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Jacobimarkt / Brarupmarkt
Traditioneller Jahrmarkt zwischen Heu- und Getreideernte (25. Juli) in Süderbrarup seit 1593. Hier wurden Waren aller Art, Pferde und Vieh gehandelt. Das Gesinde gab hier seinen Jahreslohn (einmalige Zahlung des Jahreslohnes) aus. Hier wurden Bekanntschaften gemacht und Verlobungen abgesprochen. Es wurde gespeist, getanzt und gefeiert. "Jedes Haus ist eine Schenke und jede Schenke ist ein Tanzboden". Man kam aus den entlegendsten Dörfern Angelns nach Brarup. Es galt als größte Strafe, wenn Eltern ihren Kindern und Bauern ihrem Gesinde damit drohten nicht nach Brarupmarkt mitgenommen zu werden.
Um 1840 hatte während des Marktes jedes Haus in Brarup Schankgerechtigkeit. Darüberhinaus gab es viele Schankzelte.

Jagdrecht
Ursprünglich herrschte freies Jagdrecht. Wie lange dieses freie Recht bestand ist nicht mehr feststellbar. Schon im 9. bis 11. Jh. hatte es eine Einbusse erfahren und ging immer mehr in hoheitliches Recht über. Vom 9. bis 13. Jh gab es eine unklare Rechtslage. Jeder jagte auf seinem Grund.
Könige, Herzoge, Ritter und Adlige entzogen den einfachen Landbesitzern immer mehr deren Jagdregal und wandelten es in königliches Regal. Niedergelegte Höfe und Dörfer fielen in die Hände des Königs und dieser gab es dem Adel zu Lehen.
Auch die Klöster erhielten auf ihren Territorien ein eigenes Jagd- und Fischfangregal.
Im 15. Jh. erließ der König und der Herzog ein Gesetz für die Ausübung der Jagd.
1623 erließen König Christian IV. und Herzog Johann d. J. ein gemeinsames Jagdrecht in dem sie dem Adel alleiniges Jagdrecht zugestanden. Mit der Säkularisierung (Verweltlichung) der Klöster wuchsen dem Adel noch mehr Jagdflächen zu. Sie begannen um ihre Jagdgebiete Wildgatter zu errichten und Jagdsteine (s. d.) als Grenzmarkierungen zu setzen. An den Wegen, die aus diesen Gebieten rein und rausführten wurden verschließbare Durchlässe geschaffen. Heckkätner (s. d.), die an diesen Stellen wohnten hatten das Öffnen und Schließen der Hecks zu gewährleisten.
Die meisten adeligen Jagden wurden als Hetzjagden mit Hundemeuten mit aufgestellten Fangnetzen durchgeführt. Für die Bauern waren diese Jagden eine unerträgliche, mühsame und wirtschaftliche Belastung.
Erst die Aufhebung der Feldgemeinschaft (s. d.) und die Einführung der Fluraufteilung 1781-83 führte zu einem Einbruch des adeligen Jagdrechts. Von nun an durften die Bauern nach 500 Jahren die sie vom Jagdregal ausgeschlossen waren, wieder auf ihren Grundstücken jagen und auch dieses Jagdrecht an städtische Bürger verpachten. Dieses bedeutete das Ende der Wildgehege. Der Schaden der jetzt am Wild entstand war unvorstellbar und führte bei einigen Arten fast zur Ausrottung.
Um 1848 kamen Gesetze über Hege und Pflege auf. Aber erst die Preußische Jagdordnung vom 15. 7. 1907 brachte Einheitlichkeit und Ordnung ins Jagdwesen.
Siehe auch unter Jagdsteine, Mankjagd, Rehegeld, Wildernde Hunde, Wildpfahl, Wolfsjagd.

Jagdsteine / Wildpfähle / Pfahlschändung
Andere Bezeichnungen sind Scheide-, Hege- oder Wildbahnphähle.
Um 1640 erstmals erwähnte Abgrenzungen von Jagdgebieten in Holstein. Bis zu 2,50 m hohe, behauhene, mit Zeichen und Buchstaben versehene meist quadratische Steinsäulen. Diese Jagdsteine markierten die Grenzen der Gehege innerhalb derer die Herzöge, Könige und adlige Gutsherren ihr Jagdrecht ausübten. Ursprünglich waren sie aus Holz. 1675 wurde z. B. Schuby "eingephalet und geheget", 1689 wurden Ulsnis, Brebel, Kius und Hestoft durch "10 Phähle abgephält".
Weil die hölzenen aber schnell faulten wurden sie von 1760 bis 1800 auf Geheiß König Friedrich V. (1746 - 1766) und Christian VII. (1766 - 1808) durch steinerne ersetzt.
Die Ritterschaft oponierte gegen die Einphählung durch neu erworbene Jagdgebiete der Landesherren (Könige, Herzöge, Fürsten) und zerstörte oder beseitigte sie. In solchen Fällen sprach man von Pfahlschändung.
Noch heute finden wir diese Jagdsteine in den Kirchspielen Böel, Boren, Rabenkirchen, Rupel, Süderhackstedt und Ulsnis.
Janteloven / Jantelov / Jantegesetz
Ein 1933 vom dänisch-norwegischen Autor Aksel Sandemose in seinem Roman "Ein Flüchtling kreuzt seine Spur" entwickelter Verhaltens-Begriff, der in ganz Skandinavien zu einem allgegenwärtigen Verhaltenskodex wurde. Das Janteloven besteht aus 10 Regeln:

