E


Echolot
In der Nautic verwendetes Gerät zur Messung von Wassertiefen. Es wurde 1913 von dem Physiker Alexander Behm erfunden der zu jener Zeit in Tarp bei Flensburg lebte. 1920 war es baureif. 1896 zog seine Familie von Mecklenburg nach Hardersleben. Angeregt zu dieser Erfindung wurde er durch den Untergang der Titanic. Schon kurze Zeit danach wurde es von den Forschern Amundsen und Hedin zur Erforschung der Meerestiefen eingesetzt.

Eddebo / Ettebo
Älteste mittelalterliche Burg Flensburgs am Fuß des Marienbergs gelegen. Sie war Stammsitz des Geschlechts der Jul die viele Bürgermeister in Flensburg stellten.

Edelhof
Gutsbesitz eines Ritters bzw. Heermannen im Mittelalter der in der Regel durch Wall oder Graben geschützt war. Im Gegensatz zu den adeligen Gütern des 16. und 17. Jh. hatte der Edelhof oft nur die Größe von ein bis zwei Hufen (s. d.). Meistens handelte es sich um Streubesitz, der oft über mehrere Orte verteilt war. Viele spätere Edelhöfe tragen den Namen Gaard. (s. u. Gaardhöfe)
Da sich die Ritter kaum mit Landwirtschaft, sondern fast nur mit dem Kriegsdienst beschäftigten, waren die Edelhöfe fast immer ohne Stallungen und Scheunen und waren auch deshalb nicht mit späteren Gütern vergleichbar sondern eher mit kleinen Burgen.

Edikt
Königliche Verordnung, Erlass.

Eesch / Esch / Heisch
"Ewiger Acker". Ackerland ohne Einbezug in die Fruchtfolge. Wenn er an Nährstoffen verarmte und die Aussaat nicht mehr lohnte, blieb er einfach liegen.
Die Bezeichnung Esch findet sich auch als Endung in vielen Dorfnamen wieder.

Egerschop / Eger
Alte Eigentümergemeinschaft (Feldgemeinschaft) der Bohlsleute mit einer Selbstverwaltung die auf dem gleichen Recht für Alle beruhte. Die einzelnen stimmberechtigten Mitglieder waren die Eger. Der Älteste war der Oldermann.
Ehepfand
Gegenstände, oft Kleidungsstücke, die sich Verlobte gegenseitig als Eheversprechen schenkten. Bei Verlobung wurden Besitz- u. Erbschaftsregelungen getroffen. Das Ehepfand hatte etwa eine gleiche rechtliche Bedeutung wie ein Kaufvertrag.

Eheschließung
Die häufigste Form waren die zwischen den Familien von Braut und Bräutigam ausgehandelten Ehen.
War das heiratsfähige Alter des Mädchens erreicht - gewöhnlich zwischen dreizehn und fünfzehn Jahren - bzw. eine angemessene Frist verstrichen, führte der Bräutigam die Braut aus ihrem elterlichen Haus in das seine.
Häufig kam es im Beisein der Verwandten zu einem Konsensgespräch, in dem das Paar feierlich seinen Willen zum christlichen und weltlichem Vollzug der Ehe bekräftigte - ein Ritual, welches auf den wachsenden Einfluss der Kirche zurück zu führen war.
Die Zustimmung der Frau war nach weltlichen Gesetzen für die Rechtsgültigkeit der Ehe nämlich nicht von Belang. Hatte bisher ihr Vater oder Vormund (Muntwalt s. d.) über sie bestimmt, übernahm nunmehr der Ehemann diese Rolle.
Noch im frühen Mittelalter blieb das Tragen des Eheringes den Frauen vorbehalten, nur sie wurde "an den Ring gelegt". Als Zeichen des Verlöbnisses gab der Mann damit das Versprechen ab, die Auserwählte zu heiraten.
1215 wurden das öffentliche Aufgebot sowie die priesterliche Segnung eingeführt.
Ab 1876 trat auf deutschem Boden das Reichsgesetz über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung in Kraft. Seither waren für die Beurkundung von Hochzeiten staatlich bestellte Standesbeamte verantwortlich.
(siehe auch unter Heirat, Luxusverordnung, Muntehe und Standesamt)
(siehe auch unter Dispensation, Heirat, Königsbrief, Luxusverordnung, Trauung)

