Nov. unter Schutz gestellt und durften nicht gejagt werden. Ab 1865 fiel dieses Jagdregal und das Abschießen der Jungkrähen setzte wieder ein.
Um 1920 fanden in Angeln die letzten Krähenfeste statt. Die Krähen waren nicht mehr zu verkaufen.

Krätze
Durch Krätze-Milben verursachte parasitäre, ansteckende, stark juckende Hauterkrankung. Wegen unhygienischer Verhältnisse in Wohnungen, Schulen und Stallungen kam es früher zu häufigem und starkem Krätzebefall der Menschen. Verwahrlosung in Kriegs- und Besatzungszeiten führte fast immer auch zu Krätzebefall. Die Krätze war über Jh. eine Volksseuche und grassierte auch bei uns im Norden bis ins 20. Jh. hinein in den Dörfern.
Behandelt wurde die Krätze im Ganzkörperbad in heißem Wasser mit Grüner Seife mit der der ganze Körper einschließlich der Haare eingerieben wurde. Die Kleider wurden gewaschen und das Bettzeug im Backofen keimfrei gemacht.

Kraftfahrt-Bundesamt / KBA
Bundesoberbehörde in Deutschland.
1910 gab es eine Sammelstelle für Nachrichten über Führer (Halter) von Kraftfahrzeugen. 1937 wurde sie durch eine Sammelstelle für Daten über Kraftfahrzeuge und eine weitere über Typprüfung von Kraftfahrzeugen und -teilen ergänzt. Diese drei Behörden arbeiteten unabhängig voneinander.
Durch Gesetz vom 4. 8. 1951 wurden die Aufgaben der drei in einer Behörde, dem Kraftfahrt-Bundesamt zusammengefügt.
1952 erfolgte der Umzug von Bielefeld nach Flensburg, wo das KBA am 4. 9. 1952 eingeweiht wurde.

Krankenhäuser
1868 Wilster; 1872 Kreiskrankenhaus Eckernförde; 1875 Diakonissenanstalt Flensburg; 1883 in Heide; 1899 Brunsbüttel; 1890 Meldorf; 1893 Marne;

Kranzgeld
Finanzieller Anspruch einer Braut, wenn ein Verlobungsversprechen des Bräutigams nicht zur Ehe führte und der Verlobte sich den Beischlaf erschlichen hatte.
Die Bezeichnung kam vom Strohkranz, den eine nicht mehr jungfräuliche Braut bei der Hochzeit tragen musste. Die unbescholtene Braut (Jungfrau) durfte sich im Myrtenkranz präsentieren.
(s. u. Verlobung)

Kratt
Nordd. Bezeichnung für einen Niederwald mit kleinen und z. T. verschlungen verwachsenen Bäumen. Sie entstanden auf kargen Böden, die starkem Wind ausgesetzt waren. Die Bäume wurden zur Gewinnung von Brennholz immer wieder gekappt und erreichten eine Höhe von nur bis zu 3 m. Nur wenige Baumarten wie Stielleiche, Zitterpappel, Wacholder, Faulbaum und Birke ließen eine solche Behandlung zu. Kratts aus Stieleiche wurden Eichenkratts genannt. Bei ihnen wurde zusätzlich die Rinde für Gerberlohe gebraucht. Heute gibt es nur noch wenige unter Naturschutz gestellte Kratts.

Kraweel
Siehe unter Schiffstypen.

Kreeten
Früher im Norden weit verbreitete, heute kaum noch vorkommende Schlehenfrucht, die in Knicks wuchs. Sie ist eine der ältesten Wildobstarten. Der botanische Name ist Prunus insititia. Sie ist ein naher Verwandter der Schlehe. Die Frucht ist allerdings größer und der Zucker- und Mineralsalzgehalt höher. Sie reifen früher als die Schlehe und ihr Fruchtfleischanteil ist bedeutend höher. Gelee, Saft und Likör aus Kreeten waren früher eine beliebte Delikatesse und wurden schon von Steinzeitmenschen genutzt.

