A


18-Männer-Taxe
Von 1712 bis in die preußische Zeit hinein galt das Setzungsregister als Teil der Landes-Martrikel als Besteuerungsgrundlage. In der Landesmatrikel war die Pflugzahl festgehalten. Dem Setzungsregister lag die Taxlegung von 1692 - 1698 zugrunde. Durchgeführt wurde diese von einer aus 18 Männern bestehende Kommission, die auch eine Bodenbewertung durchführte. Sie wurde "18-Männer-Taxe" genannt.

Abdecker
Siehe unter Schinder:

"Abgeteilte Herren"
So bezeichnete man eine Reihe Schleswig-Holsteinischer Herzöge deren Herrschaft nicht durch die Stände anerkannt war. Als Adolf I. im Jahre 1564 sein Herrschaftsgebiet mit seinem Halbbruder Johann II. teilte, verweigerten die Stände diesem die Huldigung (s. d.). Johann erhielt Rang und Titel und die Einkünfte seiner Ländereien aber keine Souveränität. Die abgeteilten Herren durften keine auswärtigen Dienste unterhalten, hatten keine Finanzhoheit mit Münzrecht und durften keine Truppen unterhalten. Lediglich die Aufstellung einer Bürgerwehr war ihnen erlaubt. Johann II. gründete deshalb in Glücksburg die Friedrichsgarde (s. d.).

abkanzeln
Zu den kirchlichen Diensten gehörte es alle Verordnungen der weltlichen Obrigkeit "abzukanzeln", d. h. von der Kanzel aus öffentlich zu verlesen. Nur dadurch erlangten die Verordnungen gesetzliche Gültigkeit.

Abodriten / Abotriten
Mittelalterlicher elbslawischer Stammesverband der Westslawen auf dem Gebiet Mecklenburgs und Holsteins (siehe unter Wagrien).
798 kämpften im holsteinischen Borhöved die nordelbischen Sachsen gegen die Abodriten bei dem die Sachsen unterlagen.
Im Jahre 808 griff der König der Dänen die Abodriten an, unterwarf sie und verpflichtete sie zu hohen Steuerzahlungen.
1160 unternahm König Waldemar I. von Dänemark einen Kriegszug gegen die Abodriten unter deren Führer Niklots.

Abstimmung 1920
(auch Plebiszit genannt). Nach verlorenem 1. Weltkrieg regierte im Landesteil Schleswig (Abstimmungsgebiet) die "Internationale Kommission", die aus einem Engländer, einem Norweger, einem Schweden und einem Franzosen bestand.
Holstein wurde von Österreich und Schleswig von Preußen verwaltet.
Das Grenzgebiet (siehe auch unter Deutsch-Dänische Grenze) wurde zum Abstimmungsgebiet erklärt.
Die deutschen Behörden im Abstimmungsgebiet mussten das Land räumen und die deutschen Garnisonen mussten abrücken. Dafür besetzten französische und englische Truppen das Gebiet
Von 1919 bis 1920 gab es eine dänische Besatzung mit Polizeigewalt für Nord- und Südschleswig.
Die Abstimmung selbst geschah nicht nach allgemeinem Wahlrecht. Die erst nach dem 1. 1. 1900 im Abstimmungsgebiet ansässig gewordenen durften nicht abstimmen, weil sie nur "Zugewanderte" waren. Dagegen erhielten die in Nordschleswig geborenen aber von der Preußischen Regierung ausgewiesenen Bürger, das Stimmrecht. Diese Regelung begünstigte das Dänentum.
Die Abstimmung ob Zugehörigkeit zu Deutschland oder Dänemark erfolgte in Nordschleswig (Dänemark) und Südschleswig (Preußen).
Südschleswig wurde in zwei Zonen eingeteilt.
Zone 1 (nördlicher Teil) stimmte am 10. 2. 1920 mit 74,9 % für einen Anschluss an Dänemark.
Zone 2 (südlicher Teil incl. der Stadt Flensburg) stimmte am 14. 3. 1920 mit über 80 % für den Anschluss an Deutschland.
So kam es für Nordschleswig zum Anschluss an Dänemark und für Südschleswig zum Anschluss an Preußen.

Accidentien / Accedentcie / Akzidentien
(lat) Accidenti = etwas Zufälliges. Gelegentliche Einnahmen.
1) Gebühren für Amtshandlungen; z.B. an den Pastor für Taufen, Konfirmationen, Beerdigungen usw.
2) zufällige Einkünfte, Nebeneinnahmen des Pastors.

Achter de Hacken
(siehe unter Notdurft)

Achterdöör / Blangdöör
Hintertür eines Hauses durch die ein Verstorbener mit den Füßen zuerst hinausgetragen wurde. Dies geschah auch durch die Blangdöör (Seitentür zum Hof) aber niemals durch die Lohtür (Vordertür).

Achtmänner / Achtmann
Erweiterter Kirchenvorstand. Bevollmächtigte in der Kirche und der Gemeinde. Aufgabe der Achtmänner war es u. a. für die Armenkasse die Beiträge zu kassieren und zu verwalten und allgemein für Ordnung in der Kirchgemeinde zu sorgen. Das brachte ihnen oft den Unmut der Dorfbewohner ein. Darum war es ein häufig nicht gern übernommenes Amt.
Siehe unter Kirchspielsmänner und Loskauf.

Acht und Bann
Siehe unter Friedlosigkeit.

Achtundvierziger
In Deutschland die Bezeichung für die Teilnehmer an der Märzrevolution 1848/49.

actum
(lat.) geschehen, verhandelt.

Adel
Der deutsche Adelsstand setzte sich folgendermaßen zusammen: Herr - Edler / Edelherr - Ritter - Freiherr - Graf - Burggraf.
Im Landesteil Schleswig bestand der Adel des 14. bis 15. Jh. fast ausschließlich aus eingewandertem holsteinischem Adel. Im Jahre 1450 waren es ausschließlich Mitglieder in Holstein ansässiger Adliger. Dieses war eine Folge der Auseinandersetzungen der holsteinischen Schauenburger Grafen mit dem dänischen König. Infolge Verpfändung an die holssteinischen Grafen gelangte das Niemandsland zwischen Schlei und Eider im 13. Jh. in den Besitz der Schauenburger.
Vor der Einwanderung des holsteinischen Adels bestand der schleswigsche Adel des Mittelalters aus den Herremannen (s. d.). Diese waren Gemeinfreie, die sich dem König mit Mann und Pferd für den Kriegsdienst zur Verfügung stellten und dafür mit Abgabenfreiheit und Grundbesitz belohnt wurden. Die Abgrenzung zu freien Bauern war gering. Ihre Güter (s. u. Edelhof) hatten oft nur die Größe von zwei Hufen (s. d.). Erst im Laufe der Zeit erreichten sie durch bessere Einkünfte und Vorrechte eine Vorzugsstellung ein. Mit Einwanderung des holsteinischen Adels wurden sie verdrängt.
Nach Einführung des Schwarzpulvers (Schießpulvers) für Handfeuerwaffen im 16. Jh. änderte sich die Kriegsführung. Das Waffenhandwerk der Ritter verlor an Bedeutung und es kamen die Landsknechtheere mit Vorderladern. Außerdem versuchten die Landesherren die Macht des Adels einzuschränken. Der Adel wandte sich daraufhin mit Beginn des 17. Jh. verstärkt der Landbewirtschaftung z und häufte nun Ländereien an und es kam zum Niederlegen der Höfe, indem die Festebauern vertrieben wurden bzw. wurden ihnen Dienste auferlegt und sie zu abhängigen Untergehörigen der Güter.
Verheerende Kriege, Plünderungen, Viehseuchen und Missernten die den Bauern das Leben im 17. Jh. erschwerten und sie von Haus und Hof vertrieben, mehrten die Besitzungen der adeligen Güter.
Viele Adelige gaben sich m leichten Leben, der Schwelgerei und der Jagd hin.