Ehgraben
Eh = Gesetz = auf alle Zeiten festgesetzt. Offenen Graben mit bis zu 3 m Breite, der auf den Rückseiten zweier Häuserreihen verlief und zur Fäkalienbeseitigung benutzt wurde. Ursprünglich waren es Grenzgräben zwischen den Häusern. Der Ehrgraben musste so breit sein, dass sich ein einjähriges Schwein darin drehen konnte. Die Ehgräben liefen mit Gefälle aus den Städten heraus oder in Bäche, Flüsse oder Häfen. Die Schweine fraßen die häuslichen Abfälle, die in den Ehgraben geworfen wurden. Die Ehgräben stanken bestialisch und waren Ausgangsherde für viele Seuchen und Krankheiten. Gleichzeitig waren sie das einzige System der Abfallentsorgung in den Städten.

Ehrenpforte
Ehrenbogen, Triumpfbogen.
Ehrenpforten (meist aus Eichenlaub) wurden in den Dörfern und Städten zur Ehre der durchziehenden oder siegreich heimkehrenden Soldaten errichtet. Unter Musik, Beifall und Jubel der Bevölkerung zogen diese durch die Ehrenpforten.

Ehrenstrafen
Strafen durch Pranger, Schandpfahl, Schandkorb, Lästerstein und Halsgeige. Die verurteilte Person verlor durch den Urteilsspruch ihr gesellschaftliches Ansehen in der Stadt und seine Ehrbarkeit. Wer verurteilt war zu einer der o. g. Strafen durfte von Jedermann verhöhnt, verspottet, geprügelt und misshandelt werden.
Verhängt wurden Ehrenstrafen durch die niedere Gerichtsbarkeit für mindere Vergehen. Schwere Leibstrafen und Todesurteile durften nur von den Hochgerichten (Blutgerichtsbarkeit) gesprochen wurden.
(siehe auch unter Strafen im Mittelalter)

Eider
Mit 188 KM der längste Fluss Schleswig-Holsteins. Sie trennt von der Nord- bis fast zur Ostsee in Ost-West-Richtung Schleswig von Holstein.
In Nordseenähe findet man durch die starke Strömung Wassertiefen bis zu 20 m.
Die Eider war bis zur Völkerwanderung eine Sprachgrenze zwischen dem westgermanischen Angeln und Jüten nördlich und den Sachsen südlich der Eider. Gemeinsam mit der Levensau, die nördlich von Kiel in die Ostsee mündet, bildet sie seit der Wikingerzeit die Grenze zwischen dem Frankenreich, das die Sachsen unterworfen hatte und den Dänen, die im frühen Mittelalter in die Gebiete der Jüten und Angeln eingewandert waren.
811 wurde die Eider offiziell zur Grenze erklärt und trennte das Reich Karls des Großen vom Reich der dänischen Könige.
Eiderdänen
Bezeichnung für dänische National-Liberale ab 1842 die das Herzogtum Schleswig in das Königreich Dänemark integrieren wollten und die Eider zu Dänemarks Südgrenze und der Grenze zwischen Deutschland und Dänemark machen wollten.
Orla Lehmann (1810 - 1870) formulierte und forderte diese Eiderpolitik.

Eiderkanal
Ein 1777 bis 1784 gebauter Kanal als "Vorgänger" des Nord-Ostsee-Kanals (s. d.). Er wurde bis 1853 auch Schleswig-Holstein-Kanal genannt, musste aber nach der Schleswig Holsteinischen Erhebung (s. d.) in Eiderkanal umbenannt werden.
Die Eider war damals schon bis Rendsburg schiffbar und so wurde mit dem 43 Km langen Kanal Rendsburg mit Kiel verbunden. Damit waren Nord- und Ostsee miteinander verbunden und ersparten den Seeleuten 300 Seemeilen um Jütland herum. Allerdings dauerte die Fahrt durch den Kanal auch vier Tage. In seinen Glanzzeiten befuhren fast 4.000 Schiffe jährlich den Eiderkanal von Tönning nach Kiel.