Kriebelkrankheit / Kribbelkrankheit
Eine meist tödlich verlaufende Krankheit die durch den Verzehr von Brot ausgelöst wurde, das von Roggen stammte welcher von dem Pilz Mutterkorn (Claviceps pupurea) befallen war. Es geschah vor allem dann, wenn das Mehl zu frisch verarbeitet wurde. Da die Zusammenhänge im Mittelalter nicht bekannt waren kam es in ganz Europa zu schwersten Epidemien mit vielen Toten.
Früher wurde sie auch als Antoniusfeuer oder Heiliges Feuer bezeichnet, weil der Mönch Antonius und der von ihm gegründete Antoniter-Orden versuchte die Ursache der Krankheit zu ergründen und den Kranken zu helfen.
Symptome waren chronische Vergiftungen, Rückenmarks- und Gehirnerkrankungen, Krämpfe, Zuckungen, Anschwellen der Glieder, Brand der Finger und Zehen. Die brandigen Teile wurden abgestoßen (Finger, Zehen, Nase, Ohren fallen brandig ab).
Voraus geht fast immer ein Gefühl von Ameisenkribbeln (daher der Name Kriebel).
In Frankreich raffte die Kriebelkrankheit im Jahre 994 = 40.000 Menschen dahin. Auch in Angeln gab es 1718 in Ulstrup und Umgebung viele dauerhaft Kranke und Tote.
Erst 1670 stellte der fanz. Arzt Thuillier den Zusammenhang von Mutterkorn und Kriebelkrankheit fest.
Siehe auch unter Anthonisfeuer und Mutterkorn.