Adjunkt
Amtsgehilfe.

Administrator
(vom lat. administrare = verwalten).
1) in der evang. Kirche Herrscher über protestantische geistliche Fürstentümer in der frühen Neuzeit.
2) Vertreter oder Vormund eines minderjährigen Herrschers.
3) Leiter eines größeren land- oder forstwirtschaftlichen Betriebes.

Ahnenschwund
Jeder hat zwei Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern usw. Jede Generation verdoppelt sich die Zahl der Ahnen. Zurück bis zur Zeit Karls des Großen beträgt die Zahl der Ahnen einer Person mehrere Milliarden, obwohl die Weltbevölkerung nur einige Millionen betrug. Des Rätsels Lösung liegt im Ahnenschwund.
Hat wirklich jeder acht Urgroßeltern? Heiratet einer seine Cousine, haben die Kinder aus dieser Ehe statt der acht nur sechs Urgroßeltern. Heiraten zwei Brüder zwei Schwestern einer anderen Familie, so hat der Proband nur 10 statt 16 Urgroßeltern und eine Generation später nur 20 statt der 32 in dieser Generation. Auch wenn verw. Schwiegerväter ihre verw. Schiegertöchter heirateten (gar nicht so selten) trat dieser Effekt ein, was auch auf Beziehungen von Onkel und Nichten zutraf.
Je weiter zurück, desto größer ist der Ahnenschwund.

Ärztliche Versorgung auf dem Lande
Vor 1800 gab es auf dem Land kaum akademische Ärzte, in Angeln überhaupt keine. Es gab sie nur an herrschaftlichen Höfen und in den Städten. 1529 gab es am gottorfschen Hof insgesamt 20 Hof- und Leibärzte, während es in der Stadt Schleswig keine Ärzte gab. So sah es auch in Flensburg aus. Die Lage besserte sich, als 1760 für Schleswig ein Amtsphysikus eingesetzt wurde, der unendgeldlich auch die Armen zu versorgen hatte. Sein Jahresgehalt betrug 80 Rthlr. von denen er nicht leben konnte.
Seit 1757 wurden Physikate eingerichtet. Es gab sie außerdem in Flensburg (von Apenrade bis zur Eider), Hardersleben, Tondern, Eiderstedt und Fehmarn. Der Stadt- und Landphysikus hatte die Aufgabe Ärzte, Apotheker (s.d.), Wundärzte, Chirurgen und Hebammen (s.d.) zu überwachen.
Studierte Ärzte konzentrierten sich auf innere Krankheiten und lehnten damals die Arbeit mit Messer und Schere ab. Das war nicht standesgemäß und wurde von Chirurgen erledigt (Siehe unter Bader und Gliedsetzer).
Ab 1800 gab es Ärzte in Flensburg, Kappeln und Schleswig. Stellt man sich die damaligen Transport- und Wegeverhältnisse vor, so war ein Besuch bei ihnen fast unmöglich und auch der Arzt kam nicht zu den Kranken. Auch fehlte das Geld für das ärztliche Honorar. So suchte die Landbevölkerung auch weiterhin Hilfe bei Heilkundigen wie Babieren (s.d.) und Gliedsetzern (s.d.). In den Städten tauchten immer wieder laut für sich werbende Scharlatane wie Steinschneider, Wundärzte und Quacksalber auf. Ihre Medizin waren Aal- oder Schlangenhaut, Krötenstücke, Friedhofsgras, Rabenfedern, Eidechsen und Jungfrauenblut.
1817 gab es 73 Ärzte im ganzen Herzogtum Schleswig.
Die häufigsten im 18. und 19. Jh. zum Tode führenden Krankheiten waren das Kindbettfieber (s.d), das "hitzige Fieber" (Typhus) (s.d.) , Schwindsucht s. d. (Tuberkulose) und die Blattern s.d. (Pocken).
1920 praktizieren in Angeln fünfzehn Ärzte; je 3 in Kappeln und Glücksburg, je 1 in Brunsholm, Gelting, Quern, Satrup, Sörup, Steinfeld, Süderbrarup, Taarstedt und Ülsby.
Siehe auch unter Apotheke, Bader, Feldscher, Hebamme, Physikus)

Afterkind
1) Enkelkind.
2) Kind aus zweiter Ehe.
3) uneheliches Kind.

Agent
Dänischer Titel. Entsprach etwa dem späteren Kommerzienrat.

Agnation
Blutsverwandtschaft in männlicher Linie im Gegensatz zur Kognation (s. d.) = Blutsverwandtschaft in weiblicher Linie.

Agnatus
1) (lat.) Blutsverwandter im Mannesstamm.
2) (medizinisch) bereits von Geburt an vorhandene Krankheit.

Agnition
(lat.) Anerkennung von Rechtsverhältnissen oder Tatsachen.

Agnomen
(lat.) Beiname. Zusatzname zur genaueren Bezeichnung einer Person. (Hans vom Berge, Hans der Müller, Hans der Lahme)

agricola
(lat.) oft eine humanistische Lateinisierung von Bauer. Findet sich häufig in alten Familiennamen wieder.

Aktuar
(vom lat. actuarius = Schnellschreiber). Öffentlicher Schreiber, Amtsschreiber, Protokollant bei Gericht.

Akkusationsprozess
Ein Prozess der nur auf Grund einer Anzeige aus der Familie oder von Nachbarn durchgeführt wurde. Das war bei fast allen mittelalterlichen Prozessen (Hexenprozesse s.d.) der Fall.
Das Gegenteil des Akkusationsprozesses war der Inquisitationsprozess (Ermittlungsgrundsatz des Strafgerichts ohne Bindung an die Verfahrensbeteiligten).

Akzise
Zollabgabe. Z. B. der Sundzoll (s. d.)

Alkoven
Schlafschrank auch Butze. Schrankbett in Bauernhäusern. Meistens in der Döns (s. d.)
Alkoven waren allgemein etwa 1 m breit, 2,50 m hoch und 1,70 m lang. Sie wurden mit Holzluken oder Vorhängen geschlossen. Sie waren schwer zu lüften und meistens etwas feucht. Oft wurde ein Alkoven von mehreren Personen benutzt. Geschlafen wurde allgemein im sitzen.

Alliance
Heirat, Ehe.