Eiderstedt
Die Halbinsel entstand durch die Eindeichung dreier Inseln, der Insel Utholm, der Insel Eiderstedt und der Insel Everschop die ursprünglich eigenständige Harden waren. Darum nennt man Eiderstedt auch oft "Dreilande".
Eiderstedt wurde von vielen Sturmfluten und Hochwassern, aber auch von kriegerischen Auseinandersetzungen und Seuchen heimgesucht.
Bis 1426 herrschte in Eiderstedt das Nordfriesische Landrecht. Es wurde 1572 durch das Eiderstedter Landrecht abgelöst. Hierin spiegelt sich schon sehr stark der Einfluss der Landesherrschaft ab.
Im 16. Jh. siedelten sich Wiedertäufer in Eiderstedt an, die wegen ihres Glaubens in den Niederlanden vertrieben wurden. Sie wurden von den Eiderstedtern verfolgt und bedrängt. Um 1570 richteten sie eine Eingabe nach der anderen an den Herzog, um die ungeliebten Wiedertäufer wieder los zu werden. Der Streit hörte nicht auf und fand erst 1642 auf, als beim sog. David-Joriten-Prozeß, der sich über sechs Monate hinzog, verfügt wurde alle ihre Schriften einzusammeln und durch den Husumer Scharfrichter öffentlich verbrennen zu lassen.
1591 wurde das Landrecht von 1572 in hochdeutscher Sprache modifiziert. Es hatte bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahre 1900 Gültigkeit.
Heute ist Eiderstedt bekannt durch den Leuchtturm von Westerhever, durch den Eiderstedter Haubarg, durch das Strandbad St. Peter Ording und die alte Stadt Garding.

Eingesessener
1) In Nordfriesland Bezeichnung für einen Landbesitzer.
2) Einheimischer

Eingliederung, der Herzogtümer ....
Am 3. 7. 1866 entschied sich auf dem Schlachtfeld von Königgrätz wo Oesterreich von den Preussen geschlagen wurde, das Schicksal der Herzogtümer Schleswig- und Holstein, die am 24. 1. 1867 um 12.°° Uhr in einem Einverleibungsakt dem Königreich Preußen angegliedert wurden. Ganz Schleswig-Holstein wurde preußische Provinz, wollte aber eigentlich den Status eines selbständigen Bundeslandes. Am 12. 1. 1867 wurde das Besitzergreifungspatent und eine "allerhöchste Proklamation" an die Einwohner der Herzogtümer veröffentlicht. Schleswig-Holstein wird damit eine preußische Provinz (1867 - 1945)
Die preußische Verfassung trat am 1. 10. 1867 in den Herzogtümern in Kraft.
Damit war der Traum der Schleswig-Holsteiner unter Führung von Erbprinz Friedrich von Augustenburg ein eigenständiger deutscher Staat zu werden ausgeträumt. Vier überwiegend glückliche Jahrhunderte der Verbindung mit Dänemark, die nur die letzten 20 Jahre seit der Erhebung 1840 gestört waren, waren damit endgültig zu Ende. In weiten Bevölkerungsteilen wurde die Eingliederung nach Preußen abgelehnt.
Die Schleswig-Holsteiner hatten kaum ein Mitspracherecht bei der Neugestaltung. Alle Maßnahmen wurden im Verordnungswege eingeführt. Es gab bis zum Stichtag 22. 9. 1867 einen wahren Sturzregen neuer Verordnungen.
(Siehe auch unter: Auswanderer, Gendarmerie, Gesamtstaat, Königau, Kriege, Norddeutscher Bund, Oeversee)

Einkoppelung
(s. u. Verkoppelung)