Kriege
Nachfolgende Kriege die für Bauern und Bürger des Herzogtums Schleswig zu schweren Beeinträchtigungen und Drangsalierungen (Brandschatzungen, Einquartierungen, Gestellung von Fourage, Männern, Pferden und Wagen, Hof- und Dorfwüstungen, Kontributionen, Kriegsfuhren, Kriegs- und Wehrdienst, Plünderungen) führten.
29. 6. 1252 Schlacht von Oldenswort in der die Nordfriesen gegen König Abel kämpfen. König Abel kam ums Leben und die Nordfriesen siegen.
Um 1365 König Waldemar IV. Atterdag (1340 - 1375 versucht die Macht an seiner Südgrenze zurück zu gewinnen und zieht plündernd durch Angeln und besetzt Flensburg.
1410 - 1431 Mit Unterbrechungen. Schleswiger Krieg zwischen dem dänischen König und den holsteinischen Herzögen mit einem Angriff 1431 auf Flensburg und die Duburg.
Am 12. 8. 1410 wurden bei Eggebek 1400 Dänen getötet und viele gefangen genommen.
1415 bemächtigt sich König Erich mit einem großen Heer des gesamten Herzogtums mit Ausnahme von Schleswig.
1559 Feldzug Herzog Adolfs gegen Dithmarschen endet mit dem Sieg bei Heide.
1563 - 1570 Nordischer Krieg zwischen Dänemark und Schweden in dem Dänemark den Schweden Dank seiner überlegenen Flotte noch Einhalt gebieten.
1611 - 1613 Kalmarkrieg zwischen Dänemark und Schweden um den Titel "König der Lappen". Die Schweden waren den Dänen überlegen.
1618 - 1648 Dreißigjähriger Krieg. Er endet für Dänemark am 25. 8. 1626 mit der Schlacht bei Lutter.
1627 - 1629 Kaiserlicher Krieg. Teil des Dreißigjährigen Krieges. Dorfbevölkerungen wurden von Freund und Feind ausgeplündert und drangsaliert und geraten an den Bettelstab.
14. 9. 1627 Besetzung Angelns und Flensburgs (Plünderungen)
1628 ziehen die Kaiserlichen ab und während des 30jährigen Krieges hatte Angeln eine 13jährige Friedensperiode.
1643 - 1644 Schwedisch-Dänischer Krieg
Teilkrieg des Dreißigjährigen Krieges. Seeschlacht auf der Kolberger Heide bei Eckernförde zwischen Dänen und Schweden um die Vorherrschaft im Ostseebereich.
Am 21. Juli 1644 lässt der schwedische Feldmarschall Thorstenen ganz Angeln plündern.
1655 - 1660 Schwedisch-polnischer Erbfolgekrieg auch 1. Nordischer Krieg.
1657 - 1660 Polackenkrieg / Dänisch-Schwedischer Krieg
zwischen Dänemark und Schweden unter europäischer Teilnahme über die Vorherrschaft auf der Ostsee mit grausamen Belastungen für unsere Bauern.
14.000 Brandenburger, 13.000 Österreicher und 5.000 Polen überfluteten die nordische Heimat. Schweden, Kaiserliche, Brandenburger und Polen betrachteten den Norden als ihre Beute.
1675 - 1679 Schonischer Krieg zwischen Dänemark und Schweden im Zuge des Nordischen Krieges.
1676 Krieg um Gottorf zwischen König Christian IV. und Herzog Christian Albrecht zur Klärung der "Gottorfer Frage".
Im Friedensschluss wurde dem dänischen König von den Großmächten Schleswig zuerkannt, woraufhin dieser den königlichen mit dem herzoglichen Anteil vereint.
1700 - 1713 Nordischer Krieg 1712/13 in Angeln. Es kämpfen in Angeln Russen, Polen, Preußen und Dänen unter König Friedrich IV. gegen Schweden.
Auf dänischer Seite hatte das Heer 17.800 Mann.
Schleswig-Holstein blieb von 1713 bis 1807 fast 100 Jahre von feindlichen Kriegsscharen verschont, obwohl das Jh. recht kriegerisch war.
1756 - 1763 7-jähriger Krieg (1758) auch Schlesischer Krieg zwischen Preußen und England auf einer Seite gegen Österreich, Frankreich und Russland.
1801 Seeschlacht von Kopenhagen. Die Engländer zwingen Dänemark zum Austritt aus dem bewaffneten Bund der neutralen Staaten.
1804 - 1813 Napoleonischer Krieg. Dänemark wurde gezwungen seine Neutralität aufzugeben und auf Frankreichs Seite zu kämpfen.
1807 Überfall auf Kopenhagen und Wegnahme der dänischen Flotte durch die Engländer. Dänemark wurde von Norwegen getrennt.
Eine schwedisch-russisch-englische Armee kämpft gegen Dänemark und überschwemmt die Herzogtümer. 1808 hausten die Franzosen grausam in Angeln. Sie blieben bis 1815 einquartiert.
1813/14 Kosakenwinter. Am 6. 1. 1814 drangen die Kosaken in Schleswig ein. Ein ungewöhnlich strenger Winter. Kosaken drangsalierten die Angeliter in übelster Weise. Was sich der dänische König einbrockte, das mussten die Schleswig-Holsteiner auslöffeln.
Wiedergegeben im Gedicht "Die Gottesmauer" von Clemens von Brentano.
Der Friede von Kiel am 14. 1. 1814 setzte dem ein Ende. Dänemark musste Norwegen an Schweden abtreten.
7. 4. 1848 Kanonade von Holnis-Bockholm mit dänischen Schiffen. Monatelang lagen hier dänische Kriegsschiffe und schossen aufs Land. Kurzfristig wurde auch das Glücksburger Schloss besetzt.
1848 - 1850 Schleswig-Holsteinischer Krieg.
Volkserhebung der deutschnationalen Bewegung der Herzogtümer Schleswig und Holstein gegen Dänemark. Dänemark erhielt Unterstützung von Russland. Die Erhebung endete mit der Niederlage der Bewegung in der Schlacht bei Idstedt.
14. 7. 1850 Dritter Schleswig-Holsteinischer Krieg den die Schleswig-Holsteiner nach dem Friedensvertrag der Preußen allein führen mussten und am 25. 7. 1850 bei Idstedt verloren.
1850 - 1864 Zeit dänischer Drangsalierung (Dänenherrschaft, Sprachreskript (s. d.)
1864 Deutsch-dänischer Krieg (auch 2. Schleswigscher Krieg) unter Mitwirkung von Preußen und Österreich auf deutscher Seite zwischen Deutschem Bund und Dänemark endete mit deutschem Sieg bei Oeversee (s. d.) und Düppel (s. d.).
Holstein kam unter österreichische und Schleswig unter Preußische Verwaltung.
Dänemark verlort nicht nur die Herzogtümer sondern auch 1/3 dänisches Territoriums mit 2/5 seiner Bevölkerung = 200.000 dänisch gesinnten Einwohnern, die 1871 dem Deutschen Reich angeschlossen wurden.
1866/67 Deutscher Krieg zwischen dem Deutschen Bund (incl. Österreich) und dem Königreich Preußen und dessen Verbündeten. wegen unterschiedlicher Vorstellungen über den Status Schleswig-Holsteins.
Man nannte diesen Krieg auch: Preußisch-Österreichischer Krieg, Siebenwöchiger Krieg, und Deutsch-Deutscher Krieg,
Infolge dieses Krieges wurden die Herzogtümer geteilt. Der Landesteil Schleswig kam zu Dänemark und Holstein zu Preußen.
1870/71 Deutsch-französischer Krieg auch "Siebziger Krieg" zwischen Preußen und Frankreich in den auch Schleswiger rekrutiert wurden.
Die Kriege von 1864, 1866 und 1870 nennt man auch Einigungskriege.
Schleswig-Holstein gelangte nun endgültig in Gesamtheit unter preußische Führung ins Deutsche Reich.
1914 - 1918 1. Weltkrieg
Der Ausbruch des Krieges löste auch im Norden eine Woge der Begeisterung aus. Viele meldeten sich freiwillig. Fast alle wehrtauglichen Männer und Jünglinge wurden einberufen und zurück blieben nur noch Frauen, Kinder, Alte und Kriegsuntaugliche.
Bei der Niederlage 1418 waren 2.100 Männer aus Angeln gefallen, etwa 3,6 % der Seelenzahl.
Preußen musste den nördlichen Teil des Landesteils Schleswig auf Grund einer Abstimmung 1920 wieder an Dänemark abtreten.
1939 - 1945 2. Weltkrieg