Allig
Alter nordischer Name für Raseneisenstein (s. d.) oder Wiesen- erz.

Allmende
Allmannsgrund. Gemeindeflächen, die gemeinsam bewirtschaftet (z. B. beweidet) wurden oder unkultiviert blieben und dem Dorf gehörten.
Die Allmende war die gemeinschaftliche Nutzung von Weiden. Die gemeinsame Nutzung von Äckern war die Feldgemeinschaft (s. d.).
Zur Allmende gehörten nicht nur Weiden sondern auch Moor zur gemeinsamen Torfgewinnung, Heide zu Gewinnung von Heideplacken und Buschland zur Versorgung mit Holz zum Heizen.
Im frühen Mittelalter legte man außerhalb des Zaunes Felder an. Für deren Bewachung wurden "Allemann = Alle Mann" benötigt; daher die Bezeichnung Allmenden für die Flächen außerhalb des Dorfes, die Allen gemeinsam gehörten.
Für die Beweidung der Allmende stellte die Dorfgemeinschaft einen Dorfhirten ein. Vom Viehsammelplatz im Dorf, der Forta (s. d.) zur Allmende waren Breite und Einzäunung von Viehtriften durch das Ackerland vorgeschrieben.
Siehe auch unter Kuhlücke.

Allmissen / Almissen
Kirchliche Stiftungen.

Allod / Allodium / Allodialgut
Mittelalterliche bis frühneuzeitliche Bezeichnung für Landbesitz über das der Eigentümer frei verfügen konnte. Das Allodium (Freigut) war von allen Lasten frei und konnte auch vererbt werden. Der Besitz eines Alodiums war nicht an Pflichten und Leistungen gegenüber anderen Personen gebunden.

Alsen
Siebgrößte Dänische Ostseeinsel in Südjütland (s. d.) die vom Kleinen Belt im Osten, dem Alsensund im Westen und der Flensburger Förde im Süden umschlossen wird. Geschichtlich gehörte sie nicht zum Bistum Schleswig, sondern zum Bistum Odense. Gegen Ende des 12. Jh. wurde Alsen ein Teil des Herzogtums Schleswig und geriet unter die Herrschaft der Schauenburger. Zentrum sind die an den Enden der Insel gelegenen Burgen Norburg und Sonderburg (s. d.). Bei den Landesteilungen 1490, 1523 und 1544 blieb Alsen beim Königlichen Teil.
Um 1580 kaufte Herzog Johann der Jüngere sämtliche Adelsgüter auf der Insel auf und ließ alle Bauernstellen niederlegen. Nach seinem Tod 1622 wurden sie auf seine Söhne aufgeteilt.
Alsen wurde im Laufe seiner Geschichte von vielen Kriegen und Geplänkeln heimgesucht und die Besitzverhältnisse verschoben sich ständig.
(Ein ausführlicher geschichtlicher, geographischer und heimatkundlicher Beitrag über Alsen findet sich im Jahrbuch des Angler Heimatvereins 1969, Seite 176 - 198 "Auf der Insel Alsen")

Altarbuße / Kanzelbuße
Eine kirchliche Strafe die noch ein Grad höher war als die Kirchenbuße (s. d.). Die Altarbuße führte zu einem Ausschluß des Bestraften und seiner Familie von sämtlichen kirchlichen Handlungen und Gnadenmitteln. Starb ein so Geächteter, wurde er wie ein Selbstmörder an der Kirchhofmauer verscharrt.
Am 30. 10. 1767 wurden die Kirchenbuße und die Altarbuße aufgehoben, weil sie nur noch wenig Wirkung zeigten.

Altenteiler
auch Altsitzer, Ausnehmer, Bauer im Ausgedinge, nach Übergabe des Anwesens an den Sohn, Nutznießer des Altenteils.

Altflicker
Beruf: Einer der alles flickt. Vor allem Schuhe.

Alumnen
(Alumneum, lat. "alumnus". Zögling, Pflegling, Sohn)
1) Schüler an Klosterschulen
2) Bewohner von Hospizen, Armen-, Alten- und Arbeitshäusern.

alumnus
(lat.) Pflegesohn (-tochter) auch Zögling, Student.

Amidam / Amedam /Amdam
Aus Getreide gewonnene Stärke (Kraftmehl, Stärkemehl, Kleister). 1735 wurde in Flensburg eine Amidam-Fabrik gebaut. 96.000 Pfund Amidam wurden 1824 aus Flensburg nach Amerika ausgeführt.

Amtmann und Ämter
Den Harden (s. d.) übergeordnet waren die Syssel (s. d.). Sydjütland hatte drei Syssel. Diese erlangten als Verwaltungs- und Gerichtsbezirke aber kaum eine Bedeutung. Zur wichtigsten Aufsichtsbehörde über die Lokalverwaltung und die Rechtssprechung und Finanzwirtschaft entwickelten sich die Ämter. Das Amt Flensburg umfasste die Nordhälfte Angelns, das Amt Gottorf die südliche Hälfte. An ihrer Spitze stand ein Amtmann, der zu den gut bezahlten Oberbeamten gehörte. Im Wesentlichen hatten sie repräsentative Aufgaben zu erfüllen. Im Thing (s. d.) hatten sie im Unterschied zu den Hardesvögten kein Stimmrecht. Im Mittelalter stammten die Amtmänner ausschließlich aus Adeligen.

Amtssprache 1830 im Herzogtum Schleswig
Duchschnttsbürger - oft ohnehin nicht sehr schriftkundig - bekamen absolut unverständliche Amtsschreiben. Eine Vorladung des Oberkonsistoriums auf Gottorf hatte 1830 folgenden Wortlaut:
"in puncto praet proissi et copula carnali confirmati, hinc consummandi matrimonii tunc pro-et reprobationis ppliter, nunc justificationis appellationis contra sententiam des Gottorfer Consistorii vom 7ten Juni 1830".
Kein Bürger konnte damit etwas anfangen und musste sich das Schreiben teuer übersetzen lassen. Das war auch notwendig, denn folgte der Bürger nicht, so hatte er harte Strafen zu befürchten.

ancilla
(lat.) Magd, Dienerin

Anerbenrecht
Ein in Norddeutschland seit der Frühzeit bestehendes landwirtschaftliches Erbrecht bei dem der Hof immer nur entweder nach dem jeweiligen kommunalen Jüngsten- oder Ältestenrecht an einen einzigen Erben vererbt werden durfte. Hervorgegangen war dieses Recht vom alten römischen und germanischen Familienrecht des Fideikommiss (s. d.).
Abgelöst wurde es durch die Höfeordnung, die 1933 durch das Reichserbhofgesetz der Nationalsozialisten ersetzt wurde und erst 1947 wieder durch eine neue modifizierte Höfeordnung ersetzt wurde. Das Anerbenrecht führte in Norddeutschland dazu, dass die Höfe in ihrer Größe und Lage erhalten blieben und daher auch bei späterer Mechanisierung gut bearbeitet werden konnten.
Gegenstück zum Anerbenrecht war das in Süddeutschland praktizierte Realteilungsrecht bei dem jeder Erbberechtigte gleichgroße Flächen erhielt. Das führte im Laufe der Jahrhunderte zu einer Zersplitterung und Minimierung landwirtschaftlicher Parzellen (Äcker und Wiesen), die kaum noch maschinell zu bearbeiten waren. Erst durch das Flurbereinigungsgesetz von 1953 wurden in langjährigen mühevollen Verfahren die Flächen wieder zu bewirtschaftbaren rentablen Größen zusammengelegt.