Einlager
(Obstagium oder Geiselschaft). Freiwillige Verpflichtung an einem bestimmten Ort (Einlager) Quartier zu nehmen.
Im späten Mittelalter verpflichteten sich Schuldner bis zur endgültigen Zahlung ihrer Schuld als Geisel an einem bestimmten Ort (Einlager) z.B. auf einer Burg des Gläubigers zu bleiben. Die Kosten dafür hatten sie selbst zu tragen. Dieses war besonders in Adelskreisen gebräuchlich.
Das Einlager diente wie eine Bürgschaft zur Sicherstellung der Obliegenheit. Ab dem 13. Jh. wurde die stellvertretende Geiselschaft zur Regel, bei der Schuldner einen Knecht ins Einlager schickte. Daraus wurde schnell eine einträgliche Einnahmequelle indem sich Arme als bezahlte Geiselesser (-fresser) verdingten. Als die Obrigkeit dieses Unwesen bekämpfte, wurden aus den Geiselfressern bald Schuldeneintreiber (Schuldboten). Im 17. u. 18. Jh wurden daraus Betreibungsbeamte.
Ab dem 13. Jh. wurde das Einlager auch im Volk üblich.
Das Einlager war nicht entehrend sondern galt im Adel als standesgemäß.

Einlieger
Dorfbewohner ohne eigenes Haus und ohne Grundbesitz der zur Miete wohnte und als Dorfhandwerker oder Arbeitsmann tätig war.

Einspringelsgeld
Bei der erstmaligen Einschulung eines jeglichen Kindes erhielt der Schulmeister ein Einspringelsgeld von 4 Schilling. Es wurde in jedem Dorf von den jeweiligen Achtmännern eingesammelt und an den Küster (Lehrer) übergeben.

Einquartierung
Zwangsaufnahme von Soldaten. Zwei Formen:
1) Marsch-Einquartierung, d.h. Nachtlager für durchziehende Truppen,
2) Stand-Einquartierung d.h. Dauerquartiere meist für die Winterzeit.

Eisenbahnen
1830-40 setzte ein wahres Eisenbahnfieber von England kommend in Europa ein und kam schnell auch zu uns.
1844 entstand der erste Bahnabschnitt in Schleswig-Holstein von Altona nach Kiel. 1845 folgte die Strecke Neumünster - Rendsburg. In vielen Städten bildeten sich Eisenbahnkomitees, die den Bau von Bahnen forderten.
1854 entstand die Bahnverbindung von Rendsburg nach Schleswig und von Flensburg über Husum nach Tönning.
1881 wurde Flensburg mit Kiel über Eckernförde verbunden.
1886 Kleinbahn Flensburg - Kappeln.
Die ersten Züge fuhren etwa 32 - 40 Km pro Stunde.
Von 1881 bis 1904 wurden in Angeln 200 km Schienenwege ausgebaut mit 84 Stationen.
1910 wurde die Verbindung Rendsburg - Husum fertig.
1927 wurde der heute noch vorhandene Bahnhof in Flensburg eingeweiht.
Um 1930 verfügte Schleswig-Holstein über ein Schienennetz von 2.412 KM. Danach ging der Ausbau des Schienennetzes wegen des vermehrten Straßenbaues zurück.
Ein sehr ausführlicher Bericht findet sich im Jahrbuch des Heimatvereins der Landschaft Angeln, 1981, 45. Jg. Seite 132 - 175 "Entstehungsgeschichte der Eisenbahnen in Angeln".

Eisenherstellung
Das Eisen wurde etwa um das Jahr 200 n. Chr. im Norden bekannt. Es war ein Metall, das nicht aus der Fremde geholt wurden musste, sondern das auch im heimischen Boden als Raseneinsenstein oder Wiesenerz reichlich zur Verfügung stand. Es enthält 15 bis zu 50 % Eisen.
Eisenschmelzöfen entstanden meist in der Nähe von Holzkohlemeilern und diese in der Nähe von Wäldern. Es gab sie recht häufig im Norden.
Der Holzbedarf für die Eisenverhüttung war riesig und so war die Eisenproduktion eine wesentliche Ursache für das Abholzen der Wälder.
(Siehe auch unter Raseneisenstein (s. d.) und Rennofen (s. d.).