1. Du sollst nicht glauben, dass du etwas bist.
2. Du sollst nicht glauben, dass du genauso viel bist wie wir.
3. Du sollst nicht glauben, dass du klüger bist als wir.
4. Du sollst dir nicht einbilden, dass du besser bist als wir.
5. Du sollst nicht glauben, dass du mehr weißt als wir.
6. Du sollst nicht glauben, dass du mehr bist als wir.
7. Du sollst nicht glauben, dass du zu etwas taugst.
8. Du sollst nicht über uns lachen.
9. Du sollst nicht glauben, dass sich irgendjemand um dich kümmert.
10. Du sollst nicht glauben, dass du uns etwas beibringen kannst.

Das Janteloven ist eine sehr negative Verhaltensweise, die Eliten verhindert und das Mittelmaß zur Norm macht. Für Deutsche ist es unverständlich, wie es sich in Skandinavien, vor allem in Schweden und Dänemark so behaupten konnte und von weiten Bevölkerungsteilen zum Maß aller Dinge und zum Alltagsbewußtsein gemacht werden konnte. Es hat zu einer sehr angepassten untergebenen Haltung der Bevölkerung gegenüber der Obrigkeit geführt.
Konsequent angewendet müsste es dazu führen, dass niemand im Sport, in der Scule oder in der Wirtschaft Erster oder Bester werden möchte.

Jarl
Verwandt mit dem englischen Titel Earl. Freier Mann von hoher Geburt. In Norwegen bis 1308 und in Schweden bis 1266 höchster Kronbeamter. Von der germanischen Eisenzeit bis ins Hochmittelalter war es ein Fürstentitel in nordischen Ländern. Die früheste Erwähnung des Jarltums findet man in Runenschrift.
Die dänische Bezeichnung Jarl beginnt im 12. Jh. Jarle waren zur Reichsverteidigung eingesetzt.
Die dänischen Könige ernannten in den von ihnen verwalteten Gebieten Statthalter, die sie Jarls nannten.
Dieses Amt wurde vorzugsweise mit Mitgliedern der Königsfamilie besetzt.
Der letzte echte Jarl Südjütlands und Schleswigs war Knud Laward, der den Titel Herzog annahm. Er wurde am 7. Januar 1131 ermordet.

Jernstöber
Beruf. Eisengießer.

Joch
Älteste Form der Anspannung von Zugtieren vor landwirtschaftlichen Geräten und Wagen. Das Joch ist wohl 3.500 Jahre alt .
Man unterschied in Kopfjoch, Stirn- und Nackenjoch. Eine andere Form war das Widerristjoch, das von den Tieren mit dem Widerrist gezogen wurde. Am häufigsten wurden in Europa Ochsen als Zugtiere verwendet.
Im Hochmittelalter wurde das Joch durch das Kumt verdrängt, was auch die Anspannung von zwei Pferden zuließ.

Jocken / Joch
Holzgestelle die weidenden Tieren um den Hals gehängt wurden, damit sie nicht durch Zäune konnten und die deren schnelles Laufen verhinderten. Auch Pferde und Füllen durften nicht "klaglos" gehen, d. h. ohne "Klaog-Joch".

Juelmann
Beruf. Rademacher, Stellmacher. Juel heißt im nordischen "Rad".

Jüten
1.) Germanischer Volksstamm mit Heimat auf der Halbinsel Jütland. Im 5. Jh. gingen sie größtenteils im dänischen Volk auf oder wandern mit den Angeln und Sachsen nach England.
2) In neuerer Zeit die Einwohner von Jütland. Die Angler wandten sich gegen eine Dänisierung mit dem Schlagwort:
"Gott möge uns behüten, dass wir nicht werden Jüten."