Angelboweg
Alter Handelsweg der Bewohner Angelns. Angeliter Bauern nutzten ihn um an der Westküste Friesensalz (s. d.) zu kaufen. In weiten Teilen führte er durchs Treenetal.

Angeln
Im Norden Schleswig-Holsteins zwischen Flensburger Förde und der Schlei gelegene Region. Im Westen wurde Angeln durch die Heerstraße (Ochsenweg s. d.) und im Osten durch die Ostsee begrenzt. Angeln stellte in keiner Zeit eine politische Einheit dar.
Angeln gehörte bis um 1400 mit seinen Harden zum Idstedtsyssel. Danach wurden die Syssel durch Ämter ersetzt. Angeln gehörte verwaltungsmäßig zwei Ämtern an; der Norden zum Amt Flensburg, der Süden zum Amt Gottorf.
Die Uggel-, Nie-, Husby- und die Munkbrarupharde mit Glücksburg gehörten zum Amt Flensburg.
Die Struxdorf, - Satrup-, Mohrkirch- und Schlies- und Füsingharde gehören zum Amt Gootorf.
Außer den beiden Ämtern gab es in Angeln noch zwei weitere Verwaltungsbezirke, den I. Angler Güterdistrikt der 26 Güter umfasste und einem Distriktdeputierten unterstand sowie das Klostergebiet St. Johannis bei Schleswig, das ein Propst verwaltete.
Auch der St. Marienkirche in Flensburg gehörende Ländereien in Adelby, Rüllschau, Hürup und Husby gehörten nicht zu Angeln. Insgesamt kam man in Angeln auf 44 verschiedene Unterstellungen bzw. Gerichtsbarkeiten. Verwaltungsmäßig glich Angeln einem Flickenteppich.
Mancher Bauer in Angeln hatte mit 2 - 3 Obrigkeiten zu tun, die jede andere Abgaben von ihm forderten.
Ab 1867 war Angeln eine preußische Provinz.

Angler / Angelner / Angliter / Angeliter / Angelbo
Der Streit um die richtige Bezeichnung der Einwohner Angelns ist bis zum heutigen Tage nicht geklärt.
Westgermanisches Volk aus dem Landstrich Angeln im Norden von Schleswig-Holstein zwischen der Flensburger Förde und der Eider.
Erste Besiedler waren Renntier- und Elchjäger um 10.000 vor Chr.. Eigentlicher Beginn der Besiedelung um 3500 bis 1500 v. Chr.
Bis ins 14. Jh. setzt sich die Besiedelung überwiegend aus Jütland fort.
Angler zogen schon vor 1500 Jahren zusammen mit den Sachsen nach England. Trotzdem blieb der Name lange erhalten, bis er sich zur Unterscheidung vom Sportfischer dem Angler, und hier gezüchteter Tierrassen die man auch Angler nante zu unterscheiden in Angelner geändert. Im vorrigen Jahrhundert war daher der Name Angliter oder Angeliter am gebräuchlichsten. Angeliter gilt als eine Abweichung von Angler aus dem Grichieschen. Der Begriffswandel vom Angler zum Angeliter fiel um 1871 mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und einem wachsenden Selbstwertgefühl zusammen. Es heißt aber auch, dass das Wort Angeliter schon vor sehr langer Zeit von den Schwansenern (s. d.) als Schmähbezeichung für die ärmeren Leute aus
Angeln gebraucht wurde.
Alle vier genannten Bezeichungen gelten immer noch und keine ist amtlich als die Richtige benannt worden.
Die dänische Bezeichnung für die Bewohner Angelns ist Angelbo (bo = wohnen = Bewohner Angelns).

Angler Muck
Herkömmliches alkoholisches bis auf den heutigen Tag gebräuchliches angeliter Mischgetränk, das auf keinem Fest fehlt. Die Angeliter mixen ihn nach dem Motto: "Rum muss, Wasser kann, Zucker braucht nicht." Vom Flüssigen nimmt man jeweils die Hälfte. Dazu kam etwas Zitronensaft der ihn vom Grog unterscheidet. Angler Muck wurde heiß in großen Kannen (Angler Muck-Pott) gebracht, auf einem Stövchen warmgehalten und aus Gläsern warm getrunken.
Kalter Angler Muck besteht aus Zitronenlimonade und Korn im Verhältnis 3 : 1.

Ansgar
Apostel des Nordens der als erster versuchte Skandinavien und den Norden zu christianisieren. Er lebte von 801 bis 865 n. Chr. und war Bischof von Hamburg-Bremen. Er war ein Benediktiner-Schüler.
In Birka, einem wichtigen Wikinger Handelsplatz westlich von Stockholm entstand um 830 n. Chr. die erste christliche Kirche in Skandinavien.
Ansgar leitete bis in seine letzten Lebensjahre hinein von Bremen aus das Missionswesen der Nordländer, vollendete in Bremen eine Steinkirche und gründete drei Klöster.

ante nuptiae copula
(lat.) vor der Hochzeit. Wurde ein Kind vor Ablauf von neun Monaten ab der Hochzeit geboren, hatten die Eltern schwere Kirchstrafen zu erwarten.

Antoniterorden
Mönchsorden gegründet 1095 in Frankreich, der ab 1379 bis 1544 als "Bruderschaft zur Pflege von Kranken" das Kloster in Mohrkirchen betrieb. Das Kloster Mohrkirch war ein Tochterkloster zum Antoniterkloster Tempsin. Schutzpatron des Ordens war der Heilige Antonius. Das T im Wappen der Gemeinde Mohrkirch ist das Symbol einer Krücke.

Antoniusfeuer
Auch "heiliges Feuer". Pilzvergiftung durch Mutterkorn im Getreide. 1718 sehr stark in Ulstrup und Umgebung. Viele Tote und Kranke. (siehe auch unter Kriebelkrankheit)

Apenrade / Abenra / Aabenraa
Dänische Ostseehafenstadt in Nordschleswig. Gegründet wurde die Stadt 1335, vielleicht sogar schon 1284. Apenrade stand als Handelsstadt lange im Schatten Flensburgs (s. d.) und Harderslebens (s. d.).
Nach den Landesteilungen (s. d.) 1490, 1544 und 1581 gehörte Apenrade mit seinem Umland bis 1713/21 immer zum Herrschaftsgebiet des Gottorfer Herzogs.
Im 17. Jh. hatte Apenrade schwer unter Kriegen zu leiden.
Mit dem Aufkommen größerer Schiffe war die Breite der Förde gegenüber Flensburg ein entscheidender Standortvorteil für Apenrade und gegen Mitte des 19. Jh. hatte Apenrade fast die Bedeutung Flensburgs erreicht.
Ab 1864 gehörte Apenrade zu Preußen und ab 1871 zum Deutschen Reich. 1920 bei der Volksabstimmung stimmten 55 % der Apenrader für die weitere Zugehörigkeit zu Deutschland. Da aber das Gesamtergebnis aller Einwohner der Zone I zählte, kam Apenrade zu Dänemark.