Kriegs- und Fourage-Transporte
In Kriegsfällen wurden den Bauern zu allen Zeiten neben Einquartierungskosten auch Kosten für Kriegs- und Fourage-Transporte auferlegt.
Die Bauern des Gutes Roest hatten z. B. 1803 zwischen Roest, Schleswig und Flensburg und zurück 2.205 Km zu fahren.
Am 21. 11. 1805 = 81 Tonnen Hafer, 16200 Pfund Heu und 3600 Pfund Stroh auf 41 zweispännigen Wagen von Roest nach Kiel zu bringen und legten 3.997 Km zurück.
Am 8. 1. 1807 legten 45 Wagen zusammen 2.700 Km zurück.
Von 1803 bis 1810 leisteten die Pächter von Gut Roest insgesamt 355 Kriegsfuhren und legten mit ihren zweispännigen Wagen zusammen 35.477 Km zurück. Man muß sich zur richtigen Einschätzung der Situation auch die damaligen schlechten Wegeverhältnisse vor Augen führen.
Eine Bezahlung gab es dafür nicht.

Krog
Ecke oder Krümmung bei der Landverteilung.

Krog / Krug
Gastwirtschaft. Bier und Branntwein auszuschenken gehört zu den privilegierten Gewerbezweigen. Das Schankrecht wurde von der Obrigkeit gegen ein Festegeld und eine Krugheuer vergeben.
Bahnhofskrüge waren auch für den Verkauf der Fahrkarten zuständig.