Jütepotten / Jydepotten
Jütische Töpferwaren aus der Zeit des Mittelalters. Erste Erwähnung fanden sie Erwähnung als schwarze Töpfe, für die Brückengeld gezahlt werden musste. 1731 wurden Jydepotten aus Jütland nach Holland, Hamburg, Altona, Sylt, Röm, Föhr und Husum ausgeführt. Wenig später wurde eine Schiffsladung Jydepotten nach Riga genannt.
Die jütischen Pottemanns führten ein sehr armseliges Leben und abgemagerte Pferde nannte man ein "Pottemannspeerd".
In Flensburg gab es Pottemagers (Topfmacher) die für jütische Töpfereien arbeiteten.

Jütisches Recht / Jütsches Low / dän. Jyske Lov
Gesetzesordnung des 13. Jh. auf der Halbinsel Jütland bis an die Eider und auf der Insel Fünen. Es war die älteste 1241 schriftlich fixierte Rechtsgrundlage Dänemarks. Verfasst wurde es von König Waldemar II.
Das Jütsche Recht gliederte sich in ein Vorwort und drei Bücher mit insgesamt 57, 114 und 68 Artikeln und ist in vielen Handschriften überliefert. Die älteste ist die "Flensburger Abschrift" aus der Zeit um 1300.
In Dänemark blieb das Jütische Recht bis zur Ersetzung durch das Dänische Recht Christian IV. bis 1683 gültig, im Herzogtum Schleswig hingegen bis 1900 und wurde durch das Bürgerliche Gesetzbuch abgelöst.
Das Jütische Landrecht war sehr volksnah und praxisbezogen und modifizierte altes Gewohnheitsrecht. Es war für die damalige Zeit sehr detailliert und regelte viele Angelegenheiten des Zusammenlebens. Es überwand erstmalig das Gesetz der Blutrache und das Gesetz des Stärkeren.
Im 16. Jh. entstand eine niederdeutsche Übersetzung das "Jütsche Low".

jugalis
(lat.) Gatte.

Juhlgift
Weihnachtsgabe der Bohlsleute und Kätner für den Pastor. Sie wurde nach Weihnachten vom Achtmann eingesammelt und dem Pastor ins Haus gebracht, wofür er von diesem ein Essen bekam.

Julebryg
Hochprozentiges dänisches Weihnachtsbier.

Julefrokost
Vom dän. Jul = Weihnachten und frokost = Mittagessen wie das Luciafest ein fester Bestandteil der dänischen Advents- und Weihnachtszeit. Es findet am 1. und/oder 2. Weihnachtstag um die Mittagszeit statt. Aber schon vorher finden in Betrieben und Vereinen in der Vorweihnachtszeit Julefrokost statt. Es beginnt meistens Mittagszeit und endet, wenn die Letzten gehen. Hauptbestandteil ist ein großes Büffet aus kalten und warmen Speisen. Getrunken werden Bier und Aquavit oder das hochprozentige dänische Weihnachtsbier Jylebryg.

Junker
= Jungherr. Junger Edelmann ohne sonstige Titel, auch Landedelmann. Bezeichnung für die Söhne des Hochadels, bevor sie die Regierung antraten.

Jurat
Kirchgeschworener. Mitglied des engeren Kirchenvorstandes. (2 oder 3 Personen). Hauptsächlich sollten sie für die Erhaltung der Kirchenkapitalien (Kirchvermögen) sorgen. Sie waren für Reperatur und Unterhaltung der Kirchenbauten zuständig. Einnahmen und Ausgaben der Kirche und deren zinsbringende Anlage wurden von ihnen verwaltet.
Am Ende des Jahres mussten sie eine Bilanz mit allen Einnahmen und Ausgaben sowie Quittungen vorlegen. Dabei waren sie für durch ihr Verschulden verlorengegangene Kirchengelder selbst haftbar.
Juraten wurden auf Vorschlag des Predigers bestimmt und mussten das Amt annehmen. Sie konnten aus allen Bevölkerungsschichten stammen. Kirchspielsmänner (s.d.) hingegen durften nur aus dem Stand der Hufner und Bonden stammen.
Juraten wurden auf sechs Jahre gewählt.
1869 nach Einführung der neuen Kirchenordnung wurden sie durch Kirchenälteste ersetzt.

Jurisdiktion
(lat.) für Rechtsprechung. Bezeichnet auch das Einzugsgebiet der Gerichtsbarkeit eines Staates oder einzelnen Gerichts z. B. von Landesherren, Rittern, Klerus oder Städten.

Justitiarius
Richter auf adeligen und großen Gütern. Diese sprachen Recht über "Hals und Hand", also die Ahndung von Verbrechen mit der Todesstrafe oder Verstümmelung. Ab 1805 waren sie gesetzlich vorgeschrieben. Bis dahin richteten die Gutsherren selbst.
(Siehe auch unter "Hals und Hand").