Apotheken
Erste apothekenähnliche Einrichtungen waren Feldapotheken zur Versorgung der Krieger und Söldner. Daraus entwickelten sich Hofapotheken für die Regenten und den Hofstaat. Sie verfügten über Verbandstoffe, Pflaster, sogenannte Gegengifte, Salben und Essenzen.
1232 gab es von Kaiser Friedrich II. das erste Medizinaledikt.
Die älteste Apotheke Deutschlands entstand 1241 in Trier. 1241 erließ der Staufenkaiser Friedrich II. eine Medizinalverordnung, die eine Trennung des Berufs des Arztes vom Apotheker vorschrieb.
1674 bestätigte eine landesherrschaftliche Deklaration, dass keine Monopolia für Apotheken eingeführt werden sollten und Quacksalber, Landläufer, reducierte Soldaten u. ä. auch weiterhin nach Prüfung die Erlaubnis erhalten sollten, ihre Wasser und Essenzen zu verkaufen.
Im Herzogtum Schleswig und in Nordfriesland entstanden um .... nachfolgende Apotheken:
1517 in Schleswig; 1568 in Itzehoe; 1598 in Tönning; 1603 in Flensburg, 1613 in Husum; 1640 in Bredstedt; 1656 Schwanenapotheke in Husum; 1659 in Schleswig; 1695 Löwenapotheke in Husum; 1698 Friedrichsberger Apotheke in Schleswig; 1715 Löwenapotheke in Flensburg; 1738 in Garding; 1749 auf Wyk; 1767 Kirchspielapotheke für Adelby in Engelsby; 1836 in Satrup und Leck; 1840 in Groß-Quern;
Erste Hinweise auf Schiffsapotheken (Holzkästen mit Medikamenten) gab es schon aus dem 15. Jh..
1606 wurde in Lübeck eine Apothekerordnung erlassen. 1672 folgte eine Medizinal- und Apothekerordnung für den Königlichen Teil der Herzogtümer.
(Siehe auch unter Margarethenschrank)

approbieren
billigen, zulassen.

Arfbeer
Feier mit Festmahl im Trauerhause nach der Beerdigung mit oft üppigem Essen und Trinken. Es kamen bis zu 300 Personen die mehrere Tage "feierten". Auf dem Dorfe galt es was, eine Beerdigung "gut auszurichten". Häufig entstanden wilde Orgien und Besäufnisse daraus. In der Trauerverordnung von 1739 wurde es verboten.
(siehe auch unter Luxusverordnung)

Ariernachweis
In der Zeit des Nationalsozialismus (1933 - 1945) vorgeschriebener Ahnennachweis für Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes. Es musste der Nachweis erbracht wurden, dass keine jüdischen Vorfahren und auch keine Roma und Sinti in den Familien vorkamen.
In Folge verlangten auch viele Berufsverbände und Unternehmen und sogar einige Kirchen diesen Nachweis (Arierpass) von Bewerbern.
Der "Kleine Ariernachweis" verlangte die Vorlage von Geburts- und Taufurkunden der Eltern und der vier Großeltern.
Das Reichserbhofgesetz und die NSDAP verlangten von SS-Bewerbern den "Großen Ariernachweis" und den Nachweis "rein arischer" Abstammung auch für den Ehepartner bis zum Jahre 1800, für SS-Führer bis 1750 zurück.
Konnte ein Nachweis nicht geführt wurden (z.B. Findelkinder) so entschied die Reichsstelle für Sippenforschung.
Grundlage war das "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 7. April 1933.
Mit den Nürnberger Gesetzen vom 15. September 1935 erweiterte sich der Ariernachweis auf alle Bürger des Deutschen Reiches.
Unterstützt wurde das NS-Regime auch in Schleswig-Holstein durch beide Kirchen. Im Zuge der "Arier-Arbeit" richtete die Schleswig-Holsteinische Kirche Mitte der 30er Jahre in fast allen Propsteien Kirchenbuchämter ein. In den 17 Ämtern waren rund 150 Angestellte täglich mit der Recherche des Abstammungsnachweises beschäftigt.
Heute stellen die Ariernachweise eine wichtige Quelle für Ahnenforscher dar.

Arlewatthof
Nördlichster im Jahre 1735 errichteter Haubarg in Nordfriesland. Bekannt gemacht hat ihn Theodor Storm in seiner Novelle "Chronik von Grieshuus" als das "Rode Hus".
Im 13. Jh. stand an dieser Stelle ein festfundiertes herrschaftliches Schloss mit Gutsbetrieb. Besitzer war das Adelsgeschlecht Freese in deren Händen es mehrere Jahrhunderte blieb. 1534 erwarb Eler Radlow, ein holsteinischer Adeliger das Gut Arlewatt. Es folgten die Rantzows, Herzog Johann Adolf und die Ahlefeldts. Besitzerin wurde 1624 dann die Herzoginwitwe Augusta von Schleswig-Holstein und es kamen verschiedene Verwalter und Pächter. Das Gut bleibt fürstlich und geht in die Hände des dänischen Königs über.
Zu dem Besitz gehörten alles umliegende Land und alle umliegenden Höfe in den benachbarten Gemeinden. Es waren 43 Bohlstellen und darüber hinaus noch Kätner und Insten. Jeder Bohlsmann (Besitzer einer Vollstelle) musste jährlich acht Spann- und zehn Handdiensttage ableisten. Die Halbbohlbesitzer die Hälfte davon. Kätner und Insten mussten an zehn Tagen Handdienst leisten.
1772 wurdeGut Arlewatthof in etwa gleichgroße und gleichwertige Teile parzelliert und an 14 Parzellisten verkauft.

Armenbüchse / Armenkasse
Armenkasse die vor allem bei der Kirche für Arme gehalten wurde. Verwaltet wurde sie von den Achtmännern (s. d.) Jeder Landbesitzer vom Bauen bis zum Handwerker und Hausbesitzer musste eine anteilige Summe in die Armenkasse zahlen.
Die unterstützungsbedürftigen Menschen wurden jedes halbe Jahr neu verdungen. Oft, aber nicht immer war damit ein Wechsel des Aufenthaltsortes verbunden. Wer als Aufnahmefamilie die kleinste Summe forderte bekam den Armen in Kost und Logis. Besonders arme Haushalte nahmen noch Ärmere auf, um an ihnen etwas zu verdienen. Sie bekamen dafür ein paar Mark von der Armenkasse und die Armen mussten für sie arbeiten (weben, spinnen, nähen, Kühe oder Kinder hüten u. a.).