Kropperbusch
Dorf und alter Krug am Ochsenweg bei Schleswig.
Der Ort wurde 1285 das erste mal als Croop erwähnt. Der Ortsname bezieht sich auf die flache Wölbung des Sanders (eiszeitlich gebildete Sandfläche), auf dem sich der Ort befindet.
Kropp war im Mittelalter ein gefürchteter Ort. Viel lichtscheues Gesindel aus den Heerscharen von Thilly und Wallenstein trieb sich hier herum, um Reisende zu überfallen. Bei diesen bildete sich bald der ahnungsvolle Stoßseufzer aus: "Du büst bi Kropperbusch noch nich vorbi". Kropüperbusch war die waldreiche Gegend um Kropp, die dem Gesindel guten Unterschlupf bot.
Einen alten Krug Kropperbusch und Krug Buschschäfer, eine ehemalige herzogliche Schäferei die später Schankrecht erhielt, gab es hier schon im Mittelalter in den die auf dem Ochsen- und Heerweg Reisenden einkehrten.
(Siehe auch unter Postwesen)

Kruggerechtigkeit
Erlaubnis einen Krug (Gastwirtschaft) zu betreiben.

Kruppschütze
Im Jagdrecht Kriechschütze = Gelegenheitswilderer.

Krüdenierer / Krüdener / Krudenierer
Kräutzerhändler. Einer der mit Kräuter und Drogen (Medizin) handelt.

Küben
Hölzerner Wasserkübel, Balje.

Kübbungen
Stallungen fürs Vieh in den nichttragenden Seitenschiffen (Abseiten) von Hallenhäusern in Zweiständerbauweise. An die Ständerreihen zur Traufseite wurden sie oft als niedrige Raumerweiterungen in den Seitenwänden angesetzt.
Küche / Küchentisch / Tischsitten
Der Küchentisch kam erst um 1860 auf. Bis dahin aß man nicht in der Küche sondern in der Stube. Dort war auch der Riemen an die Wand genagelt, in dessen Schlaufen man nach dem Essen seinen hölzernen Löffel steckte, nachdem man ihn im Jackenfutter, im Tischtuch oder später auch am Löffeltuch gereinigt hatte.
Ab 1860 begann man in der Küche am Küchentisch zu essen.
Tischsitten blieben bei der Verlegung von der Stube in die Küche erhalten. Der Bauer saß an der Stirnseite, neben ihm auf der Grützbank saß der erste Knecht, die Mädchen aßen stehend an der vorderen Längsseite des Tisches. Vor ihnen, unmittelbar am Tisch, langten die kleinen Kinder in die Schüsseln. Die Mädchen mussten über deren Köpfen hinwegreichen. Einen eigenen Teller gab es nicht. Belegtes Brot wurde in die Mitte des Tisches gestellt.
Zum Fegen der Küche wurde ein Heidebesen verwandt. In Ecken und hinter den Möbeln fegte man mit dem Gänseflügel. Küchentisch und Schneidebretter scheuerte man mit Strohwisch und Buchenasche (s. d.)

Kül / Cue de Paris
(cue = franz. = der Hintere. Polster unter den Damenkleidern). Mitte des 19. Jh. bis in die 70er Jahre modisches Beiwerk um Körperrundungen zu betonen. Um die Hüfte banden die Damen ein festes Band, an dem ein mit Seegras, Watte oder Wolle gepolstertes Kissen befestigt wurde, das das Gesäß betonte. Ein anderes Kissen betonte die Vorderseite. Darüber trugen sie dann ihre Kleider oder Röcke. Selbst im dörflichen Angeln fand diese Mode zahlreiche Anhänger. Dieser unbequeme und aufwändige Modegag war aber ebensoschnell überholt.

Küm / Küben
Holzbottich aus Dauben auch Ballig genannt, der für das Waschen von Wäsche, beim Schlachten und beim Brauen gebraucht wurde.

Küper
Beruf: Böttger / Böttcher

Kür-Wagen
Feiner Wagen der Bauern zum Ausfahren. Der Kasten war aus Korbgeflecht und die Bodenfläche war mit Stühlen besetzt.