Eiserne Kühe
Ursprünglich von frommen Bauern an die Kirche geschenkte (gestiftete) Kühe. Da diese nicht von der Kirche gehalten werden konnten, wurden sie gegen eine Abgabe (Kuhheuer) an andere Bauern ausgeliehen. Später verkaufte die Kirche die Kühe auch und lieh den Erlös gegen Zins aus. In aller Regel flossen die eingenommenen Gelder dem Pastor zu und waren Teil seiner Bezahlung. Starb die Kuh so wurde der Erlös des Fells für die Anschaffung eines Kalbs verwendet. Daher auch die Bezeichnung "Immerkühe", "Immer lebende Kühe", "Ewigkühe" oder "Eiserne Kühe" aber auch "Kirchkühe".

Ekensund / Egernsund
Künstlerkolonie am Nordufer der Flensburger Förde östlich von Gravenstein. Das Fischerdorf entwickelte sich ab 1870 zu einem beliebten Aufenthaltsort für Künstler aus allen Richtungen des Kaiserreichs. Die meisten waren Maler.

Elektrifizierung und Stromversorgung
1885 wurde in Berlin das erste Elektrizitätswerk Deutschlands gebaut.
1894 begann die Stromversorgung Flensburgs von einem privaten Gleichstrom-Elektrizitätswerk der Firma Jepsen & Sohn. Noch im gleichen Jahr baute die Stadt Flensburg eine Zentrale, die 4000 Glühlampen von je 16 Normalkerzen Lichtstärke zum brennen bringen konnten. Bei Inbetriebnahme waren 2500 Glühlampen angemeldet.
1898 gründete Peter Henningsen in Süderbrarup ein Elektrizitätswerk und schuf den ersten Ort der Provinz mit elektrischem Licht.
1898 wurde das Elektrizitätswerk Flensburg in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1912 wurde ein neues Kraftwerk gebaut.
1902 sprach man sich in Sonderburg gegen die Elektrifizierung aus, aber 1907/08 wurde ein E-Werk gebaut.
1910 wurde ein E-Werk in Schleswig mit Gleichstrom in Betrieb genommen.
1928 wurde mit dem E-Werk in Apenrade ein Vertrag über eine Hochspannungsverbindung beider Werke geschlossen.
Ende der Zwanziger Jahre kam elektrisches Licht auch nach Eiderstedt.
Von 1969 bis 1971 wurde das Flensburger Kraftwerk auf ein Heizkraftwerk für Fernwärme umgerüstet.

Eleven
Landwirtschaftliche in der Ausbildung.

Elker
Aalgabel mit mehreren Zinken mit Widerhaken zum Aalfang.

Elle
Längenmaß. Abstand zwischen Ellbogen und Mittelfingerspitze. Landschaftlich zwischen 55 bis 75 cm. Später allgemein etwa 60 cm.

Elmsfeuer
Auch Stankt Elms-Feuer oder Eliasfeuer. Eine Erscheinung bei Gewitterlagen; eine gewittrige Entladung. Sie tritt in Form kleiner Feuer an spitzen, gratigen, hohen Gegenständen wie der Mastspitze von Schiffen und an Kirchtürmen auf. Sie leuchten durch Spektralinien von Sauerstoff und Stickstoff in der Erdatmosphäre blau-violett. Sie treten extrem selten auf. Am 20. Januar 1863 traten sie großartig in Nordfriesland in Erscheinung.

Emolumente
aus dem lat. emolere = "herausmahlen". Begriff für regelmäßig ausgezahlte, in ihrer Höhe aber schwankende Einkünfte. Typische Emolumente waren z. B. in Naturalien zu bezahlende Einkommen der Lehrer.

Engbrüstigkeit
Beschwerde der Atmung. Asthma. Oft über Jahre hinweg. Meist tödlich verlaufend.