Armenfürsorge / Armenwesen /Armenrecht
Das schleswig-holsteinische Armenwesen ließ sich in vier Phasen einteilen:
1) Vor 1736 als nachbarschaftliche Nothilfe.
2) 1736 bis 1783 mit der Einrichtung lokaler Armenkassen.
3) 1783 bis 1871 als die einzelnen Armenkommunen je nach lokalen Entwicklungen unterschiedlich verwaltet wurden.
4) ab 1871 zunehmende Vereinheitlichung und Zentralisierung.

Die Armenfürsorge oblag den Kirchen, war aber schlecht organisiert. Aber auch die adeligen Gutsherren hatten für ihre Untergehörigen zu sorgen, wenn diese unverschuldet in Not gerieten (s. u. Konservation). Nach der Reformation hatte sich der Landesherr der Armen anzunehmen. Das karitative System der Kirchen sollte aber beibehalten werden. Einzelheiten zum Armenrecht waren in der Kirchenordnung von 1542 geregelt.
König Christian III. fasste als Landesherr 1551 in Flensburg die Vermögen des Heiligengeist-Hospitals, des St. Jürgens Hospitals und des Klosters zur Heiligengeiststiftung zusammen. Die Vermögen sollten der Armenfürsorge zugute kommen. Es ging dabei um die Einkünfte aus Sammlungen und Spenden und um diejenigen aus dem Klingelbeutel und dem Opferstock. Mehr tat man nicht für die Armen.
Seit 1736 wurde das Armenrecht durch Verordnungen und immer neue Regierungsentscheidungen immer komplizierter und unverständlicher.
Etwa ab 1780 verschärfte sich das Armutsproblem durch spürbaren Geburtenanstieg einerseits und weniger Todesfälle bei Seuchen und Krankheiten. Von 1800 bis 1840 wuchs Angelns Bevölkerung um rd. 50 %. Aber für die vielen Menschen fanden sich keine Arbeitsmöglichkeiten. Bettelei, Diebstahl und Kriminalität nahmen zu.
Unterstützung fand in seiner Gemeinde nur, wer dort Heimatrecht (s. d.) hatte.
Das Armutsproblem wurde zur Bettelplage. Die Obrigkeit bildete Armenkollegien die für jeden Besitzbürger einen Beitrag festsetzten, der von Armenpflegern regelmäßig eingesammelt wurde. Aber auch das brachte nicht viel und half wenig. Nun ging man den Armen gegenüber zu Drohungen über und drohte mit Festungshaft und Unterbringung in Zuchthäusern oder Abschiebung über die Landesgrenzen. Armen-, Bettler-, und Prachervögte (s. d.) wurden als niedere Beamte eingesetzt um das Bettlerunwesen zu begrenzen. Es erfolgten richtige Hetzjagden (Bettel- und Klopfjagden s. d.) nach den Armen um sie abzuschieben.
Schließlich wurde dieses so unmenschlich, das wiederum eingeschritten werden musste. Das Anrecht auf Versorgung wurde verbessert. Armen- und Arbeitshäuser (s. d.) wurden eingerichtet.
Am 23. 12. 1808 wurde es verboten jemand aus dem Armendistrikt zu vertreiben.
Am 29. Dezember 1841 wurde eine Armenverordnung für die Herzogtümer Schleswig und Holstein erlassen, die 99 Paragraphen enthielten. Eindeutig war diese Verordnung von Männern konzipiert und ließ viele Probleme von Frauen unberücksichtigt, die weiterhin häufig in Notlagen allein gelassen wurden.
1871 ging die Verantwortung für die Armenversorgung von den Kirchspielen auf die neu gegründeten Kreisbehörden und Gemeindevorsteher über.
Nach und nach verlagerte sich die Armut vom Land in die Städte und führte dort zu einem Industrieproletariat das sich aus dem vom Land abwandernden Instenproletariat bildete.
Die Reaktion Preußens war im Jahr 1883 die Einführung der Bismarckschen Sozialistengesetze und die Schaffung der Sozialversicherungen.
Siehe auch unter Bettelvogt, Bettelwesen, Heimatrecht.

Armen- und Arbeitshaus
Entwicklung in der frühen Neuzeit aus dem mittelalterlichen Hospiz und Spital. Oft war das Armenhaus gekoppelt mit einem Arbeitshaus.
Leiter eines Armen- und Arbeitshauses war der Oekonom (s. d.)
1721 und 1735 wurden in Flensburg Armenordnungen erlassen.
Schon 1736 wurde empfohlen, die ständig Almosen Begehrenden in Armenanstalten einzuweisen.
Überwiegend waren dieses Einrichtungen der Gemeinden zur Bewältigung des Armenwesens. Träger waren aber auch adlige Güter.
Aufgenommen wurden nur Arme, Alte, Sieche und Irre aus dem eigenen Kirchspiel. Sie erhielten Wohnplatz und Verpflegung für die sie soweit möglich auch arbeiten mussten.
Die Schlaf-, Wohn- und Arbeitsräume waren streng für Männer und Frauen getrennt. Ehepaare konnten sich nur außerhalb treffen. Alle waren ihrer Rechte beraubt und unterlagen einer sehr strengen Zucht und Ordnung. Ihre wöchentliche Arbeitszeit betrug im Winter 57 und im Sommer 69 Stunden. Jungen ab 8 Jahren wurden im Frühjahr zur Arbeit als Hirten an Bauern vermietet und kamen im Winter zurück ins Armen- und Arbeitshaus.
Geleitet wurden sie von einem Ökonomen. Die Regeln für Aufstehen, Hygiene, Ausgang, Ruhe usw. waren sehr streng.
Es gab getrennte Schlafräume für Männer und Frauen. So wurden nachts auch Ehepaare getrennt. Frauen schliefen in Reihen nebeneinander, Männer in Reihen übereinander. Obwohl die meisten Bewohner Kinder waren gab es keine Kinderräume. Größere Knaben schliefen bei den Männern und Mädchen bei den Frauen.
Die Kinder wurden nicht von den Eltern, sondern vom Oekonomen und Aufsehern erzogen. Die Armenhäusler (alle) unterstanden der Vormundschaft des Oekonomen und waren fast aller bürgerlichen Rechte beraubt.
Viele Armen- und Arbeitshäuser hatten eine Krankenstube, eine Totenkammer und ein Gefängnis innerhalb ihrer Mauern.
Arbeiten waren: Matten- und Binsenflechten, Herstellung von Pechdraht, Nähen von Schuhen, Korb- und Pantoffelmachen, Stricken (auch für Männer), landw. Arbeiten.
1765 entstand in Flensburg eine Armenarbeitsanstalt.
1795 kam es zu einem Hungeraufruhr in Flensburg.
1843 z. B. lebten in den Armenhäusern in Sörup 36, in Havetoft 27 (davon 18 Kinder), in Boren 23 und in Satrup 15 Insassen.
Ende des 18. Jh. leerten sich die Armen- und Arbeitshäuser. Ab 1870 wanderten viele Arme aus. Sterup und Esgrus bauten 1879 noch ein letztes Armenhaus. Bald gingen die Häuser aus mangelnder Belegung und aus wirtschaftlichen Gründen ein.

Armenvogt
Siehe unter Bettlervogt.