Küster
(lat. custus - der Wächter).
Kirchenangestellter. Er hatte stellvertretend für den Pastor viele Ämter zu übernehmen, wozu neben den Hausmeisterdiensten für Kirche und Gemeindehaus fast immer auch das Amt des Lehrers und des Schaffers (s. d.) in der Dorfgemeinschaft gehörten. Auch das Glockenläuten zu den Gottesdiensten gehörte zu seinen Aufgaben.
Erste Tätigkeiten als Lehrer erledigte er als "laufender Küster" auf Bauernhöfen, wo er Kinder des Bauern und Nachbarkinder unterrichtete (s. u. Wanderschule). Mitte des 17. Jh. wurde aus dem "laufenden Küster" ein "sitzender Küster" an einer Küster- oder Kirchspielschule. (s. u. Schule).

Küsterschule
Mitte des 17. Jh. aus den Wanderschulen (s. d,) hervorgegangene Schule an jedem Kirchort. Lehrer war der Küster. Konnte er selbst nicht lesen, schreiben und rechnen, was nicht selten der Fall war, so musste er sich einen lesekundigen Helfer einstellen. Dieses waren oft weichende Bauernsöhne oder ausgediente Soldaten.
Die Küster- oder Kirchspielschulen waren ausschließlich von Kirchen getragene Schulen. Die Obrigkeit kümmerte sich nicht um die schulische Bildung der Kinder. Für die Kirche aber waren nur Kenntnisse in Religion, (Bibeltexte, Katechismus, Glaubensbekenntnis, Vaterunser, Kirchenlieder) wichtig.
Erst Mitte des 18. Jh. kümmerte sich auch die weltliche Obrigkeit um den Schulunterricht der Kinder auf dem Lande.
(siehe auch unter Schule und Nebenschule)

Kuhheuer
Siehe unter Eiserne Kühe.

Kuhlücke
Gemeindeweide. Früher Allmende (s. d,)
Siehe auch unter Etgras.

Kuhwascher / Viehwäscher
Zur Herbstzeit von den Weiden (Almende s. d.) in die Ställe geholtes Vieh hatte total verpfilztes Fell mit viel Ungeziefer. An einer geschützten Stelle des Hofes wurden sie einzeln nacheinander angebunden und das Fell mit einem Strohwisch abgebrannt. An der linken Hand trugen die Knechte Handschuhe, um das Feuer auszuschlagen, wenn es die Haut zu erfassen drohte. So war das Vieh für einige Zeit rein.
Zu Lichtmeß (2. Februar) war es dann wieder voll Ungeziefer. Jetzt holte man den Kuhwascher, der mit Bürsten und einer Arsenik-Lösung in kochendem Wasser die Kühe behandelte.
Viehwäscher waren vom Amt bestellte und vereidigte Beauftragte die mit Gift arbeiten durften.

Kummerhy
Hügelgrab in der Nähe des Thorsberger Moors bei Süderbrarup. Es wurde in der späten Broncezeit (650 - 500 v. Chr. für nur einen Toten angelegt. Sehenswert ist das Grab (Steinkreis), das 1861 ausgegraben wurde wegen seines fast zwei Meter hohen "Wächtersteins".

Kurantmark - Kaufkraft der .....
Um 1770 hatte die Kurantmark folgende Kaufkraft:
1 Paar Schuhe = 2 Mk. - 1 Stieg Eier (20 Stck.) = 4 Sh. -
Tageslohn für einen Handlanger = 6 Sh.
Monatslohn für einen Knecht = 4 Mk.
1 fette Gans = 24 Sh. - Maurerlohn täglich 8 Sh.
Monatslohn für eine Magd 1,20 - 1,60 Mk.

Kurator
Amt, das man übernehmen musste, wenn es angetragen wurde. Der Kurator wurde eingesetzt bei: Betreuung von Witwen, Einsatz für verschollene Seeleute, Regelungen bei Konkursen und Nachlässen.

Kurschmied
Dorfschmied, der früher häufig gleichzeitig "Tierarzt" war. Er machte eine Art Prüfung und konnte dann Pferde- und Viehkrankheiten behandeln.