Enk
Ackerknecht.

Entrepeneur
1) Serienunternehmer. Unternehmer.
2) Auf die Heide- und Moorkolonisation bezogen = Siedlungseinrichter.

Enrollierung
1) Begriff aus altem Militärrecht. Enrollierte Soldaten waren solche auf kommandiertem Weg zu ihrer Einheit.
2) See-Enrollierung = Verpflichtung zur Marine.

entsetzen
von Haus und Hof verweisen.

Epitaph
Vom altgrich. Epitaphios = "auf dem Grab befindlich". Lateinisiert = Epitaphium.
1) Grabinschrift oder Gedenktafel für einen Verstorbenen. Seit dem 14. Jh. wurden sie nicht nur am Grab sondern auch an Wänden und Säulen einer Kirche angebracht. Ein Vorläufer des Epitaphs war das Totenschild (s. d.). Ab dem 17. Jh. wurde das Verfassen von Epitaphen zu einer literarischen Mode. Im Barock erreichten die Epitaphe durch allegorische Darstellungen und architektonische Details enorme Ausmaße.
Es gab verschiedene Varianten des Epitaphs:
a) im Wortsinn gefertigte Inschriftplatte
b) die Inschriftplatte mit Ornamentmotiven und Elementen.
c) das Bildepitaph
d) das mehrteilige Epitaph wozu gehörten: ein Gnadenbild, eine Inschrifttafel, ein Wappenschild und figürliche Darstellung des Verstorbenen.
2) Grabrede anlässlich einer Beerdigung über den Toten um ihn zu ehren. Sie wurde direkt am Grab oder bei einer weltlichen Trauerfeier gehalten.

Erbbier (Arfbeer)
Totenschmaus. Beerdigungsfeier bei der in Angeln einst bis zu 300 Personen kamen und manchmal zwei Tage feierten. (siehe unter Arfbeer und Luxusverordnung)

Erbfeste
1) ererbtes erhebliches Anwesen
2) Verpachtete Katen, die aber vom Pächter an seine Nachkommen übergeben werden können und der dann die Pacht (= Erbfestegeld) weiter zu entrichten hatte.

Erbpacht / Erbpächter / Erbpachthof
Erbbaurecht.
Inhaber gepachteter Höfe, die aber vererbt werden konnten. Inhaber eines Gutes in Erbpacht. Der Erbpächter besaß die Stelle frei und erblich. Er übte alle Befugnisse eines Eigentümers aus und konnte sogar Grundstücke veräußern. Für den Erhalt eines Erbpachthofes zahlte der Erbhofpächter einen jährlichen Canon (s. d.) in Naturalien oder Geld an den Haupteigentümer.
Erste Hinweise auf Erbpachthöfe gehen auf das Jahr 1436 zurück.

Erbuntertänigkeit
Eine besondere Form der wirtschaftlichen und persönlichen Abhängigkeit der Bauern vom Grundherrn. Sie erwuchs aus der Leibeigenschaft. Es war der männlichen Landbevölkerung im Alter zwischen vier und vierzig Jahren verboten, die Heimat zu verlassen.
Die Erbuntertänigkeit beinhaltete die Abgabepflichten, die lebenslange uneingeschränkte Dienstpflicht, den Gesindezwang der Kinder und die Schollenpflichtigkeit (s. d.)
1788 wurde in Dänemark im Zuge der Aufhebung der Leibeigenschaft auch die Erbuntertänigkeit aufgehoben.

Erdbuch / dän. Jordbog
Steuererfassungsbuch, das der dänische König Waldemar II. 1231 in lateinischer Sprache anlegen ließ. Es bezeichnete die Besitzungen und Einkünfte des Königs. Verzeichnis über Einzelgrundbesitzgrößen, Erträge und Steuerlast.
Das Erdbuch erlangte an Bedeutung, weil viele Orte und Bezirke des damaligen Königreichs Dänemark (Dänemark, Schleswig, Fehmarn, Schonen, Halland, Blekkinge und Estland) erstmalig Erwähnung fanden.
Es wurde erst 1688 durch ein Martrikelbuch abgelöst.