Arnbeer
Wörtlich Erntebier. Gebräuchlich aber auch für Erntefest. Es gehörte zu den wenigen gebräuchlichen Dorffesten und war der Lohn für wochenlanges Handmähen mit der Sense, Binden der Garben und Aufstellen zu Hocken. Bei schlechtem nassem Wetter musste mehrmals umgehockt werden. Auch das Aufstaken der Garben mit der Forke auf den Erntewagen gehörte zu den körperlich schweren Arbeiten in der Erntezeit die durch das Arnbeer belohnt wurden.
(siehe auch unter Fockbier)

Arnis
Kleinste Stadt Deutschlands an der Schlei.
1667 versuchte Detlef von Ruhmohr, die Bürger der zum Gut Roest (s. d.) gehörigen Stadt Kappeln zu zwingen, ihm den Untertanen-Eid abzulegen, woraufhin viele sich verweigerten und auf ihr zugestandenes Freiheitsrecht pochten. 64 Familien verließen die Stadt und auf einer Landzunge in der Schlei Arnis gründeten sie eine neue, nicht mehr dem Gebiet Roest unterliegende Stadt, erhielten Fleckenrecht und waren frei.
Bei ihrer Ankunft fanden sie ein wüstes Land ohne Straße und ohne Haus vor. Ackerflächen mussten erst durch Rodungen geschaffen wurden. Was sie zum Hausbau brauchten, mussten sie mit Kähnen auf die Insel fahren.
Am 11. Mai 1667 leisteten 65 Mann dem Herzog den Homogialeid (s. d.) Der Herr von Roest Detlef von Rumohr aber ließ am nächsten Tag die Häuser der Wegziehenden in Kappeln öffentlich von der Kanzel als verlaufenes Gut ausbieten. Das bedeutete, dass den Wegziehenden nichts von ihrem einstigen Besitz mehr gehörte und ihre Häuser verkauft wurden. Der Erlös ging an das Gut Roest.

Aszendent
Ahn, Vorfahr in aufsteigender Linie.

Aszentorium
Ahnenfolge, Vorfahrenreihe.

Atlantis
Mythisches Inselreich, das erstmalig von dem griechischen Philosophen Platon (427 - 347 n. Chr.) beschrieben wurde. Seiner Meinung nach war es eine Seemacht die von ihrer Hauptinsel aus große Teile Europas und Asiens unterworfen hatte. Nach einem gescheiterten Angriff auf Athen wäre Atlantis schließlich um 9600 v. Chr. in Folge einer Naturkatastrophe innerhalb eines einzigen Tages und einer unglückseligen Nacht untergegangen. Soweit Platon.
Schon in der Antike diskutierte man eine mögliche Existenz von Atlantis. Viele Theorien wurden entwickelt und verworfen. Es geriet in Vergessenheit und wurde in der Renaissance wiederentdeckt.
Alfred Rosenberg vertrat die Theorie, dass Atlantik sich einst im Nordseeraum befunden habe und vielleicht sogar dem sagenhaften Thule entsprochen habe. Die Nazis griffen diese Theorie begeistert auf und vertraten die Ansicht, dass Atlantis der Ursprung der nordischen bzw. arischen Rasse gewesen sei.
Pastor Jürgen Spanuth * 5. 9. 1907, der an der nordfriesischen Küste als Pastor tätig war und auch einige Semester Archäologie studiert hatte, griff diese Thesen in der Nachkriegszeit auf und behauptete die Atlanter seien den "Protogermanen" gleichzusetzen.
Spanuth entwickelte die Idee, Atlantis habe in der Nordsee in der Nähe des heutigen Helgolands gelegen und sei als politisches und religiöses Zentrum der Nordischen Bronzezeit anzusehen. Nach Spanuth war Atlantis durch den Einschlag eines Kometen sowie dem dadurch ausgelösten Ausbruch des Santorin-Vulkans untergegangen. Diese Katastrophe soll um 1250 v. Chr. stattgefunden haben. Er widerlegt damit die Datierung Platons, der den Untergang 9000 v. Chr. sieht. Spanuth erklärt dieses mit falscher Zeitrechnung. Die Priester hätten von 9000 Jahren gesprochen, hätten aber 9000 Mondumläufe gemeint, die etwa 673 Sonnenjahren entsprechen was etwa 1230 v. Chr. entspricht.
Nach Spanuth zwangen die Folgen der Katastrophe (Überflutungen, Dürre und Brände) die überlebenden Atlanter (= Germanen) nach Süden zu ziehen und ihrerseits einen Streifen der Verwüstung bis Athen zu hinterlassen. Er behauptet Germanen seien die sog. Seevölker gewesen, die um 1200 v. Chr. Ägypten angriffen.
Platon spricht von Oreichalkos, einem natürlich vorkommenden aus dem Boden und Meer kommenden Stoff der Atlanter, der damals den höchsten Wert nebst dem Golde hatte und die Atlanter unermesslich reich machte. Laut Spanuth war damit der Bernstein gemeint, der tatsächlich neben dem Gold am höchsten geschätzt wurde. Der im Altertum bis nach Ägypten verbreitete Bernstein wurde in der Nord- und Ostsee gewonnen. Er war damals so reichlich, dass man ihn im Nordseeraum als Heizmaterial verwendete.

Aufwärter
Beruf / Tätigkeit: Lohndiener, einer der zur Hand geht und Ordnung hält.

Aufsitzer/in
Besonders auf Sylt bekannte Sitte des Aufsitzens. Beim Aufsitzer handelt sich um einen Gast, der sich selbst bei Nachbarn einlud. "Wollt ihr einen Aufsitzer?", fragte er/sie, wenn die Tür geöffnet wurde und wurde immer zum Kartenspiel (bei Männern) oder zur Handarbeit (bei Frauen) hereingebeten. Bewirtet wurde er/sie mit Tee. Den beiliegenden Kandiszucker rührte ein Aufsitzer nicht an weil das nicht gesittet gewesen wäre, da dieser zu kostbar war.

Aushäuerung
Verpachtung von Ländereien.

Ausheimische
Bezeichnung für zugereiste Kolonisten im Gegensatz zu den Einheimischen.

Aussätzige
Meist Leprakranke, die von der schlimmen Krankheit Aussatz befallen waren. Durch Kreuzzüge wurde der Aussatz ins Abendland eingeschleppt. Aussatz war als biblische Krankheit nicht klar abgegrenzt und wurde auch für Hautkrankheiten verwendet.
Aussätzige wie auch Pestkranke mussten mit einer Rassel, Klapper oder Knarre auf sich und ihre Ansteckungsgefahr aufmerksam machen und Herannahende vor sich warnen.

Ausspann / Utspann
An den Ochsen- und Heerwegen und den Straßenverbindungen von Städten gelegene Gasthäuser in denen die Pferde gewechselt (aus- und eingespannt) werden konnten und die Reisenden selbst von anstrengender Fahrt ausspannten, sich erholten, erfrischten, Essen und Trinken und übernachten konnten.