Erdegeld
1 Schilling, der bei einer Beerdigung von jeder erwachsenen Person des Leichenzuges an den Ältermann gezahlt werden musste. Dabei musste jeder Haushalt eine erwachsene Person zur Leichenfolge abstellen. Von dem Geld zahlte der Ältermann zwei Taler an den (Trauernden), der die Leiche beerdigen ließ. Der Rest ging an die Kirchenkasse.

Erdgefälle
siehe unter Gefälle.

Erhebung 1848 - 1851
Um 1840 begann im Herzogtum Schleswig ein Sinneswandel zu Gunsten des Deutschtums und eskalierte bis zur Auflehnung der Bevölkerung Schleswigs gegen die Bestrebungen Dänemarks Südschleswig bis zur Eider dem dänischen Staatsgebiet einzuverleiben und dem damit verbundenen Sprachreskript (s. d.). Die Gesinnung fand ihren Ausdruck im Text des Schleswig-Holstein-Liedes (s. d.) beim Sängerfest 1844 in Schleswig und manifestierte sich mit der Bildung einer provisorischen Regierung am 24. 3.1848.
Die Schleswig-Holsteiner wollten einen deutschen Nationalstaat mit einer nördlichen Grenze an der Königsau.
Diese nationale Erweckung führte zu einem tiefen Riss durch die Bevölkerung die bis durch die Familien ging und zu viel Unruhe führte. Die Entscheidung für Deutschland oder Dänemark ließ niemanden gleichgültig. Mehrheiten und Minderheiten mieden sich nun.
(s. u. Auswanderung, Dänenzeit, Erhebung, Gesamtstaat, Idstedt, Nationale Erhebung, Kriege, Landwehr, Provisorische Regierung, Sprachreskript)

Ersitzung
Die Geliebte eines Mannes, die ihm den Haushalt führte, bei ihm wohnte, Schloss und Schlüssel verwaltete und mit ihm schlief, war eine Friedelfrau (s. d.). Durch Ersitzung (sie erledigte vorstehendes drei Winter lang) galt sie als Ehefrau und rechtmäßige Hausfrau mit Erbberechtigung für ihre Kinder.
Siehe unter Friedelfrau und Friedelkind.

Esel reiten
Eine Ehrenstrafe. Ähnlich dem Pranger war das Reiten auf einem hölzernen Esel eine solche herabsetzende Strafe.
1767 wird eine solche Strafe "Zwei Stunden den Esel sitzen" für eine Rauferei in Sandacker, Karrharde erwähnt.

Eskiergeld
Freikaufgeld (1 Mark pro Bohl). Z. B. der Hufner in Handewitt (Wiesharde) für die Verpflichtung die Wiese "Eskier" des Amtmanns pflegen zu müssen. Es wurde unverändert bis 1885 bezahlt und wurde dann durch eine Einmalzahlung des 18-fachen abgelöst.

Esser
Beruf. Wagenbauer.

Etgras / Ettgrön
Weidegras der Gemeinde das nicht gemäht wurde. Es wurde auch Nagras genannt und bezeichnete eine Stoppelweide.

Etmal
Zeitraum. Frist zwischen 12 - 24 Stunden.

Ewer
Siehe unter Schiffstypen.

Exequent
Vollstrecker, Vollzieher von kleinen Strafen: Z. B.: an den Pranger Stellen, Staupenschlag (s. d.), Züchtigung.

eximieren
Vom lat. eximere = herausnehmen, befreien. Jemand von einer gesetzlichen Pflicht oder Verbindlichkeit befreien.

Exorcismus
Teufelsbeschwörung. Bis Anfang des 18. Jh. war es in vielen Kirchgemeinden gebräuchlich die Taufe mit einer Teufelsaustreibung zu verbinden. Mit der Reformation schwand dieses aus der katholischen Lehre stammende Ritual.

ex loco
(lat.) aus dem gleichen Ort.