Austernfischrei in der Nordsee
Die nordfriesische Chronik erzählt, dass die Auster im Jahr 1020 durch den damaligen Komutus Magnus in die nordischen Gewässer eingewandert war. Sie hatte sich im Laufe der Jahrhunderte riesenhaft vermehrt und verbreitet. Seit 1587 wurden die Austernbänke wirtschaftlich genutzt. Sie wurden von dem Landesherrn gegen ein landesfürstliches Regal an Private verpachtet. Anno 1746 betrug die Pacht für die Austernbänke 2000 Taler in Kronen und stieg über 3.820 plus Deputat und Zollgebühr auf 7505 Taler plus jährlich 80 Fässer Deputataustern an den Hof von Kopenhagen.
Die Austern wurden in 1000 Stück fassende Fässer gefüllt.
1819 pachtete der Kaufmann L. Göttig aus Flensburg die Bänke und bot für eine Pachtdauer von 20 Jahren jährlich 16.664 Taler. Es setzte in den Bänken um Röm und Fanö ein regelrechter Raubbau ein.
Die Fischerflotte bestand in der Regel aus 22 - 23 Fahrzeugen, wovon Sylt mit 10 und Amrum mit 12 - 13 beteiligt waren.
Die "Skraapers" (Austernfischer) erhielten drei Taler für jedes Fass gefischter, gesäuberter und verpackter Ware.
Auf Sylt hatten fast 30 Fischerfamilien ihren ständigen Erwerb aus der Austernfischerei.
1864 fielen die Austernbänke um Sylt an Preußen und wurden verpachtet.
Jedes Jahr im September fuhr die "Schraberflotte" hinaus.
1910 befanden sich noch 8 - 10 Sylter Kutter auf Austernfang.
Raubbau machte schließlich dem erwerbsmäßigen Fang ein Ende.

Auswanderer / Auswanderung
Man findet im Norden im 19. Jh. kaum eine Familie in der nicht mindestens eine Person ausgewandert war. Sehr viele Schleswig-Holsteiner und Dänen verließen ihre Heimat und gingen nach Übersee. Über 90 % zog es in die Vereinigten Staaten von Amerika. Die übrigen verteilten sich auf Südamerika, Australien, Afrika und auch Asien.
Gründe dafür waren Armut, Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Krisen, politische Unruhen und auch speziell in Nordschleswig die Ablehnung der "Preußen-Herrschaft".
Eine schwere wirtschaftliche Krise in Dänemark zu Beginn des 19. Jh. wirkte sich auf die Herzogtümer Schleswig und Holstein aus. So nahm vor allem in den 1840er Jahren die Auswanderung zu. Verstärkt wurde diese durch Goldfunde in Amerika und den dadurch ausgelösten Goldrausch.
1841 - 1850 begann die große Auswanderungswelle aus Angeln und entsprach einer Massenbewegung. Es waren aber nicht nur Auswanderungen nach Übersee sondern auch nach Friesland, Alsen, Mark Brandenburg und Berlin.
Viele Auswanderer meldeten sich gruppenweise wie zum Beispiel die Walfänger von Föhr zur Auswanderung, die es gewohnt waren sich in Gruppen zum Walfang zu melden. Das führte in einem Jahr zu starken Bevölkerungsverlusten auf der Insel.
Die zweite große Welle folgte auf die Niederschlagung der Erhebung (s. d.) der Schleswig-Holsteiner im Jahr 1851. Besonders viele Handwerker und Bauern verließen mit ihren Familien die Heimat. Den Hauptanteil stellten die Bauern, wozu hauptsächlich auch die 2. und 3. Söhne als weichende Erben gehörten. Ein Viertel waren Seeleute die sich nicht von der Segelschifffahrt auf die Dampfschifffahrt umstellen wollten.
In der 2. Hälfte des 19. Jh. nahm die Auswanderung von jungen allein stehenden Menschen zwischen 15 und 35 Jahren zu. Dieses stand in Zusammenhang mit der 1867 eingeführten Wehrpflicht in Schleswig-Holstein. 1866 reisten im Monat Oktober ca. 5000 Eiderstedter über Hamburg aus. Die Höhepunkte lagen 1872/73 und zwischen 1881 und 1885. Der überwiegende Anteil stammte aus ländlichen Gebieten. Das traf im Norden vor allem auf die Inseln Föhr, Amrum und Langeland, auf Nordfriesland und Nordschleswig zu.
In den ersten Jahren preußischer Regierung wanderten zwischen 1868 und 1910 um die 40.000 Menschen aus, weil sie die neue preußische Regierung ablehnten. Auch die neue Grenzziehung, zwischen Dänemark und Deutschland die Absatzmärkte und Arbeitsplätze abschnitt spielte eine Rolle.
1851/52 reisten etwa 4.200 schleswig-holsteinische Auswanderer allein über den Hamburger Hafen aus. Nach dem deutsch-französischem Krieg 1870/1 erreichte die Auswanderung ihren höchsten Stand. Zwischen 1871 und 1925 wanderten mindestens 150.000 Personen aus.
In einem Haus in Apenrade befand sich eine private Auswanderungsagentur.

Auszehrung
historischer medizinischer Ausdruck der Abmagerung in Folge "zehrender" Krankheiten (vor allem Tuberkulose = Schwindsucht). Bis ins 19. Jh. galt das für Symptome unterschiedlichster Ursachen. Vor allem Hunger, Mangel an Licht, Luft, Hygiene, Kleidung und Wärme. Forderten mehr Opfer als Kriege.

Automobile
Bis 1903 war seit 1885 das Fahren mit durch eigene Kraft betriebenen Fahrzeugen auf den Straßen verboten. Das galt aber nur für dampfgetriebene Fahrzeuge.
1899 gab es erste Flensburger Automobilisten. Sie hatten von Anfang an Kennzeichen.
1909 waren im Landkreis Flensburg 25 und im Landkreis Schleswig 20 Automobile zugelassen. Erfasst waren sie im Deutschen Automobil-Adreßbuch. In der Dunkelheit durfte ein Automobil nicht die Geschwindgkeit eines in gestrecktem Trab befindlichen Pferdes überschreiten. (ca. 15 Km die Stunde). In Quern durfte nicht schneller als 10 Km/Std. gefahren werden.
Bei Begegnungen mit Pferdefuhrwerken musste das Auto 20 m davor anhalten (in Quern 100 m davor).
Zum Fahren benötigte man eine Lenkerlaubnis und eine Zulassung für das Auto. Teilweise wurde die Zulassung nur für bestimmte Straßen erteilt.
Privatwagen galten als Luxusautos und mussten eine Steuer entrichten. Beruflich und geschäftlich gefahrene Autos waren steuerfrei.
Am 11. 9. 1905 wurde der Flensburger Automobilclub gegründet, der erste in Schleswig-Holstein.
Einen ersten motorisierten Omnibusverkehr gab es 1906 in Angeln. Der "Blaue August" fuhr linienmäßig von Süderbrarup - Arnis - Ekenis nach Boelschuby. Der eigentliche Durchbruch motorisierter Bussverbindungen kam aber erst in den 20er Jahren.

avunculus
(lat.) Onkel (Bruder der Mutter).

avus (avia)
(lat.) Großvater(-mutter).